(Vom 09/12/2004 )
~*Die Musik dazu: Axiom of Choice – Chaos of Paradise.mp3*~
Ihre Füße taten weh. Damenhafte Stöckelschuhe waren einfach nichts für sie. Und dieser Rock. Viel zu kurz. Alles ganz und gar nicht ihr Stil. Sie bückte sich, um ihre Pumps – oder wie diese frauenverachtenden Klötze auch immer hießen – wutentbrannt auszuziehen. Fluchend verlor sie ihr Gelichgewicht, so dass ihr Lebensgefährte sie stützen musste, dessen einzige Sorge darin bestand, ob die feine Partygesellschaft das peinliche Verhalten seiner Gefährtin sah oder nicht.
"Schatz, stell’ Dich doch nicht so an. Kannst Du Dich nicht ein Mal einfach wie eine Erwachsene benehmen?" und schüttelte spöttisch den Kopf.
Ihre kleinen, vollen Lippen formten schon ein "Arschloch", als sie beschloss, kein Wort mehr für diesen Voll-Spießer á la Karriere-Trottel zu verschwenden. Sie drückte ihm heftig sein "Geschenk" in die Hände und sagte barsch: "Lauf’ Du doch mit denen rum! Das würde Dein Spießerdasein um Einiges interessanter machen!", schnaufte nocheinmal und rannte davon – ständig behindert von diesem viel zu engen Rock.
Es regnete warm. Sie sollte besser nach Hause gehen. Aber allein der Gedanke an die routinierten Berührungen ihres Gefährten Bernds, seine Spießer-konformen, monotonen Rein-Raus-Aktionen, die Art, wie er desinteressiert in seine scheiß Börsen-Zeitung glotzte, wie er jeden Funken an Romantik durch seinen von ihm so gepriesene analytischen Verstand zerschlug und wie er immer nur merkte, wenn sie zunahm – aber nie, wenn sie strahlte – machte sie krank. Einfach krank!
"Nein! Heute gehe ich nicht nach Hause!", beschloss sie energisch – und das Tempo ihrer Schritte beschleunigte sich wieder.
Wie lange sie schon so durch die dunklen Gassen ging, wusste sie nicht. Doch sie genoss jeden barfüßigen Schritt. Sie blieb kurz stehen, um ihre Füße in der matschfreien Fütze zu baden, als sie plötzlich Musik aus der Seitenstraße hörte. Es war sehr undeutlich, aber sie schloss die Augen, um die unvollständigen Töne in schemenhafte Melodien zu vervollständigen. Es klang orientalisch, das verrieten ihr die halben Töne und der herausfordernde Rhythmus. Wie sehr sie sich nach dem Orient sehnte. Bei Bernd, ihrem Snob, hatte sie fast vergessen, dass sie eine Frau aus dem Orient war. Eine voller Leidenschaft und Glut in allem, was sie tat und fühlte. Das war der Teil in ihr, der immer einsam war und nie ein Echo fand – schon gar nicht bei Bernd.
Die Musik zog sie an. Sie ging, wie in Trance und nicht mehr Herrin ihrer Sinne, in die Seitengasse hinein. Nach jedem Schritt, der sie näher an diese Musik ihrer fernen Sehnsüchte brachte, fingen ihre weiblichen Hüften an, sich selbständig zu machen und kaum merkbar zu bewegen. Alles in ihr wurde mit einer angenehmen Wärme begossen.
Plötzlich sah sie sich in diesen Raum reingehen, es duftete nach Apfeltabak & orientalischen Gewürzen. Die Menschen waren laut und tanzten im Rausch des Weines und ertrunken im Duft der Jasmin auf dem Schweiß der Frauen. Sie fiel nicht auf mit ihren pechschwarzen Haaren und ihren Hüften, die sich nun schon lebhafter mit dem Rhythmus unterhielten.
Wo war sie bloß gelandet? Sie sah im Schleier des Rauches eine Frau tanzen. Sie schwebte, neckte die Luft mit ihren Hüftschlägen, so dass der Rauchschleier eine sie umarmende Silhouette um ihren kurvigen Körper bildete – schnell schlug sie ihre Hüften und blieb dabei dennoch so weich wie eine Welle auf der Haut des Geliebten, der sie atemstockend beobachtete. Diese Frau war wunderschön. Sie hatte volle Brüste und eine schmale Taille die ihren steilen Weg zu ihren leidenschaftlichen Hüften zu wandern schien. Ihre Augen waren groß, feuerfunkelnd und mandelförmig und ihre Augenbrauen so stolz geschwungen wie aus den großen, kalligrafischen Schriften, die sie leider nicht mehr lesen konnte. Wie gerne hätte sie sie einmal berührt. Der Wunsch verwirrte sie – der nackte Wahnsinn, in dem die Tänzerin tanzte – wie eine gepeitschte Geliebte der Rhythmen – entlockte in ihr den Wunsch, sich auch diesen mächtigen Rhythmen hinzugeben.
