Ich hoffe, dass ich mit diesem Traum über den muslmischen Propheten keine religiösen Gefühle verletze, denn das ist nicht meine Absicht. Ich hatte diesen Traum vor ca. 1.5 Jahren, nachdem ich mich sehr intensiv mit der Geschichte der islamischen Welt befasst habe. Ich weiß noch, dass ich mich für diesen Traum geschämt hatte, obwohl ich nichts dafür konnte. Ich bin zwar keine Muslimin, aber irgendwie hatte und hat der Prophet immernoch etwas an sich, das bewirkt, dass ich trotz sovieler Dinge, die er getan hat, mit denen ich absolut nicht einverstanden bin, etwas Unantastbares an sich. Das liegt daran, dass – obwohl ich in einer Familie aufgewachsen bin, in der auf Religion weniger Wert gelegt wird – ich dennoch unter Anderem auch islamisch geprägt bin.

Mein Traum hatte sogar einen Soundtrack: ~*Ananda Skandar – Snowflower*~

(03/03/2005)

Ich träumte, ich war draußen in der Wüste. Ich wusste, dass ich nicht ich (also Sherry) bin, sondern aus der Perspektive einer Anderen schaute. Offene Haare, barfuß und ein weißes Kleid. Ich stand vor dem Zelt der Krieger Muhammads – sie und der Prophet planten, was als Nächstes geschehen sollte – ich verstand jedes Wort. Ich beherrschte die arabische, aber auch persische Sprache. Der Zelteingang wurde aufgeschoben, und der Prophet schaute raus. Er horchte dem Wüstenwind und verlor sich in Gedanken. Seine Stirn war so ernst, seine Augenbrauen so geschwungen, wie auf den Bildern Ali’s, die man im Iran oft findet – und die Ausstrahlung, die er hatte, war nicht in Worte zu fassen. Er war zweifelsohne eine raue Schönheit.

Er war in Gedanken versunken, seine geschminkten Augen hatten einen entschlossenen Blick. Ich ging langsam auf ihn zu, bis ich merkte, dass ich eigentlich nur Seele war und keinen Körper hatte – dennoch spürte er mich – denn er lauschte stets den Stimmen seiner Umgebung, wie mir schien.

Alles in der Szenerie war wie in Zeitlupe. Meine Schritte, sein Blick, der sich nach meinem Gesicht hob und mich voller Ruhe und Klarheit ansah und auf mir ruhte. Ich sah, wie er atmete. Er sagte nichts. Ich umkreiste ihn in Zeitlupe und sah ihn bittend an – doch er sagte nichts. Einfach nichts. Irgendwann blieb ich hinter ihm stehen und umarmte ihn sanft von hinten und legte meine Hände auf seine Brust. Ich spürte, wie er heftiger atmete, doch noch immer versuchte, die Haltung zu wahren. Er schaute weiterhin in die Ferne.

“Geliebter, warum hörst Du nicht auf mich? Bin ich Dir schon so fremd geworden?”, fragte ich und schmiegte meine Wange an seinen Rücken und weinte. Ich fühlte sein Herz, es war so unruhig – ganz anders als die unerschütterlicher Ruhe, die er auf seine Krieger ausstrahlte.

Entschlossen, aber leise antwortete er: “Sei still, Liebes. Gott hat Dich mir genommen – ich muss jetzt alles tun, damit er Dich mir wieder gibt. Verstehst Du denn nicht?”

Tränen fielen ihm über die Wangen, doch er ignorierte sie und sah noch immer so entschlossen. Sein Blick in die Ferne gerichtet, in der er sich schon ein Imperium erschaffen sah, das er Gott zu Füßen legen wollte, um seine Liebe mit Körper und Seele wieder zu erhalten – und keine Chance, ihn davon abzubringen, das wurde mir schmerzlich klar.

“Das hier will unser Gott gar nicht. All das, was Du anrichten wirst, das…”, flehte ich leise.

