Mir ist etwas aufgefallen, das ich damals in meiner Ausbildung zur Pädagogin in der Theorie gelernt hatte: Wenn das Kind in der sensiblen Phase seines Lebens (Vom 1.-5. Lebensjahr) eine konstante Bezugsperson hat, die sich um seine Bedüfrnisse und um die emotionale Nähe kümmert, dann wird das Kind ein gesundes Urvertrauen entwickeln und Krisen in seinem Leben bis ins höhere Alter besser meistern, als andere, die diesen Luxus nicht so ungestört hatten. Außerdem hat es eine gesunde Fähigkeit, in Kontakt mit anderen Menschen zu treten und feste Bindungen aufzubauen.

Dieses Urvertrauen erkenne ich gerade in den letzten Monaten immerwieder in mir. Trotz dass gerade in meinem Kindesalter einiges unsicher und bedrohlich war (Iran, Ausreise, die Abwesenheit Papa’s, Mama’s tägliche Sorge und Weinen, ob Papa es je zu uns schafft) und all der Erfahrungen, die mir die letzten Jahre leider nicht erspart geblieben sind und einige Zerüttungen in meinem Welt- und Menschenbild hinterlassen haben, merke ich, dass ich dieses Urvertrauen gerade zu meinen Eltern habe.

Ich bin erwachsen und lebe schon seit vielen Jahren in meiner eigenen Wohnung, ich verdiene seit ich 14 Jahre alt bin immerwieder mal mein eigenes Geld, hab’ schon viel Verantwortung auf mich genommen, wenn es nötig war – aber in ratlosen Krisenphasen meines Lebens, habe ich oft meine Eltern gefragt. Und wenn Mama oder Papa mir wider all meines Pessimismus’ sagen: “Keine Sorge, meine Kleine, alles wird gut. Dies und jenes wird sich so oder so entwickeln, vertrau’ mir..”, dann fühle ich mich ganz beruhigt und sage mir innerlich: “Wenn Mama und Papa das sagen, dann wird das schon wahr sein. Immerhin sind das ja Mama und Papa.”

Dieses Gefühl will ich einfach niemals missen. So kindlich es auch ist, es ist ungemein beruhigend und warm. Diese Überzeugung, dass Mama und Papa da sind und besser als ich wissen, wie eine Sache ausgehen wird – und dass sie gut ausgehen wird.

Kennt Ihr das auch?