Ohne zu merken wie, tanzte sie immer deutlicher in Richtung dieses erhitzten Paares. Der Mann interessierte sie nicht, obwohl er sehr schön war. Sein Körper schien geschmeidig und dennoch gestählt. Die Oberarme deutlich, seine Hände groß und besitzergreifend. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er die Kontrolle über seine Lust verlor und dem Rhythmus seine Geliebte wegreißen würde…
…aber noch hatte sie Zeit und wollte die Gelegenheit nutzen, der Tänzerin eine würdige Anbeterin zu sein.
Sie kam ihr immer näher. Rauch, Jasmin, Wein, gellendes Gelächter – die Welt um sie herum und das dumpfe Licht ließen alles so surreal erscheinen. Sie kämpfte so sehr – doch ihre Sinne kapitulierten, der Rhymthmus hatte sie gedrosselt. Ihr Körper unterwarf sich. Er war Sklaven der schlagenden Trommeln.
Die Tänzerin bemerkte sie. Aus ihrem Tanz herausgerissen, fielen ihre großen, dunklen Augen auf die Fremde und musterten sie bewundernd. Sie hatte sofort gemerkt, dass sie sich dem Wahnsinn hingegeben und Vergessenes neu erweckt hatte. Sie sah die Fremde so fordernd an, dass sie nicht mehr anders konnte, als ihr ganz nahe zu kommen. Lange schauten sie sich im Delirium ihrer gegenseitigen Bewunderung in die Augen, bevor die Tänzerin ihren Körper herantastend an den ihren schmiegte, so dass sie sich noch nicht ganz berührten, aber die Hitze mit aller Macht für eine Verschmelzung kämpfte. Ihre großen Brüste berührten die Spitzen ihrer – beide schrien im Tanz und schmiegten ihre Körper wie ineinandergegossenes Gold aneinander und bewegten sich wie eine fliehende Schlange im Wüstensand. Die Tänzerin packte die Taillie der Fremden und zog sie an sich, um ihren Hals besser riechend erforschen zu können… Große Augen, wie die Ihren, sahen sie lustgepeinigt an, sie schlossen sich und ein kleiner, voller Mund öffnete sich und flehte um Befreiung… Sie roch den Atem der Tänzerin und ihre Zungespitze, die sich noch nicht ihrem geöffneten Mund hingeben wollte, sondern ihre Lippenkonturen mit ihnen nachmalte. Die Fremde stöhnte auf, so sehr litt sie. Wie lange musste sie noch warten, um ihre Zunge in sich aufnehmen zu dürfen? Geknechtet und machtlos gegenüber dieser Folter, merkte sie erst sehr spät, dass die kräftigen Hände, die sie vorhin nicht all zu sehr beachtete, ihre Brüste von hinten erst vorsichtig, dann fester packten. Ihr tanzender Hintern schmiegte sich wie von selbst an die schon harte Männlichkeit des Geliebten der Tänzerin. Sie hielt die Luft an bei dem Schock und spürte plötzlich die peitschende Zunge der Tänzerin in sich… Sie schmeckte wie süßer, nasser Samt, ihre Hände hielten ihr Gesicht, der Geliebte der Tänzerin presste sein Unterleib an ihren Hintern immer fester, seine Hände krallten sich in ihre Brüste, als er ihr in den Nacken biss. Als sie aufschrie, lachte die Tänzerin laut und küsste ihren Bauch, während sie zu ihr aufschauend keinen Atemzug lang ihren Blick von dem ihren abließ. Sie streichelte ihre Innenschenkel erst zart, dann gierig nach oben, schob ihre Hand zwischen ihren Slip und berührte sie an der pochenden Stelle. Die Fremde stöhnte laut auf & griff in die Haare der Tänzerin – und wäre vor Lust zu Boden gefallen, wenn sie nicht fest und sicher am Körper des Geliebten gepresst gewesen wäre, der ihr von hinten seine Forderungen mitteilte und ihre Lust noch steigerte. Lustlavinen aus ihrem Unterleib wurden von den Händen und der Zunge der Tänzerin durch ihren Körper gebebt, so dass sie die Kontrolle verlor und aufschrie… Und nochmal aufschrie und immerwieder aufschrie, hin und her geschmissen vom Rhythmus, der sie auslachte… in Besitz genommen von diesem kräftigen Mann, der auf sein Recht wartete… geliebkost von dieser feuerfunkelnden Tänzerin…
Sie sank erschöpft in sich zusammen.
