Archiv für Oktober, 2006
18.10.2006, 07:38
Atheismus

Als Atheismus wird die weltanschauliche Grundhaltung des Nichtglaubens bzw. des Fehlens eines Glaubens an einen Gott bezeichnet („glauben“ im Sinne von „annehmen“, „für wahr halten“). Atheismus kann mit der ausdrücklichen Verneinung der Existenz einer Gottheit (oder mehrerer Götter) und transzendenter Wesen allgemein einhergehen (siehe Atheologie). Der Begriff „Atheismus“ leitet sich vom altgriechischen Adjektiv „ἄθεος“ („átheos“) ab und bedeutet wörtlich: „ohne Gott“ (Alpha privativum ἄ + θεός (theós) = Gott). In seiner latinisierten Form tauchte der Begriff wohl erstmals bei Cicero auf. Im deutschen Schrifttum erschien das Wort in lateinischer Form ab Ende des 16. Jahrhunderts, ab Beginn des 18. Jahrhunderts gilt es als eingedeutscht.

Die Bezeichnung „átheos“ war lange Zeit ein Kampfbegriff, der von den Nicht-Gläubigen zunächst nicht übernommen wurde. Es handelte sich um eine abwertende Wortschöpfung, die von den sich als rechtgläubig Bezeichnenden gegen angeblich oder wirklich Ungläubige benutzt wurde. Atheismus wurde im Sinne von „gottlos“ auf Anschauungen angewendet, die im Konflikt mit den etablierten Religionen standen. Vielfach wurden religiöse Strömungen mit eigenen neuen Gottesvorstellungen als atheistisch bezeichnet, beispielsweise wurden die ersten Vertreter der großen monotheistischen Religionen des Christentums, des Islams und des Judentums teilweise von ihren polytheistischen Gegnern als Atheisten qualifiziert.

Heute wird die Bezeichnung „Atheismus“ tendenziell weniger abwertend verwendet. Im philosophischen Diskurs ist „Atheismus“ ein wertneutraler Begriff. Sein direkter Gegenpart ist der Theismus.

Als eine gute Unterscheidung gilt hier allgemein die zwischen schwachem (negativem, implizitem) und starkem (positivem, explizitem) Atheismus. Die Unterscheidung liegt im Unterschied der beiden Aussagen:


Ich bin nicht überzeugt, dass es Götter gibt. (= schwacher Atheismus)
Ich bin überzeugt, dass es keine Götter gibt. (= starker Atheismus)


Schwacher Atheismus

Der schwache Atheismus kommt ohne den Glauben an Götter aus, verneint jedoch nicht die Möglichkeit der Existenz von Göttern. Dabei werden verschiedene Begründungen geltend gemacht:

* Pragmatischer Atheismus: Dieser behauptet, dass eine Erklärung der Welt auch ohne Annahme von Göttern auskomme. Die Existenz von Göttern wird zwar nicht ausgeschlossen, aber die Vorstellung, sie würden existieren, wird als unnötig oder unnütz bezeichnet. Ein Pragmatiker (Alltagsbegriff) und Pragmatist (Philosophie) ist jemand, der die Wahrheit von Dingen nach ihrer praktischen Bewährung und ihrem Nutzen für die Praxis beurteilt. Gott oder Götter sind für viele Pragmatiker und Pragmatisten (wenn auch nicht für alle) unnütz, weil sie bei der Beurteilung und Erklärung der Welt aus ihrer Sicht keinen Nutzen bieten.

* Agnostizismus: Dieser behauptet, dass Götter mit den Mitteln menschlicher Vernunft nicht erkennbar seien (intelligibler Agnostizismus) oder dass für die Annahme von Göttern nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten die Beweise/Belege fehlten (szientistischer Agnostizismus). Im intelligiblen Agnostizismus kann man wieder unterscheiden zwischen stark und schwach: Der schwache Agnostizismus behauptet nur, dass Götter möglicherweise nicht, oder noch nicht erkennbar seien, der starke hingegen, dass Götter mit den Mitteln der menschlichen Vernunft prinzipiell nicht erkennbar seien (siehe hierzu weiter unten Rationalistischer Atheismus). Die Zuordnung des Agnostizismus zum Atheismus ist umstritten, er kann auch als eigenständige weltanschauliche Grundhaltung angesehen werden.

