Archiv für September, 2006
29.09.2006, 14:26
Ganz in weiß (Für Peyman)

(Vom 21/11/2005)

Du bist verrückt – und ich eine weise Frau…
Dichtes, weißes Haar fällt auf Deine Haut.
Du sprichst zu einem alten Traum – ich halte Deine Hand.
Deine Lippen sagen:

"Nimm’ mich mit, Du Traum" – und ein Blick zu mir:
"…und Du kommst mit – nicht wahr, meine Frau?"

Ich küsse Deine Hand und frage:
"Ist es schon soweit, mein Schatz?"
"Meine Träume sagen ‘Ja’…"

Das Bild unserer Kinder – unserer Kindes Kinder – versprechen mir, dass wir auch noch hier weiterleben, wo Bäume, Flüsse und Augen weiter von Milch und Honig reden. Der Staub der Bücher vernetzt sich zu Morgentau, als ich unsere alte Decke aus der Kammer hole. Weißt Du noch? Mit ihr hast Du uns in unserer Hochzeitsnacht zugedeckt und mit mir das Universum und seine Wunder mit leuchtenden Augen immer und immerwieder neu entdeckt…

Ich lege mich zu Dir hin – Dein Herz schlägt schwach; Deine Träume flüstern viel zu lebhaft, viel zu wach. Meine alte Wange auf Deiner fahlen Brust – noch immer riechst Du nach Heimat, wie am ersten Tag, als ich Deinen Duft vernahm – weißt Du noch? Als ein gutmütiger Postbote einem aufgeregten Mädchen ein Paket übergab… Dein Hemd roch nach Güte, Liebe und noch viel mehr – noch viel mehr als nur Heimat, Iran und das kaspische Meer…

Du hältst inne, Deine Lippen reden nicht mehr zu unser’n Träumn’, sondern nur zu mir, Deiner alten Frau: "Ich bin so dankbar, dass ich Dich nicht überlebe. Und noch dankbarer, dass Du mich nicht überlebst, meine Frau…". Du küsst meine Hand, lächelst und schläfst mit mir ein – gen unsere Träume – denn dort sind wir endgültig frei…

(Vom 09/12/2004 )


~*Die Musik dazu: Axiom of Choice – Chaos of Paradise.mp3*~

Ihre Füße taten weh. Damenhafte Stöckelschuhe waren einfach nichts für sie. Und dieser Rock. Viel zu kurz. Alles ganz und gar nicht ihr Stil. Sie bückte sich, um ihre Pumps – oder wie diese frauenverachtenden Klötze auch immer hießen – wutentbrannt auszuziehen. Fluchend verlor sie ihr Gelichgewicht, so dass ihr Lebensgefährte sie stützen musste, dessen einzige Sorge darin bestand, ob die feine Partygesellschaft das peinliche Verhalten seiner Gefährtin sah oder nicht.

"Schatz, stell’ Dich doch nicht so an. Kannst Du Dich nicht ein Mal einfach wie eine Erwachsene benehmen?" und schüttelte spöttisch den Kopf.

Ihre kleinen, vollen Lippen formten schon ein "Arschloch", als sie beschloss, kein Wort mehr für diesen Voll-Spießer á la Karriere-Trottel zu verschwenden. Sie drückte ihm heftig sein "Geschenk" in die Hände und sagte barsch: "Lauf’ Du doch mit denen rum! Das würde Dein Spießerdasein um Einiges interessanter machen!", schnaufte nocheinmal und rannte davon – ständig behindert von diesem viel zu engen Rock.

Es regnete warm. Sie sollte besser nach Hause gehen. Aber allein der Gedanke an die routinierten Berührungen ihres Gefährten Bernds, seine Spießer-konformen, monotonen Rein-Raus-Aktionen, die Art, wie er desinteressiert in seine scheiß Börsen-Zeitung glotzte, wie er jeden Funken an Romantik durch seinen von ihm so gepriesene analytischen Verstand zerschlug und wie er immer nur merkte, wenn sie zunahm – aber nie, wenn sie strahlte – machte sie krank. Einfach krank!

"Nein! Heute gehe ich nicht nach Hause!", beschloss sie energisch – und das Tempo ihrer Schritte beschleunigte sich wieder.