Der Geliebte legte die Fremde auf die Couch im Trubel der Feiernden und fuhr mit seiner Fingerkuppe über ihren erschöpften Körper. Sein Finger wurde sogleich von seiner Tänzerin geschickt in ihren Mund entführt und ins Hinterzimmer gelockt. Dort führten sie das Spiel des Feuers weiter…
Die Fremde lag da. Gar nicht mehr so fremd und so sehr bei sich und ihren Sehnsüchten zu Hause, wie noch nie zuvor und schlief den Schlaf der Berauschten und Seligen.
Im Morgengrauen klirrte ihr Schlüssel an ihrer verhassten Haustür. Bernd saß mit seiner Zeitung am Frühstückstisch. Er schien nicht einmal bemerkt zu haben, dass sie die Nacht über fort war.
"Bernd, wir müssen reden.", sagte sie in einem so klaren Ton, der sogar ihn aufweckte. Er sah zu ihr auf.
"Ich weiß wieder, wer ich bin und was ich einst vom Leben wollte…", begann sie das Gespräch. Und zum ersten Mal merkte Bernd, dass seine Gefährtin weit weg war, und er ihr emotional niemals genügen könnte. Sie war einfach zu viel für ihn.


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Diese Musik in meinen Ohren, der Apfeltabak in meiner Nase, die Szene vor meinen Augen, bin ich betäubt, erregt, ist es auch fast zu viel, für mich; taumel ich heute eh schon von einem virtuellen Höhepunkt zum nächsten.
Wenn “man” sich nur so gehen lassen könnte, wie in dieser Geschichte, die erotische Anziehungskraft als Schlüssel benutzend, in andere Welten zu gelangen, sich zu verbinden mit anderen Seelen, deren Namen wir nicht kennen brauchen, weil die Seele keine Name kennt.
Kein billiges Gerammel, sondern pure Sinnlichkeit. Du glaubst, ich verstünde was von Erotik und das gefällt mir. Sehr. Dass du das glaubst.
Es ist eine Kunst, die ich noch nicht beherrsche, da ich noch nicht gelernt habe, mich vollkommen hinzugeben. Aber ich entdecke mich…in ihr. Ich bin da eine Frau, von der Freundinnen meinen, ich sei ein Mann, was Sex angeht, weil ich so offen damit umgehe, so schamlos, Tabus ansprechend, Dinge ausprobierend, die andere Frauen sich nicht einmal trauen zu denken.
[Momentan glaube ich eh, ich wäre die geborene Hure, wenn ich mich in meinem Körper noch wohler fühlen würde]..Aber genug der Selbstschmeicheleien.
Um noch einmal auf deine Geschichte zurückzukommen:
Du hast die erotische Fantasie einer Frau wie es zwischen zwei Frauen sein könnte, so vollkommen beschrieben; der Mann spielt nur die Nebenrolle hier.
Vor allem aber gefällt mir, deine Verbindung von Qual und Lust, das ist es, was ich versuchte zu artikulieren, beides liegt so nahe beisammen!
Sich hinzugeben: Haben wir diese Fähigkeit verloren, weil es niemanden mehr gibt, der unterwerfen will oder ist es die Angst davor, sich verletzbar zu machen?
Ob nun dieses oder jenes oder eine Mischung aus beiden oder auch keines von beiden: Wir verlieren [uns] nur in dem Bestreben der Reduzierung unserer Selbst, als rein analytisch, rationale Wesen und unserem Irrglauben, nur das Schöne/Sanfte/Liebevolle sei gut und das Rauhe/Gefährlich/Fordernde sei abzulehnen. Vortrefflich und symbolisch in Bernd dargestellt, der antithetisch steht zur orientalischen Sinnlichkeit.
Ach-Hach- Hast du-mehr davon?
Ach, das ist toll, Deine Meinung zu hören! Ich bin mir sicher, Du verstehst etwas von Erotik. Weil dafür muss man sich nicht immer hingeben können, man muss nur bestimmte Arten von Fantasien haben können, die sich andere nicht erlauben. Und ich denke, das ist bei Dir so. Außerdem wirkst Du auf mich generell sehr sinnlich. Das haben Künstler aber so an sich.
