(Vom 19. Oktober 2004 – Brief.mp3)
Heute ist der 19. Der 19. Oktober. Der 19. Oktober 2004. Ich kenne dieses Datum genau. Genau vor einem Jahr vergruben sich seine Zahlen in mein Herz und krallten sich atemstillend ein. Lebensberaubt, blutübergebend, niedergetreten, bettelte ich um Stillstand – in welcher Form auch immer – der Tod war erflehter Gast.
Der 19. Oktober letzten Jahres war jener 19. eines Oktobers, an dem wir uns das dritte Mal zerissen. Wie sehr Du Dein eigenes Glück doch mit Füßen getreten hattest und schon Tage danach händeringend meinen Tränen bis zum Boden folgtest, um in ihrem Geschmack meine Liebe aufzufangen, ohne die Du nicht leben wolltest. Nein, nicht konntest.
Alle wandten sich ab von Dir. Mama wollte kein Wort mehr über Dich hören. Meine Schwester bemitleidete Dich. Mein Bruder vergaß Deinen Namen. Hafez gab Dich auf. Selbst Du verachtest Dich, schiebst alle Schuld auf – und hasst mich.
Ich will heute nicht über jene Dinge reden, die Du wortlos geschworen, noch herzzerfetzend gebrochen hast. Kein Wort über die Demütigung jener Person, die Dir das Lieben offenbarte. Kein Wort über die Härte Deiner Hiebe, um meine Tränen versiegen zu lassen, wenn Du Deine Scham nicht tragen konntest. Ich will heute, dem prägendsten 19-ten meines Lebens gedenkend, über Deine Güte reden.
Über Spaziergänge in hoffnungsvollen Nächten, in denen ich Dir zehn Schritte kichernd vorausrannte, die Augen schloss, die Arme hob und mich nach hinten fallen ließ – immer bangend, doch immer vertrauend, dass Du mich auffangen würdest. Lachend tatest Du es, mehr als ein Duzend Mal. Ja, mehr als ein Duzend Mal
Sollen alle heute wissen, wie Du nachts im Halbschlaf die Decke um mich wickeltest, wie bei einem Kind bis zum Kinn. Sollen heute alle wissen, wie Du schlafend murmeltest “Ich liebe Dich…”, wie Du Dich bei jeder Bewegung von mir wie im Greifreflex eines Baby’s in meinen Oberarm kralltest und aus einem schlafend-nuschelnden Mund ein “Bitte geh’ nicht weg von mir…” herausgeatmet kam.
Heute sollen alle wissen, wie ich wutentbrannt die derbsten persischen, türkischen und deutschen Schimpfwörter in Dein Gesicht schleuderte, mit geballten Fäusten gegen Dich schlagen wollte. Sollen alle wissen, wie Du diese Faust zuerst mit Deinem Oberarm, dann mit Deiner Hand abfingst, sie erst mit Gewalt, dann mit Sanftmut schweigend öffnetest und die Innenfläche küsstest. “Bitte, mein Schatz, tu’ das nicht.”, sagtest Du mit großen, traurigen Augen – und die schamhafte Stille in mir regierte kapitulierend den Raum.
Heute wollte ich über Dich, ja wirklich über Dich, reden. Über die schwere Geburt Deiner ersten Liebeserklärung, wie Du stottertend-krächzender Kehle heraus in mein Herz stolpertest und dann erstaunt ob Deiner eigenen Courage sagtest: “Ich hab’s gesagt. Ich hab’s zum ersten Mal in meinem Leben gesagt…” Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Glaubensbekenntnis? “Ich weiß jetzt, es muss einen Gott geben. Anders kann ich mir Dich nicht erklären…”
Ja. Darüber wollte ich schreiben – über Dich und das Schöne in Dir. Aber nun fehlen mir die Worte – und ich muss mich meiner Unfähigkeit beugen.
Doch sollst Du wissen, ich hasse Dich nicht. Denn niemanden hast Du mehr verlassen als Dich selbst, als Du Dich drei Mal trenntest. Trenntest, weil Deine Familie mich “Böse Zauberin” schimpfte, denn ich war “anders” als Ihr.
Das weißt Du – und genau deshalb – ein Jahr später, höre ich Dein Atmen in der Aufnahme meines Anrufbeantworters. Stillschweigend, leise atmend – meinem Ansagetext auf ein Neues horchend. Nur deshalb.
