Ich kenne ein Mädchen – heute eine junge Frau in meinem Alter – das damals schon sehr bitter und sarkastisch über die Liebe sprach und dabei ein so zartes und mädchenhaftes Gesicht hatte, dass man dachte, man habe eine Porzellanpuppe in Kindchenschema vor sich. Sie war zu großen Gefühlen fähig, das erkannte ich aus ihrem ganzen Wesen. Aber irgendwann hat sie das blechige Summen der “Realität” nicht mehr aus den Ohren bekommen. Ich bin ihr nie wirklich näher gekommen, doch die paar Worte, die wir miteinander wechselten, waren immer kurz und stechend nah. Wir mochten uns.
Ich erinnere mich an einen Wortwechsel:
Ich: “Ja, aber wenn man doch geliebt wird…”
Sie: “Ge-was?”
Ich: “Na geliebt.”
Sie: “Ach, Sherry. Du glaubst noch immer an den Unsinn, oder?”
Ich: “Was heißt noch immer?”
Sie: “Nach alle dem? Du weißt schon.”
Ich: “Na und? Jetzt erst Recht. Er war eben zu schwach.”
Sie: “Ach, Sherry.”
Ich: “Hör’ doch auf, mich zu bedauern. Du wirst es noch erleben.”
Sie: “We’ll see.”
Heute sehe ich sie hier und da mit einem Jungen zusammen. Sie ist vorsichtig verliebt und kostet das Beisammensein aus, kennt ihr Ende, aber trägt es mit schwarzem Humor. Immer mit diesem bitteren Lächeln im Hintergrund ihrer Mimik, das mir verrät, dass sie keine einzige Sekunde in ihrem Leben jemals wieder an die Liebe geglaubt hat, nachdem sie ihn einmal verloren hatte.
Und dennoch hat sie’s überlebt. So wichtig scheint dieses L-Wort also gar nicht zu sein.


Suche




Irgendwie ist das L-Wort doch nicht so unwichtig. Jedenfalls weckt die These “sie sein unwichtig” plötzlich sehr viel Mitteilungsbedürfnis … und dass jeder sich Zeit nimmt und sich dazu äussert, ist schonmal was feines!
Alle verheiratet? Und Du, Sherry?
Na, ich bin vergeben.
@Ram,
genau so ist es. Dieses L-Thema ist verdammt komplex & philosophisch betrachtet auch noch abstrakt. Ich weiß noch, wie jemand vor paar Wochen meinte, er/sie habe die Liebe klar definiert. Ich musste lachen.
Das sollte einer Kämpfernatur von einem Mann ja nichts ausmachen – Männer müssen “bestimmt” sein und “besitzergreifend”. Das schreibst Du ja selbst so.
Muss nicht. Es sind nur meine Vorlieben. Ich kann doch nichts dafür. Ich muss mir doch einen Mann aussuchen, der es wenigstens annähernd mit Papa mithalten kann, oder?
Ist das vielleicht so eher aus Selbtsschutz, damit Papa ihn Dir nicht vergraulen kann?
Hm nein. Ich bin es einfach ein Leben lang gewöhnt, einen starken, selbstsicheren, unerschrockenen, manchmal größenwahnsinnigen, unvernünftigen, unberechenbaren Papa zu haben. Ein braver Hausmann würde bei mir einfach Langeweile erzeugen. Nicht, dass ich einen Gängstah haben wollte oder so, aber das Mindeste, was drin sein muss, ist emotionaler Reichtum.
“emotionaler Reichtum” klingt jetzt aber eher nach dem einsamen Dichter… ;)
Auf jeden Fall sollte er soetwas wie einen Dichter in sich tragen… Da hast Du Recht.
Vom “Kind im Manne” hab ich ja schon gehört, aber der Dichter im Mann ist wohl eher selten…
Aber Du weißt jetzt einwenig, was ich damit meine, oder? “Tiefe”. Weil, ich muss das Gefühl haben, dass ich mich manchmal in einen Mann verlieren kann. *nach Worten such*
P.S.: Hast du gesehen? Unten steht “Smileys anzeigen”. Du kannst jetzt einfach draufklicken und hast die Smileys drin.