Ich habe leider keine öffentlichen erotischen Geschichten mehr. Seit ich verheiratet bin, bin ich da etwas strenger zu mir geworden. Wie würde sich das denn “anhören”, wenn ich dann solche Storys schreibe? Die meisten würden doch direkt denken, dass mich mein Mann nicht erfüllt. Das ist einwenig schwer, soetwas als Iranerin dann weiter fortzusetzen. Mit erotischen Geschichten kann ich also leider nicht mehr dienen. *seufz*
Ja, Hingabe und Qual. Das gehört für mich wirklich dazu. Ohne Schmerz, Demütigung, Herrschen ist Sex nicht das, was uns alle “mitreißt”. Dieser Machtkampf gehört dazu. Ich glaube, die weibliche Sexualität liebt es, sich irgendwann zu ergeben – und die Männliche liebt es, irgendwann zu beherrschen. Deshalb habe ich es letztens sehr gut verstanden, als Du meintest, Sex habe immer etwas Aggressives an sich. Ich denke das nämlich auch, aber ich höre ja immer von jedem ein “Neeeein, was hat denn Sex damit zu tun! Oh mein Gott… Wie pervers!”
Ich denke, das Unterwerfen ist für Männer unseres Kulturkreises übrigens einwenig schwieriger. Sie assoziiere das oft mit Respektlosigkeit gegenüber der Frau. So in ganz krassen Fällen sagen sie sich, das kann man nur mit Bitches machen oder mit “Huren”. Das ist in deutschen Beziehungen etwas entspannter. Das kann ich mit keiner Studie und keinem Experiment belegen, das ist nur eine alltagspsychologische Schlussfolgerung, die natürlich total für’n Arsch sein kann. Falls Du also auf orientalische Männer stehst, könnte bei denen dieses Problem aufkommen, dass sie vor einer Frau, die sie tatsächlich auch längerfristig haben möchten, viel mehr Respekt haben und Du diesen Respekt als zuviel Wunsch nach Nähe empfindest und dann dicht machst.
Nur so eine Idee. Hach, danke Mary.
Mary, noch eine andere Sache, auf die ich gar nicht eingegangen bin, obwohl sie mich fasziniert hat: Du als perfekte Hure. Hör mal, ich weiß nicht, warum das so ist, aber Huren… haben in meinem Kopf und in meiner Fantasie eine heilige Rolle im Geschehen der Welt. Ich kann’s nicht beschreiben, aber es ist so, als würden sie den ganzen “Schmutz” und die “Gewalt”, die in Männern ruht, abfangen. Natürlich ist das realistisch vermutlich nicht so, aber dieser Gedanke hat mich immer fasziniert und zutiefst bestürzt.
Es gab eine Hure, sie nannte sich voller Stolz so. Sie hatte einen Blog “Lady Marguerite”. Sie war Hure mit Herz, das heißt, das, was sie tat, tat sie gerne. Sie wollte Liebe geben an einsame Seelen, sie wollte es wirklich. Sie nahm nicht jeden, das hatte sie nicht nötig. Aber sie gab, wem sie geben konnte und den sie als wertvoll genug ansah, um ihre Liebe zu bekommen.
Wir hatten einwenig Kontakt zueinander, aber von heute auf morgen war sie fort. Sie und ihr Blog. Ich denke heute immer noch an sie. Eines meiner Bilder war damals für sie. Ich hab’ sie wirklich geliebt. Sie fasziniert beobachtet, irgendwie zu ihr aufgeschaut. Und Mary, einen Schreibstil hatte sie. Einen Schreibstil hatte sie…. Huren haben soetwas Weises an sich. In meiner Fantasie. In Wirklichkeit kannte ich nur zwei. Aber ich liebte sie.
Das war für sie. Ein schlechtes Bild, aber es war für sie.
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“Ich denke, das Unterwerfen ist für Männer unseres Kulturkreises übrigens einwenig schwieriger. Sie assoziiere das oft mit Respektlosigkeit gegenüber der Frau. So in ganz krassen Fällen sagen sie sich, das kann man nur mit Bitches machen oder mit “Huren”. Das ist in deutschen Beziehungen etwas entspannter. ”
Fürn Arsch oder nicht, zu so einer ähnlichen Schlussfolgerung bin ich auch gekommen. Orientalische Männer haben oft ein unerträglich klebrig-romantische Vorstellung von Sex und werden entgegen gängigen Klischeevorstellungen eher weich und anbetend, wenn es ums Bett geht. Außerhalb mögen sie vielleicht Macho-Arschlöcher sein, aber wenn es um Erotik geht, schmeißen sie vor einen hin, wollen einem die Füße küssen und ihrer Angebeteten unbedingt beweisen, was für tolle Hengste sie sind, dabei vergessend, dass wir keine Stuten sind.