Leb’ wohl, mein Verlorener. In meinen Gebeten bitte ich immer um Dein ehrliches Lachen – sollst auch Du Deine Liebe finden – so wie ich jetzt meine fand. Und falls Du mich hier aufsuchen solltest und mich lesen solltest, so tu’ uns den Gefallen und beschmutze unsere Geschichte nicht. Denn sie war etwas Besonderes. Dein Hass wird vergehen, sobald Du Dir verziehen hast – so wie ich Dir.
Ja. Hörst Du?
So, wie ich Dir.


Suche




Jedesmal wenn der Geliebte mit Händen und Füßen gegen sein Glück trat, tauchte er seine Feder in jene blutüberstömte Wunde, um grotesken Bilder zu zeichnen. Heute kannst Du ihm alle zurückschenken, ohne der Schwere der Bilder zu erliegen.
Die Liebe in tausend Facetten. Und diese eine Facette wünsche ich niemandem. Schon gar nicht zarten Seelen wie Dir, mir, meine Sherry …
Zartes Wesen
Ich möchte keine Floskeln verlieren und weise sagen, dass so nun mal die Liebe sei – und ohne ihren Schmerz die Liebe nicht zuckersüß wäre, denn ich würde lügen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die Liebe für mich niemals ihre Vollendung gefunden hat, wenn man es nicht geschafft hat, alle Ich’s und Du’s zu verschwimmen und sich für immer in den Anderen aufzulösen. Und da das hier nie geschehen wird, mein zartes Wesen, muss ich Dir heute eine schlechte Nachricht überbringen: Die wahre Liebe, die Du & Ich suchen, finden wir nicht hier, denn die Erlösung führt uns zum Strick… Während unser einer seine Füße lächelnd fallen lassen würde, schreit unsere Welt auf. Es ist vergeblich. Also lass’ uns warten…
Wie gut, dass das hier niemand verstehen muss, außer Dir…
wow ich hatte voll die gänsehaut beim lesen. das leben erzählt die unglaublichsten geschichten. ich hoffe, dass ihr eure liebe für einander aufrecht erhaltet.
Khoda negahdaret-e
Kakum, wo warst Du solange? Es ist unverantwortlich, mich solange allein zu lassen. *smile*
Diese Liebe hat nun eine andere Form erlangt, mein Kaku. Sie ist nicht mehr die eines Mädchens zum Jungen – und umgekehrt. Aber sie ist noch da, jeden Tag einwenig. Aber anders, als geplant – und vorallem ohne jeglichen, menschlichen Kontakt.
tut mir leid, dass ich so lange weg war. *umarm* es gibt aber keinen tag, wo ich nicht an dich denke. meine sehnsucht nach dir ist immer da.
in den tagen, wo ich nicht da, hast du aber ganz schön witzige geschichten erzählt. :)
es freut mich aber, dass eure liebe noch da ist. hoffentlich empfindet es dein gegenüber so und strahlt wärme zu dir aus.
Khoda negahdaret-e
Ich weiß schon, was Du mit “Witzige Geschichten” meinst. Die mit Cousine Dada, oder? Hast Du beide gelesen?
*oops* öhm, welche meinst du? :) nee quatsch. ja hab sie beide gelesen dokhtare sheytoonak .
Das gehört alles zur Pubertät.
ey vallah und ich dachte ich wär schon raus aus dieser phase. aber ja ich laufe schon ein wenig rot an, wenn ich sowas lese, und dann auch noch von meinem unschuldigen engelchen.
du erfüllst grade mein herz voll mit deinem süßen lächeln. YOU MADE MY DAY, azizam!
ok azizam, ich lass dich allein mit deinem 19. aber ich werd dich immer festhalten. ich hoffe, dass du meine augen sehen kannst, die dich anschauen.
wenn du mich brauchst, dann zöger kein bisschen.
ich scheue mich nicht davor “es” auszusprechen: ich liebe dich azizam.
Khoda negahdrat-e
Ach, wir waren ja auch unschuldig. Du musst wissen, dass wir absolut keine sexuellen Gefühle dabei hatten. Wie denn auch? Sie ist meine Cousine und sieht mir auch noch total ähnlich – und ich stehe nicht sonderlich auf mich.
