Manchmal tut mir die emotionale Kälte ganz gut, auch wenn ich nach der “Erwärmung” völlig erschöpft ein paar Stunden in der Ecke liege, weil sie im völligen Kontrast zu meiner eigentlich warmen Persönlichkeit steht. Dennoch muss es manchmal sein. Man muss nicht alles mit sich machen lassen und kann – nein sollte – sich zurückziehen, meinetwegen auch schützen, bis man irgendwann keines Schutzes mehr bedarf. Ich gebe zu, Menschen die diesen kalten Vorhang brauchen, der nun einmal mit viel Verachtung und Arroganz einhergeht, sind schwache Wesen, denn sie können nicht so bleiben, wie sie sind, ohne dabei komplett zerstört zu werden von ihren “netten Mitmenschen”. Schwamm drüber, darum geht’s gerade nicht. Ich habe ein anderes Problem – nämlich:
In diesen kalten Momenten, Minuten, Stunden sieht man plötzlich Dinge, die man vorher nicht gesehen hat. Man wird zum verbitterten Zyniker und ist sich dessen sicher, just in jenem Moment die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind – nämlich heuchlerisch, falsch und voller Scheiße. Man beginnt, Ekel zu empfinden – nicht nur für gewisse Menschen, die einem wieder auf die Möpse gegangen sind, sondern für die Spezies “Mensch” generell. Alles mit einem unangenehmen Nachgeschmack eines stechenden, eisigen Windes in giftgelber Farbe. Auch das ist nicht das Hauptproblem. Viel mehr interessiert mich jetzt:
Welche Sicht der Dinge ist richtig? Jene, in der ich mit Wärme & Zuneigung auf die Menschen sehe oder jene, in der ich unterkühlt und bitterböse zynisch bin? Welche “Erkenntnis” ist hier die “Wahre”?


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Es gibt keine “wahre” Erkenntnis. Es gibt nur Erkenntnis.
Welche Sicht der Dinge ist richtig? Wohl die, mit der Du Deine Ziele erreichst.
Der Wind ist übrigens nicht eiskalt, stechend und giftgelb – er ist zäh und aschgrau.
Ich finde Deine Sichtweise interessant. Aber Du widersprichst Dir selbst. Wenn es nur “Die Erkenntnis” gibt, dann kann es doch im Grunde nur eine “wahre Sicht” der Dinge geben.
Auf der anderen Seite kann man Deinen Beitrag auch so verstehen, dass man die “richtige Sicht” der Dinge von den Absichten abhängig machen könnte. Aber ist das wirklich so? Sagen wir, meine Absicht ist es, mich emotional stabil zu fühlen und glaube deshalb an gute Geister, die mich nachts beschützen. Ist das dann die “richtige Sicht” der Dinge? Gibt es nachts die guten Geister?
Nein, es gibt nicht “*die* Erkenntnis” – es gibt “Erkenntnis”.
Woran würdest Du denn die “Richtigkeit” einer Sicht messen? Vielleicht an physikalischen Parametern? Dann wäre ein Tisch kein fester Körper, sonern irgendeine im Kontinuum wabernde Struktur, deren Natur Du nie begreifen würdest. Wäre diese Sicht richtiger, als den Tisch als Tisch zu nehmen?
Und wenn Du Dir überlegtest, daß es nachts keine guten Geister gibt, Du dafür aber beim Blick in den Nachthimmel in die schwarze Nacht zwischen den Sternen spähst – würdest Du Deinen Mitmenschen dann am nächsten Morgen ausgeschlafener und wohlgelaunter gegenüber treten? ;)
Das ist ja das Problem. Was ist die Ist-Realität? Können wir sie wahrnehmen? (Ich denke nein), und wie groß ist die Differenz zwischen wahrnehmbarer Realität und der Ist-Realität?
Es gibt keine “Ist-Realität”.
Ehm. Woher willst Du das “wissen”?
Du selber hast das Beispiel mit dem Tisch gebracht. Es gibt einen Pool von Parameter, die ein Objekt ausmachen. Wir nehmen aber nur spezifische Parameter wahr und verarbeiten sie zu einem Objekt, das aber zwangsläufig verzerrt oder unvollständig ist. Somit entsteht eine Ist-Realität und eine wahrgenommene Realität.
Ich weiß das nicht. Aber der Gedanke an die Möglichkeit ist für mich irrelevant, solange diese “Ist-Realität” nicht beobachtbar und meßbar ist.
Davon abgesehen besteht Realität aber nicht nur aus den Parametern kleinster Teilchen. Realität besteht z.B. aus Fragen wie: “Bin ich glücklich?”, “Liebt er/sie mich wirklich?”, “Werde ich verarscht?”, usw.
Was prägt Dein Handeln und Dein Wohlbefinden (und damit Deine und der anderen Realität) eher – die Dir unbekannte vermeintliche “Ist-Realität”, daß es jemand gut oder schlecht mit Dir meint, oder Dein subjektiver Eindruck, dem sei (nicht) so?
Naja, wieso ist etwas irrelevant, nur weil man es noch nicht erfassen kann? Bedenke, dass alle nicht erfassbaren Parameter Dich dennoch beeinflussen können. Selbst, wenn Du sie nicht wahrnehmen kannst, so gehören sie dennoch zu einem sehr ausgeklügelten System, das auch die nicht wahrnehmbaren Teile der Realität benötigt, um so zu funktionieren, wie es eben funktioniert.