Wie lange sie schon so durch die dunklen Gassen ging, wusste sie nicht. Doch sie genoss jeden barfüßigen Schritt. Sie blieb kurz stehen, um ihre Füße in der matschfreien Fütze zu baden, als sie plötzlich Musik aus der Seitenstraße hörte. Es war sehr undeutlich, aber sie schloss die Augen, um die unvollständigen Töne in schemenhafte Melodien zu vervollständigen. Es klang orientalisch, das verrieten ihr die halben Töne und der herausfordernde Rhythmus. Wie sehr sie sich nach dem Orient sehnte. Bei Bernd, ihrem Snob, hatte sie fast vergessen, dass sie eine Frau aus dem Orient war. Eine voller Leidenschaft und Glut in allem, was sie tat und fühlte. Das war der Teil in ihr, der immer einsam war und nie ein Echo fand – schon gar nicht bei Bernd.

Die Musik zog sie an. Sie ging, wie in Trance und nicht mehr Herrin ihrer Sinne, in die Seitengasse hinein. Nach jedem Schritt, der sie näher an diese Musik ihrer fernen Sehnsüchte brachte, fingen ihre weiblichen Hüften an, sich selbständig zu machen und kaum merkbar zu bewegen. Alles in ihr wurde mit einer angenehmen Wärme begossen.
Plötzlich sah sie sich in diesen Raum reingehen, es duftete nach Apfeltabak & orientalischen Gewürzen. Die Menschen waren laut und tanzten im Rausch des Weines und ertrunken im Duft der Jasmin auf dem Schweiß der Frauen. Sie fiel nicht auf mit ihren pechschwarzen Haaren und ihren Hüften, die sich nun schon lebhafter mit dem Rhythmus unterhielten.

Wo war sie bloß gelandet? Sie sah im Schleier des Rauches eine Frau tanzen. Sie schwebte, neckte die Luft mit ihren Hüftschlägen, so dass der Rauchschleier eine sie umarmende Silhouette um ihren kurvigen Körper bildete – schnell schlug sie ihre Hüften und blieb dabei dennoch so weich wie eine Welle auf der Haut des Geliebten, der sie atemstockend beobachtete. Diese Frau war wunderschön. Sie hatte volle Brüste und eine schmale Taille die ihren steilen Weg zu ihren leidenschaftlichen Hüften zu wandern schien. Ihre Augen waren groß, feuerfunkelnd und mandelförmig und ihre Augenbrauen so stolz geschwungen wie aus den großen, kalligrafischen Schriften, die sie leider nicht mehr lesen konnte. Wie gerne hätte sie sie einmal berührt. Der Wunsch verwirrte sie – der nackte Wahnsinn, in dem die Tänzerin tanzte – wie eine gepeitschte Geliebte der Rhythmen – entlockte in ihr den Wunsch, sich auch diesen mächtigen Rhythmen hinzugeben.

Ohne zu merken wie, tanzte sie immer deutlicher in Richtung dieses erhitzten Paares. Der Mann interessierte sie nicht, obwohl er sehr schön war. Sein Körper schien geschmeidig und dennoch gestählt. Die Oberarme deutlich, seine Hände groß und besitzergreifend. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er die Kontrolle über seine Lust verlor und dem Rhythmus seine Geliebte wegreißen würde…

…aber noch hatte sie Zeit und wollte die Gelegenheit nutzen, der Tänzerin eine würdige Anbeterin zu sein.

Sie kam ihr immer näher. Rauch, Jasmin, Wein, gellendes Gelächter – die Welt um sie herum und das dumpfe Licht ließen alles so surreal erscheinen. Sie kämpfte so sehr – doch ihre Sinne kapitulierten, der Rhymthmus hatte sie gedrosselt. Ihr Körper unterwarf sich. Er war Sklaven der schlagenden Trommeln.

