Archiv für Oktober, 2006

Ich kann so schlecht über Bücher schreiben. Denn ließen sie sich so kurz erzählen, würde der Autor keine – in diesem Fall knapp 500 Seiten – brauchen. Denke ich mir zumindest.

Dann stöberte ich über das Buch einwenig in Wikipedia rum und las folgende “Inhaltsangabe” zum Roman, die mich so nervte, dass ich nun schreiben muss:

“Geistig zerrüttet von der Erfahrung des Ersten Weltkriegs löst der Amerikaner Larry Darrell nach der Rückkehr in die Heimat seine Verlobung auf, um ein Leben auf Reisen zu beginnen und nach Antworten zu suchen. Schließlich gelangt er nach Indien, wo er zur Erleuchtung findet. Einige Jahre später finden Larry und seine ehemalige Verlobte in Paris wieder zueinander, nachdem sie mit einem anderen Mann verheiratet war. Als Larry eine weitere Beziehung mit einer anderen Frau beginnt, versucht seine ehemalige Verlobte diese Liaison zu zerstören.”

Unsinn. Larry Darrell war weder geistig zerüttet, noch fand er wieder zu Isabel, seiner ehemaligen Verlobten. Weder geht es darum, dass Isabel versucht, seine gar nicht vorhandene Beziehung zu zerstören, noch um überhaupt eine große Liebesgeschichte.

Dieser Roman stellt vorallem ohne jegliche falsche Moral den Einfluss der jungen, kapitalistischen amerikanischen Gesellschaft, die in Konkurrenz zu Europa steht, auf vorallem 3 Charaktere dar, die jeweils anders mit dem Ehrgeiz eines Landes umgehen.

Larry Darrell ist ein junger Mann, der, nachdem er seinen Freund im Krieg verloren hat, den Sinn des Lebens in Frage stellt. “Die Toten sehen so schrecklich tot aus”, sagte er in einem Gespräch mit dem Schriftsteller Maugham. Den Verlust eines durch Sinnlosigkeit umgekommenen Freundes im Krieg, wirft in ihm Fragen auf, die er in einem tiefen Studium all der großen Schriftsteller, Denker, Philosophen und spirituellen Meister zu beantworten sucht. Er seilt sich vom Kapitalismus ab – und damit eben auch von seinem alten Leben in Chicago und seiner sehr luxusliebenden Verlobten Isabel, die andere Ziele verfolgt, als Larry.

Während Isabel ihren Lebensstandard mit dem reichen Gary sichert, der sie anbetet, sucht Larry derweil seine Erleuchtung in Indien und erlebt viel. Immerwieder treffen Larry, Isabel, Gary, Herr Maugham (Der Beobachter und Autor) und Onkel Elliot, der sein Leben darauf ausgerichtet hat, in aristokratischen Gesellschaften hoch angesehen zu sein, aufeinander und beeinflussen ihre Eindrücke. Jeder dieser Personen empfindet den Werde- und Gedankengang des Anderen als fremdartig, obwohl sie allesamt Opfer ein und des selben Phänomens sind: Der Aristokratie und Profitgier.

W. Somerset Maugham brilliert in “Auf Messers Schneide” als überaus guter Beobachter, der sich darin versteht, Situationen so darzustellen, dass dem Leser ermöglicht wird, durch seine klare, analytische Brille zu schauen, ohne dabei das Gefühl zu haben, bei diesem Beobachter handle es sich um einen arroganten, versnobten Pseudo-Intellektuellen.

Desweiteren hat der Roman überdurchschnittlich viele Dialoge und wirkt deshalb sehr lebhaft und nicht langatmig. Es fehlte zuweilen in den philosophischen Gesprächen mit Larry der letzte Schritt an Tiefgang, um mich zu befriedigen, aber das ist Geschmackssache.

19.10.2006, 23:08
Oktober der 19.-e

(Vom 19. Oktober 2004 – Brief.mp3)

Heute ist der 19. Der 19. Oktober. Der 19. Oktober 2004. Ich kenne dieses Datum genau. Genau vor einem Jahr vergruben sich seine Zahlen in mein Herz und krallten sich atemstillend ein. Lebensberaubt, blutübergebend, niedergetreten, bettelte ich um Stillstand – in welcher Form auch immer – der Tod war erflehter Gast.

