Ich tu’ gerade etwas Unerhörtes. Unerhört, ja. Obwohl ich ein Leben lang nichts Anderes tu’, als genau das: Schreiben.
Diesmal ist es anders. Mit ca. 16 Jahren schrieb ich meinen ersten persönlichen, autobiografischen Roman, den ich jemand ganz Bestimmtem widmete. Damals wie heute handelte es sich um eine Zeit, eine Gegebenheit, die ich irgendwie zu verarbeiten suchte. Heute wie damals wird nur eine sehr auserwählte Leserschaft meinen Roman zu lesen kriegen.
Vielleicht ist es geradezu lächerlich, in diesem Alter etwas Autobiografisches zu schreiben. “Was hat man in dem Alter schon Großartiges erlebt?” – aber ich möchte mich davon nicht abhalten lassen. Denn Abenteuer, Erlebnisse, Geschichten sind immer subjektiv – die Art und Intensität, in der man sie erlebt und wiedergibt, sind wichtig. Das absolut Pure und Authentische ist der Kern.
Vergessen wir nicht, dass viele große Romane nur einen einzigen Schauplatz und eine minimale Handlung hatten – und es viel eher den großen, kleinen, subtilen und dunklen Gefühlen und ihrer Assoziationskraft während eines Dialoges zu verdanken war, dass aus einem scheinbar schlichten Roman, ein mal prächtiges, mal beängstigendes Gemälde einer fremden, aber faszinierenden Gefühlswelt verwandelte.


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“Vielleicht ist es geradezu lächerlich, in diesem Alter etwas Autobiografisches zu schreiben. “Was hat man in dem Alter schon Großartiges erlebt?”
Das Gleiche habe ich mich auch gefragt:
Macht es Sinn vor seinem 30. Lebensjahr an seinen Memoiren zu arbeiten? – Ja, das tut es!
Dadurch, dass ich ein Kapitel meines Lebens auf Papier gebracht habe, kann ich sehen, worauf die Geschichte hinauslaufen könnte. Eine melancholische Geschichte wird nicht lustig, auch wenn eine Pointe eingebaut ist. Man muss einfach den Plot erkennen, während die Feder einen führt, wenn man das erste Kapitel zu Papier bringt…
Ich erschrack, jedesmal wenn ich sah, dass das Blatt “unbefleckt” war…Denken kann man viel, aber wenn man es nicht in eine – nicht mal große – Tat münden lässt, wird man seinen Enkeln – Gedanken verblassen schneller als Taten – auch nicht viel zu erzählen haben vor dem Kamin – es sei denn Märchen…Wenn man dann an seiner Autobiographie anfängt zu schreiben, erlebt man vielleicht eine “Endlife- Crisis”, aus der man nicht mehr als Sieger aus der Arena herorgehen kann.
Wer anfängt zu schreiben, kann sich denken, welcher Abschluss glaubwürdig ist, und ruhig dahingehend leben…
Meine Theorie…
Ich weiß nicht. Wenn’s danach gehen würde, dann wäre 30 doch auch noch zu jung, oder Arkadas? Mal schauen. Ich find die Idee noch lächerlich, aber es ist nicht so, dass ich mir vorgenommen hatte, ein “Buch” zu schreiben, sondern nur Vieles aufschrieb und merkte, dass es gar nicht mehr aufhört.
Du hast also schon angefangen?
Nein, ich hatte was anderes vor Augen, du wirst lachen: Es gab mal eine Zeit, da habe ich nicht viel geredet, um nicht zu sagen, ich habe gar nicht mehr geredet…weil ich schwer depressiv war. Da war die Federführung, so als würde man etwas ankurbeln, und hoffen, das es dann von selbst läuft, die Gedanken, die aus etwas fixiertem, verbindlichen entspringen sollen. Ich habe es mir dann zur Aufgabe gemacht einige Zeilen pro Tag aufs Papier zu ritzen, die sich vom Vortage abheben und mich erinnern, dass ich – wenn auch wenig nicht stehen geblieben bin. Am Ende legte ich diese Zeilen zusammen, und wollte der Zeit etwas abgewinnen, in der ich über eine lange Zeit gedanklich brache lag. So enstand der Gedanke sich irgendwie vor der Zeit zu rechtfertigen, schriftlich.
