Liebe Frauen,

Ihr seid ja nett und seht gut aus – manchmal, aber lernt doch bitte den Umgang mit technischen Geräten, die nicht mit Gummi überzogen sind und mehr als nur zwei Batterien zum laufen benötigen.

Heute traf ich Ayse (Name geändert) und ihre Freundin. Das Treffen war zufällig und stand schon zu Beginn unter einem schlechten Stern. Noch bevor ich unseren Treffpunkt, einen winzig kleinen Kopierraum, betreten konnte, stapfte mir ein anderes weibliches Wesen entgegen, bepackt mit Aktenordnern und Büchern und bezeugte ihre schlechte Laune durch ein lautes “So eine Scheisse! Hier geht auch gar nix!”.

Ihre schlechte Laune passte perfekt zu ihrem Aussehen. Circa zwei Meter später erfuhr ich, warum die werte Dame sich beklagte. In dem winzigen Kopierraum standen drei Kopierer. Vor einem der drei Kopierer standen Ayse und Freundin. Die anderen beiden waren “Gehen nit, Papierstau” wie mir Ayses Freundin sofort beim Betreten des Raumes mitteilte. Der gute alte Papierstau, immer wieder gern genommen. Im Gegensatz zu der Dame, die genervt abdampfte, entschied ich mich zu warten. Ayse und Freundin kopierten lustig drauf los und setzten neue Maßstäbe in Sachen “Deutsche Gründlichkeit”:

Sie zogen ein zu kopierendes Dokument aus dem Ordner der Begierde, legten es fein säuberlich auf die Glasfläche des Apparates, vergewisserten sich, dass das Blatt auch wirklich akkurat auf dem Gerät liegt, schlossen die Klappe, starrten auf das Bedienfeld um nach einer nur kurzen Pause, gefüllt mit Gedanken, was denn nun zu tun ist, entschieden auf den grössten aller Knöpfe mit der englischen Aufschrift “OK” zu drücken. Ihr werdet es kaum glauben, aber das Kopiergerät kopierte tatsächlich das sorgsam auf die Glasfläche gelegte Dokument! Eins zu eins fanden sich die Buchstaben auf der Kopie wieder. In schwarz und weiss, auf einem viereckigen, ca. 30 x 20 cm grossen Blatt weissem Papier. Unglaublich diese moderne Technik! Nachdem Ayse dann die Kopie kurz überprüfte – nicht dass der Kopier da was anderes kopiert hat als das sorgsam auf die Glasfläche gelegte Dokument – drückte Ayses Freundin noch mal auf den grössten aller Knöpfe mit der Aufschrift “OK” und startete den Kopierprozess erneut. Anscheinend benötigten beide eine Kopie. Lisa kontrollierte wieder das Resultat um dann entschlossen und dennoch mit aller Vorsicht den Deckel zu öffnen, das kopierte Dokument in den Ordner zu legen, und die nächste Seite aus demselbigen zu nehmen. Nun wurde soeben beschriebener hochkomplexer technischer Prozess wiederholt. Ziel des Ganzen war wohl, den Ordner der Begierde zu vervielfältigen – “kopieren”, wie die Fachleute es bezeichnen.

Der Ordner umfasst geschätzte 100 Seiten. Es waren keine amtlichen oder wichtigen Dokumente, die mit besonderer Vorsicht behandelt werden muessen. Mein Genervt-sein-O-Meter kletterte rapide von den ueblichen 60% auf 85%. Doch bevor ich einen dummen Kommentar machen konnte hatte Ayse eine brillante Idee:

“Wir koennen doch den Papiereinzug benutzen!”
“Mmmmmh, was ist denn das?”
“Dieses Ding da oben wo du Blätter reinlegen kannst.”
“Ja kopiert der die denn dann?
“Ja.”
“Wirklich?
“Ja, ich glaube schon.”

Ayse lag mit ihrer Vermutung sehr richtig! Im ausklingenden 20. Jahrhundert erfuhr der Kopierprozess eine Renaissance, hervorgerufen durch die Entwicklung des Papiereinzuges. Mein Genervt-sein-O-Meter sank auf allmorgendliche 80% und die Hoffnung, Weihnachten nicht im Kopierraum verbringen zu müssen, stieg. Leider nur kurz. Ayses Freundin traute der modernen Technik nicht:

“Ja aber bist du dir da sicher?”
“Ja, ich hab das schon mal gemacht”
“Weisst du wie das geht?”

Anmerkung der Redaktion: Sie hat es doch schon mal gemacht. Natürlich weiss sie das!

“Hier steht ‘Blätter mit Schriftseite nach oben einlegen und Start drücken’”
(Anmerkung der Redaktion: Du hast es doch schon mal gemacht. Lies nicht, mach!)

