(Tagebucheintrag vom 17/06/2006 – 04:45)
In einer Zeit, in der Wörter wie Liebe & Freundschaft wie der Körper einer Prostituierten benutzt werden, ist es schwer, zu erkennen, wer wahr ist und wer nicht. Am Ende dieser Reise werden Menschen mit naiven Illusionen & Idealen immer negativ überrascht, aber auch positiv erstaunt. Die gewöhnlichen Romantiker in dieser Erfahrung werden zu besoffenen und liebevollen Zynikern, die von alten Zeiten reden & tief auf den Grund ihres Glases ihre verlorenen Träume zu suchen scheinen (manche nur, um sie zu töten) – die Anderen; die Seelentrinker, werden zu noch größeren, ja verbissenen Idealisten, nur um am Ende ihres Lebens vor dem Lauf der Welt zu kapitulieren. Ich weiß nicht, zu welchen der Beiden ich gehören möchte – aber heute bin ich noch ich. Weniger verändert durch die Hiebe, als ich dachte. Und das stärkt mich.
Dieses Lied “All that remains” hat mich immer so unendlich traurig gemacht. Heute weiß ich, dass das, was übrig geblieben ist, unendlich viel ist: Ihr. Ja, vielleicht seid Ihr gerade einmal eine Hand voll. Man kann mit Euch keinen lauten Party-Saal füllen, aber dafür mein Herz. “All that remains” muss nicht traurig sein. Es kann der größte Schatz der Welt sein, der Dir bleibt; und so war es in meiner Geschichte. Selbst der besoffene Zyniker, der zu tief ins Glas schaut & mich keines Blickes mehr würdigt, besudelt meine Liebe nicht. Er will mir treu sein – und nur deshalb schweigt er. Das verstehe ich jetzt.
Es geht weiter. Irgendwie. Und das, ohne zu sterben.

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