(Vom 21/11/2005)

Du bist verrückt – und ich eine weise Frau…
Dichtes, weißes Haar fällt auf Deine Haut.
Du sprichst zu einem alten Traum – ich halte Deine Hand.
Deine Lippen sagen:

"Nimm’ mich mit, Du Traum" – und ein Blick zu mir:
"…und Du kommst mit – nicht wahr, meine Frau?"

Ich küsse Deine Hand und frage:
"Ist es schon soweit, mein Schatz?"
"Meine Träume sagen ‘Ja’…"

Das Bild unserer Kinder – unserer Kindes Kinder – versprechen mir, dass wir auch noch hier weiterleben, wo Bäume, Flüsse und Augen weiter von Milch und Honig reden. Der Staub der Bücher vernetzt sich zu Morgentau, als ich unsere alte Decke aus der Kammer hole. Weißt Du noch? Mit ihr hast Du uns in unserer Hochzeitsnacht zugedeckt und mit mir das Universum und seine Wunder mit leuchtenden Augen immer und immerwieder neu entdeckt…

Ich lege mich zu Dir hin – Dein Herz schlägt schwach; Deine Träume flüstern viel zu lebhaft, viel zu wach. Meine alte Wange auf Deiner fahlen Brust – noch immer riechst Du nach Heimat, wie am ersten Tag, als ich Deinen Duft vernahm – weißt Du noch? Als ein gutmütiger Postbote einem aufgeregten Mädchen ein Paket übergab… Dein Hemd roch nach Güte, Liebe und noch viel mehr – noch viel mehr als nur Heimat, Iran und das kaspische Meer…

Du hältst inne, Deine Lippen reden nicht mehr zu unser’n Träumn’, sondern nur zu mir, Deiner alten Frau: "Ich bin so dankbar, dass ich Dich nicht überlebe. Und noch dankbarer, dass Du mich nicht überlebst, meine Frau…". Du küsst meine Hand, lächelst und schläfst mit mir ein – gen unsere Träume – denn dort sind wir endgültig frei…