Die Tänzerin bemerkte sie. Aus ihrem Tanz herausgerissen, fielen ihre großen, dunklen Augen auf die Fremde und musterten sie bewundernd. Sie hatte sofort gemerkt, dass sie sich dem Wahnsinn hingegeben und Vergessenes neu erweckt hatte. Sie sah die Fremde so fordernd an, dass sie nicht mehr anders konnte, als ihr ganz nahe zu kommen. Lange schauten sie sich im Delirium ihrer gegenseitigen Bewunderung in die Augen, bevor die Tänzerin ihren Körper herantastend an den ihren schmiegte, so dass sie sich noch nicht ganz berührten, aber die Hitze mit aller Macht für eine Verschmelzung kämpfte. Ihre großen Brüste berührten die Spitzen ihrer – beide schrien im Tanz und schmiegten ihre Körper wie ineinandergegossenes Gold aneinander und bewegten sich wie eine fliehende Schlange im Wüstensand. Die Tänzerin packte die Taillie der Fremden und zog sie an sich, um ihren Hals besser riechend erforschen zu können… Große Augen, wie die Ihren, sahen sie lustgepeinigt an, sie schlossen sich und ein kleiner, voller Mund öffnete sich und flehte um Befreiung… Sie roch den Atem der Tänzerin und ihre Zungespitze, die sich noch nicht ihrem geöffneten Mund hingeben wollte, sondern ihre Lippenkonturen mit ihnen nachmalte. Die Fremde stöhnte auf, so sehr litt sie. Wie lange musste sie noch warten, um ihre Zunge in sich aufnehmen zu dürfen? Geknechtet und machtlos gegenüber dieser Folter, merkte sie erst sehr spät, dass die kräftigen Hände, die sie vorhin nicht all zu sehr beachtete, ihre Brüste von hinten erst vorsichtig, dann fester packten. Ihr tanzender Hintern schmiegte sich wie von selbst an die schon harte Männlichkeit des Geliebten der Tänzerin. Sie hielt die Luft an bei dem Schock und spürte plötzlich die peitschende Zunge der Tänzerin in sich… Sie schmeckte wie süßer, nasser Samt, ihre Hände hielten ihr Gesicht, der Geliebte der Tänzerin presste sein Unterleib an ihren Hintern immer fester, seine Hände krallten sich in ihre Brüste, als er ihr in den Nacken biss. Als sie aufschrie, lachte die Tänzerin laut und küsste ihren Bauch, während sie zu ihr aufschauend keinen Atemzug lang ihren Blick von dem ihren abließ. Sie streichelte ihre Innenschenkel erst zart, dann gierig nach oben, schob ihre Hand zwischen ihren Slip und berührte sie an der pochenden Stelle. Die Fremde stöhnte laut auf & griff in die Haare der Tänzerin – und wäre vor Lust zu Boden gefallen, wenn sie nicht fest und sicher am Körper des Geliebten gepresst gewesen wäre, der ihr von hinten seine Forderungen mitteilte und ihre Lust noch steigerte. Lustlavinen aus ihrem Unterleib wurden von den Händen und der Zunge der Tänzerin durch ihren Körper gebebt, so dass sie die Kontrolle verlor und aufschrie… Und nochmal aufschrie und immerwieder aufschrie, hin und her geschmissen vom Rhythmus, der sie auslachte… in Besitz genommen von diesem kräftigen Mann, der auf sein Recht wartete… geliebkost von dieser feuerfunkelnden Tänzerin…

Sie sank erschöpft in sich zusammen.
Der Geliebte legte die Fremde auf die Couch im Trubel der Feiernden und fuhr mit seiner Fingerkuppe über ihren erschöpften Körper. Sein Finger wurde sogleich von seiner Tänzerin geschickt in ihren Mund entführt und ins Hinterzimmer gelockt. Dort führten sie das Spiel des Feuers weiter…

Die Fremde lag da. Gar nicht mehr so fremd und so sehr bei sich und ihren Sehnsüchten zu Hause, wie noch nie zuvor und schlief den Schlaf der Berauschten und Seligen.

Im Morgengrauen klirrte ihr Schlüssel an ihrer verhassten Haustür. Bernd saß mit seiner Zeitung am Frühstückstisch. Er schien nicht einmal bemerkt zu haben, dass sie die Nacht über fort war.

"Bernd, wir müssen reden.", sagte sie in einem so klaren Ton, der sogar ihn aufweckte. Er sah zu ihr auf.

"Ich weiß wieder, wer ich bin und was ich einst vom Leben wollte…", begann sie das Gespräch. Und zum ersten Mal merkte Bernd, dass seine Gefährtin weit weg war, und er ihr emotional niemals genügen könnte. Sie war einfach zu viel für ihn.

29.09.2006, 14:02
Ungeküsst

Was weißt Du schon von den Brandspuren
Deiner ungeküssten Küsse?
Was von meiner angesengten Haut
an jenen Stellen, die Du ihres Rechtes beraubt?

Nichts weißt Du.
Nichts.