* Szientistischer Atheismus (siehe Kapitel Analytische Philosophie) hält die Rede über Götter für Unsinn, weil Sätze, in denen diese Begriffe vorkommen, nicht wahrheitsfähig seien. Der szientistische Atheismus behauptet jedoch nicht – genauso wenig wie der schwache Atheismus – dass es keine Götter gäbe. Für ihn ist der Satz „Es gibt keine Götter“ genauso inhaltsleer wie „Es gibt keine Elfen“.

* Postulatorischer Atheismus: Dieser meist von Wissenschaftlern selbst vertretene Atheismus geht davon aus, zunächst einmal Götter aus dem System der Erkenntnisse (ergo Wissenschaft) herauszulassen, also keine Götter zu postulieren im Gegensatz zur Theologie. Theistische Annahmen können jedoch später an Grenzbereichen der Wissenschaft oder in unerforschten oder als unerforschbar angesehenen Teilen wieder zugelassen werden (Beispiel: Stephen Hawking Pre-Big-Bang God). Diese Spielart des Atheismus wird oft in Verbindung mit der oben als Pragmatischer Atheismus bzw. Nominalistischer Atheismus bezeichneten Auffassung vertreten.

Starker Atheismus

Vertreter eines starken Atheismus sind davon überzeugt, dass es keine Götter gibt. Sie verneinen also direkt die Existenz von Göttern. Hierfür findet sich gelegentlich auch der Begriff Antitheismus. Wiederum werden verschiedene Begründungen unterschieden:

* Rationalistischer Atheismus: Dieser geht von der zusätzlichen Annahme aus, dass nur das existieren könne, was auch durch menschliche Vernunft prinzipiell erkennbar ist (ontologischer Epistemologismus). Und weil Götter prinzipiell nicht erkennbar seien, könnten sie auch nicht existieren.

* Radikal-szientistischer Atheismus: Während für normal-szientistische Atheisten nur die Rede über Götter unsinnig ist, darf für deren radikale Vertreter nur das als existierend angenommen werden, was nach intersubjektiv überprüfbaren Verfahren wissenschaftlich beweisbar ist. Da dies für Götter und andere transzendentale Ideen nicht gelte, können sie nach dieser Überzeugung nicht existieren.

* Theodizee-Atheismus: Dieser behauptet, dass es auf Grund des Leidens und der Ungerechtigkeit auf der Welt keine(n) (allgütigen oder allmächtigen) Gott oder Götter geben könne. In seiner weniger radikalen Form kann der Theodizee-Atheismus auch als schwacher konditionaler Atheismus auftreten: „Wenn ein Gott existiert, dann kann er angesichts des Übels auf Erden nicht allmächtig oder nicht allgütig sein“. Die Existenz eines Gottes wird dabei zwar nicht verneint, jedoch in seinen Eigenschaften begrenzt. Es ist dann eine theologische Frage, ob ein solches Wesen noch als Gott bezeichnet werden kann. Der Theodizee-Atheismus wird durch die typische Frage: „Warum lässt ein Gott zu, dass…“ begründet sowie durch die Ablehnung eines endgültigen Erklärungsversuches: “Gottes Wege sind unergründlich.”.

* Logischer Atheismus: Besitzt Ähnlichkeit mit dem Rationalistischen Atheismus. Während der Rationalismus sagt, dass es irgendwelche spezifischen – bis in seine biologische Struktur reichenden – Eigenschaften des menschlichen Verstands seien, die die Erkenntnis von Göttern verhinderten, besagt der logische Atheismus zunächst nur, dass alle Gottesbeweise sich in Widersprüche (Antinomien) verwickelten. Unter der Prämisse, dass etwas Widersprüchliches nicht existieren könne, werden Götter als eigenständige Wesen abgelehnt. (→ Bsp.: Steinparadoxon: “Ein allmächtiger Gott kann jeden Stein erschaffen. Auch einen, den er selbst nicht heben kann.”)

