Gewiss, es ist nicht leicht, sich der Vielfalt und Unberechenbarkeit unserer Welt zu stellen. Damit würden wir uns unserer imaginären Macht berauben, die wir meinen, über uns, andere und unserer Umwelt zu haben. Wir würden nachts nicht mehr schlafen können vor lauter Angst, müssten wir auf Zahlen und Fakten verzichten, die uns die illusorische Gewissheit schenken, auf einem festen, prognostizierbaren Boden der Realität zu stehen. Und trotzdem: Manchmal lohnt es sich, kurz aufzublicken und inne zu halten.
Viele denken, wir würden hier in einer Informationsgesellschaft leben. In einer, in der man sich wirklich informieren kann und die Fakten von den Un-Fakten eindeutig unterscheiden kann. Die Aufgeklärten trichtern uns tagtäglich ein, was böse und was gut ist – und was absurd und was seriös ist. Sie erzählen uns etwas von Zahlen, die sich je nach politischer Agenda des Staates ganz heimlich und schleichend verändern und uns sehr raffiniert auf die plötzlich neuen Wahrheiten vorbereiten. Als Eltern merken wir nicht einmal, dass sogar die pädagogischen Institute wie Kindergärten und Schulen ihre Konzepte an die Politik des jeweiligen Landes anpassen. Es wird einfach nur von neuen Erkenntnissen in der Pädagogik gesprochen, denen Pädagogen ohne weitere Fragen Folge leisten. “Man hat jetzt herausgefunden, dass wenn man Kindern Lehrinhalte so und nicht anders vermittelt, das positive Auswirkungen auf dies und jenes hat.” “Okay…”, denken wir uns dann “…wir leben in einer gebildeten, wissenschafts- und technologieorientierten Gesellschaft mit dem Fokus auf Fakten und Zahlen, Statistiken und Daten. Die werden es schon besser wissen.”
In diesen sich ewig faktendynamischen Zeiten, schwirren dann ein paar Weltfremde oder Verschwörungstheoretiker rum, die an Wissen festhalten, die man nach den heutigen Kriterien, die ein Wissen als Wissen definieren, nicht ernst nehmen kann – nein gar darf. Sie sitzen da – fast nutzlos, wie einsam auf einer Bank auf jemanden wartend – und erzählen Dir etwas von Dingen, von denen sie überzeugt sind, die sie aber nicht mit Zahlen und Fakten belegen können.
Die meisten gehen an ihnen vorbei und belächeln sie. Manche lassen noch ihre Arroganz auf sie niederprasseln, die Guten unter ihnen versuchen sie mit ihren unerschütterlichen Fakten und Zahlen zu überzeugen, die sie aus Quellen beziehen, die sie nicht hinterfragen, aber sich sicher fühlen, weil es sich eben um Zahlen handelt.
Ich jedoch will mich zu dem Menschen ohne Zahlen auf die Bank setzen und mit ihm noch einmal kurz auf jene Welt trinken, die außerhalb seiner schlichten Intuition nicht mehr existiert. Wer jedoch den beständigen Lauf seiner Fakten und seiner „realistischen Welt“ verstanden hat, der weiß, dass es nichts Beständiges gibt und dass alles inzwischen von der egoistischen Hand eines Menschen geformt werden kann und – da können wir Gift drauf nehmen – auch wird. Und zum Objekt dieser Manipulation gehören auch unsere auch diese “Fakten”.
Wie dem auch sei. Der einsame Mensch auf der Bank soll heute mein Freund sein. Ich will ihm zuhören und mich mit ihm über die allgemein anerkannten Fakten lustig machen, so wie die ganze Welt sich über ihn lustig macht. Freund, was wissen die schon? Nichts wissen sie, nichts. Sowenig wie wir. Nur sind wir uns wenigstens dessen bewusst, während die anderen weiter Fakten erschaffen gehen.
Viele Stunden später macht mich der Gedanke über eine unsichere Welt ohne die Robustheit einer von Formalisierungen definierten Welt so ängstlich, dass ich abrupt aufstehe und den Freund auf der Bank wortlos verlasse.


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Deswegen sollen und müssen wir unseren Verstand selbst benutzen, immer kritisch, aber wahrheitsgemäß sein, Theorien, Fakten etc. so weit es geht überprüfen, nicht wie ein blindes Schäfchen leben…
Dass die Schulen sich der jeweiligen Regierung anpassen, das ist vollkommen richtig. Es wird damit aber nur dann richtig doof, wenn die Schule den Schülern oder die Universität den Studenten etwas Wichtiges vorenthält… da wird’s dann problematisch.