Dieses Video (Leila ro bordan) (und vorallem dieses Lied) haben mich wieder daran erinnert, wo meine Heimat eigentlich ist. Nicht im heutigen Iran, nicht hier in Deutschland – nirgends: Nur in der Vergangenheit, meiner iranischen schwarz-weiß Nostalgia-Welt und bei meiner Familie. Ich bin in der falschen Zeit zur Welt gekommen, das habe ich schon sehr früh als Kind gespürt, als ich mit all diesen alten Liedern und Filmen großgeworden bin – da draußen im neuen, kalten Exil.
Als ich heute in diesen kahlen Räumen war, fragte ich mich, wie warm und lindernder alles gewesen wäre, wären es keine “professionellen”, “kühl-köpfigen”, “gewissenhaft-arbeitenden” Leute gewesen, die die Menschen dort mechanisch “pflegten”. Ich schloss die Augen und sah eine naive, liebe Krankenschwester, schwarze Haare, dunkle Augen, einwenig schüchtern und so sehr darauf bedacht, es allen anderen gut gehen zu lassen, dass sie sich fast selbst verstecken wollte. Eine naive, liebe Krankenschwester, die zwar nicht das Privileg der “westlichen Aufklärung” in vollem Maße “genoss” – aber die mit ihrer liebenswürdigen Art unter den Lippen zu Gott betete, dass all die Kranken bald gesund würden. Anstatt des “guten Arztes”, der den Patienten emotionslos die Nadel in die Ader schob, sah ich einen ernsten, konzentrierten, jungen Arzt mit dunklen, geschwungenen Augenbrauen und Augen, der dem Patienten noch das Kissen richtete und mit ihm von Mensch zu Mensch sprach, bevor er den Raum verließ – und nicht etwa von Arzt zum “krankem Objekt”.
Ich lebe schon solange hier in Deutschland. Von Iran habe ich genau 2-3 Jahre meines Lebens mitbekommen – und dennoch haben sie mich weitaus mehr geprägt, als diese vielen Jahre hier. Egal, wie ich es drehe und wende, ich bin Iranerin und ich erkälte mich in dieser ich-bezogenen, kühlen Umgangsart der Mentalität hier. Sie macht mich inzwischen krank. Vielleicht liegt es daran, dass ich älter werde und weinerlicher, aber gerade in den letzten Tagen ertrage ich diese Mentalität nicht. Sie lässt einen einsam zurück. So einsam wie all die tot aufgefundenen, älteren Mütter/Väter, Großmütter/Großväter in ihren altmodischen Wohnungen, die von ihren “Kindern” immer seltener besucht werden. Immer seltener angerufen werden. Mich macht diese Mentalität einfach krank – und der Umstand, dass ich hier Bildung und Freiheit genossen habe, ändert nichts daran. Ich, wo ich doch sonst die Resistenteste von Allen war und die “Umgangsformen” hier verteidigte, die Freiheit hier hochpries, die “Demokratie” hier lobte, ertrage diese Mentalität nicht mehr. Mich macht sie einfach krank – und ich kann es nicht oft genug wiederholen. Ich spürte es besonders, als ich heute einen Iraner traf, der mich schnurstracks fragte, warum ich so traurig aussehe und ob er mir irgendwie helfen könne. Als er mir jede erdenkliche Hilfe zu Teil kommen lassen wollte, als ich dann endlich den Mund aufmachte und redete. Keine persönlichen Anstandsgrenzen waren vorhanden, kein trockenes Schulterzucken, das mich darauf verwies, dass es ihn nichts angehe, was mich belastete.
Mich macht diese kalte Mentalität einfach krank. Nicht einmal Köln blieb von ihr verschont. Nicht einmal Karneval wird gegen dieses Stockige etwas tun können. Und all die Süd- und Ausländer hier helfen auch nicht weiter, denn sie sind (zum Teil durch die “Erkältung” hier) in ihrer Identitätskrise so fundamentalistisch-”traditionell” geworden, dass sie schon gar nicht mehr sie selbst sind. Ich will hier weg.
Diese Mentalität macht mich einfach nur krank…
(Ich entschuldige mich bei jedem “deutschen Mitbürger”, dem ich mit diesem Beitrag zu nahegetreten bin. Bitte bedenkt, dass wir Exilanten schizophrene Wesen sind mit völlig auseinanderklaffenden Bedürfnissen, die weder in ihrem Ursprungsland, noch in dem Land, in das sie geflüchtet sind, gehört werden.)