Eine interessante These ist auch, Angehörige einer monotheistischen Religion als “Atheisten” zu bezeichnen, da sie im Grunde alle anderen in der Geschichte bestehende Götter negieren. Der Unterschied ist nur, dass der als heute bekannte Atheist konsequent alle Götter negiert, während der Angehörige einer monotheistischen Religon alle Götter außer den Einen negiert.

18.10.2006, 05:10
Unser erster Kuss (Ab 30!)

Wo wir nun bei Dada & Mir wären, kann ich ja weitererzählen. Wir waren 19 damals muss man wissen – und wir hatten noch keinen Freund und keine Erfahrungen mit Jungs gemacht. Aus Allem, was mit Jungs, Liebe & Sex zu tun hatte, haben wir eine große Sache gemacht:

“Nein, ich küsse nur jemanden, den ich liebe.”
“Nein, ich komme nur mit jemandem zusammen, den ich liebe.”
“Nein, ich… wenn er mich liebt & vergöttert.”

Wir wollten uns von niemandem anfassen lassen, der nicht mindestens das Beste für uns wollte und uns für immer bei sich haben wollte. Wer weiß, wieviele süße Jungs damals bei uns einen fetten Korb gekriegt haben, die wir zwar “geil” fanden, aber deren Emotionalität und “Aufrichtigkeit” wir als unserer “unwürdig” empfanden.

Unsere Triebe hatten wir dadurch schon sehr früh im Griff. Um das zu können, haben wir uns schon sehr früh selbst aufgeklärt mit viel Lektüre bezüglich Sex, Körper, Orgasmus, Spielzeuge und Onanie. Wir sprachen nie darüber, aber wuselten uns gemeinsam durch die Informationsquellen und taten dabei immer etwas empört und lachten danach laut.

Nun, es war nicht der Trieb, der uns eines Tages bewog, diesen Plan auszuhecken und ihn auch durchzuführen. Es war lediglich eine sehr große Unsicherheit. Wir kamen sogar gleichzeitig auf die Idee. Dada rief an:

“Sherry, wenn ich nach Köln komme, dann will ich endlich küssen.”
“Ja, ich auch. Ich hab’ da auch schon eine Idee.”, sagte ich.
“Ich hab’ aber eine Bessere: Wir – Du & Ich – wir üben küssen!”, platzte es aus ihr heraus.

“Eh.”, stockte ich.
“Eh, das wollte ich auch sagen! Aber trotzdem: Tickst Du noch ganz Recht? Wieso kommst Du auf solche Ideen?”

“Und Du? Du scheinst auch nicht besser zu sein.”, lachte sie neckisch.
“Oke, komm’ am Wochenende & wir ziehen das durch. Ich befürchte nämlich, dass man das Küssen ab einem gewissen Alter nicht mehr lernen kann, wenn man das noch nie gemacht hat. Das wäre echt schrecklich! Ich habe nicht vor, als Vollidiotin dazustehen, wenn endlich die Liebe meines Lebens kommt.”

Gesagt getan. Dada kam zu mir, warf ihren Rucksack in die Ecke, band konzentriert ihre Haare nach hinten und sagte, sie sei bereit. Ich sah sie mit großen Augen an und sagte empört:

“Jetzt schon? Wollen wir nicht erstmal was essen?” – und erkannte, dass sie es wohl ziemlich ernst meinte und es auch eilig hatte, während ich mich schon einwenig rausreden wollte.

“Ja, jetzt. Ich will’s hinter mich bringen, Mann!” sagte sie entschlossen.

