Ist Befreiung nicht etwas Wunderschönes? Ich saß da, schlürfte an meinem Frappucino Strawberry und schaute Imi mit großen, aufmerksamen Augen an, während sie von der ägyptischen Sprache redete und sich nach ihr sehnte. Ich erklärte ihr wildgestikulierend, dass wir uns einfach selber da draußen in der weiten Welt das holen werden, was uns heute noch fehlt – und sie gab sich damit zufrieden.

Der Weihnachtsmarkt war zu verlockend. Die Gegenstände glitzerten und funkelten – und sie wusste, wir würden sinnlos zugreifen, wenn unsere vernünftigen Männer nicht dabei sind – also zog sie mich weg. Wir tauschten unsere Mäntel. Mir ist immer so warm – und sie lief mit Schal rum. Die Menschen. Mal lächelten sie, mal schauten sie grimmig – so wie es sich gehörte. “Auch ohne Rosa-Rote-Brille kann das Leben schön sein”, dachte ich noch zufrieden.

Dann in der Mayerschen Buchhandlung. Große, orientalisch-samtig-schauende Tagebücher mit großen, funkelnden smaragdähnlichen Motiven. Iman zog mich wieder weg. “Lass’ uns lieber in den 2. Stock, Sherry.” – Ich folgte ihr, denn ich konnte widerstehen. Ich führe nämlich (leider) kein schriftliches Tagebuch mehr. Im 2. Stock angekommen sahen wir das selbe Wunder, nur zudem noch in anderen Farben. Es waren dicke, kleine, wunderschön funkelnde Notizkalender im selben Stile wie die Tagebücher im Erdgeschoss.

“Scheiße, was ist das denn…?”, sagte ich nur und griff zu und streichelte es. Imi sah mich so an, als seien wir in Schwierigkeiten. Lange bewunderten wir diese Bücher, suchten uns die Schönsten aus, während wir floskelhaft niederprasselten, dass wir uns die Notizkalender nicht holen würden, da sie zu teuer seien. Doch wir gingen mit ihnen schnurstracks zur Kasse, zahlten, schauten die Kassiererin skeptisch an, weil sie unwürdig mit ihnen rumhantierte und gingen raus an die frische Luft.

“Nicht in die Tasche tun, Sherry! Lass’ sie in dem Tütchen und halt’ sie in der Hand. So ist besser.”

Nun bin ich zu Hause, es ist spät – und die Übersetzung von Flaubert gefällt mir irgendwie nicht. Ich denke an kleine, gepflegte Hände, die an einem großen Schatz rumblättern, einen schwarzen Mantel, der mir viel besser steht, als mein Eigener und der nicht zu warm ist, an Imi’s Urteil über den All-You-Can-Eat-Chinesen am Dom, an die Jazz-Music im Starbucks – und bin schmerzhaft dankbar für noch jeden so kleinen Moment, der mich die schreckliche Zeit aus der anderen “Welt” vergessen lässt.

Wir nahmen uns noch vor, im Jahr 2007 ganz viele, schöne Tage zu verleben, damit wir unser zauberhaftes Notizbuch mit würdigen Fragmenten unserer Erlebnisse füllen können, so mein geliebter Gott es will.