Es ging an dem Wochenende nur um die Technik. Wir kamen uns schon vor wie alte Schabracken, die – wenn sie denn irgendwann einen Mann abkriegen würden – schon so alt wären, dass sie diese Dinge wie das Küssen nicht mehr erlernen könnten. Ja, allein an diesen Gedanken merkt man, wie unerfahren wir waren. Weil hätten wir sie gehabt, hätten wir gewusst, dass man das Küssen im Grunde schon von Anfang an irgendwie kann.
Ich liebe diesen Text azizam und du weisst genau warum, ich empfinde deinen 19. mit vollster Seele nach. Azizam aber eines weiss ich endlich ( so wie du es mir immer gesagt hast), der Schmerz hört irgenwann auf, aber die Liebe nicht…..man liebt sie auf eine Art und Weise weiter, wie diese Liebe zu sehen ist, ist jedem selbst überlassen….
Doostet daram Mein Engel!
Genau so ist es, mein kleines Engelchen. Letztens habe ich geträumt, wie ich Peyman frage, ob ich ihn adoptieren kann und er in unserem Haushalt bleiben darf und ein guter, großer Onkel für unsere Kinder werden kann. Die Liebe bleibt, auch wenn sie andere Formen annimmt. Ich möchte, dass es ihm gut geht und dass er strahlt und lächelt – so wie er das damals tat. Ich weiß, dass Du das auch bald in vollstem Maße so empfinden wirst. Natürlich tut es manchmal weh, aber der Schmerz ist dann nicht mehr so schlimm, weil man weiß, dass wenigstens für einen selbst alles noch gut werden kann oder geworden ist.
Pass’ auf Dein Herz auf, Nesssa’m. Du bist ein reinherziger Mensch…
Dustet daram.
Wann hast Du mich eigentlich aus dem Text raus gelöscht? Also keine Angst ich hab keine Ansprüche oder so… aber das ist halt so Orwell 1984 mässig wenn man Menschen einfach löscht.
Ich habe Dich dann rausgeholt, als ich Peyman auch rausgeholt hatte. Ihr habt die Zeit mit M. nicht wirklich mitbekommen – deshalb seid Ihr rausgenommen worden.
Sonst noch Fragen?
Nein schon ok. Hab mich nur gewundert weil das die Zeit gewesen ist wo wir uns kennen gelernt haben so im August/September 2003. Und weil halt so im 1. Jahr viele Gespräche von uns über ihn gewesen sind.
Manchma ist man halt empfindlich, und da machen dann schon 2 geänderte Buchstaben aua. Aber ist schon ok.
Ich habe sogar verhältnismäßig sehr wenig mit Dir über ihn geredet. Die Leute, die das wirklich alles miterlebt haben, sind hier genannt. Die Anderen passten nicht wirklich hierein. Du hast mich zu der Zeit der Trennung kennengelernt – vorher waren noch 2 andere Trennungen von ihm und eine sehr lange und leidvolle Geschichte. Da warst Du nicht dabei und Pepe auch nicht.
Es liegt auch nicht an Dir zu sagen “Schon oke”. Die, die hier “Schon oke” zu sagen hat, bin ich, weil Du auf solche heftigen Ausdrücke wie “Menschen auslöschen” kommst.
Denk’ das nächste Mal nach, vergleiche die Texte besser, dann siehst Du, dass dieser Aspekt “Minah” nicht der Einzige war, der sich in meinem Text – den ich übrigens nach freier, künstlerischer Manier sooft ändern darf, wie mir lieb ist – verändert hat, sondern dass sogar mein Mann aus dem Text hier entnommen worden ist.
Und noch eine sehr wichtige Sache, die Du bedenken solltest: Menschen sind nicht irgendwelche Wörter auf dem virtuellen Pergament. Wenn man ein Wort oder einen Namen “löscht”, dann ist nicht der Mensch selbst ausgelöscht – geschweige denn seine Bedeutung.
Ich hoffe, ich muss mich hier nicht mehr weiter rechtfertigen. Es wäre schön, wenn mein Blog weiterhin von Diskussionen solcher Art wie in anderen Communities oder Chats verschont bleibt. Das hier soll ein liebevoller & stressfreier Ort bleiben, sonst kann ich genauso gut wieder umziehen.