Der 19. Oktober letzten Jahres war jener 19. eines Oktobers, an dem wir uns das dritte Mal zerissen. Wie sehr Du Dein eigenes Glück doch mit Füßen getreten hattest und schon Tage danach händeringend meinen Tränen bis zum Boden folgtest, um in ihrem Geschmack meine Liebe aufzufangen, ohne die Du nicht leben wolltest. Nein, nicht konntest.

Alle wandten sich ab von Dir. Mama wollte kein Wort mehr über Dich hören. Meine Schwester bemitleidete Dich. Mein Bruder vergaß Deinen Namen. Hafez gab Dich auf. Selbst Du verachtest Dich, schiebst alle Schuld auf – und hasst mich.

Ich will heute nicht über jene Dinge reden, die Du wortlos geschworen, noch herzzerfetzend gebrochen hast. Kein Wort über die Demütigung jener Person, die Dir das Lieben offenbarte. Kein Wort über die Härte Deiner Hiebe, um meine Tränen versiegen zu lassen, wenn Du Deine Scham nicht tragen konntest. Ich will heute, dem prägendsten 19-ten meines Lebens gedenkend, über Deine Güte reden.

Über Spaziergänge in hoffnungsvollen Nächten, in denen ich Dir zehn Schritte kichernd vorausrannte, die Augen schloss, die Arme hob und mich nach hinten fallen ließ – immer bangend, doch immer vertrauend, dass Du mich auffangen würdest. Lachend tatest Du es, mehr als ein Duzend Mal. Ja, mehr als ein Duzend Mal

Sollen alle heute wissen, wie Du nachts im Halbschlaf die Decke um mich wickeltest, wie bei einem Kind bis zum Kinn. Sollen heute alle wissen, wie Du schlafend murmeltest “Ich liebe Dich…”, wie Du Dich bei jeder Bewegung von mir wie im Greifreflex eines Baby’s in meinen Oberarm kralltest und aus einem schlafend-nuschelnden Mund ein “Bitte geh’ nicht weg von mir…” herausgeatmet kam.

Heute sollen alle wissen, wie ich wutentbrannt die derbsten persischen, türkischen und deutschen Schimpfwörter in Dein Gesicht schleuderte, mit geballten Fäusten gegen Dich schlagen wollte. Sollen alle wissen, wie Du diese Faust zuerst mit Deinem Oberarm, dann mit Deiner Hand abfingst, sie erst mit Gewalt, dann mit Sanftmut schweigend öffnetest und die Innenfläche küsstest. “Bitte, mein Schatz, tu’ das nicht.”, sagtest Du mit großen, traurigen Augen – und die schamhafte Stille in mir regierte kapitulierend den Raum.

Heute wollte ich über Dich, ja wirklich über Dich, reden. Über die schwere Geburt Deiner ersten Liebeserklärung, wie Du stottertend-krächzender Kehle heraus in mein Herz stolpertest und dann erstaunt ob Deiner eigenen Courage sagtest: “Ich hab’s gesagt. Ich hab’s zum ersten Mal in meinem Leben gesagt…” Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Glaubensbekenntnis? “Ich weiß jetzt, es muss einen Gott geben. Anders kann ich mir Dich nicht erklären…”

Ja. Darüber wollte ich schreiben – über Dich und das Schöne in Dir. Aber nun fehlen mir die Worte – und ich muss mich meiner Unfähigkeit beugen.

Doch sollst Du wissen, ich hasse Dich nicht. Denn niemanden hast Du mehr verlassen als Dich selbst, als Du Dich drei Mal trenntest. Trenntest, weil Deine Familie mich “Böse Zauberin” schimpfte, denn ich war “anders” als Ihr.

Das weißt Du – und genau deshalb – ein Jahr später, höre ich Dein Atmen in der Aufnahme meines Anrufbeantworters. Stillschweigend, leise atmend – meinem Ansagetext auf ein Neues horchend. Nur deshalb.

Leb’ wohl, mein Verlorener. In meinen Gebeten bitte ich immer um Dein ehrliches Lachen – sollst auch Du Deine Liebe finden – so wie ich jetzt meine fand. Und falls Du mich hier aufsuchen solltest und mich lesen solltest, so tu’ uns den Gefallen und beschmutze unsere Geschichte nicht. Denn sie war etwas Besonderes. Dein Hass wird vergehen, sobald Du Dir verziehen hast – so wie ich Dir.