Nagut, die Kampfansage hatte ich verstanden, also band auch ich meine Haare zu einem strengen Zopf, damit sie nicht störten, nahm Labello-Erdbeere, wir schmierten uns die Lippen, ich ging auf sie zu und sah sie erstmal ratlos an.

“Wie sollen wir uns hinstellen?”, fragte sie.
“Naja, einfach gegenüber, Gesicht zu Gesicht.”, zuckte ich die Schultern.
“Nee, das geht nicht. Wir müssen den Kopf schieflegen.”

Also legten wir den Kopf schief, unsere Gesichter kamen sich näher, wir lachten ganz kurz und leise, hielten aber sofort inne, weil wir uns konzentrieren wollten. Dada nahm mein Gesicht in die Hand, unsere Lippen berührten sich, unsere Zungen berührten sich und wir küssten einander. Erst vorsichtig, dann mit variierendem Tempo, variierender Tiefe, variierender Technik. Es fühlte sich vertraut, warm und angenehm an – aber dennoch so ungewohnt und einschneidend wie der erste Caipirinha. Man musste es mehr als ein Mal trinken/tun, um zu erkennen, wie lecker es ist.

Wir stoppten kurz.

“Und, Dada?”
“Boah, weich. Ungewohnt. Nass, aber nicht unangenehm.”
“Genau so empfinde ich das auch. Lass’ uns mal im Liegen versuchen.”
“Oke.”

Also nahmen wir die nächste Lektion in Angriff. Im Liegen. Ich legte mich auf sie und küsste sie. Aber das ging nicht gut, wir mussten lachen. Also versuchten wir es im Sitzen, das klappte ganz gut – danach mussten wir immer nach Luft schnappen.

“Was denkst Du? Küssen wir jetzt gut oder schlecht?”, fragte sie.
“Fuck, woher soll ich das wissen? Weder wurde ich je geküsst, noch habe ich je geküsst. Aber ich glaube, wir machen das gut, oder? Ist doch angenehm.”

“Ja.” grinste sie.
“Ich glaube, wir haben’s drauf. Das war’s auch schon, Sherry. Ich glaube, wir sind geübt und wissen jetzt, dass wir uns bei unserer großen Liebe nicht doof anstellen werden.”
“Na hoffentlich!”, antwortete ich frech.

Ich muss hierzu sagen, dass Dada & Ich absolut keine “sexuellen” Gefühle bei dieser Prozedur hatten. Es ging einzig und allein um die Technik. Wir wollten das Küssen lernen, weil wir uns als totale Spätzünderinnen sahen, deren Zug bald abläuft, wenn’s um das Erlernen der körperlichen Freuden ging. Aber dieser Abend gab uns viel Sicherheit. Wieviel Sicherheit, erzähle ich Euch dann in der nächsten Geschichte. Danach gingen wir nämlich aus.

Wir setzten uns auf die Couch und aßen erstmal unser Eis und waren sehr zufrieden mit uns.

Wir standen an dieser Brücke, die Jungs pfiffen und riefen uns zu. Ihr Gröhlen war ohrenbetäubend.

“Oh Mann, muss ich jetzt hier meine Klamotten bis auf die Unterwäsche ausziehen, Dada?”

“Wir wollten doch springen, oder?”, antwortete meine Cousine mit ihren funkelnden Augen.

“Ja, warum eigentlich nochmal?”, fragte ich genervt, während ich runter auf’s Wasser schaute und diese gurkendicken Fische an den tieferen Stellen des Fühlingersee’s rumschwimmen sah. Man bedenke, ich hasse Fische. Ich hasse Fische & Insekten, das weiß man, wenn man mich kennt. Komischerweise sind meine größten Ängste bezüglich dieser Tierchen nicht, dass sie mir etwas antun, sondern dass ich sie irgendwie ekelhaft zerquetsche oder sie irgendwo an mir hängenbleiben und ich sie vor Schreck töte im Schrei und sie dabei immernoch tot an mir kleben.