Das ist jetzt sehr pauschalisiert, aber deckt sich mit deiner Aussage.
Ich begehre nicht unbedingt den orientalischen Typ, im Gegenteil, hat es dieser wohl tendenziell schwerer; du weißt schon, bin ein gebranntes Kind.
Schade, dass Lady Marguerite ihren Blog nicht mehr hat, ich hätte gerne Anteil gehabt, an ihren Gedanken und ja- ich kenne diese romantisierte Vorstellung von der Macht, Weisheit und Menschlichkeit, die einer Hure innewohnen kann.
Meiner Meinung nach kann man Liebe jedoch nicht verkaufen, eine Illusion von Liebe und ein Hauch von Zärtlichkeit.
Eine gute Hure ist [nach Marys Vorstellung] eine gute Therapeutin. Eine Sextherapeutin, die es mithilfe der körperlichen Nähe schafft, die Leere des Kunden zu füllen, ihn dort zu berühren, wo niemand sonst hingelangt, ihn dort zu kratzen, wo es die ganze Zeit juckt, ihm zu ermöglichen Wünsche zu äußern, ohne Angst zu haben, abgelehnt/ausgelacht zu werden. Vielleicht hat sie auch etwas von einer Mutter, die dem Kunden das Gefühl vermitteln kann, die Welt sei heile, für diesen Augenblick.
Das Geschäft ist ehrlich-meist. Es ist nicht so verschwommen,wie in vielen Beziehungen. Unehrlich wird es nur, wenn du versuchst Liebe zu verkaufen, denn Liebe ist unverkäuflich.
Mensch… war das kitschig-aber ich glaube daran!
P.S. Die Edit-Funktion ist Super-toll!!! Will ich auch.
Ein schlechtes Bild? Finde ich nicht, was würde ich geben, wenn ich so zeichnen könnte! Sie sieht aus wie die Protagonisten aus eben dieser Geschichte hier. Die Brüste sind übrigens der “Hammer”.
Oh oh mein Gott, mit Unterwürfigkeit des Mannes im Bett, da käme ich 0 mit klar, Abturn pur für mich. Ich werde gerne besiegt und erobert. Bummbaffbumm!
Ja, Lady Marguerite hättest Du geliebt, Mary. Das weiß ich. Und ich finde übrigens, dass eine Hure nicht gut sein muss. Es ist überhaupt schlimm genug, dass es viele Frauen gibt, die meinen, diesen Job tunzu müssen, weil sie keine andere Wahl haben. Und schlimm genug, dass es für Frauen immer den Weg gibt, auf diese Weise Geld zu verdienen, wenn sonst nichts geht. Dass es eine Gesellschaft gibt, die es möglich macht, dass Männer ihre Machtwolllust durch Bezahlung ausleben, ihren Sadismus, ihre dunklen Neigungen des Sadismus… Alles auf diese Frauen. :(
Ich will keine Schuld absprechen oder welche weitergeben. Aber es ist schon so, dass Frauen irgendwo mitmachen. Sie machen mit, wenn sie unter Emanzipation verstehen, was sie gerade oft verstehen. Langes Thema. Neues Thema. Bald gibt’s auch sicher dazu einen sinnlosen Blogbeitrag von mir. Manchmal hasse ich es, dass ich schreibe.
Ja, die Brüste. Ich liebe Brüste. Und ich verstehe Dich nicht, ich finde Deine Kunstwerke toll.
Bummbaffbumm! :D Sehr gut. Ich habe sehr lange gebraucht, um festzustellen, dass das auch für mich gilt.
Ich finde auch nicht, dass eine Hure gut sein muss, sie kann, sie muss nicht. Auch eine Bäckerin muss nicht gut sein, aber es wäre schöner/leckerer, wenn sie es wär.
Und viele sind sicher nicht Hure geworden, weil es schon immer ihr Herzenswunsch war. Das geht dem Bankangestellten aber sicher nicht anders oder dem Börsenmakler, der Klofrau, der Aldi-Kassierin. Sicher hat niemand von ihnen seinen Berufswunsch damals mit funkelnden Augen in die Poesiealben geschrieben.