Ja. Hörst Du?
So, wie ich Dir.

Hören: Erikah Badu – You got me

Ich leide grundsätzlich immer an einer viel zu chaotisch nuancierten Gefühlswelt – das nicht nur oberflächlich, sondern wirklich tief in mein Mark eingreifend. Vorallem, wenn ich rausgehe und vielen Menschen begegne. Leider (?) schaffe ich es nicht, Menschen wie Straßen oder Gebäude zu passieren, als seien sie eben ein architektonischer Teil der Stadt. Ich wage immer den Blick tief in ihre Gesichter, in ihre Augen, in ihre Mimik & Gestik – und manchmal bin ich erschüttert über das, was ich sehe.

Draußen ist meistens aus irgendeinem Grund ein besonderes Erlebnis, weil ich wirklich immer mit anderen ins Gespräch komme oder über die momentane Gesellschaft neue Erkenntnisse erlange. Nennen wir meinen Hang zu den Menschen eine Art “Seelendurst”, den ich habe. Ich berühre Menschen gerne, lächel’ gerne, zeige ihnen, dass sie nicht alleine sind – dass wir in einem Boot sitzen. Ich weiß nicht, woher ich diesen enormen Wunsch nach Einheit habe, aber er wechselt sich immer von einem Extrem ins Andere. Nach solch’ einer Phase verbarrikadiere ich mich nämlich zuweilen auch in mich selbst und mein Blick geht nur noch nach innen.

Ich hatte es noch nicht erwähnt, doch ich scheine eine Art partielle Synästhesie zu haben.

“Überwiegend versteht man darunter die Kopplung zweier physikalisch getrennter Domänen der Wahrnehmung, etwa Farbe und Temperatur (“warmes Grün”), im engeren Sinne die Wahrnehmung von Sinnesreizen eines Sinnesorgans als die eines anderen. Menschen, bei denen derart verknüpfte Wahrnehmungen regelmäßig auftreten, werden als Synästhetiker bezeichnet.

Synästhetiker haben also häufig zu einem Sinnesreiz zwei oder mehrere Wahrnehmungen. Sie können beispielsweise Geräusche nicht nur hören, sondern auch Formen und Farben dazu sehen. Das Geräusch bekommt zusätzlich zu den üblichen Eigenschaften diese weiteren Eigenschaften. Das Bild, das dabei entsteht, überlagert sich jedoch nur bei den wenigsten Synästhetikern mit dem Wahrgenommenen, sondern wird vor einem “inneren Auge” sichtbar.”

Meine Synästhesie bezieht sich nur auf Menschen und ein paar Tierarten. Ich sehe, wie ihre Farben sich verändern und je nach Gefühlsregung bewegen, ich nehme sofort eine Stimmung auf oder werde bei einer starken Ausstrahlung (des Farbflusses) selber von diesen Gefühlen eingenommen. Die Farben haben sogar verschiedene Konsistenzen. Es gibt dickflüssige, träge Farben, über die plötzlich ein sehr funkelnder Fluss aus kristall- und hellblau durchzieht, und ich nehme das ganz natürlich in meinem inneren Auge auf und sehe diesen Menschen. Deshalb kommt es bei mir auch sehr oft vor, dass mich Leute fragen, warum ich Person xy “angenehm” finde, obwohl sein Charakter unerträglich ist. Wenn man erst einmal diese andere Art der Wahrnehmung hat, in der sich die Sinne koppeln, dann spielt der Charakter eine ganz andere Rolle, weil man als leicht spiritueller Mensch meint, erkannt zu haben, dass der Charakter nicht die Seele eines Menschen ist, sondern nur ein von den genetischen Dispositionen und der Sozialisation geformten Gerüst. Der Kern einer Persönlichkeit liegt woanders – für mich in den Seelenfarben… (Ich habe durch Konzentrationsübungen gelernt, diese Art der Wahrnehmung je nach Bedarf abzuschalten)

