Wir standen an dieser Brücke, die Jungs pfiffen und riefen uns zu. Ihr Gröhlen war ohrenbetäubend.
“Oh Mann, muss ich jetzt hier meine Klamotten bis auf die Unterwäsche ausziehen, Dada?”
“Wir wollten doch springen, oder?”, antwortete meine Cousine mit ihren funkelnden Augen.
“Ja, warum eigentlich nochmal?”, fragte ich genervt, während ich runter auf’s Wasser schaute und diese gurkendicken Fische an den tieferen Stellen des Fühlingersee’s rumschwimmen sah. Man bedenke, ich hasse Fische. Ich hasse Fische & Insekten, das weiß man, wenn man mich kennt. Komischerweise sind meine größten Ängste bezüglich dieser Tierchen nicht, dass sie mir etwas antun, sondern dass ich sie irgendwie ekelhaft zerquetsche oder sie irgendwo an mir hängenbleiben und ich sie vor Schreck töte im Schrei und sie dabei immernoch tot an mir kleben.
Hinzu kam, dass die Brücke ca. 15-20 Meter hoch war – oder es mir zumindest so vorkam. Aber eigentlich konnte ich das gut abschätzen, da ich einmal unfreiwillig Bekanntschaft mit einem Zehnerbrett machen musste. Das ist aber jetzt eine andere Geschichte.
“Du hast gesagt, wir sollen springen, damit wir unseren Streit so beenden und unsere Seelenverwandtschaft nochmal krasser besiegeln. Schon vergessen?”, sagte sie etwas hilflos und wartete auf eine Anweisung von mir.
“Nein, natürlich nicht. Ich habe immerhin davon geträumt, wie wir Hand in Hand aus dem tiefen Wasser wieder in Richtung Sonnenlicht an der Oberfläche schwimmen. Genau.”
“Genau.”, antwortete Dada und unterlag einem völlig, hysterischen Lachkrampf, als sie die Höhe der Brücke erfasste, als sie merkte, was wir da vorhatten. Ich klinkte mich in ihre Hysterie ein, während die Jungs schon wechselweise “Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen!” und “Springen! Springen! Springen!” gröhlten.
Dada griff meine Hand ganz fest und lächelte mich mit ihren Grübchen an. Manchmal pressten ihre schönen Wangen sich so sehr an ihre Augen, dass ihre Augen ganz klein und mandelig wurden, aber sie ins Unermessliche strahlten. Daran merkte man übrigens, dass wir miteinander verwandt waren: An den Wangen und Augen.
Ich erwiederte ihr Lächeln und zog mich wie in Trance aus, ohne meinen Blick von ihr zu wenden. Ich stand da in Slip & BH – und es war mir egal, was die Jungs da gerade für Anstalten machten. Sie tat es mir gleich. Die gröhlenden Stimmen um uns herum und von unten wurden immer lauter, aber auch schwammiger und unbedeutender. Nichts war mehr wichtig. Nur, dass Dada & Ich da runterspringen, um unsere besondere Beziehung noch mehr zu versiegeln. Niemals mehr sollte irgendetwas zwischen uns stehen.
Wir kletterten über das Geländer der Brücke. Die Stelle, auf der wir gerade noch stehen konnten, war bedrohlich schmal – und wir trauten uns nicht einmal, einander die Hand zu geben, weil wir uns daran festklammerten. Irgendwann drehte sich alles. Wir lachten und hörten, wie die anderen uns immer heftiger und lauter anfeuerten.
Ich sah nach links zu ihr und fragte:
“Bist Du bereit?”
“Oh Gott, ja, Sherry.”
Ich nahm ihre Hand und griff sie fest. Sie erwiederte den Druck meines Griffes, was ich als Zustimmung wahrnahm. Ich sagte: “Oke, auf 3 springen wir einfach.” Und dann brüllte ich: “Und auf die Fische scheiße ich verdammt!”
Wir lachten nocheinmal hysterisch, als wollen wir unsere Angst rauslachen.
“Eins, zwei… DREI!”
Wir sprangen. Wir gingen nicht nur den Schritt in die Luft, wir sprangen richtig mit Wucht ab. In der Luft ließen wir unsere Hände los, ich schrie: “Ich bin Gooooottt” – und bekam auch schon nichts mehr mit. Ich hörte nur alle gröhlen und Dada neben mir schreien & lachen.
Platsch!
Wir waren tiefer unten, als ich es gedacht hatte, ich vergaß sogar die Fische, ich suchte nur Dada da unten und versuchte, meinen verdammten Slip hochzuziehen, den ich eiskalt am Verlieren war. Doch das war Gott sei Dank eine Sache von 2 Sekunden. Dada war ganz nah, ich griff ihre Hand und wir schwammen hoch an die Oberfläche gen Sonnenlicht. Wie in meinem Traum in der Nacht zuvor. Alle klatschten. Die Jungs holten uns mit einem Gummiboot zurück. Als wir da durchnässt saßen und uns lachend und erleichtert in den Armen lagen, merkten wir, dass wir quasi nackt waren. Und der normale Alltag von zwei iranischen Mädchen mit strengen Papa’s fing wieder an, uns einzuholen.
“Shit! Wie kriegen wir jetzt unsere Klamotten von da oben wieder her, ohne dass wir unserer Großfamilie mit durchsichtiger Unterwäsche beim Grillen begegnen?”
Diese Aktion ist wiederum ein Abenteuer für sich und eine neue Erzählung wert…


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Hallo Liebes
Eine wunderschoene Geschichte. Ich fass es nicht, dass ihr wirklich gesprungen seid und bin gespannt auf die neue Erzaehlung.