Ungewöhnliche Geschichte, ich weiß…
Ich finde die Idee ein Buch zu schreiben aber nicht lächerlich, weil man sich bewusst wird, was man anderen zu erzählen hat und was nicht…
Weißt Du was? Was Du gerade geschrieben hast, hat mich sehr berührt. Das mit “Jeden Tag ein paar Zeilen kritzeln” und dass Du depressiv warst, gar nicht geredet hast die Rechfertigung vor der Zeit… Hast Du diese Seiten noch? Wie lange warst Du so in Dich gekehrt? Und wie lange ist das her?
Niemand sollte einem mehr zu erzählen haben, als man sich selbst. Jemand der, die Fähigkeit eines Regisseurs mitbringt, vor seinem geistigen Auge Szenen abspielen zu lassen und das auch noch schriftlich fixieren kann, braucht kein Film und Fernsehen…und auch nur wenige Menschen…Ich schweife ab…
Du hast Dich in Deine Fantasywelt zurückgezogen gehabt? Welches Buch hat Dich dabei begleitet? Es muss ein Buch gewesen sein. Ich weiß das.
Vor exakt drei Tagen war ich wieder in so einer Phase, in der jeder Autist neben mir verblasst wäre. Und erst jetzt – nach Monaten- kann man alleine daran, dass ich wieder mehr schreibe- ausschweife- erkennen, dass mir auch mehr Gedannken vergönnt sind…Die Zeilen bleiben seelisch eingeritzt, weil sie fast jedesmal eine Meisterleistung waren, obwohl man sie einfach überfliegen könnte. Ich habe sie. Sie sind wie eine Urkunde, die man irgendwohin nagelt, aber auf die man auch nicht wirklich stolz sein kann, weil sie Kunde tun von etwas, das unerhört ist…
Ich wünschte, Du würdest mir mehr erzählen. Aber vielleicht tust Du es auch nur nicht, weil Du weißt, dass ich weiß, wovon Du redest. Sind Deine Zeilen auf türkisch oder auf deutsch?
Einn Buch? – Du meinst mein Büchergrab! Die Bücher blicken hier fast wie Grabsteine auf mich…LOL
Ich habe mir sehr viele Bücher zugelegt, als würde in irgendeinem eine einzige Zeile auf mich warten, die mich heraus katapultiert aus dieser Stimmung. Das sind Bücher, die ich niemals alle werde lesen können…
Ein bestimmtes Buch? – Das sind Medikamente, weißt du: Du setzt eins an, und wenn es nicht auf Anhieb wirkt, gibst du dem nächsten eine Chance. Und am Ende bist du mehr das, was du gelesen hast, als das, was du selbst geisitig entwickelt und weitergeführt hast.
Eine Zeit lang habe ich die ganze Antike in Büchern furchforstet, weil sie mich nicht mit Antworten überschüttet, wie es unsere Zeit tut. Das war meine “Fantasy-Welt”. Vor 2000 Jahren hat das Denken das Laufen gelernt, und das wollte ich neu erlernen, weil ich eher gekrochen bin, als gelaufen.
Dann bin ich über Griechenland bei euch in Persien gelandet – jetzt weißt du, wie ich bei INN gestrandet bin. Es hängt alles miteinander zusammen…
Sherry, ich könnte ein Buch,schreiben – eins auf deutsch – denn es ist eine lange Geschichte, die sich in den letzten sieben Jahren entwickelt hat…
Ich könnte jeden Psychologen und Psychiater an die Wand nageln – momentan, wenn ich wach bin…Den würde ich über seine Pseudo-Wahrheiten hinwegfegen…
Du hast mal in einem Thread über Melancholie geschrieben. Das kam mir sehr bekannt vor. Das war so….als würde jemand für mich denken..Genial!
Verstehe. Dein Redefluss ist wirklich wie ein sehr süßer und dennoch schwerer Wein. Ich würde gerne soviel mehr erfahren. Ich habe Psychiater/Psychologen auch gerne verlacht, wenn ich in mich gekehrt war, denn ich wusste so gut, dass sie nichts wissen. Nichts von dem, was in einem in ihren Augen patholigischen, depressiven Menschen vorgeht. Sie hatten ihre Theorien und Modelle – und fügten einen einfach da rein. Wenn’s nicht gepasst hat, dann wurd’s halt passend gemacht.
Danke für Deine Schrift in meinem Blog.
Shab khosh!
S.