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Ich verstehe ebenfalls, was du schreibst, Shaghayegh jan …
Es ist nicht unser Land! Unsere Heimat ist das „Niemandsland“…
Meine türkischen Eltern leben ebenfalls in der „Türkei ihrer Erinnerungen“. Sie leben in diesen schwarz-weiß Bildern einer Türkei, die sich inzwischen – „auf eigene Faust“ – weiterentwickelt hat. Ihre Mentalität ist eine andere. Sie sind darauf bedacht „ihre“ Kultur zu pflegen und zu verteidigen, die letzte Bastion der „Heimat ihrer Erinnerungen“…
Aber selbst ich, wusste von Kindestagen an, dass ich in einem falschen Film bin. Bin ich vermessen und undankbar, wenn ich glaube, dass ich diesem Land mehr gegeben habe, als es mir – oder ist es eher dieses Land gewesen? Liege ich falsch, wenn ich sage, dass ich in seine Menschen mehr Emotionen investiert habe, als sie es verdienen…Dieses Land hat mich krank gemacht, und ich habe versucht mich selbst zu heilen, in dem ich mir jedes Mal bewusst machen musste, was richtig und falsch ist; was einen – auf lange Zeit gesehen – emotional verkrüppelt, und was nicht. Ich musste mich für die richtigen Sachen interessieren, um emotional nicht abzustumpfen…
Falsch sind z. B die „zugefrorenen Seelenlandschaften“, an denen sich meine Mentalität gestern noch einmal „erkältete“:
Am Mannheimer Marktplatz hatte sich eine Menschentraube gebildet, und keiner kam auf die Idee den Notarzt zu rufen: Eine Frau war in der Öffentlichkeit bewusstlos umgefallen. Ihre Augen drohten auszuquellen, ihr Mund schäumte über, sie hatte sich in die Zunge gebissen. Ich überstreckte ihren Kopf und musste drei Leute direkt ansprechen, bis jemand auf die Idee kam zum Handy zu greifen und den Krankenwagen zu rufen. Die Traube der Gaffer wurde größer, und ich verfluchte sie…Als mir diese Frau aufgefallen war – und sie war „Dank“ der Gaffer nicht zu übersehen – war nur EINE junge Frau an ihrem Kopf niedergekniet, um zu helfen: Sie hatte „unsere“ Mentalität, sie war türkisch…
Ich als „türkischer Exilant“ entschuldige mich bei keinem meiner „dt. Mitbürger“, denen ich hoffentlich nahe getreten bin. Das geht aber nur, wenn sie Emotionen zulassen…
Ebi
P.S.: Von der Iranerin, die ich kennen gelernt habe, erzähle ich dir noch…
Ich kannte die Geschichte von Leila Pahlavi. Sie ist sehr traurig…
Sie war sehr melancholisch und konnte keinen Wurzeln fassen. Aber es ist dennoch möglich: Man kann sich sich seine eigene, kleine Heimat bauen – und das weißt du…
Wie sagtest du so schön:
“Die Familie ist das Vaterland das Herzens”
In diesem Sinne
,
Ebi
Ebi jan
Dieses Heimweh ist wirklich extrem schlimm heute, gestern, wann auch immer. Es verfolgt mich überall hin. Ich hatte es einige Zeit im Griff, weil ich mit Iran nur noch mit der IRI assoziierte und mir einredete, ich habe dieses Land aufgegeben. Das ist genau 2 Monate gut gegangen – jetzt platzt die Wunde, es klafft, es schreit. Ich will zurück. Aber nicht nur geografisch zurück, sondern auch zeitlich.
Die Situation, die Du beschreibst, ist nichts Neues. Ich verstehe nicht, wie man in dieser “Mentalität” den Leuten soviel “Distanz” in die Muttermilch einflößen konnte, dass sie sich sogar nicht mal mehr für fast Sterbende auf der Straße verantwortlich fühlen, aber was auch immer es war, es macht mich KRANK.