Hinzu kam, dass die Brücke ca. 15-20 Meter hoch war – oder es mir zumindest so vorkam. Aber eigentlich konnte ich das gut abschätzen, da ich einmal unfreiwillig Bekanntschaft mit einem Zehnerbrett machen musste. Das ist aber jetzt eine andere Geschichte.

“Du hast gesagt, wir sollen springen, damit wir unseren Streit so beenden und unsere Seelenverwandtschaft nochmal krasser besiegeln. Schon vergessen?”, sagte sie etwas hilflos und wartete auf eine Anweisung von mir.

“Nein, natürlich nicht. Ich habe immerhin davon geträumt, wie wir Hand in Hand aus dem tiefen Wasser wieder in Richtung Sonnenlicht an der Oberfläche schwimmen. Genau.”

“Genau.”, antwortete Dada und unterlag einem völlig, hysterischen Lachkrampf, als sie die Höhe der Brücke erfasste, als sie merkte, was wir da vorhatten. Ich klinkte mich in ihre Hysterie ein, während die Jungs schon wechselweise “Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen!” und “Springen! Springen! Springen!” gröhlten.

Dada griff meine Hand ganz fest und lächelte mich mit ihren Grübchen an. Manchmal pressten ihre schönen Wangen sich so sehr an ihre Augen, dass ihre Augen ganz klein und mandelig wurden, aber sie ins Unermessliche strahlten. Daran merkte man übrigens, dass wir miteinander verwandt waren: An den Wangen und Augen.

Ich erwiederte ihr Lächeln und zog mich wie in Trance aus, ohne meinen Blick von ihr zu wenden. Ich stand da in Slip & BH – und es war mir egal, was die Jungs da gerade für Anstalten machten. Sie tat es mir gleich. Die gröhlenden Stimmen um uns herum und von unten wurden immer lauter, aber auch schwammiger und unbedeutender. Nichts war mehr wichtig. Nur, dass Dada & Ich da runterspringen, um unsere besondere Beziehung noch mehr zu versiegeln. Niemals mehr sollte irgendetwas zwischen uns stehen.

Wir kletterten über das Geländer der Brücke. Die Stelle, auf der wir gerade noch stehen konnten, war bedrohlich schmal – und wir trauten uns nicht einmal, einander die Hand zu geben, weil wir uns daran festklammerten. Irgendwann drehte sich alles. Wir lachten und hörten, wie die anderen uns immer heftiger und lauter anfeuerten.

Ich sah nach links zu ihr und fragte:

“Bist Du bereit?”
“Oh Gott, ja, Sherry.”

Ich nahm ihre Hand und griff sie fest. Sie erwiederte den Druck meines Griffes, was ich als Zustimmung wahrnahm. Ich sagte: “Oke, auf 3 springen wir einfach.” Und dann brüllte ich: “Und auf die Fische scheiße ich verdammt!

Wir lachten nocheinmal hysterisch, als wollen wir unsere Angst rauslachen.

“Eins, zwei… DREI!”

Wir sprangen. Wir gingen nicht nur den Schritt in die Luft, wir sprangen richtig mit Wucht ab. In der Luft ließen wir unsere Hände los, ich schrie: “Ich bin Gooooottt” – und bekam auch schon nichts mehr mit. Ich hörte nur alle gröhlen und Dada neben mir schreien & lachen.

Platsch!

Wir waren tiefer unten, als ich es gedacht hatte, ich vergaß sogar die Fische, ich suchte nur Dada da unten und versuchte, meinen verdammten Slip hochzuziehen, den ich eiskalt am Verlieren war. Doch das war Gott sei Dank eine Sache von 2 Sekunden. Dada war ganz nah, ich griff ihre Hand und wir schwammen hoch an die Oberfläche gen Sonnenlicht. Wie in meinem Traum in der Nacht zuvor. Alle klatschten. Die Jungs holten uns mit einem Gummiboot zurück. Als wir da durchnässt saßen und uns lachend und erleichtert in den Armen lagen, merkten wir, dass wir quasi nackt waren. Und der normale Alltag von zwei iranischen Mädchen mit strengen Papa’s fing wieder an, uns einzuholen.

