Eine nebensächliche Passage aus “Silbermond und Kupfermünze” von W. Somerset Maugham:

Hierin liegt die Unwirklichkeit der Dichtung. Denn für Männer ist die Liebe gewöhnlich nur eine Episode, die ihren Platz hat zwischen den anderen täglichen Angelegenheiten, und der Nachdruck, der in Romanen darauf gelegt wird, verleiht ihr eine Wichtigkeit, die nicht in Übereinstimmung mit dem Leben steht.

Es gibt nur wenige Männer, für die sie das Wichtigste der Welt ist, und diese sind nicht die interessantesten; sogar Frauen, denen das Thema Liebe von höchstem Interesse ist, empfinden Verachtung für sie.

Sie fühlen sich durch sie geschmeichelt und gereizt, haben aber das unangenehme Gefühl, dass sie arme Geschöpfe sind. Doch selbst während der kurzen Zeitspannen, in denen sie verliebt sind, beschäftigen sich Männer mit anderen Dingen, die ihre Gedanken ablenken: Geschäfte, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen, nehmen ihre Aufmerksamkeit in Anspruch; sie beschäftigen sich mit Sport; sie können sich für Kunst interessieren. Größtenteils behalten sie ihre verschiedenen Tätigkeiten auf verschiedenen Gebieten bei und gehen einer nach, während sie die andere einstweilen ausschließen. Sie haben die Fähigkeit, sich auf das, was sie im Augenblick beschäftigt, zu konzentrieren, und es stört sie, wenn man mit etwas anderem dazwischentritt.

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen als Liebenden besteht darin, dass Frauen den ganzen Tag lang lieben können, Männer aber nur zeitweise.