Ich habe es anders gelernt. Selbst hier. Ich erinnere mich an soviele Szenen. Damals, als Mama arbeitete und Papa nur am Wochenende als Sänger & Schlagzeuger (und als Fußballprofi bisschen) Geld verdiente, war ich tagtäglich mit Papa zusammen. Und mit ihm erlebt man wirklich einwenig mehr als mit anderen Leuten. Ich erinnere mich, ich war gerade mal 5 Jahre alt. Papa hatte mich auf seinen Schultern und wir gingen durch die Einkaufsstraßen in Köln. Auf dem Boden lag ein Mann, mit ca. den selben Symptomen wie die Frau, der Du geholfen hast. Alle gingen an ihm vorbei, würdigten ihn zwar eines kurzen Blickes, aber sie fühlten sich nicht wirklich verantwortlich für ihn. Dabei waren die achtziger doch irgendwie “netter”, oder bilde ich mir das ein? Papa holte mich schnell von seinen Schultern runter, sagte fest zu mir “Du kommst mir direkt nach und rührst Dich nicht von Deiner Linie, ok?”, packte den Mann auf die Schulter und brachte ihn Huckepack zur nächsten Arztpraxis. Er hat sein Leben gerettet, ich weiß nicht, was der Mann hatte, aber ich machte große Augen, als der Arzt es Papa erklärte und ihm sehr dafür dankte.
Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, was das hier ist. Aber was auch immer es ist, Ebi. Die letzten Tage macht es mich wirklich KRANK.
Was mich besonders verletzt ist auch, dass ich viele sehe, die sich genau die negativen Eigenschaften dieser Mentalität zu Eigen gemacht haben. Ich habe inzwischen viele gute, deutsche Eigenschaften: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, … aber die Anderen habe ich versucht, von mir wegzuhalten. Manchmal spüre ich diese “Distanz & Kühle” aber auch schon bei unserer ausländicshen Mit-Generation. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht.
“Ich verstehe nicht, wie man in dieser “Mentalität” den Leuten soviel “Distanz” in die Muttermilch einflößen konnte…”,
…was ich auch nicht weiß, und, was mich über Jahre krank gemacht hat; und mich zwang psychiatrische Bücher zu wälzen, um festzustellen, wer eigentlich der “Ver-rückte ist”: Das Transplantat oder die Umwelt, die mich abstößt…
Weißt du noch, als ich dir vor Monaten einen viel zu langen Kommentar an anderer Stelle reinsetzte: “Das Land der zugefrorenen Seelenlandschaften”. Da hatte mich dieses Land wieder schwer depressiv gemacht, was man am Text auch erkennen konnte: Es atmete nicht, und seine “Mentalität war schwer wie blei”…
Ich empfehle dir “Nazim Hikmet´s” Gedichte. Er musste (aufgrund politischer Ursachen) fern von seiner Heimat – der Türkei – leben. Seine Gedichte sind voller Sehnsucht…Ich werde dir bei Gelegenheit ein Gedicht von ihm auswählen…
“Manchmal spüre ich diese “Distanz & Kühle” aber auch schon bei unserer ausländicshen Mit-Generation. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht.”
…wenn ich das auch spüre, erinnere ich sie, wer sie eigentlich sind

Ich meine, wen sie es nicht anders verstehen wollen, unsere Degen sich nun mal gekreutzt haben, und wir nichts mehr miteinander zu tun haben werden. Dann erinnere ich sie leise und nebenbei, wer sie eigentlich sind. Dieser Spass steht mir im Ernst zu…
Meine liebe Sherry,
Ihr Exilanten seid nicht wirklich schizophren, sondern wisst nur nicht, wohin Ihr tatsächlich gehört. Fast alle Dinge haben ihre guten und ihre schlechten Seiten, so ist es auch mit Ländern, Heimat und sogar politischen Richtungen (oder dem, was daraus gemacht wird). Das halte ich für absolut natürlich, und welcher deutsche Mitbürger sich auch immer angegriffen gefühlt haben mag, der hat er vermutlich zu recht getan.
Ich stimme Dir zu, dass es hier im »Westen« (ich möchte das mal ein wenig auch auf nichtdeutsche Bereiche ausdehnen) ein Potential gibt, immer sich selbst der nächste zu sein. Damit verbunden ist Unumsichtigkeit bis hin zur puren Ignoranz. Ob es nicht auch in anderen Gegenden der Welt doch genauso ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch ich glaube, dass es soetwas in der einen oder anderen Variation überall gibt. In welchem Ausmaß, sei allerdings dahingestellt.
Was mögen die Ursachen (hierzulande) dafür sein? Nun, zum Teil ist es vielleicht durchaus auch ein Preis der Demokratie, der Freiheiten, die wir nicht zuletzt dadurch hier genießen, der eigentlich recht geringen (juristischen wie gesellschaftlichen) Strafen, die solche Menschen zu fürchten haben. Ich kann es nicht sagen. Doch diese mangelnde Hilfsbereitschaft der Menschen ist mir ebenso zuwider wie Dir. Dieses Wegschauen, wenn es anderen an den Kragen geht. Das Mitellenbogendurchdieweltpflügen, nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht — oder aber vollständig unbedacht. Niemand verlangt, sich selbst unnütz in Gefahr zu bringen, doch es gibt noch soviele Hilsmöglichkeiten jenseits dessen.
