Archiv für Dezember, 2006
13.12.2006, 03:47
Was übrig blieb

Jeder Schritt zu Dir
wie heißes Blut
im klirrenden Schnee

Jeder Atemzug für Dich
wie des Messers Schneide
durch meine Lunge

Jeder Gedanke an Dich
wie ein fiebriger Eisengürtel
um meinen schreienden Kopf

Jeder Kuss für Dich
wie das Ablassen
von meiner eigenen Würde

Jedes Gefühl der Liebe
wie der Ruf der Verführung
in den Schlund der Sünde

Ich hasse Dich.

Forbidden Fruit

12.12.2006, 15:18
Das offene Tor

Es gibt dieses kleine Intervall zwischen Wachsein und Schlaftrunkenheit, das man noch bewusst wahrnimmt. Jeder kennt es – und jeder, den ich kenne, denkt in jenem Moment, dass Schlaf das Wundervollste auf der Welt sei. Die Übergänge zwischen “realer Wahrnehmung” und “assoziativer Wahrnehmung” werden empfunden, aber alles Surreale, das man sieht, nicht wirklich als ungewöhnlich gesehen. Wie es auch oft im Traum vorkommt, denkt man sich: “So ist das hier. So war es schon immer, und das ist völlig normal.” Nicht einmal so weit denkt man, denn das würde ja bedeuten, dass man irgendeinen Kontrast zwischen Traumwelt und realer Welt empfinden würde – doch das passt nicht zum natürlichen Empfinden dieses Intervalls, das man hat.

Ich habe letztens dieses kleine Tor des bewussten “Träumens” festgehalten. Ich konnte mich dazu zwingen, mich auf die surrealen Bilder, die ich sah, zu konzentrieren, auch wenn die Bilder nicht mehr unbefleckt von meiner bewussten Vernunft waren, so waren sie dennoch intensiv und bemerkenswert.

Ich sah, wie ich von einem Strahl der Sonne wie an einer Stange runterglitt und mich ohne Angst und voller Freude in die Welt warf und rief: “Ich komme gleich. Welt, ich komme gleich, warte…” Ich lachte und schrie, so frei war ich. An dieses Bild und meine Empfindungen darin erinnere ich mich noch sehr gut, die anderen waren nicht mehr festzuhalten. Da war ein Bild, da nahm mich Papa an die Hand, aber war selber noch ein Kind, nannte mich aber “Dokhtaram (meine Tochter).”

Wir rannten lachend und er wollte mir etwas zeigen in seinem Versteck. Ich weiß jetzt, woher ich meine großen Augen habe, die hatte Papa als Kind auch. Ich sehe aus wie er, das weiß ich jetzt. Dann zeigte er mir eine alte, kleine, vermoderte Schatzkiste, in der er seine Murmeln aufbewahrte. Wunderschöne, glitzernde Murmeln, nicht von dieser Welt. Er zeigte sie mir und sagte, ich solle sie in die Hand nehmen.

Als ich die Augen öffnete, wusste ich, was mein Papa zu Weihnachten kriegt: Eine Schatztruhe mit wunderschönen Murmeln. Im Iran war er Murmel-Spiel-Meister, wie alle Männer, die heute noch kleine Jungs sind. Ich weiß, dass es ein Weihnachtsgeschenk sein wird, woran er sehr lange seine Freude empfinden wird.

Und das ist das, was ich sagen will. Hört manchmal mehr auf die Stimme der Unvernunft. Und wehrt Eure Bilder nicht ab, sie wissen viel mehr als die linearen Impulse Eurer Alltagsvernunft. Vorallem, wenn es um Herzensdinge geht.

Ich werde das offene Tor heute Nacht wieder nutzen, wenn ich es schaffe. Dann versuche ich noch mehr Bilder mitzunehmen.

11.12.2006, 15:25
Jeden Tag

Jeden Tag sagst Du mir, dass alles gut wird. “Ich glaube nicht oft und viel, weil ich bin Wissenschaftler, das weißt Du. Aber wenn ich in meinem Leben mal aus einer inneren, unergründbaren Überzeugung etwas geglaubt habe, so ist es auch genau so eingetroffen, mein Schatz.” – Auch, und gerade in Dir, finde ich mein Ur-Vertrauen wieder, das ich durch die ganze turbulente Zeit durch erhalten konnte. Weißt Du das? Vergiss’ meine heftigen Anklagen, wenn ich mal wütend bin. Nimm’ meine Wut an sich ernst, Azizam, denn sie will meinem Schmerz und irgendeinem ungerechten Umstand Luft verschaffen. Aber nimm’ nie die Inhalte, die ich Dir in meiner Wut an den Kopf werfe, ernst.

Wisse das.

11.12.2006, 01:08
Lost Lady
09.12.2006, 15:28
Das Mädchen und der Mond

Und dann schaffte das Mädchen es endlich, auf die weite Krone dieses starken Baumes zu gelangen. Ihr Kleidchen war zerissen, ihre Waden zerkratzt und blutig – doch sie hatte es geschafft. Sie saß hoch oben auf den alten Erinnerungen des Baumes, der jeden Tag Zeuge einer traurigen Romanze wurde. Die Sonne ging unter und küsste ertrinkend das Meer. In der Umgebung zischte es bei soviel Leidenschaft. Was die Sonne nicht wusste – seit sovielen Jahren einfach nicht wusste – war, dass der Mond sie vom ersten Tag an beobachtete. Mal weinend, mal lächelnd, mal loslassend, mal selbst das Meer bewundernd.

Es wurde Nacht. Das Mädchen saß noch immer hoch oben auf der Krone dieses Baumes. Und als sie fast eingeschlafen war und noch traurig über den armen Mond, der von seiner Sonne betrogen wurde, Gedanken verlor, die sich irgendwann in Träume wandelten, hörte sie eine klagende Stimme, die sang, die sang, die von ihrer Liebe sang und sang – die bis zum nächsten Sonnenuntergang singen würde und auch noch singen würde, wenn die Sonne das Meer wieder küsste…

Hören: ~*Good enough for you*~

Under your spell again
I can’t say no to you
crave my heart and its bleeding
in your hand
I can’t say no to you

Shouldn’t have let you
torture me so sweetly
now I can’t let go of this dream
I can’t breathe but I feel

Good enough
I feel
good enough for you

Drink up sweet decadence
I can’t say no to you
and I’ve completely
lost myself and I don’t mind
I can’t say no to you

Shouldn’t have let you
conquer me completely
now I can’t let go of this dream
can’t believe that I feel

Good enough
I feel good enough
its been such a long time
coming, but I feel good

And I’m still waiting
for the rain to fall
pour real life down on me
cause I can’t hold on to
anything this good
enough
am I good enough
for you to love me too?

so take care what you ask of me
cause I can’t say no