Und warum erzähle ich das jetzt? Weil in der letzten Zeit die Menschen zunehmends grau werden. Diese Entwicklung bereitet mir Sorgen. Die gerunzelten Stirne, der abweisende Blick, die emotionale Resignation gegen Alles, was einen berühren oder betroffen machen könnte. Selbst das Radio ist grau und unbeteiligt, trotz aufgesetzer, schriller Party & Konsum-Maske. Die Frau redet in einem überschwenglichen Ton von dem Mord eines Ehemannes an seine Frau letztes Jahr – und als sie noch nicht zu Ende gesprochen hat, setzt der Moderator ein Gute-Laune-Lied auf, das Dich seicht durch die Straßen trällert. Alles fast wie inszeniert in einem Theaterstück, das besonders skurril wirken will. Doch diese Skurrilität ist nicht beabsichtigt – sie ist völlig “normal”. Es fällt kaum jemandem auf – und wenn, dann schweigt man darüber. “Tjah, so ist das eben.”

Nur junge Menschen, egal aus welcher Ecke sie kommen, deuten innerlich eine Art Leben an – auch, wenn sie viel gegen sich selbst kämpfen und viel Wut empfinden, sie haben Farben. Starke, kräftige Farben. Und ich hoffe, dass sie es schaffen, sie am Leben zu erhalten.

Ja, wir sind hier satt, wir haben Geld, wir haben ein Dach über’m Kopf – aber wir sind dabei, Wesentliches zu verlieren, weil wir immer denken, dass es “irgendwie weitergehen” muss, egal was passiert. Dass die “Welt nicht aufhört, sich zu drehen” – egal, wieviele Menschen gerade sterben. Dass es einen im Grunde nichts angeht, egal wenn das Mädchen in der Bahn gerade vor meinen Augen vergewaltigt wird. “Der Krieg ist schon oke, die wissen schon, was sie tun.”, “Ach, die Terroristen wieder. Was wollen die eigentlich?”, “Naja, schonwieder ein Mädchen vergewaltigt und getötet. Schade. Wann kommt der nächste Bus nochmal?”

Solche Komprimisse mit den Leichen Anderer, über die man zwar ungern vorübergeht, es aber eben dennoch tut und sich dabei daran gewöhnt, töten einen selbst. Jedesmal, wenn man über etwas hinwegkommt, über das man als Mensch eigentlich nicht hinwegkommen darf, bevor man nicht wenigstens einwenig darum gekämpft hat, tötet einen. Die Wirkung solch’ wachsender Resignation bemerke ich immerwieder, indem ich eben da draußen sehe, dass wir ergrauen und unsere Seelenfarben sich von dem grauen Beton der Straßen kaum noch unterscheiden.

Was kann man dagegen tun?

18.10.2006, 07:38
Atheismus

Als Atheismus wird die weltanschauliche Grundhaltung des Nichtglaubens bzw. des Fehlens eines Glaubens an einen Gott bezeichnet („glauben“ im Sinne von „annehmen“, „für wahr halten“). Atheismus kann mit der ausdrücklichen Verneinung der Existenz einer Gottheit (oder mehrerer Götter) und transzendenter Wesen allgemein einhergehen (siehe Atheologie). Der Begriff „Atheismus“ leitet sich vom altgriechischen Adjektiv „ἄθεος“ („átheos“) ab und bedeutet wörtlich: „ohne Gott“ (Alpha privativum ἄ + θεός (theós) = Gott). In seiner latinisierten Form tauchte der Begriff wohl erstmals bei Cicero auf. Im deutschen Schrifttum erschien das Wort in lateinischer Form ab Ende des 16. Jahrhunderts, ab Beginn des 18. Jahrhunderts gilt es als eingedeutscht.

Die Bezeichnung „átheos“ war lange Zeit ein Kampfbegriff, der von den Nicht-Gläubigen zunächst nicht übernommen wurde. Es handelte sich um eine abwertende Wortschöpfung, die von den sich als rechtgläubig Bezeichnenden gegen angeblich oder wirklich Ungläubige benutzt wurde. Atheismus wurde im Sinne von „gottlos“ auf Anschauungen angewendet, die im Konflikt mit den etablierten Religionen standen. Vielfach wurden religiöse Strömungen mit eigenen neuen Gottesvorstellungen als atheistisch bezeichnet, beispielsweise wurden die ersten Vertreter der großen monotheistischen Religionen des Christentums, des Islams und des Judentums teilweise von ihren polytheistischen Gegnern als Atheisten qualifiziert.

Heute wird die Bezeichnung „Atheismus“ tendenziell weniger abwertend verwendet. Im philosophischen Diskurs ist „Atheismus“ ein wertneutraler Begriff. Sein direkter Gegenpart ist der Theismus.

Als eine gute Unterscheidung gilt hier allgemein die zwischen schwachem (negativem, implizitem) und starkem (positivem, explizitem) Atheismus. Die Unterscheidung liegt im Unterschied der beiden Aussagen:


Ich bin nicht überzeugt, dass es Götter gibt. (= schwacher Atheismus)
Ich bin überzeugt, dass es keine Götter gibt. (= starker Atheismus)


Schwacher Atheismus

Der schwache Atheismus kommt ohne den Glauben an Götter aus, verneint jedoch nicht die Möglichkeit der Existenz von Göttern. Dabei werden verschiedene Begründungen geltend gemacht:

* Pragmatischer Atheismus: Dieser behauptet, dass eine Erklärung der Welt auch ohne Annahme von Göttern auskomme. Die Existenz von Göttern wird zwar nicht ausgeschlossen, aber die Vorstellung, sie würden existieren, wird als unnötig oder unnütz bezeichnet. Ein Pragmatiker (Alltagsbegriff) und Pragmatist (Philosophie) ist jemand, der die Wahrheit von Dingen nach ihrer praktischen Bewährung und ihrem Nutzen für die Praxis beurteilt. Gott oder Götter sind für viele Pragmatiker und Pragmatisten (wenn auch nicht für alle) unnütz, weil sie bei der Beurteilung und Erklärung der Welt aus ihrer Sicht keinen Nutzen bieten.

* Agnostizismus: Dieser behauptet, dass Götter mit den Mitteln menschlicher Vernunft nicht erkennbar seien (intelligibler Agnostizismus) oder dass für die Annahme von Göttern nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten die Beweise/Belege fehlten (szientistischer Agnostizismus). Im intelligiblen Agnostizismus kann man wieder unterscheiden zwischen stark und schwach: Der schwache Agnostizismus behauptet nur, dass Götter möglicherweise nicht, oder noch nicht erkennbar seien, der starke hingegen, dass Götter mit den Mitteln der menschlichen Vernunft prinzipiell nicht erkennbar seien (siehe hierzu weiter unten Rationalistischer Atheismus). Die Zuordnung des Agnostizismus zum Atheismus ist umstritten, er kann auch als eigenständige weltanschauliche Grundhaltung angesehen werden.

* Szientistischer Atheismus (siehe Kapitel Analytische Philosophie) hält die Rede über Götter für Unsinn, weil Sätze, in denen diese Begriffe vorkommen, nicht wahrheitsfähig seien. Der szientistische Atheismus behauptet jedoch nicht – genauso wenig wie der schwache Atheismus – dass es keine Götter gäbe. Für ihn ist der Satz „Es gibt keine Götter“ genauso inhaltsleer wie „Es gibt keine Elfen“.

* Postulatorischer Atheismus: Dieser meist von Wissenschaftlern selbst vertretene Atheismus geht davon aus, zunächst einmal Götter aus dem System der Erkenntnisse (ergo Wissenschaft) herauszulassen, also keine Götter zu postulieren im Gegensatz zur Theologie. Theistische Annahmen können jedoch später an Grenzbereichen der Wissenschaft oder in unerforschten oder als unerforschbar angesehenen Teilen wieder zugelassen werden (Beispiel: Stephen Hawking Pre-Big-Bang God). Diese Spielart des Atheismus wird oft in Verbindung mit der oben als Pragmatischer Atheismus bzw. Nominalistischer Atheismus bezeichneten Auffassung vertreten.

Starker Atheismus

Vertreter eines starken Atheismus sind davon überzeugt, dass es keine Götter gibt. Sie verneinen also direkt die Existenz von Göttern. Hierfür findet sich gelegentlich auch der Begriff Antitheismus. Wiederum werden verschiedene Begründungen unterschieden:

* Rationalistischer Atheismus: Dieser geht von der zusätzlichen Annahme aus, dass nur das existieren könne, was auch durch menschliche Vernunft prinzipiell erkennbar ist (ontologischer Epistemologismus). Und weil Götter prinzipiell nicht erkennbar seien, könnten sie auch nicht existieren.