Liebe Sherry, diese Ignoarnz gegenüber Hilfsbedürftigen ist erschreckend und für mich nicht nachvollziehbar, sobald es um akute Gefahr geht, wie offensichtlich in dem geschilderten Fall der ohnmächtig gewordenen Frau. Ich kann mich sicher nicht freisprechen von Ignoranz, wenn es zum Beispiel um Obdachlose oder bettelnde Punks geht. Doch wenn ich sehe, es geht einem Menschen körperlich akut schlecht, dann frage ich, ob ich helfen kann. Das gebietet schon der gesunde Menschenverstand.
Ich kann sehr gut verstehen, wie »kalt« Du all das empfindest. Ich bezeichne es als ignorant und egoistisch. Aber ich glaube, wir meinen beide ähnliches.
Doch es gibt auch Ausnahmen, liebe Sherry, dessen kannst Du Dir sicher sein. Sie sind rar, doch vielleicht werden sie wieder mehr. Man muss den Menschen nur zeigen, dass es sich lohnt, auf andere Rücksicht zu nehmen. Man bekommt soviel zurück!
Pass auf Dich auf, Sherryschatz!
Nicole
Azizam, solange wir hier leben, werden wir immer einwenig leiden müssen, denn die Welt außerhalb der Familie und außerhalb der Heimat wird immer etwas “kälter” bleiben.
Warum war früher alles besser? Diesen Spruch kennt man sogar in Deutschland.
Liebes
Ich weiß, dass es mehr schöne Menschen in dieser Mentalität gibt als die “Vereinzelten”. Ich habe einige, deutsche Freundinnen und du weißt auch, wie wohl ich mich bei Euch fühle. Aber es gibt Phasen und Tage, da vermisse ich gerade in wichtigen und hilfe-bedürftigen Situationen etwas, das ich hier so extrem vermisse. Weißt Du, Liebes, unter uns Süd-Ländern und/oder Orientalen besteht schon so eine “natürliche Nähe” zueinander, ohne dass man sich kennen muss. Dieses Gefühl: “Ach, da ist jemand. Wenn was ist, ich kann ihn notfalls ansprechen – und er wird mir helfen.” Verstehst Du? Das vermisse ich hier so.
Danke für Deinen schönen Eintrag. Du sollst wissen, dass ich vieles hier habe, das ich schätze und für das ich dankbar bin. Und ich weiß, dass ich wegen dieser Zerissenheit Dinge vielleicht auch an manchen Tagen zu schwarz oder zu weiß sehe. Wenn Du wüsstest, wie sehr ich Deutschland verteidige, wenn alle wieder darauf eindreschen.
Schatz, Du weißt, dass wir uns auch in der “Heimat” nicht mehr wohl fühlen werden. Die haben wir verloren. Dadurch, dass die Gesellschaft so verändert worden ist, haben wir sie verloren. Das weißt Du.
Ich denke inzwischen, weil wir damals noch Träume hatten, die unrealistisch waren, die aber an der Realität nicht zu Bruch gehen konnten, weil… wir noch nicht so belastet waren von ihr.
wow abjim…
ich bin grad zu hause, war weg und bin erst jetzt wieder da und wollte dir eine email mit mehr oder weniger selben (ein klein wenig abweichenden) inhalt schicken, ich zerplatze azizam. mane bi-adab salamam yadam raft. salam abjim.
jetzt, wo du all das schreibst, fällt mir dein satz von einem anderen eintrag ein: die familie ist das vaterland des herzen.
weißt du, ich scheiß auf iran, jetzt ehrlich. ich will einfach nur leben und lieben, will irgendwann einen tollen job und eine frau und kinder denen ich all meine zuneigung zeigen kann. ich kann all das nicht mehr hören. iran dies, iran das, in iran ist politisch das geschen….BE DARAK!
oh scheiße, man wird so ausgenutzt, wenn man politisch wird. so dreckig ist alles. ich habe meine kindheit, meine jugend im zarten KINDHEITSALTER (jünger als ich dich kennengelernt hab) verspielt….ernst und wissend, was in iran und in der welt läuft, wie “das geschäft” (politik) läuft. es macht krank. iran macht krank, alle mit ihren scheißmasken und man weiß nicht, ob die person gut oder schlecht ist.