Meine Begeisterung wuchs ins Unermessliche, als Ayses Freundin einwilligte, Ayse auf diese unglaubliche Mission zu begleiten. Sie nahm die Blätter aus dem Ordner und – es hätte so schön sein können – liess alles auf den Boden fallen. Ayse trampelte, geschockt von so einem schweren Schicksalsschlag, aus Versehen mit nassen Schuhen auf den Blättern rum. Wie das für Frauen typisch ist, folgte dem “Oh Scheisse!” ein “Hihihihihihihi, wenn ich DAS der Fatma erzähle”. Dennoch liessen sie sich nicht von ihrer Mission, als erste Frauen der Menschheit den Papiereinzug zu benutzen, abbringen. Hier wurde es Zeit einzugreifen und die holde Weiblichkeit durch die immense Power eines grossen Männergehirns zu unterstützen:

“Ääääähm, sorry, aber wenn ihr nasse und so stark geknickte Blätter in den Papiereinzug legt ist der Papierstau eigentlich schon vorprogrammiert”

In so einem technischen Kontext wurde spontan das “Männer sind doof” Programm abgespult:

“Äääääh, ja, hahaha, wieso DAS denn bitte?”
“Weil die Blätter dann nicht mehr richtig eingezogen werden können”
“Ach was … hihihi, Ayse, hihihihi, erzähl das bloss nicht der Fatma!”

In diesem Moment ereigneten sich genau zwei Dinge in meinem grossen Männerhirn:

1. Mir wurde klar, warum es ständig zu Papierstaus kommt
2. Ich entschied mich, ein Stockwerk tiefer zu kopieren

Beim Verlassen des Raumes bemerkte ich, dass einer der beiden “gehen nit, Papierstau” Kopierer kein beleuchtetes Display aufwies. “Geht nit, Papierstau” stellte sich als “Man muss erst mal den Knopf mit ON drücken” heraus. In diesem Moment ereigneten sich genau drei Dinge in meinem Kopf:

1. Ich nahm mir wieder mal vor, nie wieder Frauen zu vertrauen
2. Ich verfluchte den Mann, der den Frauen das Lesen erlaubte
3. Ich dankte Gott dafür, dass die hässliche Alte, die aus dem Raum gestampft kam, kein Männerhirn hatte

Ausserdem musste ich an ein kaltes Bier und an Poker denken, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Mein Kopierer lief warm. Doch noch bevor ich die ersten zehn Seiten kopiert hatte, erfüllte sich meine Prophezeiung:

“Scheisse? Was ist denn jetzt los?!”

Papierstau, du dummes weibliches Wesen. Die nächsten Minuten waren geprägt von “Scheisse!”, “Komm wir drücken mal auf den Knopf da” und wildem Rütteln am Kopierer. Dann entschied sich Ayse die ganze Kraft ihres weiblichen Hirns zu nutzen:

“Das ist ein Papierstau!”. Damit stimmte sie mit der “Papierstau” Meldung im Display des Kopierers zu 100% ueberein. Weibliche Intuition? Doch Ayse lief zur Höchstform auf und mobilisierte auch die letzten Synapsen ihres Denkapparates: Da ich am kopieren war, und der Kopierer doch vorher einen Papierstau hatte, musste ich ja wohl wissen, wie man so einen Papierstau beheben kann. Clever! Und mal wieder typisch Frau: die Männer werden das, was wir verkacken schon wieder in Ordnung bringen.

“Kannst du das reparieren?”
“Nö”
“Aber du hast es doch auch an dem Kopierer geschafft”
“Der hatte keinen Papierstau. Der war bloss ausgeschaltet”

Ein herber Rückschlag für die Damenwelt. Doch nun nutzte Ayses Freundin die ganze Power ihres Köpfchens, zeigte auf meinen Kopierer und sagt:

“Na dann dürfen wir jetzt aber an den Kopierer!”
“Wieso das denn?”
“Weil wir zuerst da waren!”

Wären Ayse und ihre Freundin hübsch gewesen, wäre ich natürlich gerne bereit gewesen, sie ihre Sachen kopieren zu lassen, um ihnen in Ruhe auf Titten und Arsch zu starren. Da Ayse aber viel zu gross, viel zu dünn und viel zu kleine Titten hatte, ihre Freundin viel zu klein, viel zu dick und Hängetitten hatte, fiel das ins Wasser. Hätten sich beide ineinander gemorpht, wäre vielleicht eine hübsche Frau rausgekommen, die hätte kopieren dürfen.

“Was wollt ihr denn kopieren? Euer Kram ist doch im Einzug hängen geblieben”
“Wie?! Die Blätter sind DA drin?!”

Anmerkung der Redaktion: Nein. Die Blätter sitzen im Flieger nach Malle und feiern Orgien mit Monsieur Faber Castell und Mister Edding. Der Papierstau sitzt im Bus, Richtung Puff in Barcelona. Schalalalalala!

Wie Hunde durch quietschendes, buntes Spielzeug, werden Frauen durch neues Wissen abgelenkt. “Oha, die zu kopierenden Seiten bleiben beim Papierstau also im Kopierer hängen und verstopfen den Einzug. Das muss ich mir merken! Und der Fatma erzählen!”.

Damit waren die Damen nun erst mal geistig beschäftigt. Und ich hatte soeben zwei Minuten gewonnen, um in Ruhe auch die letzten Seiten des Buches zu kopieren. Ayse und Freundin zerrten eine Seite aus dem Einzug. Was nichts half, denn weiter unten war wohl noch eine drin. Sie beschlossen, erst mal den Rest einzeln zu kopieren.

Da ich sowieso fertig war … sorry, noch mal neu der Satz: Nett wie ich nun mal bin, erlaubte ich dem starken Geschlecht meinen männlichen Kopierer weiter benutzen zu dürfen. Vorher stellte ich die Vergrösserung jedoch auf 130%, die Anzahl der Kopien auf 5, und die Brightness auf minimal. Next level, chicas. Mal gucken, ob sie morgen frueh noch da stehen.

(Story was told by Funk Daddy)