Die Kälte ist Deine heimliche Geliebte
gegen ihre blasse Schönheit
ich Dich nur mit wunden Händen
ungesehen anbetteln kann.

Und was weißt Du schon von ihren nackten Füßen,
die mein Haupthaar,
als roten Hoheits-Teppich nutzen?

Nichts weißt Du.
Nichts.

Das Glas, aus dem Du trankst,
schaut leer auf mich zurück.
So leer wie Deine Augen,
die auf mir ruhn’.

Hier knie ich nun
gedemütigt von Deinen
ungeküssten Küssen
und presse sie ängstlich
an mein Leib,
denn sie sind alles, was ich
noch hab’

Doch was weißt Du schon?
Nichts weißt Du.
Nichts.

_________________
Sherry, 16/11/2004

29.09.2006, 13:47
Du warst das!

(Vom 08/01/2004)

Schmerz. Ach, wie gut es gewesen wäre, wenn er mir wenigstens das Herz bei lebendigem Leibe rausgerissen hätte – dann müsste ich die Schmerzen nicht weiter tragen. Kann das nicht jemand übernehmen? Du? Oder Du? Du da vielleicht? Ja, der mit dem fragenden Blick. Komm´ her, Du siehst so aus, als hättest Du schon vielen Mädchen das Herz rausgerissen. Tränen aus Blut verdunkeln meine bebende Brust, mein Herz ein einzig zerfetztes Organ, das nach Leben & nach Tod gleichsam hechelt. Schwere Steine auf meiner Lunge schnüren mir das Leben aus dem Leib, auf dass ich endlich von ihm – dem Leben – und von IHM, dem Mörder meiner naiven Hingabe, ablasse.

Wie konnte er nur? Wie kann überhaupt jemand nur? Wie konnte jemand überhaupt jemals? Wie ist es möglich, dass es die Möglichkeit gibt, dass jemand jemandem diesen Schmerz zufügt? Wie konnte ich je zulassen, dass er mein zierliches Herz berührt? Wie konnte ich je zulassen, so zu lieben? Wie kann ich jetzt bloß zulassen, diese Fragen zu stellen…? Meine Liebe und ihr Heiligtum zu bereuen? Meine Art, zu lieben, als Schwäche ansehen? Meine Wärme zu verfluchen? Den Glanz in meinen Augen sterben zu lassen?

Niemals. Ich bin frei. Frei von Schuld. Denn ich habe geschenkt, wie eine Mutter ihrem Säugling die Bedingungslosigkeit schenkt… Niemals. Atme! Atme, kleines Mädchen… Einst kommt der Wahre und streichelt Dir Dein Herz in all seinen Farben zurück, .. auf dass Du wieder lächeln kannst – auch wenn Du anfangs noch Tränen lächelst – sobald ihre Farbe nicht mehr purpur ist, reflektiert sie den Nektar Deiner reichen Seele wider…

Ich will zeitlos fallen – ohne Reue…



Zutaten:

* 250 g Basmatireis
* 250 g Zucker
* 1 TL Safran
* 2 EL Rosenwasser
* 2 EL zerlassene Butter
* 50 g Mandelsplitter
* 25 g Pistazienkerne
* 1 TL gemahlener Zimt
* 1 Prise Salz

Zubereitung:

Den Reis mit kaltem Wasser waschen und mit 1 Prise Salz in 1,5 l Wasser aufsetzen. Zum Kochen bringen und bei niedriger Hitze 30-40 Minuten köcheln lassen. Den Zucker hinzugeben und unter Rühren ca. 15 Minuten weiter kochen lassen bis das ganze eine sämige Konsistenz annimmt.In der Zwischenzeit die Safranfäden zermahlen und mit 2 EL heißem Wasser übergießen. Den Aufguss abdecken. Rosenwasser, Safranaufguss, zerlassene Butter und die Hälfte der Mandelsplitter unterrühren.

Bei niedriger Hitze noch 30 Minuten weiter köcheln lassen. Um ein Anbrennen zu verhindern, kann die Reismasse auch in eine Form gefüllt werden und bei 125 Grad im Ofen gebacken werden. Die Masse in Schälchen füllen und abkühlen lassen. Mit Zimt bestäuben und mit Mandelsplittern und gehackten Pistazienkernen garnieren.

Sholeh Zard wird meistens gekühlt als Nachtisch serviert.