Ich kann so schlecht über Bücher schreiben. Denn ließen sie sich so kurz erzählen, würde der Autor keine – in diesem Fall knapp 500 Seiten – brauchen. Denke ich mir zumindest.
Dann stöberte ich über das Buch einwenig in Wikipedia rum und las folgende “Inhaltsangabe” zum Roman, die mich so nervte, dass ich nun schreiben muss:
“Geistig zerrüttet von der Erfahrung des Ersten Weltkriegs löst der Amerikaner Larry Darrell nach der Rückkehr in die Heimat seine Verlobung auf, um ein Leben auf Reisen zu beginnen und nach Antworten zu suchen. Schließlich gelangt er nach Indien, wo er zur Erleuchtung findet. Einige Jahre später finden Larry und seine ehemalige Verlobte in Paris wieder zueinander, nachdem sie mit einem anderen Mann verheiratet war. Als Larry eine weitere Beziehung mit einer anderen Frau beginnt, versucht seine ehemalige Verlobte diese Liaison zu zerstören.”
Unsinn. Larry Darrell war weder geistig zerüttet, noch fand er wieder zu Isabel, seiner ehemaligen Verlobten. Weder geht es darum, dass Isabel versucht, seine gar nicht vorhandene Beziehung zu zerstören, noch um überhaupt eine große Liebesgeschichte.
Dieser Roman stellt vorallem ohne jegliche falsche Moral den Einfluss der jungen, kapitalistischen amerikanischen Gesellschaft, die in Konkurrenz zu Europa steht, auf vorallem 3 Charaktere dar, die jeweils anders mit dem Ehrgeiz eines Landes umgehen.
Larry Darrell ist ein junger Mann, der, nachdem er seinen Freund im Krieg verloren hat, den Sinn des Lebens in Frage stellt. “Die Toten sehen so schrecklich tot aus”, sagte er in einem Gespräch mit dem Schriftsteller Maugham. Den Verlust eines durch Sinnlosigkeit umgekommenen Freundes im Krieg, wirft in ihm Fragen auf, die er in einem tiefen Studium all der großen Schriftsteller, Denker, Philosophen und spirituellen Meister zu beantworten sucht. Er seilt sich vom Kapitalismus ab – und damit eben auch von seinem alten Leben in Chicago und seiner sehr luxusliebenden Verlobten Isabel, die andere Ziele verfolgt, als Larry.
Während Isabel ihren Lebensstandard mit dem reichen Gary sichert, der sie anbetet, sucht Larry derweil seine Erleuchtung in Indien und erlebt viel. Immerwieder treffen Larry, Isabel, Gary, Herr Maugham (Der Beobachter und Autor) und Onkel Elliot, der sein Leben darauf ausgerichtet hat, in aristokratischen Gesellschaften hoch angesehen zu sein, aufeinander und beeinflussen ihre Eindrücke. Jeder dieser Personen empfindet den Werde- und Gedankengang des Anderen als fremdartig, obwohl sie allesamt Opfer ein und des selben Phänomens sind: Der Aristokratie und Profitgier.
W. Somerset Maugham brilliert in “Auf Messers Schneide” als überaus guter Beobachter, der sich darin versteht, Situationen so darzustellen, dass dem Leser ermöglicht wird, durch seine klare, analytische Brille zu schauen, ohne dabei das Gefühl zu haben, bei diesem Beobachter handle es sich um einen arroganten, versnobten Pseudo-Intellektuellen.
Desweiteren hat der Roman überdurchschnittlich viele Dialoge und wirkt deshalb sehr lebhaft und nicht langatmig. Es fehlte zuweilen in den philosophischen Gesprächen mit Larry der letzte Schritt an Tiefgang, um mich zu befriedigen, aber das ist Geschmackssache.



Suche




Sherry Darell war geistig zerrüttet. Die Stelle wie er von seinem zuvor sehr lebhaften irischen Pilotenfreund erzählte war eine brilliante Stelle. Bis dahin und solange der ire sein Leben noch nicht verlor, hatten weder Darell noch der ire jemals daran gedacht wie sinnlos das Leben seien und vor allem wie sinnlos schnell es beeindet werden kann. Das war die Schlüsselszene. Er sah seinen toten Freund da und konnte sich nicht vorstellen dass er jemals am leben gewesen sein könnte. So tot sah er aus. Einfach Brilliant der Maugham.