Sie alle verkaufen sich, ihre Arbeitskraft, jeden Tag, der einzige Trost, den sie haben, ist das ihr Beruf anständig wäre, wobei ich mich frage, wie man das definieren möchte.
Ich will und habe auch gar nicht geleugnet, dass unsere Vorstellung idealistisch ist und der Alltag sicher meist ganz anders aussieht. Aber ich glaube in keinem anderen Beruf wie der Prostitution kursieren Mythen in allen Formen, Farben, Extremen nach oben und unten. Da ist die Nymphomanin, die Missbrauchte, die Drogenabhängige…immer sind es schillernd tragische Gestalten. Dass sich eine Frau gedacht haben könnte: Warum sollte ich kein Geld dafür bekommen, dass ich Männern Lust zu bereite, anstatt mich umsonst ficken zu lassen und am besten noch die kostenlose Putze dazu bin, auf solche Ideen kommen wenige, dass es tatsächlich eine Arbeit sein könnte, wie jede anderen auch, wenn die Gesellschaft diesen Beruf doch achten könnte und nicht der Gedanke kursieren würde, Huren könnte man benutzen, wie dreckige Handtücher.
Was stört dich denn am Sadist, wenn er sich sein Vergnügen kauft, wie alle anderen Männer auch? Die Hure wird/sollte es nur anbieten, wenn sie Masochistin ist. Und auch hier gilt: Sie bekommt Geld für etwas, was ihr im besten Fall Spaß macht, im allerbesten Fall sogar Erfüllung bringt. Welch anderer Beruf kann da mithalten?
[Ich bin mir bewusst, dass das jetzt wie ne billige Anwerbung für die Prostitution klingt, und dass vieles auch ganz schief läuft, WIRKLICH tragisch ist. Aber nicht nur in diesem Beruf. Da ist ganz viel künstliche Aufbauscherei dabei]
Den Hass auf das Schreiben, das oft genug nur ein billiger-schlecht kaschierter Versuch- erscheint die Leere in einem zu füllen, die Einsamkeit mit dem Wort zu überwinden, wieder ein Teil zu werden, von einem großen Ganzen, es mit Worten bezahlen, es sich verdienend, den kenne ich allzu gut.
Oft genug erscheine ich mir dadurch noch jämmerlicher, weil ich es nicht schaffe still zu sein.
In diesem Sinne: Es leben die Brüste, die schönen! M
Das, was eine Hure leistet, kann man nicht mit der normalen Arbeitskraft in der Bäckerei vergleichen, Mary. Eine Bäckerin wird nicht Drogen konsumieren müssen, um mit ihrem Beruf klar zu kommen. Auch wird sie nicht alkoholsüchtig, allessüchtig, ohne soziale Kontakte außer ihren Freiern und Zuhältern enden. Sie wird sich nicht täglich dafür hassen, dass sie tut, was sie tut, sie wird nicht durchschnittlich 3-4 Suizidversuche in ihrem Leben durchmachen, um dann am Ende doch wieder das Gefühl zu haben, dass sie nichts anderes kann, als das Erfüllen von Männerfantasien, vor denen sie sich über die Maßen ekelt. Die Edelhure, die das gerne tut, die ist wirklich in der Minderheit; und die sollen tun, wozu sie wirklich Lust haben. Der Alltag einer “normalen” Hure jedoch sieht anders aus. Und das ist diesmal kein Mythos, sondern das sind harte Fakten.
Was mich am krankhaften Sadisten stört, kann ich Dir sagen. Der Sadist geht niemals zu einer “normalen” Hure mit einem Arbeitsplatz im Puff, wo Aufsicht da ist und man auf die Mädchen in irgendeiner Weise achtet. Er geht dort, wo die Prostituierten am Bahnhof stehen und sich anbieten, weil sie ihren nächsten Schuss brauchen, um zu überleben. (Den sie wiederum brauchen, weil sie ihren Alltag als Hure nicht ertragen, aber nicht anders überleben konnten, als sie ausrissen aus ihrem Leben). Sadisten gehen zu diesen Mädchen, die für 10 Euro alles mit sich machen lassen, weil sie gar keine andere Wahl haben. Immer mit dem Wissen im Hintergrund, dass der Peiniger / Freier sie auch gar nicht bezahlen muss oder sie aus reiner Lust heraus auch umbringt. (Kommt sehr oft vor. Eben bei diesen Sadisten.)