Doch, doch, Liebes. Wir sind eiskalt gesprungen. Der Tag war einfach nur wunderschön. Wir haben danach soviel gegessen & getrunken nur aus dieser Freude heraus, dass wir kugelrund umgefallen sind.
Schatz ich lieeeeeeeeeeeb so romantische Geschichten… echt wunder schön
Die war romantisch, ne? Viele denken ja, man erlebt Romantik nur mit Jungs, in die man verliebt ist. Das ist gar nicht so. Frauen haben einen ganz anderen Sinn für Romantik, als Männer. Ich finde, man kann mit ihnen auf eine ganz andere Art & Weise träumen.
Stellt Euch doch mal zwei Männer vor, die miteinander romantisch werden!
Naja, Frauen sind von Natur aus irgendwie zärtlich(er) zueinander. Bei Männern wär’ das ulkig. Wobei, es gibt sehr viele romantische Situationen zwischen Männern, sie sehen nur anders aus. Wenn sie zusammen um die Wette pissen oder sich zum ersten Mal besaufen & sich gegenseitig auf die Schultern klopfen oder sich totlachen, wenn ihr Kumpel nicht schnell genug das Klo erreicht – dann ist das romantisch. Tatsache.
Und weißt Du, was noch romantisch ist bei Männern? Wenn sie sich prügeln & einander danach wieder erleichtert in den Armen liegen, als sei nie etwas gewesen. Im Gegenteil, danach sind sie noch enger als vorher, weil die Verhältnisse endlich klargestellt sind.
DAS ist romantisch…
Mir wird mal wieder einiges klar über mich selbst – ich hab nie mit wem um die Wette gepißt. :(
Boah, mich hat man nicht einmal vom Zehner gebracht, ich wäre da NIE gesprungen! Nienienie!
Und ja, das ist sehr romantisch! Und auch wenn man als Frau kein Stück auf Frauen steht, so ist doch das Miteinander mit der besten oder sehr guten Freundin ein ganz besonderes, manchmal durchaus sehr romantisches. Ich kenne das auch.
@Grauwolf,
hm. Das kann man im Suff im Grunde noch nachholen. Aber ich glaube beliebter als um die Wette pinkeln ist um die Wette wi**sen. Aber vielleicht hast Du das ja schon gemacht. Hm? Erzähl’ mal.
@Momoli,
ich bin damals ziemlich unfreiwillig vom Zehner gesprungen. Ich stand da, schaute mit großen Augen runter, jemand war hinter mir und klopfte mir auf die Schultern: “Na, springste bald, Kleene?” – und da flog ich schon. Ich wurde aber gefeiert wie eine frewillig Todesmutige.
Azizam,
ihr Frauen seid durchgeknallter als 10 Mal soviele Männer, wenn ihr es darauf ankommen lässt. Das macht euch unberechenbarer, aber auch interessanter.
Das schönste an einem Sprung vom 10er Brett ist der freie Fall. Einmal bin ich sogar mit geschlossenen Augen von einem 10er gesprungen. Ich glaube da war ich 16 oder 17. Heftig, sag ich nur!
*küss*
@Baby,
ich habe zum Teil Sachen angestellt, da werde ich sauer, wenn ich heute dran denke. Ich weiß nicht, ich hab’ leider tatsächlich so ein männliches Macho-Gen. Ich hab’ mich in vielen Dingen immer mit Jungs gemessen und wollte es denen immer zeigen. Als würd’ ich das stellvertretend für Papa machen im Sinne von:
“Moment, Du komms’ krass, Junge? Pass auf, ich bin Papa’s Tochter, ich komm’ Dir krasser.”
Wenn ich gegen einen Jungen verloren hätte, hätte ich damals das Gefühl gehabt, der Typ hätte gegen Papa gewonnen. Und das geht ja gar nicht in mein Weltbild. Heute auch nicht.
LOL… Ich hab’ noch Stories…
Oh gott serry!
10-15 meter?!?!?!
wow hast du mum *g*
ich ekele mich auch vor Insekten und FISCHEN. Die sind richtig ekelhaft, so gliberig wenn die mich schon irgendwie streifen mit ihren riiiiiiiiiiesigen runden ballaugen.
* :grins:*
P.S.: Mit geschlossenen Augen vom 10-er. Horror. Aber Du stehst ja auf so’n Kram wie Paragliding und Flugscheine machen.

@Sohrab LOL…
Ja, ich ekel mich total. Wenn Du wüsstest, wie ich schreie, wenn hier in der Bude ein Insekt rumfliegt mit dem fetten Körper und der Unfähigkeit, sein Gleichgewicht zu halten. Schnurstracks auf mich zu natürlich. Dann fluch’ ich am Telefon immer Peyman an vonwegen: “Warum bist Du nicht hier, wenn ich Dich brauche?”
Ach, ich weiß nicht, Sohrab. Die Brücke war ziemlich hoch, aber das war einfach nur ein geiles Gefühl. Wir mussten es einfach tun. Es musste einfach sein…
Mit Männern messen, hm? War das vorhin dann ein Angebot? :P
Ja, aber bitte kein Pimmelfechten. Da kann ich nicht mithalten.
Hmmm.. das ist gut…jetzt werden endlich Stories rausgehauen, das gefällt mir
Joa, Hormozi. Irgendwie mochte ich es nicht mehr, soetwas ins Forum zu schreiben. Hier passt es besser rein. Ich hatte die Story mal ins Forum im Tagebuch-Thread angedeutet – aber das mit dem Slip ging nicht.