Mein Kumpel Chinaski hat in einer Diskussion Folgendes geschrieben, worüber ich heute wieder einwenig mehr nachgedacht habe und zum Teil immernoch nicht seine Meinung teilen kann – wie bei so einigen Dingen in Diskussionen. Er sagte:

Du bist nichts anderes als ein Wesen das irgendwo in der Ecke sitzt und auf dem Tod wartet und zwar selbst dann während du eine wilde Nacht feierst [...]

Du kannst machen was du willst, du näherst dich jedentag dem Tode an. Ob du in der Zeit ein Penner bist oder ein König, am ende wird deine hässliche und leblose Körper unter der selben Erde begraben und die selben Würmer werden sich an der Leiche erfreuen. Das ist nichts schlimmes, du wirst dieses Erkenntnis später lieben weil sie dich in Situationen in denen du dich aufregst, in denen du Angst bekommst, in denen du Unruhig bist, in denen du etwas mehr Bedeutung zurechnest als nötig… in solchen Situationen wirst du dann ruhig bleiben, dich daran erinnern dass das alles doch nur ein Witz ist, eine vergängliche und sinnlose Scheisse, dass NICHTS auf dieser Erde soviel Wert ist dass man dafür die paar sinnlosen Tage die man zu leben hat, vergifteten sollte.

Ich stimme in den meisten Punkten mit Herrn Chinaski überein. Darin, dass egal wie wir leben, wieviel Geld wir haben, wieviel Partner, Erfolg, Schmuck, Kleider, Häuser wir haben oder nicht haben – wir letztendlich alle sterben werden und nichts von alle dem ins Grab mitnehmen können.

Dennoch finde ich es falsch, dem Inhalt eines Lebens aufgrund des gleichen Endes die selbe Bewertung zu geben. Es macht durchaus einen Unterschied, wie man die vielen aneinandergereihten Gegenwartsmomente erlebt hat, womit man sein Leben gefüllt hat oder nicht. Jedes Buch endet mit dem Zuklappen dieses Buches – aber dieses gleiche Ende macht nicht jedes Buch gleich gut oder gleich schlecht. Menschen mit vielen Beziehungen haben genausoviele Trennungen erlebt, dennoch würden sie niemals auf die Idee kommen, alle Beziehungen aufgrund der letztendlichen Trennung gleich zu bewerten.

Nicht nur, dass ich diese Bewertung nicht für richtig halte, ich halte sie sogar für ignorant gegenüber all jenen Menschen, die in ihrem Leben so extrem gelitten haben oder für ehrliche Ideale ihr Leben gelassen haben. Vielleicht ist ihr Sinn genauso sinnlos wie das eines Schuftes (wenn nicht sogar weniger sinnvoll, denn der Schuft erspart den Opfern wenigstens sein Dasein und somit seine Grausamkeiten), aber sein ganzes Leben mit dem Leben eines Schuftes gleichzustellen, wäre nicht gerecht, nein nicht nur das, es wäre faktisch falsch. Oder noch schlimmer: Dem Leben einer Frau, die jahrelang als gefoltert wurde, die selbe Bedeutung oder Nicht-Bedeutung beizumessen wie dem einer fetten, reichen Frau, die nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld, ist respektlos gegenüber der Gefolterten. Es hieße nämlich, dass es ihr genauso gut oder un-gut ginge, wie der fetten Reichen – und das ist nun einmal nicht wahr.

Ergo: “Der Weg ist das Ziel.”

Was normalerweise der Lieblingssatz von “Verlierern” ist, die sich einreden, dass es unwichtig sei, was das Ergebnis ihrer Bemühungen ist, sondern nur relevant sei, dass sie sich überhaupt bemüht haben, findet in diesen Gedanken ihren eigentlichen Sinn.

Nicht, dass ich nicht schon, seit ich denken kann, über sowas nachdenken würde, aber man hat viel mehr davon, wenn man mit Menschen diskutiert. Worin ich Chinaski noch besonders Recht geben kann, ist die Gelassenheit, die einen heimsuchen kann, wenn man sich der Sinnlosigkeit des Lebens bewusst wird. Mal schauen, ob eine viel zu emotionale Person wie ich, die unter Reizüberflutungen leidet, überhaupt zu solcher Gelassenheit nicht nur fähig, sondern auch willig ist. Ich habe immer das Gefühl, dass gelassene Leute etwas verpassen. Ich kann natürlich auch falsch liegen.