Es gibt dieses kleine Intervall zwischen Wachsein und Schlaftrunkenheit, das man noch bewusst wahrnimmt. Jeder kennt es – und jeder, den ich kenne, denkt in jenem Moment, dass Schlaf das Wundervollste auf der Welt sei. Die Übergänge zwischen “realer Wahrnehmung” und “assoziativer Wahrnehmung” werden empfunden, aber alles Surreale, das man sieht, nicht wirklich als ungewöhnlich gesehen. Wie es auch oft im Traum vorkommt, denkt man sich: “So ist das hier. So war es schon immer, und das ist völlig normal.” Nicht einmal so weit denkt man, denn das würde ja bedeuten, dass man irgendeinen Kontrast zwischen Traumwelt und realer Welt empfinden würde – doch das passt nicht zum natürlichen Empfinden dieses Intervalls, das man hat.

Ich habe letztens dieses kleine Tor des bewussten “Träumens” festgehalten. Ich konnte mich dazu zwingen, mich auf die surrealen Bilder, die ich sah, zu konzentrieren, auch wenn die Bilder nicht mehr unbefleckt von meiner bewussten Vernunft waren, so waren sie dennoch intensiv und bemerkenswert.

Ich sah, wie ich von einem Strahl der Sonne wie an einer Stange runterglitt und mich ohne Angst und voller Freude in die Welt warf und rief: “Ich komme gleich. Welt, ich komme gleich, warte…” Ich lachte und schrie, so frei war ich. An dieses Bild und meine Empfindungen darin erinnere ich mich noch sehr gut, die anderen waren nicht mehr festzuhalten. Da war ein Bild, da nahm mich Papa an die Hand, aber war selber noch ein Kind, nannte mich aber “Dokhtaram (meine Tochter).”

Wir rannten lachend und er wollte mir etwas zeigen in seinem Versteck. Ich weiß jetzt, woher ich meine großen Augen habe, die hatte Papa als Kind auch. Ich sehe aus wie er, das weiß ich jetzt. Dann zeigte er mir eine alte, kleine, vermoderte Schatzkiste, in der er seine Murmeln aufbewahrte. Wunderschöne, glitzernde Murmeln, nicht von dieser Welt. Er zeigte sie mir und sagte, ich solle sie in die Hand nehmen.

Als ich die Augen öffnete, wusste ich, was mein Papa zu Weihnachten kriegt: Eine Schatztruhe mit wunderschönen Murmeln. Im Iran war er Murmel-Spiel-Meister, wie alle Männer, die heute noch kleine Jungs sind. Ich weiß, dass es ein Weihnachtsgeschenk sein wird, woran er sehr lange seine Freude empfinden wird.

Und das ist das, was ich sagen will. Hört manchmal mehr auf die Stimme der Unvernunft. Und wehrt Eure Bilder nicht ab, sie wissen viel mehr als die linearen Impulse Eurer Alltagsvernunft. Vorallem, wenn es um Herzensdinge geht.

Ich werde das offene Tor heute Nacht wieder nutzen, wenn ich es schaffe. Dann versuche ich noch mehr Bilder mitzunehmen.