(Tagebucheintrag vom 25/04/2006 – 03:43)
Manchmal brabble ich wie ein Wasserfall, wenn ich schüchtern bin. Ich trete einfach meine Hemmungen weg oder überlaute sie damit. Das ist mir am Samstag passiert. Wie ich geredet habe & dabei meinem Gesprächspartner nicht einmal meines Blickes würdigte, war schon phänomenal. Letztendlich konnte ich es nicht einmal unterlassen, diesem zu sagen, er solle mich bitte nicht ansehen. Mir nicht in die Augen schauen. Nach so langer Zeit empfinde ich immernoch Scham. Aber das ist typisch für mich…
Die meisten Menschen halten mich für selbstbewusst. Das bin ich oft tatsächlich. Immer dann, wenn irgendjemand jemanden anfassen will, der zu meinem Nest gehört. Ich habe ein großes Nest. Da sind manchmal auch Fremde willkommen. Nur was ist mit den banalen Alltagssituationen? Komplimente annehmen. Einem durchdringenden Blick eines Freundes standhalten. Die der Feinde zermürbe ich sofort mit einem kalten oder auch heißen Strahl – aber wehe jemand schaut mit Liebe, dann senke ich mein Haupt. Sage meistens nichts. Doch am Samstag sagte ich: "Guck’ mich nicht an." – wie oft eigentlich? Ich weiß es nicht.
Das Leben ist viel zu kurz, als dass man sich etwas vormachen sollte. Niemand von uns ist ohne Fehler, ohne aberwitzigem Glauben, ohne etwas, woran er sich fest hält. Manche dienen Anderen, die Anderen dienen nur sich – dennoch alles eine Form der Sklaverei. Wir sind Sklaven – nur Sklaven sind frei, sagte einst Hafez. Ich wünschte, einige Menschen würden die Tiefe dieses Satzes verstehen. Weißt Du, Gott, Sklaven wissen, dass sie dienen – und nichts weiter. Wir Menschen hingegen denken, wir würden irgendetwas beherrschen, dabei sind wir nur Opfer unserer eigenen Triebe – nicht soviel weniger als die Tiere, wie wir immer denken.
Selbst das Denken ist nur ein Trieb. Ein Werkzeug von vielen Anderen. Wir sind genauso bedeutungslos oder voll wie alle anderen Tiere auf diesem Planeten. Wer sich etwas einredet, macht sich etwas vor.
Ich mache mir seit ein paar Tagen viele Gedanken um den Narzissmus. Viele finden es chique, narzisstisch zu sein – aber es ist eine ernsthafte Krankheit & zeugt von einer verzerrten Selbstwahrnehmung. Der Narzisst, so meint man, liebt sich abgöttisch. Aber das Gegenteil ist der Fall: Der Narzisst konstruiert ein Image, ein imaginäres Wunsch-Abbild seiner Selbst, das er nach Außen hin trägt und je nach Intensität der narzisstischen Störung auch sich selbst einreden kann. Die Differenz zwischen wahrem Ich und dem Wunsch-Abbild sickert aber immerwieder mal ins Bewusstsein & kippt den Narzissten in eine Ich-Krise. Um dieses enorme, Image-zerstörende Ungleichgewicht zu kompensieren, degradiert er Andere und verstärkt seine Selbstdarstellung… Einige enden tatsächlich in eine Psychose, Paranoia oder im Drogensuff. Die Mittel, um das bröckelnde Selbstbild aufrecht zu erhalten, werden nämlich immer radikaler.
Dieses Phänomen kann man oft bei Stars erleben, wobei es sich bei ihnen anfangs um einen "künstlich erzeugten Narzissmus" handelt. Sie fangen erstmla bewusst an, ein Image aufrecht zu erhalten oder zu konstruieren. Befehl vom Management. Die Resonanz auf dieses Image, das aber nicht die wahre Persönlichkeit widerspiegelt, wirft jeden normal-stabilen Menschen in eine Sinn- und Ich-Krise. "Wen genau lieben sie? Mein Image? Oder mich? Und warum bin ich als Ich nicht genauso erfolgreich und liebenswert wie mein Image? Scheiße! Ich muss immer wie mein Image bleiben, sonst liebt mich niemand mehr…" Das traurigste Endprodukt solch’ einer Tortur sieht dann so aus wie Mariah Carey. Ihr Hund ist ihr bester Freund.
Ich weiß auch nicht. Was schreibe ich hier eigentlich? Ich bin doch doof. Und viel zu müde. Es war schön, besoffen zu sein. Aber meine Nächte im Rausch sind immer so unruhig. An Schlaf ist nicht zu denken… Wie dem auch sei, Du Wesen…
Öhm.


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Hey…
es ist recht merkwürdig zu lesen was du schreibst. Ich denke ich habe ein ähnliches Problem, ähm… naja wir könn uns ja mal so unterhalten, wüsste jetzt nicht, was ich hier schreiben könnte, was die öffentlichkeit lesen dürfte.
liebe grüße,
svenja