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Archiv für November, 2006
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21.11.2006, 22:25
(Unbenannt)
20.11.2006, 16:10
Letztendlich…
Ich werde mich noch lange nicht trauen, über das letzte Wochenende zu schreiben. Über das Konzert, die Musik, Amy Lee, Peyman, die Menge da draußen und über mich. Es ist nicht nur, dass ich mich nicht traue, ich verspüre eine richtige Unlust dazu, weil mir klar ist, dass ich bei diesem Vorhaben sowieso scheitern werde. Ich weiß nur, dass dieses Konzert all meine Erwartungen übertroffen hat. Und das trotz der Unannehmlichkeiten & der Fast-Prügeleien. Trotz der Blasen an meinen Füßen & dem doofen Taxifahrer. Wir standen nur ca. 8 Meter von der Bühne entfernt; und das, obwohl wir sehr spät erst in der Schlange standen. Eine sehr enttäuschendes Revue-Passé, ich weiß. Aber im Moment ist wirklich nicht mehr drin mit Schreiben. Ich kann nur eines loswerden: Der Abend war Zauber – und der Tag nach Peyman’s Abreise bedeutet eine stechende Leere in mir, die aber nicht ganz pessimistisch ist. Denn sie ist in schüchterner Vorfreude auf das Leben dennoch lebendiger als es die letzte, schwierige Zeit überhaupt hätte erlauben können. Mehr dennje glaube ich wieder an meine eigenen Worte, für die ich vor jener Zeit berüchtigt war, weil ich sie stets immer mit solcher Überzeugung sagte, dass man mir einfach glauben musste: “Letztendlich wird alles gut. Du wirst sehen.” Ich will wieder die Alte sein… 18.11.2006, 04:39
Gedanken eines Zurückgebliebenen
Wo sind die Federn, mit denen ich Dich schmückte? Hast Du sie abgelegt, Geliebte? Sind sie Dir nicht mehr prunkvoll genug? Ich war heute wirklich draußen und wollte mir einen Pyjama kaufen. Wie hell es draußen ist, selbst meine trüben Augen haben es gemerkt. Seit Du fort bist, zerschleißen meine Sachen so schnell, Geliebte. Dann suche ich nach Nadel und Faden, doch eine Erinnerung an damals oder ein Fotoalbum aus unseren Tagen halten mich auf. Wie schnell die Zeit doch rast in unseren müden Gliedern. Ich bin so närrisch. Irgendwann erstummt die Musik aus unserem Lieblingscafé und es ist dunkel. Spät abends – und Nadel und Faden liegen da. Auch, als wir jung waren, war ich Dein Narr. Weißt Du noch, als ich Dir bei unserem dritten Rendez-Vous den Wein über die Bluse geschüttet habe? Du dachtest damals, das sei ein Plan gewesen, damit Du sie ausziehst (was Du dann auch getan hast). Die Wahrheit ist, dass ich zitterte. Wo sollte ich denn hinsehen? Auf Deine Augen, die Knöpfe Deiner Bluse? Dein Atmen? Auf das Licht, das Dir immer anhing wenn Du Dich bewegtest? Also schaute ich auf das Glas Wein und konzentriere mich so stark darauf, dass mein närrischer Kopf es umkippte. Wieder habe ich vergessen, was ich wollte. Ja, ich wollte wissen, wo die Federn sind, mit denen ich Dich geschmückt habe. Du hättest sie anbehalten sollen. Ich weiß, es ist närrisch, in dem Alter im Hochzeitskleid den letzten Weg getragen zu werden. Doch glaub’ mir, wie viel mehr wärst Du zuhause gewesen in dem fremden Bett unter der Erde mit meinen Federn. Schau’ Dir das Kleid an. Ich sehe noch die Perlen, die Dir Mutter dareingestickt hat. Ich weiß, es soll Unglück bringen, das Kleid vor der Trauung zu sehen. Du standst vor dem Spiegel und ahmtest einen Walzer nach und kichertest, als Mutter Dich milde lächelnd musterte und die Perlen stickte. Ich hielt die Luft an, wenn Ihr mich gesehen hättet, Ihr hättet die Hochzeit verschoben, bis Ihr ein neues Kleid besorgt hättet. Ihr Frauen seid so närrisch. So abergläubisch. Was war denn schon dabei, Dich vorher zu sehen? Wenn das Unglück bringen soll, warum war mein Leben mit Dir dann das Einzige, was ich je haben wollte? Weißt Du was? Ich kriege ja nicht einmal mehr die einfachsten Sachen hin. Ich weiß jetzt auch, warum, Geliebte. Ich glaube, ich soll Dir das Kleid vorbeibringen. Ich pack’ es eben ein, dann bin ich bei Dir… 18.11.2006, 00:06
Amy Lee & ihre Schwestern
Morgen ist das Evanescence Konzert. Jenes, für das ich bereit war, das 5-fache des Ursprungspreises zu zahlen. Ich bin irgendwie aufgeregt, wie als sei ich so’n besessener Fan, der nicht mehr schlafen kann. Und wenn ich überlege, mit wem und vorallem wie oft und vehement ich für dieses Konzert streiten und kämpfen musste, scheint es mir fast wirklich so. Dabei werde ich morgen gar keine große Sache daraus machen. Nicht wie die anderen Fans morgens schon um 9 Uhr am Palladium stehen, nur um einen Platz da vorne zu kriegen. Ein Konzert wird nicht nur am besten Winkel zu der Band festgemacht, sondern vorallem an den Momenten, in denen man mit der Anzahl der Individuen plötzlich in die selbe Extase gerät, zu einer einzigen, pulsierenden Masse wird, die von der selbe Königinnen-Flut durch die Zeit gerschmissen wird, wie alle anderen auch. Dennoch gehe ich bei all der Vorfreude, mit gemischten Gefühlen hin. Zwei geliebte Menschen, die diese Band genauso lieben wie ich, werden morgen nicht mitkommen können. Meine Schwester und meine Imili. Beide haben trifftige Gründe, die man für diesen Abend nicht aus dem Weg schaffen konnte. Gerade meine Schwester, die diese Band noch einen Tick mehr verehrt als ich, bleibt zu Hause. Dennoch haben wir alle dafür gesorgt, dass sie morgen einen wunderschönen Abend haben wird. (Nicht wahr, Shasha?) Ich werde Euch soviel Amy Lee mitbringen, wie ich nur kann, Schwesterherz und Imiherz. Versprochen…
16.11.2006, 03:05
Voodo Kräfte?