“Pscht”, sagte er. Noch immer unverrückbar. “Er will doch ein Reich, das ihn voller Inbrust ehrt – ich werde alles tun, damit er es bekommt – und als Lohn für meinen Kampf, wird er Dich mir wiedergeben, nicht wahr?”, und seine Tränen fielen weiter, ohne dass sein Gesicht sich rührte.

Ich weinte weiter still an seinem müden Rücken und erkannte, dass ich ihn nicht davon abhalten konnte – so genoss ich sein Herzklopfen an meiner Handfläche und den rauhen Duft der Wüste.

Ich erwachte, so dachte ich.

Alle waren in meinem Zimmer – und ich erzählte ihnen die Geschichte von Muhammad und seiner verstorbenen Liebe, nach der er sich so sehr sehnte, dass er für Gott eine Religion und ein Reich zu erobern suchte, damit er ihm zum Lohne seine Geliebte wieder zum Leben erweckte. Ich erzählte, wie schön er einst eigentlich war. Wie ruhig und besonnen. Wie ernst und klar seine Augen – und wie stolz seine Augenbrauen. Wie viel edler seine Gedanken schon immer waren als die der anderen Beduinen. Ich erzählte von der Kindheit des geliebten Propheten und seiner kleinen Geliebten, die schon seit ihrem 6. Lebensjahr wusste, dass sie zusammengehörten. Ich erzählte, wie er Tage lang in seinem Sterbebett lag und nicht gewillt war, den Nachfolger zu nennen – denn dort erkannte er, wie falsch seine Absichten waren und wie sinnlos alles – denn nun würde er sterben und es war nicht mehr notwendig, seine Geliebte zurückzubekommen. Er würde zu ihr können, wenn Gott ihn nicht bestrafen würde. Ich erzählte, wie sie an seinem Bett war, seine Stirn mit ihrer Hand und ihrem Kuss kühlte, um ihn dann mit zu nehmen.

“Er nannte keinen Nachfolger und dachte, das Ende dieser Ära sei mit seinem Tod in einem Atemzug vorbei – aber er täuschte sich…”, erzählte ich weiter.

“Und das ist die wahre Geschichte von der Entstehnung des Islams. Muhammad war nur ein weiterer Majnun, der Gott ein großes Geschenk bringen wollte, um das größte Geschenk von ihm zurück zu erhalten – es war sie. Bis zum Ende wollte er sie, gleich ob sein Körper schon alt war; sich nicht mehr dessen bewusst, dass auch er bald gehen würde und der Krieg ganz sinnlos war.”, sprach ich wie in Trance weiter.

Ein Finger, der meine Tränen wegstreichelte, weckte mich aus meinem Delirium. Und als ich mich umsah, sah ich alle Lieben an mir geschmiegt. Und um mich herum alle Anderen. Islamfeinde, Moslems, alle. Niemand sagte ein Wort. Jeder verstand für sich – und niemand bekämpfte sich. Alles schien jetzt verständlicher, wenn auch nicht weniger traurig und grausam. Aber von Hass war nichts mehr übrig – nur noch ein leises Bedauern in Gedenken an den traurigen Propheten, der nur seine Liebe wieder haben wollte – nur seine Liebe.

Und dann sagte ich noch ganz unhörbar…

“Und nun sind wir wieder getrennt – er dort, ich hier. Doch bin ich es, die leidet und er es, der dort seine Ruhe hat. Während ich nichts Anderes tun muss, als seinen Liebesbeweis an mich in den Augen aller schlecht zu machen – den Islam.”

Aber das hörte niemand mehr.

Für alle Nicht-Iraner, die die Bilder aus Iran nicht kennen, füge ich ein Bild ein, das dem Propheten in meinem Traum sehr ähnlich sah. Ich muss dazu aber sagen, dass im Iran dieses Bild “Ali” darstellt und nicht den Propheten: