Das Buch war sehr interessant und hatte einige Aspekte über die menschliche Seele, die genial analysiert worden sind. Ich muss sagen, dass es nicht Dorian Gray war, der mich über Maßen faszinierte, sondern auch dieser arrogante, gleichgültige, zynische Lord Harry, der es auch war, der Dorian Gray im Grunde “befleckt” hat mit seiner Weltsicht. Er impfte ihm sehr bewusst gewisse Gedanken in den Kopf, um an Dorian Gray, dessen außergewöhnliche Schönheit & Unschuld er als sehr guten Ausgangspunkt für seine psychologischen Analysen sah, genussvoll beobachten zu können.

In “Das Bildnis des Dorian Gray” geht es also um einen jungen Mann, der von einem Künstler leidenschaftlich portraitiert wird und in seinem Hause auf Lord Harry trifft, der ihm sagt, dass Schönheit & Jugend alles sei, was das Leben ausmacht und lebenswert mache. Alles Andere sei nur Elend und unerträglich.

Der naive und ängstliche Dorian Gray rief dann just in einem Anflug aus Verzweiflung den Wunsch aus, dass dieses wundervolle Portrait doch altern möge statt seiner. Und wie unfair doch das Leben sei.

Als Dorian das erste Mal seine Seele befleckte, indem er das Herz eines Mädchen brach, entdeckte er schreckerfüllt eine Veränderung auf seinem Portrait – einen seltsamen, grausamen Zug um seine Lippen. Da erkennt er, dass das Portrait altert & seine Seele widerspiegelt und er jedoch weiterhin jung und rein aussieht.

Ein Buch über die menschliche Seele, seine Triebe, seine verzehrende Leidenschaft für die Schönheit und die Sünde. Ein Buch, das erst alle Moral und Tugend verwirft und sie als nichtig erklärt und am Ende aber doch zeigt, wie nötig dieses Gebilde für den seelischen Halt und den Frieden ist. Es zeigt, dass der Mensch weder mit der Grenzenlosig- und Maßlosigkeit, noch mit Struktur- und Regellosigkeit, noch mit dem Wissen um die eigene Ewigkeit zurechtkommen kann.

Es gibt viele fesselnde Gespräche, die einen erst empören – gerade wenn Lord Harry beteiligt ist und seine sehr interessante und zynische Sicht der offenbart. Fesselnd und unbedingt lesenswert. Man kommt bei dem Buch aus dem Staunen nicht mehr raus.