So’ne Frau könnt mir gefallen. Solche kenn ich aber komischerweise nicht. Ob das nur Pech ist, oder steckt System dahinter?
P.S.: Ja, war mir schon aufgefallen – sehr vorbildlich!
Hm, ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, dass heute sogar Frauen von Konsumgeilheit befallen sind. Ich bin ja im Gegensatz zu Dir der Meinung, dass Männer eher nach “Statussymbolen” geiern als Frauen.
Ich hörte mal einen Satz, den fand ich sehr passend, denn er bezieht sich nicht nur auf Sex:
“Heute poppt man so, als würd’ man pissen.”
Das schlimme ist nur, daß nach meiner Erfahrung die betreffenden Frauen sich selbst nicht eingestehen wollen, daß sie eben so “konsumgeil” sind. Da wird dann ganz schnell etwas von “verlorenem Vertrauen” u.ä. erzählt – um den Seitensprung bzw. die Affäre zu rechtfertigen.
Ich weiß, was Du meinst. Aber ich will Dir etwas Ehrliches sagen – und das nicht, um das Verhalten von untreuen Frauen zu rechtfertigen, sondern einfach, um es verständlicher zu machen. Denn es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen den Gründen des Fremdgehens einer Frau und die des Mannes:
Ein Mann geht nicht so drastisch fremd wie eine Frau. Er sucht eigentlich wirklich nur die Befriedigung seiner Neugierde und seiner sexuellen Wünsche.
Eine Frau hingegen geht, wenn sie fremdgeht, tatsächlich auch emotional fremd. Sie sucht bei ihrer Affaire nicht primär sexuelle Befriedigung, sondern vorallem Emotionale.
Das kann man oder Frau natürlich “positiver” bewerten, indem man die Gründe der Frau für “edler” ansieht. Ich persönlich sehe das mindestens genauso drastisch wie den männlichen Grund – nämlich schlicht & einfach Triebe, Lust, Konsumgeilheit.
Der Mann ist dabei aber u.U. noch in der pikanten Situation, womöglich fremdes Erbgut aufzuziehen – falls seine Frau zwischen Versorger und Liebhaber unterscheidet.
Schlußletztlich zähle ich persönlich es aber auch nicht unter “Treue”, seinen Partner bzw. Partnerin “offiziell” zu verlassen, sobald die beziehung mal in eine weniger rosarote Phase eintaucht. “Treue” bedeutet, den anderen auch in schwierigen Phasen zu unterstützen – wenn man keine direkte materielle/emotionale/wasimmer Belohnung dafür erhält.
Liebe ohne Treue ist übrigens imo nur maskierte Geilheit.
Hmja. Wenigstens hat Frau dieses Problem nicht. Sie kann immer sichergehen, dass es ihr Kind ist. Aber Frauen hüten sich sehr davor, beim Fremdgehen auch noch ein Kind mitzunehmen.
Hier gebe ich Dir vollkommen Recht. Was ist Treue schon wert, wenn es nur von einem verlangt würde, wenn man sowieso komplett verliebt ist und eh an nichts und niemand Anderes mehr denken kann? Nein, dadurch zeichnet sich diese Tugend nicht aus. Da hast Du Recht. Aber eine andere Frage: Ist es “untreu”, wenn man jemanden verlässt, den man einfach konstant nicht mehr liebt? Was denkst Du?
Würdest Du Paare, die offen und ehrlich eine “offene Beziehung” führen, als untreu bezeichnen?
Ja, wenn man jemanden verläßt, weil man ihn nicht mehr liebt, dann ist das ein Treuebruch. Allerdings ein völlig anderer, als wenn man aus reiner Langeweile heimlich einen anderen f***t.
Ich meine Treue auch nicht im rein sexuellen Sinn – Treue bedeutet, sich dem anderen verpflichtet fühlen und sich einer verantwortung bewußt sein. Ob das jetzt strenge Monogamie einschließt, ist allgemein betrachtet nebensächlich. Für mich persönlich wäre das aber schon ein wichtiger Punkt – aber ich bin auch ein Mann. ;)
Ja, so meinte ich das doch auch.