* Radikal-szientistischer Atheismus: Während für normal-szientistische Atheisten nur die Rede über Götter unsinnig ist, darf für deren radikale Vertreter nur das als existierend angenommen werden, was nach intersubjektiv überprüfbaren Verfahren wissenschaftlich beweisbar ist. Da dies für Götter und andere transzendentale Ideen nicht gelte, können sie nach dieser Überzeugung nicht existieren.

* Theodizee-Atheismus: Dieser behauptet, dass es auf Grund des Leidens und der Ungerechtigkeit auf der Welt keine(n) (allgütigen oder allmächtigen) Gott oder Götter geben könne. In seiner weniger radikalen Form kann der Theodizee-Atheismus auch als schwacher konditionaler Atheismus auftreten: „Wenn ein Gott existiert, dann kann er angesichts des Übels auf Erden nicht allmächtig oder nicht allgütig sein“. Die Existenz eines Gottes wird dabei zwar nicht verneint, jedoch in seinen Eigenschaften begrenzt. Es ist dann eine theologische Frage, ob ein solches Wesen noch als Gott bezeichnet werden kann. Der Theodizee-Atheismus wird durch die typische Frage: „Warum lässt ein Gott zu, dass…“ begründet sowie durch die Ablehnung eines endgültigen Erklärungsversuches: “Gottes Wege sind unergründlich.”.

* Logischer Atheismus: Besitzt Ähnlichkeit mit dem Rationalistischen Atheismus. Während der Rationalismus sagt, dass es irgendwelche spezifischen – bis in seine biologische Struktur reichenden – Eigenschaften des menschlichen Verstands seien, die die Erkenntnis von Göttern verhinderten, besagt der logische Atheismus zunächst nur, dass alle Gottesbeweise sich in Widersprüche (Antinomien) verwickelten. Unter der Prämisse, dass etwas Widersprüchliches nicht existieren könne, werden Götter als eigenständige Wesen abgelehnt. (→ Bsp.: Steinparadoxon: “Ein allmächtiger Gott kann jeden Stein erschaffen. Auch einen, den er selbst nicht heben kann.”)

Eine interessante These ist auch, Angehörige einer monotheistischen Religion als “Atheisten” zu bezeichnen, da sie im Grunde alle anderen in der Geschichte bestehende Götter negieren. Der Unterschied ist nur, dass der als heute bekannte Atheist konsequent alle Götter negiert, während der Angehörige einer monotheistischen Religon alle Götter außer den Einen negiert.

18.10.2006, 05:10
Unser erster Kuss (Ab 30!)

Wo wir nun bei Dada & Mir wären, kann ich ja weitererzählen. Wir waren 19 damals muss man wissen – und wir hatten noch keinen Freund und keine Erfahrungen mit Jungs gemacht. Aus Allem, was mit Jungs, Liebe & Sex zu tun hatte, haben wir eine große Sache gemacht:

“Nein, ich küsse nur jemanden, den ich liebe.”
“Nein, ich komme nur mit jemandem zusammen, den ich liebe.”
“Nein, ich… wenn er mich liebt & vergöttert.”

Wir wollten uns von niemandem anfassen lassen, der nicht mindestens das Beste für uns wollte und uns für immer bei sich haben wollte. Wer weiß, wieviele süße Jungs damals bei uns einen fetten Korb gekriegt haben, die wir zwar “geil” fanden, aber deren Emotionalität und “Aufrichtigkeit” wir als unserer “unwürdig” empfanden.

Unsere Triebe hatten wir dadurch schon sehr früh im Griff. Um das zu können, haben wir uns schon sehr früh selbst aufgeklärt mit viel Lektüre bezüglich Sex, Körper, Orgasmus, Spielzeuge und Onanie. Wir sprachen nie darüber, aber wuselten uns gemeinsam durch die Informationsquellen und taten dabei immer etwas empört und lachten danach laut.

Nun, es war nicht der Trieb, der uns eines Tages bewog, diesen Plan auszuhecken und ihn auch durchzuführen. Es war lediglich eine sehr große Unsicherheit. Wir kamen sogar gleichzeitig auf die Idee. Dada rief an:

“Sherry, wenn ich nach Köln komme, dann will ich endlich küssen.”
“Ja, ich auch. Ich hab’ da auch schon eine Idee.”, sagte ich.
“Ich hab’ aber eine Bessere: Wir – Du & Ich – wir üben küssen!”, platzte es aus ihr heraus.

“Eh.”, stockte ich.
“Eh, das wollte ich auch sagen! Aber trotzdem: Tickst Du noch ganz Recht? Wieso kommst Du auf solche Ideen?”

“Und Du? Du scheinst auch nicht besser zu sein.”, lachte sie neckisch.
“Oke, komm’ am Wochenende & wir ziehen das durch. Ich befürchte nämlich, dass man das Küssen ab einem gewissen Alter nicht mehr lernen kann, wenn man das noch nie gemacht hat. Das wäre echt schrecklich! Ich habe nicht vor, als Vollidiotin dazustehen, wenn endlich die Liebe meines Lebens kommt.”

Gesagt getan. Dada kam zu mir, warf ihren Rucksack in die Ecke, band konzentriert ihre Haare nach hinten und sagte, sie sei bereit. Ich sah sie mit großen Augen an und sagte empört:

“Jetzt schon? Wollen wir nicht erstmal was essen?” – und erkannte, dass sie es wohl ziemlich ernst meinte und es auch eilig hatte, während ich mich schon einwenig rausreden wollte.

“Ja, jetzt. Ich will’s hinter mich bringen, Mann!” sagte sie entschlossen.

Nagut, die Kampfansage hatte ich verstanden, also band auch ich meine Haare zu einem strengen Zopf, damit sie nicht störten, nahm Labello-Erdbeere, wir schmierten uns die Lippen, ich ging auf sie zu und sah sie erstmal ratlos an.

“Wie sollen wir uns hinstellen?”, fragte sie.
“Naja, einfach gegenüber, Gesicht zu Gesicht.”, zuckte ich die Schultern.
“Nee, das geht nicht. Wir müssen den Kopf schieflegen.”

Also legten wir den Kopf schief, unsere Gesichter kamen sich näher, wir lachten ganz kurz und leise, hielten aber sofort inne, weil wir uns konzentrieren wollten. Dada nahm mein Gesicht in die Hand, unsere Lippen berührten sich, unsere Zungen berührten sich und wir küssten einander. Erst vorsichtig, dann mit variierendem Tempo, variierender Tiefe, variierender Technik. Es fühlte sich vertraut, warm und angenehm an – aber dennoch so ungewohnt und einschneidend wie der erste Caipirinha. Man musste es mehr als ein Mal trinken/tun, um zu erkennen, wie lecker es ist.

Wir stoppten kurz.

“Und, Dada?”
“Boah, weich. Ungewohnt. Nass, aber nicht unangenehm.”
“Genau so empfinde ich das auch. Lass’ uns mal im Liegen versuchen.”
“Oke.”

Also nahmen wir die nächste Lektion in Angriff. Im Liegen. Ich legte mich auf sie und küsste sie. Aber das ging nicht gut, wir mussten lachen. Also versuchten wir es im Sitzen, das klappte ganz gut – danach mussten wir immer nach Luft schnappen.

“Was denkst Du? Küssen wir jetzt gut oder schlecht?”, fragte sie.
“Fuck, woher soll ich das wissen? Weder wurde ich je geküsst, noch habe ich je geküsst. Aber ich glaube, wir machen das gut, oder? Ist doch angenehm.”

“Ja.” grinste sie.
“Ich glaube, wir haben’s drauf. Das war’s auch schon, Sherry. Ich glaube, wir sind geübt und wissen jetzt, dass wir uns bei unserer großen Liebe nicht doof anstellen werden.”
“Na hoffentlich!”, antwortete ich frech.

Ich muss hierzu sagen, dass Dada & Ich absolut keine “sexuellen” Gefühle bei dieser Prozedur hatten. Es ging einzig und allein um die Technik. Wir wollten das Küssen lernen, weil wir uns als totale Spätzünderinnen sahen, deren Zug bald abläuft, wenn’s um das Erlernen der körperlichen Freuden ging. Aber dieser Abend gab uns viel Sicherheit. Wieviel Sicherheit, erzähle ich Euch dann in der nächsten Geschichte. Danach gingen wir nämlich aus.

Wir setzten uns auf die Couch und aßen erstmal unser Eis und waren sehr zufrieden mit uns.