Ja, es war wieder ein Maugham, den ich gestern zu Ende gelesen habe. Ich muss sagen, dass ich bis jetzt schon 2 Mal von 2 Mal nach einem Roman von ihm zufriedener als vorher in den Alltag zurückgekehrt bin – und ich kann noch nicht beschreiben, warum.
In “Silbermond & Kupfermünze” beschreibt Maugham frei nach der Geschichte des Malers Paul Gauguin das Leben eines erfolgreichen Marklers, der von heute auf morgen seine Frau, seine 2 Kinder und sein gesichertes Leben verlässt, ohne etwas zurückzulassen, um in Paris seinem heftigen Drang, zu malen, nachzukommen. Er lebt Jahre lang total verarmt und in einem extrem schäbigen Hotel und geht seinem fast animalischen Trieb nach, als suche er die Befreiung von einem Geist, der ihn ständig in Besitz genommen hat. Seine Bilder werden verspottet, doch das interessiert ihn nicht, denn es geht ihm in rein gar nichts im Leben um die Anerkennung von Außen. Auch nicht bei dem, was ihm am Wichtigsten ist: Seiner Malerei.
Das wirklich faszinierende, aber auch abschreckende an dieser Geschichte ist die Persönlichkeit des Malers (in diesem Roman): Strickland ist hart, kalt, unhöflich, skrupellos, grausam und ungerecht. Er zerstört nebenbei Leben und zuckt dabei die Achseln. Ihm ist komplett alles egal, solange er nur Farbe & Pinsel hat, um seiner Malerei nachzukommen. Dabei geht es ihm nicht darum, seine Bilder zu verkaufen oder durch sie eine Art Anerkennung zu erhalten, sondern um eine Leidenschaft, die fernab jeglicher Menschlichkeit zu liegen scheint.
Maugham schafft es hier in einer fesselnden Form, den Leser ständig nach dem Kern von Stricklands Persönlichkeit suchen zu lassen, seine Leidenschaft ergründen und verstehen zu wollen, weil man es trotz seiner radikalen Eigenschaften trotzdem nicht schafft, ihn zu hassen. Er beschreibt die Qualen eines Künstlers, der darum ringt, etwas, das er selber nicht fassen kann, in Formen, Farben und Schwingungen zu äußern und dabei aber von den Grenzen der Realität gepeinigt wird. Maugham veranschaulicht hier schlicht und einfach die Qualen eines Genies.
Stricklands Genie wurde zu seinen Lebzeiten nicht erkannt. Er starb verarmt, aber irgendwie glücklicher als je zuvor, in Tahiti an Lepra. Zum Ende seiner Lebzeit war er komplett blind und beendete sein letztes, jahrelanges Malwerk nicht an der Malwand, sondern benutzte das komplette Zimmer dazu. Dies war sein größtes Werk – und jenes, das ihn endlich von diesem Geist, das ihn ritt, peitschte und zum Malen trieb, befreite. Danach starb er glücklich und ließ erfüllt vom Leben ab.
Ein hervorragender, mitreißender und suchterzeugender Roman, der sich sehr gut lesen lässt, weil Herr Maugham daran gedacht hat, keine langatmigen Kapitel zu schreiben. Danke Herr Maugham. Danke für alles.



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Hat mir sehr gefallen wie du das Buch analysiert hast.
Dankeschön. :)