Vorgestern zwang mich mein Papa zum Fotografen für diverse Passfotos. Nicht irgendwelche Passfotos, sondern die für meinen iranischen Perso – genannt “Kart-e melli”. Als sei ich nicht schon schlecht gelaunt genug gewesen, musste ich mir diese Sache mit dem Kopftuch auch noch antun. Nicht nur, dass sich alles in mir dagegen sträubt, mir ein Kopftuch aufzusetzen – nein: Ich sehe auch noch verdammt dämlich damit aus. Anderen Frauen steht so’n Kopftuch zuweilen, aber wenn man mich damit erblickt, kann man entweder nur lachen oder weinen.
Bevor meine Eltern anklingeln und mich runter zum Auto “pfeiffen”, ziehe ich mir noch schnell etwas an, das nicht so dekoltiert ist, aber eben auch nicht vollkommen zugeknöpft. Ich gehe nämlich davon aus, dass das Kopftuch, das meine Mama meiner Schwester und mir besorgt hat, damit wir das Foto machen, in dem Schnitt ist, wie es die türkischen Mädchen nutzen. Sehr großzügig und weit, so dass es das ganze Dekolté verdeckt. Falsch gedacht.
Beim Fotografen angekommen, bindet meine Mutter mir die Haare zu einem Pferdezopf und legt mir das Kopftuch fast professionell an. Das Erste, worüber sie meckert ist: “Warum hast Du Dir obenrum nichts angezogen, was Dein ganzes Dekolté verdeckt?” Ich fauchte sie in diesem engen Fotografenraum nur noch mehr an: “Was ist denn das bitte für ein Dorf-Kopftuch?” Der Fotograf war auch noch Iraner und hat sich dezent zurückgezogen, damit Mama und ich in Ruhe streiten können. Als ob das nicht alles schon stressig genug gewesen wäre in diesem warmen, engen Raum, musste noch mein Papa reinplatzen und sich auf persisch so laut beschweren, dass ich gleich in den Boden versinke: “Oh Mann, wir sind hier, um ein Foto für Deinen Pass zu machen – einem islamischen Pass! Und was zieht meine Tochter an?”, fragt er den Fotografen? In dem Chaos hört man nur noch ein sehr meckerhaft getöntes “Babaaaaaaaaaa…!” von mir, bis er dann einen draufsetzt: Er zieht sein ungeheuerlich unattraktives, dunkelblaues Jeanshemd aus und setzt es mir vor die Nase: “Zieh’ das an, damit wir die Fotos hinter uns bringen können.”
Ich bin fast umgefallen, so schwer war dieses Hemd. Ich glaube, er hatte sein ganzes Leben darin verfrachtet: Autoschlüssel, Wohnungsschlüssel, Sonnebrille, Brieftasche, Autopapiere, Proviant für 2 Wochen ( für Notfälle wohlgemerkt )und Handy. Ich war so genervt & wollte nur brüllen, dass ich dieses hässliche Ding nicht anziehen würde und dass ich damit aussehen würde wie eines dieser dicken, amerikanischen Frauen, die mit einem dicken Donut auf der Straße rumlaufen – aber Mama zwickte mich in die Taillie – und ich ergab mich.
Also zog ich in dieser Hitze auf meinen so schon zu warmen Oberteil hin dieses grässliche Jeanshemd an, nachdem ich es ca. eine halbe Stunde entleert hatte – das mir zu groß war und nicht tailliert war. Ich sah aus wie eine fette Kartoffel mit Kopftuch, setzte mich auf den Stuhl und schaute den Fotografen mit einem Mörderblick an. Ich sah, wie dieser Typ sich zurückhalten musste, damit er nicht einem Lachkrampf unterlag. Mama und Papa schauten der Szene von der Tür aus zu und ich winkte sie mit einer heftigen Geste dort weg! Wenigstens diesen Lachkrampf wollte ich ihnen nicht gönnen. Als sie sich davonmachten, sah ich in die Kamera. Der Fotograf grinste und sagte: “Junge Frau, warum schauen Sie mich so an? Ich bin doch kein Mullah! Ich kann nichts dafür.” – Ich lachte und zwang mich noch zu einem 1/4 Lächeln und wurde geknipst.
Über das Resultat dieser Aktion will ich nicht reden. Das Foto ist so dermaßen hässlich, dass Papa mir schwören musste, dass er das niemandem zeigt. Er versprach es mir, während er lachte. Er lachte, ohne mir zu sagen, dass das Foto doch gar nicht so schlecht ist – wie er es sonst eigentlich immer tat. Also war da wohl was dran! Ich sah zum Totlachen aus…
Danach fuhren wir zur andren Rheinseite, um Döner zu essen. Warum? Weil Papa der festen Überzeugung war, dass da kein “Gammelfleisch” drin ist in dem Laden. Die Geschichte dazu erzähle ich vielleicht später. Da hat Papa dann wieder den Vogel abgeschossen – ich glaub’s nicht! Auf der Rückfahrt haben wir nur gelacht, weil wir so eine Chaosfamilie sind und wir wirklich überall auffallen. Wir sind nicht wie die anderen iranischen Familien, die einen auf hyper-intellektuell, reich und adelig tun – wir sind, wie wir sind. Und wir sind manchmal laut und lebhaft. Dabei waren meine 2 Geschwister noch nicht einmal dabei. Oh Mann. Ich liebe meine Familie. Sehr…


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den rest kriegst du per pn
p.s. ———–>
Das war HORROR, Schatz. Wenn ich heute daran denke, muss ich ja auch lachen. Aber ich sag’ Dir: Als ich dort war, es war heiß, eng, Papa’s Hemd war – omg! Nein, niewieder. *pn lesen geh*
dorud azize man,
wegen eben traue ich mich schon garnicht, hier zu schreiben. es sollte doch ein schöner neuanfang deiner seite sein und irgendwie ist mein erster beitrag deshalb distanzierter und weniger lebhaft. dafür aber umso mehr der schöne bildstreifen, den du und deine schöne familie mir gegeben habt.
so sâdde (positiv gemeint), so ehrlich und verspielt, so NATÜRLICH und vor allem so HELL.
es war schön dich wieder zu sehen.
du kannst dich wirklich glücklich schätzen so eine coole family zu haben.
Khoda negahdaret-e!
Dorud Kakum
Danke, dass Du mich hier besuchen kommst – Du bist einer der treuesten Seelen, die ich kenne. Ich hoffe, dass Dich die Frau, die Dich eines Tages haben darf, das zu schätzen weiß. Verstehst Du?
Abjit…