“Shit! Wie kriegen wir jetzt unsere Klamotten von da oben wieder her, ohne dass wir unserer Großfamilie mit durchsichtiger Unterwäsche beim Grillen begegnen?”

Diese Aktion ist wiederum ein Abenteuer für sich und eine neue Erzählung wert…

16.10.2006, 09:10
Belästigung am Gedankenplatz

Kennt Ihr das, wenn Ihr Eure eigenen Gedanken & Gedichte nicht mehr lesen könnt? Dann erinnert Ihr Euch an den Moment, an dem Ihr ein Gedicht oder eine Poesie anderer Form kreiert habt, bis Ihr mit dem Ergebnis zufrieden wart – und ein paar Wochen oder Monate später schon kommt Euch bei soviel schwammigem Unsinn die Galle hoch. Einen Moment danach wisst Ihr zwar ganz genau, dass es nicht daran liegt, dass Poesie generell Unsinn ist, sondern Ihr einfach in einer völlig anderen Phase seid, in der Ihr das, was damals in Euch so zart schreiben lies, erstmal völlig vergraben liegt. Plattgewalzt unter Schutt & Asche. Irgendwo da unten.

Ich fühle mich im Moment von den lauten, aber dennoch kargen Überresten meiner eigenen “Romantik” belästigt. Sie erinnert mich einfach daran, dass sie noch da ist und raus will, aber nicht stark genug ist, als dass ich es im Moment für nötig befände, um sie zu kämpfen.

Ich glaube, sie hat einfach nur Durst.
Aber ich hab’ einfach nichts.

Hören: ~*Joan Baez & Mercedes Sosa – Gracias a la vida*~

Ich weiß nicht, warum man mir Wein schenkt. Das tut man wohl einfach oft, wenn Menschen einen besuchen & Dich in Deiner eigenen Wohnung nocheinmal einweihen. Nun, die Meisten wissen nicht, dass ich – sollte ich überhaupt mal trinken – sicher keinen trockenen Wein zu mir nehmen werde, sondern etwas nervtötend Süßes, damit der Alkoholgeschmack soweit es geht, verdrängt wird. Ich gehöre zu den seltenen Trinkern (sehr selten; 1 Mal im Jahr), denen es nur um die Wirkung des Alkohols geht, wenn überhaupt – und nicht um den Geschmack. Einen Weinkoster, der schnuppert und nippt, gehört neben einem Homo Faber, wohl zu den von mir am wenigsten nachvollziehbaren Wesen dieses Planeten.

Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass Weinflaschen eine unglaubliche Ästhetik auf mich ausüben, deshalb freue ich mich auf sie und warte auf Anlässe, sie zu köpfen und einzuschenken.

Das andere Geschenk ist ein Traum. Lavasteine, die vor Hitze glühen, aber (leider) nicht brennen und knistern. Ich erwische mich oft dabei, wie ich mich den Steinen nähere & mich einwenig danach sehne, dass sie mir die Fingerkuppe leicht verbrennen, so dass ich sie sofort wegziehen kann. Aber man kann nicht alles haben.

Das Überbleibsel ist das Buch, das ich gerade lese. Es lieg müde auf dem Schreibtisch. Ich habe ihm die Geschenke dazugelegt, weil die drei einfach zueinander passten. Wärme/Leidenschaft, der Rausch der Sinne und das Abtauchen in eine andere Geschichte als die Deine. So einfach kann das Leben sein, wenn man nur will.

Kann mir ein Kenner sagen, ob der Wein wenigstens gut ist?