Da gibt es viele Dinge, die mit ihnen geschehen, ich zähle einige mir sehr bekannte auf:
- Penetrieren mit einem scharfen Gegenstand
- Anzünden des Analbereiches
- Fisting (hält nicht jede Frau aus)
- Würgen beim Penetrieren. Manche sterben daran
- Töten, um Nekrophilie ausleben zu können
- Heftige Vergewaltigungs-”spielchen”, bis zu inneren Blutungen
Die meisten Menschen leiden enorm unter solchen Schmerzen. Und davon auszugehen, dass die Huren, die soetwas – ausversehen od. hinnehmend – zum Freier haben, ja dafür bezahlt werden und das deshalb gut aushalten, ist falsch. Du kannst Dir nämlich hier zu fast 100% sicher sein, dass diese Mädchen etwas anderes tun würden, wenn sie das Gefühl hätten, sie könnten. Prostitution in dieser Art ist immer noch ein Zeichen dafür, dass in dieser Gesellschaft etwas nicht funktioniert. Und ein Beweis für ein noch immer tief patriarchalisches System.
Ich kann diese Frauen nicht verachten, so wie andere Frauen das gerne tun. Ich habe den großen Wunsch, sie aus der Scheiße rauszuholen, aber sie haben so eine krasse Resistenz gegen “Hilfe”, das glaubt man kaum. Erlernte Hilflosigkeit. Sich nicht einmal dann retten, wenn es objektiv eine Möglichkeit dazu gibt, sie aber nicht wahrnehmen, weil man bis dahin die Erfahrung gemacht hat, dass mit einem gemacht wird, was andere wollen. Egal, was man tut: Es bringt nichts. So denken diese Menschen.
Liebe Sherry, ich stimme dir in so vielem zu, eigentlich sind wir uns wieder einmal einig, nur unsere Perspektiven unterscheiden sich ein wenig.
Für mich stehen diese bedauernswerten Geschöpfe, mit ihrem radikalen Wunsch nach Selbstzerstörung, ihrer erlernten Hilflosigkeit, ihrer Selbstverachtung im Mittelpunkt des Problems [und natürlich die kranken Geister, die diesen Umstand ausnutzen], nicht ihr Beruf, als Prostituierte, wenn man das überhaupt noch Beruf nennen kann.
Die an ihnen betriebene Ausbeuterei ist lediglich ein Symptom. Gäbe es diese Möglichkeit nicht, dann würden sie einer anderen nachgehen.
Wichtig wäre doch zu wissen, wie es dazu kommt, dass ein Mensch sich so aufgibt, dass er anfängt Drogen zu nehmen….
Diese Antwort liegt meiner Meinung in der Gesellschaft, es ist ein soziales Problem, die Prostitution per se dafür verantwortlich zu machen, fände ich zu einfach.
Der Sadist…wer ist denn der Sadist. Und wie kannst du wissen, dass er nicht auch auf faire Weise seine Neigungen auslebt? Du beschreibst eher einen sadistischen Psychopathen als einen Mann mit sadistischen Zügen. Sicher gibt es da Abstufungen und das Grauen, das dir in deinem Studium begegnet, das ist der Abschaum, das Traurigste, was unsere Gesellschaft abwirft.
Dir begegnen Extremfälle, in denen andere Geschichten, normalere, kaum/keinen Platz mehr haben.
Alles, was du beschreibst, meine Liebe, ist schrecklich und sollte nicht sein, unserem Empfinden nach. Beim Gedanken, dass einer meiner Töchter so ein Weg bevorstehen könnte, könnte ich wahnsinnig werden und auch der Gedanken an all die kleinen Mädchen, die nie die Chance bekamen sich selbst zu lieben, sich etwas wert zu sein, deren Seele schon lange getötet würde, auch dieser Gedanke reicht locker, um durchzudrehen oder sich endgültig von seinem Mitgefühl befreien zu wollen.
Nicht sie sind krank, sie sind ein Produkt unserer kranken Gesellschaft, sie wurden kaputt gemacht. So ist das. Und mit Prostitution [an sich] hat das wenig zu tun.
Wie weit wir von deiner 1001 erotischen Nachtgeschichte abgekommen sind….