Für den Tip kannst du mir ein küsschen zukommen lassen :)
Cheers!
Er war schockiert, erschüttert & danach orientierungslos oder gezwungen, sich alles neu zu fragen – aber “zerüttet” ist für mich noch krasser. Aber das ist Definitionssache, ich mag mit Dir darüber nicht streiten.
Larry’s Anmut kam bis hierhin durch. Seine Ruhe und Bescheidenheit war wie Balsam. Ja, die Schlüsselszene war klasse. Danke für den Tipp. (Wenn Du wüsstest, was auf der Buchklappe des Buches steht.
)
LOL, Hormoz: Ich bin gerade bei “Silbermond & Kupfermünze” bei Kapitel 15 angelangt – und dieser Charles Strickland erinnert mich an Dich. Ich frage mich nur, wie er gewesen ist, bevor er ausgerissen ist. Es kann doch nicht sein, dass er schon immer so unbeeindruckt von den Sanktionen der Gesellschaft & den Gefühlen seiner Frau & Kinder gewesen ist, oder?
Evtl. ist dieser Drang plötzlich wie eine eiternde Beule aus ihm ausgebrochen & zwingt ihn dazu, im Tunnelblick verfahren seiner fixen Idee des Malens Ausdruck zu verleihen. Naja, ich bin ja noch am Anfang. Ich geh’ mal weiterlesen. Danach habe ich aber erstmal genug von Maugham. Als Nächstes kommt: Carlos Castaneda mit “Reise nach Ixtlan. Die Lehre des Don Juan” und/oder “Die Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann dran. Ich muss mal schauen.
Ich las dieses Buch vor 3 Jahren. Von Charles Strickland war ich sowohl fasziniert als auch angewidert. Stellenweise war er mir so sinnlos hart aber dann erzählte er etwas so verdammt banal aber brilliantes wo ich mir dachte dass dieser Motherfucker mit Sicherheit der intelligenteste von all den Protagonisten seien muss!
Na, dazu kenne ich ihn nicht gut genug. Bei der ersten Unterhaltung mit dem jungen Maugham wirkte er durchschnittlich intelligent, aber fühlte sich weitaus überlegen, weil er darauf zu scheißen schien, was andere von ihm hielten. Aber zwischendurch war er auch so stur wie ein Esel, was ihn wiederum unbewegllich machte und auf Beschränktheit scheinen lässt. Ich muss weiterlesen, um zu sehen, was an ihm widerlich und wiederum brilliant sein könnte. Das Buch hat ja nur 250 Seiten.
Brillianz zeichnet sich oft durch Gleichgültigkeit und Einfachheit aus
Durch Einfachheit, ja. Aber nicht zwingend durch Gleichgültigkeit. Und wenn doch, dann scheiße ich auf Brillianz. (Aber brauche ich noch nicht.)
P.S.: Viele Menschen, die zur “Erkenntnis” erlangen, suchen etwas. Diese Suche rührt nicht aus Gleichgültigkeit heraus, oder? Oder reden wir über die Gleichgültigkeit gegenüber dem, was die “Normen einer Gesellschaft” von einem denken? – Wenn ja, dann kann ich Dir bedingt Recht geben. :P
Es fällt mir auf dass du sehr oft von der “Suche” redest. Brilliant sind genua die, die gar nicht suchen. Die die aus wissenschaftlichen Gründen suchen schliess ich hier aus. Wenn du aber im Leben und nach einem Sinn des Lebens suchst, siehst du in deinen Erklärungen oft so lächerlich und Dumm aus und da ist es auch absolut unerheblich ob du dich gut und fein artikulieren kannst oder nicht. Die die es aufgegeben haben in alltäglichem Leben einen Sinn zu suchen, sind die brilliantesten.
