Monate lang hatten wir Bewohner zwecks “Sarnierungsmaßnahmen” diese Bauarbeiter direkt in der Wohnung hängen. Ich meine, wenn mein Fenster auf Kippe stand, dann hätten sie wirklich durchplumpsen können – schnurstracks in mein Bett. Das war keine leichte Zeit, müsst Ihr wissen. Sie waren an ihren Gerüsten, gingen hin und her, schauten ab und zu bei mir rein – und ich musste ständig sicherstellen, dass ich auch – entgegen meiner sonstigen, freien Wohnkultur, anständig angezogen rum lief und nicht etwa gerade dazu genötigt wurde, einen hochroten Kopf zu kriegen. Lange hielt ich es nicht aus. Denn nach einem Schlüsselerlebnis zu dieser Zeit (nein, ich werde jetzt nicht darüber berichten, ich bin noch immer dabei, dieses Trauma zu verarbeiten!), beschloss ich, meine Gewohnheiten beizubehalten und mich jedes Mal genüsslichst der lästigen, kneifenden “Draußen-Kleider” zu entledigen und rumzulaufen, wie ich wollte. Immerhin war diese ständige “Irgendetwas-anhaben-müssen”-Vorschrift einer der primären Gründe, warum ich mit 17 Jahren schon ausgezogen bin. Das dürfen meine Eltern natürlich nicht wissen, weil denen sämtliche Schulpsychologen weitaus trifftigere Gründe für meinen Auszug erklärten, nachdem ich sie bearbeitet hatte (LOL).

Jedenfalls lief ich hier die letzten Monate mit zugezogenen Vorhängen rum, nur um “frei” sein zu können – was mir längerfristig aufgrund zuwenig Sonnenlicht (Oke, Deutschlands Sonnenlicht ist nicht unbedingt gleich Sonnenlicht nach herkömmlicher Defintion, aber eben alles, was wir haben) wirklich einen Knacks in der Birne verschaffte (also einen Weiteren, nicht den so schon Vorhandenen). Außerdem blieb ich weiterhin paranoid. Weder konnte ich mich in meiner wiedererkämpften “Wohnkultur”-Freiheit (=rumlaufen, wie mir lieb ist) daran gewöhnen, dass die Vorhänge zugezogen sind – und habe mich dementsprechend immer noch von den Bauarbeitern beobachtet gefühlt – noch konnte ich mit offenen Vorhängen, das Licht hereinlassend, rumlaufen, ohne an den Zwängen des Alltags da draußen nicht zu Grunde zu gehen. (Ihr habt ja keine Ahnung, Ihr dummen Männer, wie anstrengend so ein BH ist oder eine Jeans oder ein Oberteil, das man sich nur leisten kann, wenn man ständig die Luft anhält oder…!) – Mann, was habe ich gelitten.

Jedenfalls wollte ich mit diesem sinnlosen Beitrag nur loswerden, dass das Baugerüst der Bauarbeiter bau-gemäß die bebauten Etagen heruntergerasselt sind und ich endlich Licht und “Wohnkultur” gleichsam habe und vor Glück fast jedesmal zerspringe, wenn ich meiner hellen Wohnzimmerküche begegne, die mir liebevoll lächelnd zu meiner wiedergewonnen Wohnkultur gratuliert.

Das, meine Lieben, ist Glück.