Zwei Geschenke und ein Überbleibsel

14.10.2006, 01:12
Die Geächteten

Klickt hier: ~*Chopin*~

 

Es gibt Phasen im Leben – ja selbst in einem unbedeutenden und jungen Leben – in denen man rastlos nach irgendetwas rennt und nicht weiß, was es eigentlich ist. Dieser Drang kommt aus einer fiesen, inneren Leere heraus, die nicht groß genug ist, als dass man vollkommen resignieren könnte; aber die sich bemerkbar genug macht, als dass sie einen quält wie ein beißender, kalter Durchzug in einer klirrend kalten Sturmnacht.

Heute war so ein Tag – und dieses Gefühl endet noch immer nicht. Ich sitze hier und denke an das Einzige, das mir dieses Gefühl kurzzeitig mit Glück ersetzen könnte. Immer und immerwieder werde ich an diesem Bild festhalten. Ein Lagerfeuer, ein paar Menschen, Kinderlachen, Trommeln, Tanz und Meeresrauschen im Hintergrund. Wein, eine Gitarre, ein paar Stimmen, die herzhaft singen und dem blutleeren, gesellschaftskonformen Leben mit Leidenschaft trotzen. Ein lauthalser Chor, der irgendein Lied singt mit einem unsinnigem Text – völlig irrelevant was: Denn eigentlich sagt dieser Chor nur: "Wir gehören zusammen. Wir sind eins. Wir sitzen alle in ein und dem selben Boot. Egal, ob das Leben nun einen Sinn hat oder keinen – wir sind da. Scheiß drauf!"

Es gab viele Momente in meinem Leben, in denen ähnliche Situationen tatsächlich zustande kamen, deshalb vermisse ich sie so. Erwachsene würden es "Eine wilde Party mit viel Alkohol" nennen oder "Unerzogene, sinnentleerte Jugendliche, die mit ihrem Leben nichts Besseres anzufangen wissen, als zusammen abzuhängen und zu jammern".

Warum fragen sich diese immer mit Verachtung auf die "Unteren Gefilden" blickenden Menschen nie, was diese besoffenen Menschen, die aufeinanderhängen & verträumt ins Feuer schauen, wirklich empfinden? Warum fragen sie sich nicht, was den eine unsentimentale Liebeserklärung an die Insassen eines vom Sturm getriebenen Bootes eigentlich bedeutet? Sie soll nichts wert sein, weil das Lippenbekenntnis von einem Besoffenen kommt? Von einem Vernunftslosen?

Ich habe Menschen erlebt, die kriminell waren, aber soviel Seele hatten, dass es Dich umgehauen hat. Ich kannte einmal eine wunderschöne Prostituierte, sie hatte eine Unschuld und Güte in sich, die ich noch bei keiner einzigen selbstverliebten und selbsternannt "ehrbaren Frau" gesehen habe. Ich kannte gesellschaftlich verstoßene Schmarotzer, die am Tag mindestens einen Menschen zum Lächeln, Lachen und Weinen brachten – ohne einen Lohn zu erwarten.

Das sieht nur niemand, der sich nicht in dieses Boot traut. Ja, dieses Boot ist unberechenbar, die Menschen vielfältig, die Route driftet auch einmal ab und macht Umwege – aber dieses Boot ist das Leben und keine eingegrenzte Grauzone, in der man sich ständig vorsichtig bewegt, damit man ja nicht heraustritt in der Angst, dass man nicht mehr als "Mensch" angesehen wird.

Gott segne all jene Prostituierte dieser Welt, die noch mehr Reinheit und Moral in sich tragen, als diese verkorksten Selbst-Heuchler dieser verkopften & karrieregeilen Gesellschaft in der "Grauzone", die sie irgendwann, bevor der Tod sie einholt, geschockt und verzweifelt endlich als das entlarven, was es ist: Ein unsichtbares Gefängnis, in das Du Dich Dein Leben lang reingehockt hast, weil man Dich von den Gittern heraus mit Geldscheinen & Anerkennung gefüttert hat, obwohl Du eigentlich Wasser & Brot brauchtest.

 

"Erst ist das Leben Scheiße – und dann stirbst Du."
(Von einer Verrückten)