Da ich die unbekannten Parameter nicht kenne, die mit Einfluss nehmen, kann ich diese Frage nicht genau beantworten. Wir wissen z.B. aus der Psychoanalyse, dass der Mensch mehr vom Unbewussten beeinflusst wird, als vom kleinen, bewussten Teil des psychischen Apparats. Verstehst Du?
Aber ich meine zu wissen, worauf Du hinauswillst: Ich würde spontan sagen, die Realität so, wie ich sie wahrnehme, prägt mich am Meisten. Auch, wenn ich bei näherem Nachdenken auch durchaus eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen kann, zumal ich einfach nicht wissen kann, was alles ich nicht wahrnehme.
Ich hasse Philosophie… LOL
Wenn mich etwas beeinflußt, kann ich es erfassen. ;)
*Nur* das, was Du wahrnimmst, prägt Dich. Vom Rest weißt und merkst Du ja nichts – kannst also auch nicht darauf reagieren. ;)
Nee. Wenn etwas, das Du nicht wahrnimmst, z.B. etwas bedingt, das Du wahrnimmst und das Dich prägt, dann hat es Dich beeinflusst – ob du willst oder nicht. Dein Unterbewusstsein beeinflusst Dich auch, ohne dass Du es wahrnimmst. Der Schmetterling, der einen Tornado auslöst, beeinflusst Dich auch, obwohl Du ihn erstmal nicht warhnimmst.
Du kannst doch die Faktoren x, die Du noch nicht wahrnehmen kannst, von dem ganzen universellen Geschehen ausklammern, nur weil Du es direkt nicht wahrnimmst. Denk’ mal an das Beispiel “Dunkle Materie”.
P.S.: Stell’ Dir vor, nach Deiner Logik hätten Dich vor x-tausend Jahren Viren & Bakterien nicht beeinflusst, weil sie sich Deiner Wahrnehmung entziehen.
Wir verstehen “Wahrnehmung” auf unterschiedliche weise. Ich meine, daß man *nichts* direkt wahrnehmen kann. Man nimmt alles auf indirektem Wege wahr – z.B. siehst Du nicht den Tisch, sondern Du empfängst eine durch Licht erzeugte *Projektion* auf Deiner Netzhaut und Dein Gehirn weiß die Information einzuordnen, sodaß Du den Tisch findest und erkennst. Das funktioniert sogar, wenn Du nicht auf den Tisch guckst, sondern nur auf einen Spiegel. ;)
Auch das Berühren wird indirekt über Veränderungen Deiner Haut wahrgenommen und erst danach von Deinem Gehirn als irgendetwas erkannt. Darum fühlt sich der Tisch mit Handschuhen auch ganz anders an.
Schlüsselwort ist immer: “Dein Gehirn macht…” – denn Dein Gehirn gaukelt Dir eine Realität vor, die eigentlich keine ist. Und das ist in zwischenmenschlichen Beziehungen genauso – am Ende lebt jeder für sich. Man hat im Idealfall nur die gegenseitige Illusion füreinander da zu sein, was dann widerum auch die von beiden anerkannte Realität ist.
Aber Grauwolfi,
dann sind wir ja fast einer Meinung. Man nimmt nichts so wahr, wie es eigentlich wirklich ist. Vorallem diesem Satz kann ich vollkommen zustimmen:
Was ich meine ist: Völlig unabhängig des interpretierenden und wahrnehmenden Organs, das sich “Gehirn” nennt, gibt es etwas, das Signale ausstrahlt. Je nach organischem Werkzeug nimmt man es so oder anders war. Dieses etwas, völlig frei von den kognitiv eingeschränkten Wahrnehmungsmechanismen und ihrer Wertung. Es ist einfach und wird vom Menschen bewertet. Das müsste es meiner Meinung nach geben. Das ist das, was ich Ist-Realität nenne.
Natürlich könnte man soweit gehen und sagen, dass die Realität, so wie sie ein Einzelner wahrnimmt, absolute Illusion ist. Dann wären wir soweit wie Descartés & Advaita.
Was den Mikrokosmos betrifft, so gibt es durchaus Experimente, die darauf zielen zu beweisen, daß sich die Natur eines Teilchens erst mit dessen Beobachtung *entscheidet*. Das mist natürlich auf den makrokosmos so nicht zu übertragen.
Am Ende bin ich aber der festen Überzeugung, das “Realität” von “realisieren” kommt – nicht umgekehrt. Was ist eine Realität wert, die niemand bemerkt und auf die niemand reagiert? ;)
Du kannst Dinge falsch, verzerrt, andersartig realisieren/wahrnehmen. Dennoch müssen diese Objekte Informationen senden, damit Du Teile von ihnen realisieren kannst.
Außer – wie gesagt – wir gehen soweit wie Descartés und die Advaita Philosophie. Aber selbst dann konstruierst Du in dem Fall Deine Illusionen selbst, die Dir eben Informationen zusenden, die Du wahrnimmst/realisierst. Selbst in der Advaita kann es eine Ist-Realität geben, die sich von der wahrnehmbaren Realität unterscheidet. Das ist dann aber eben nur Dein persönliches Konzept. Eines von Vielen.
Ein persönliches Konzept wäre keine objektive “Ist-Realität”. ;)
Nein. Die Annahme, es könne eine “Ist-Realität” geben, ist nichts weiter als eine Annahme von Vielen. Ok?
Vermutlich. ;)