Imili denkt glaube ich, ich hätte meine ganzen mentalen Kräfte darauf ausgerichtet, dass sie diesen doofen Studenten Nah-Ost Verein abends nicht besuchen kann, um ihren Vortrag über Ägypten zu halten. Ich scheine wohl soviel gemeckert und geschmollt zu haben und einen so großen Widerwillen gegen das Ende dieses schönen Tages und Abends gezeigt zu haben, dass sie zwangsläuft denken muss, dass das, was geschehen ist letztendlich, meine Schuld sein musste. Der Zugsteig war kalt, und ich machte schnaufend unmissverständlich klar, dass ich lieber wieder ins Starbucks oder in die Buchhandlung wollte, um zu schmökern und darüber zu fantasieren, wie man Bücher klauen kann. “Außerdem habe ich Durst. Und die kommen alle sowieso nicht. Du bist doch eh zu spät!” Ich weiß nicht, wieviele Anrufe Imili bekommen & getätigt hat – aber es müssen um die Hunderte gewesen sein – und das ständig in der Panik, dass ihr Akku gleich ausfällt. (Sie hat da so ein Handy, das sie nie hört, weil sie besonders dezent wirken möchte & meint, ein “Pieps” mit “Vibration” in ihrer fettbeladenen Tasche würde etwas bringen – deshalb muss sie ständig zurückrufen), bis rauskam, dass kein einziger von den Kölner Mitglieder dort in Bonn erscheinen würde. Schon bei der Nachricht sah sie mich vorwurfsvoll an. “Mann, Sherry! Das ist Deine Schuld. Gib’ zu, Du hast Vodoo gemacht.” “Nein!”, rief ich mit großen Augen aus. Ich hab’ ja gar nichts dagegen. Ist nur doof, ich wollte noch weiter draußen bleiben. Und sofort im Anschluss: “Oke, dann fällt also aus, ne? Ne? Ne? Sag’ schon!” Imi schnaufte & sah aus wie so’n kleines, beleidigtes Mädchen, das jetzt unbedingt trotzen wollte. Sie telefonierte rum und war unschlüssig, ob sie nun darum kämpfen sollte, dass die Versammlung stattfindet oder nicht. Ich habe derweil im Zug meine Abneigung gegen den Zug gezeigt, indem ich mich im Kreis drehte, hin & her ging, Menschen böse ansah. Nach langem Hin & Her musste sie also doch hin – und unsere Wege trennten sich vorerst. Ich ging nach Hause, sie fuhr nach Bonn. Als ich zu Hause angekommen war, rief sie an: “Sherryli, Sherryli! Ich bin in den falschen Zug gestiegen. Das ist alles Deine Schuld!” (LOL) Ich meine, es tat mir wirklich Leid. Ich, als Zug-Phobikerin, wäre an einem Herzinfarkt gestorben, wenn ich in den falschen Zug gestiegen wäre. Aber bei Imili machte ich mir keine Sorgen, dass sie dennoch heil angkommen würde. Ich war sicher, ganz sicher. Und da ihr Akku ständig drohte, auszugehen, habe ich sie auch nicht mehr angerufen, um zu fragen, ob sie heil angekommen sei. Vorhin wache ich auf und sehe Folgendes im MSN Messenger: (23:20) ~*°Iman°*~: Wir hätten genauso gut zusammen rum laufen können Sag’ mal, Imili: Habe ich das richtig verstanden? Du bist, nachdem Du in den falschen Zug gestiegen bist, auch noch in die falsche Bahn gestiegen? Und was mich brennend interessiert: Bin ich jetzt wirklich Schuld daran?
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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