Und die, die keinen Sinn sehen, sehen also von Anfang an keinen Sinn in Allem – oder suchen sie erst nach einem Sinn, bis sie merken, dass es keinen gibt. Was denkst Du?
Ich persönlich habe z.B nie bewusst gesucht, mir hat das Leben nach und nach die eigene Sinnlosigkeit erklärt. Ich hab also die Sinnlosigkei bemerkt während ich las, während ich beobachtete, während ich arbeitete, während ich kranke und alte Menschen sah die auch mal so Jung waren wie ich die aber absolut Sinnlos in einer Ecke sitzen, unzurechnungsfähig auf ihren Tod warten. Mann kann die Sinnlosigkeit spüren ohne danach zu suchen.
Wie würde könnte ein Leben aussehen, dass Sinn macht? Was genau ist der Punkt, der Dir sagt, dass das Leben absolut keinen Sinn macht? Die Tatsache, dass es nichts gibt, das bleibt und alles im ständigen Wandel ist? SOGAR oder GERADE die MORAL? Dass man stirbt?
Zu dem, was Du geschrieben hast:
Man muss nicht unbedingt suchen, aber man muss vorher gewisse Erfahrungen gemacht haben und gewisse Erklärungen gesucht haben, damit man zu einer Erkenntnis kommt. Es kommt nicht aus dem Nichts.
Ich verstehe oder sehe den Sinn des Lebens auch nicht direkt, versuche aber einen individuellen Sinn auszuformulieren, damit ich nicht lethargisch in der Ecke sitze und auf den Tod warte. Reiner Selbstschutz. Aber eben nur ein Eigenkonstrukt, dessen bin ich mir bewusst.
Du bist nichts anderes als ein Wesen das irgendwo in der Ecke sitzt und auf dem Tod wartet und zwar selbst dann während du eine wilde Nacht feierst und anschliessend mit Peyman den besten Sex deines sinnlosen Lebens erlebst.
Ich hoffe du verstehst was ich meine.
Ja, ich verstehe, was Du meinst. Und Du verstehst, was ich meine, wenn ich sage, ich konstruiere mir einen Sinn, eine Erfüllung im Leben. Sprich’, ich tu’ etwas, damit die Zeit hier angenehm ist. So wie Du auch.
Natürlich denke ich nicht so konsequent und ohne Ausweg wie Du, dass das Leben tatsächlich keinen Sinn ergibt – aber die Tatsache, dass wir zumindest alle unter die Erde kommen, gibt einem schon das Gefühl, denken zu müssen, warum man sich für irgendetwas den Arsch aufreißen sollte.
Der letzte Teil ist genau der springende Punkt. Du kannst machen was du willst, du näherst dich jedentag dem Tode an. Ob du in der Zeit ein Penner bist oder ein König, am ende wird deine hässliche und leblose Körper unter der selben Erde begraben und die selben Würmer werden sich an der Leiche erfreuen. Das ist nichts schlimmes, du wirst dieses Erkenntnis später lieben weil sie dich in Situationen in denen du dich aufregst, in denen du Angst bekommst, in denen du Unruhig bist, in denen du etwas mehr Bedeutung zurechnest als nötig… in solchen Situationen wirst du dann ruhig bleiben, dich daran erinnern dass das alles doch nur ein Witz ist, eine vergängliche und sinnlose Scheisse, dass NICHTS auf dieser Erde soviel Wert ist dass man dafür die paar sinnlosen Tage die man zu leben hat, vergifteten sollte.
Richtig, am Ende liegen wir unter der selben Erde. Aber der Mensch ist ein primitives Wesen und empfindet Lust & Freude an Dingen, die er tut oder die für ihn getan werden. Letztendlich habe ich besser gelebt als ein gebeutelter Obdachloser, wenn ich mir Freude bereite á la “Der Weg ist das Ziel.”
Schlimmer noch: Letztendlich lebt der dumme Mensch sogar noch besser als der Brilliante. Das ist ein Witz, wie Du so schön sagtest.
Ich bin dann mal weg. Es war mir ein Vergnügen.
*knicks*
Du hattest Recht: Strickland ist widerwärtig. So heftig bist Du nicht drauf. *weiterles*