Morgen, liebe Mary…
Das Problem mit den sadistischen Zügen ist, dass es sich da um jemanden handelt, der anderen gerne Schmerz zufügt und dass gerade hier die Schwelle der Befriedigung immer kleiner wird. Das ist nichts, was man auf Dauer wirklich kontrollieren kann. Ich rede nicht von dem “erlernten Sadismus” in der SM-Szene, in der sich Sadisten auch einmal in die andere Rolle fügen, um zu sehen, was Sache ist, sondern die, die da einen echten Trieb empfinden. Und das sind nicht wenige, die dann zu Prostituierten gehen.
Das mit den Drogen fängt nicht “zuerst” an. Manche fangen an, sie zu nehmen, damit sie diesen ekelhaften Job überhaupt überleben. Oft wird diese Arbeit auch nicht als “freiwillig” empfunden. Manche sprechen von Lebenssituationen, die man nicht anders in den Griff bekommen hat, weil man doch sowieso nichts Anderes kann (und dazu gehört tatsächlich auch, einfach zu putzen, weil das zuwenig Geld bringt), andere wiederum wurden von Menschenhändlern abgeschleppt, mit Drogen gefügig gemacht, erst einmal süchtig gemacht und dann zur Arbeit geschickt.
Man kann bei so einer Lebensgeschichte sagen: Es waren soziale Missstände, das Mädchen hatte keine feste Bezugsperson, sie war rebellisch und wollte auf der Straße leben, das ist richtig. Aber das sind im Verhältnis zu der Asymmetrie zwischen Mann und Frau, und dem noch immer innewohnenden Gedanken, dass man Frauen als a) Sexobjekt sehen kann (betrifft fast jeden), b) als Sexobjekt nutzen kann (Abstufung), c) als Triebobjekt misshandeln kann (sie sind selbst Schuld, wenn sie diesen Beruf machen) noch recht “normale und behebbare” Probleme.
Es ist einfach furchtbar, Mary. Aber die meisten Frauen, die so einen Beruf tatsächlich freiwillig machen würden, das sind ganz andere Arten von Persönlichkeiten als die 0815-Prostituierte. Sie würden sich übrigens auch erst mal in der Pornobranche versuchen, anstatt bei der Prostitution. Ich kann Dir da versichern, dass die meisten (also keine Extremfälle, sondern Normalfall) diesen Job hassen. Und dass die meisten sadistisch tendierten Männer dort ihre Hemmungen immer mehr verlieren und ausleben – und das dass zu Dingen gehört, die nicht einfach kontrollierbarer werden. Natürlich kannst Du mich fragen, woher will ich wissen, dass alle so sind. Das weiß ich nicht. Aber die Mehrheit ist gewichtiger als ein paar Einzelfälle. Die Sache mit der Prostitution ist eben alles, nur kein faires Geschäft.
Übrigens: Soetwas “Harmloses” wie Pornos korreliert mit einer höheren Verbrechensrate gegen Frauen. Da wird zwischen Pornos unterschieden, in denen Frauen tatsächlich auch schlimmer gedemütigt werden und zwischen “normalen Pornos”. Der Effekt bei den Ersteren ist natürlich größer. Aber selbst die normalen Pornos haben so einen. Wir würden niemals sagen: “Ieh Pornos, darf niemand gucken!”, würde ich sogar jetzt noch nicht einmal wirklich “wagen”. Aber der Effekt ist da – und das ist krass. Da will ich erst gar nicht über Prostitution nachdenken.
Um Gottes Willen, denk’ bei dem Thema erst gar nicht an Deine wunderbaren Töchter. Da wird man ja verrückt.
Da hast Du Recht, die Erotik hat uns hierhin gebracht. Aber das ist nicht schlimm! Wir sind Assoziationsmonster. Wir und unsere Gehirne. Wir können hier gerne “schluss” machen, wenn Du magst. Ich rede immer gerne mit Dir.
Ich rede auch immer gerne mit dir, jedes Mal ist es horizonterweiternd-herzbegreifend. Das sind so viele Faktoren und mir fehlt mal wieder tieferes Wissen, um dir antworten zu können. Irgendwann ist es hoffentlich so weit, ich glaube nämlich, dass man die Kausalitäten auch anders anordnen kann. Das Puzzle auch ein wenig anders legbar ist. Es ist schwer zu erkennen, was was mehr bedingt, da eigentlich alles immer in Wechselwirkung steht. Und die größte aller W-Fragen: WARUM?
Und Wo setzt man an?
Nur so viel:Die Form der Prostitution, die du beschreibst, ist kriminell und es sollte Aufgabe des Staates sein, seine Bürger vor solchen Abgründen zu schützen!
Heute riecht es ganz wunderbar hier, was liegt bei dir in der Luft?
Maryam