und trotzdem kann ich mich nicht trennen von meiner heimat…..ich spüre die soziale kälte hier auch und sie erdrückt mich und ich befürchte, sie ist dabei mich zu ergreifen, wenn sie es schon nicht getan hat-nicht so heftig, dass ich einer hilfsbedürftigen person helfen würde oder einer alten dame nicht die schwere last trage….aber ich sehe, wie jemand aus einem lateinamerikanischen (und dort sind die EXTREM warmherzig, kontaktfreudig und fröhlich) land hier auf austausch ist, aber von niemanden angesprochen wird, niemand sucht auch nur ein klitzekleines gespräch zu ihm.
irane oon zaman, das damalige iran existiert nicht, falls es überhaupt existiert hat. meine mutter erzählt mir, wie ihre nachbarin ihr näher stand als die tante, es herschte so viel wärme das kannst du dir nicht vorstellen. mittlerweile sind die iraner alle so komisch, so für mich unglaublich KOMISCH geworden.
ok jetzt ist alles chaotisch, aber ich will mich nicht mehr länger damit beschäftigen, wie ungerecht doch die welt ist….weil ich mir selber unrecht getan habe.
ich will einfach nur irgendwann meiner familie alle träume erfüllen. mein wirklich größter traum ist es, mal ne familie zu gründen und immer für sie da zu sein.
ich will auch nicht, dass meine eltern sich sorgen wegen mir machen.
die ausländer sind auch am erkälten….ich weiß noch, wie im alten wohnviertel, wo wir wohnten und wo der deutschenanteil viel höher als wo wir jetzt wohnen, alle meinen vater beim namen nannten, weil er ein so lebensfroher mensch ist, er hat oft zusamman mit mir und den anderen fußball gespielt (und das obwohl er nicht mal besonders gut spielen konnte LOL), hat oft den einen oder anderen bei allem möglichen ausgeholfen…..ich sag dir, mich nannten alle ronaldo, weil ich unglaublich heftig spielen konnte – ich erkenne mich heute nicht wieder. habe als 8 oder 9-jähriger mit 18-jährigen fussi gespielt, hab den ganzen tag nur draußen mich ausgetobt. hier bei den ausländern bin ich so eingeengt in meinen vier wänden. fußball habe ich schon längst aufgegeben, ich habs damals jeden tag gespielt, aber hier geht das nicht. es ist nicht so, dass man mit den leuten hier sagen kann “darf ich mitspielen” (damals bin ich einfach dazugegangen ohne zu fragen, ob die mich kannten oder nicht).
ich geh noch raus, sehr oft sogar, dann aber in die stadt. dieser kontakt zu den menschen, hier existiert er nicht. niemand will was mit dem anderen zu tun haben.
durch diese einengung begann ich mich für politik zu interessieren und was bringt mir es zu wissen, was in der welt läuft, welche ungerechtigkeit, wo geschieht? WAS verdammt noch mal? ich habe meine kindheit und energie verspielt, stattdessen ist sie aufgestaut in geladenheit, angespanntheit und oft wut.
und ich bin nirgendwo zu hause….nur noch in meiner kindheit, wo ich “unberührt” war, diese unglaublich schönen erinnerungen, sie sind mein goldener zeit. auch der iran meiner kindheit, wow unglaublich schön, ein land, was mich verliebt gemacht hat und eine liebe für ein heutiges iran aufrechterhalten hat, was mich betrogen hat. bzw. ich selbst mit dieser ganzen politikscheiße erst kennengelernt habe. naja früher oder später wäre ich eh älter geworden und hätte all dies verstanden. NUR ich habe jahre verschenkt.
naja halt und wärme findet man aber auch hier. ich kenne eine deutsche, wow hut ab. so goldherzig und kontaktfreudig, so warm und vor allem so ehrlich. sowas findest du nicht bei den orientalen. sie sagt zu mir, der erste schritt deinen charakter zu verbessern, ist keine vorurteile zu haben. wenn du einen ungepflegten mann in der bahn mit einer bierdose siehst, seh nicht sofort den penner. denk daran, dass dieser mensch ein mann sein könnte, der gerade ehestress hat oder dessen frau ihn verlassen hat und er zum ersten mal zur bierflasche in der bahn gegriffen hat.
sie sagt, sie hat sich so gut gefühlt zu wissen, dass sie eigentlich NICHTS über die menschen in der bahn weiß und dass die ganzen assoziationen und vorurteile nicht kommen. als sie zum ersten mal so gedacht hat, war sie im dauerlächeln. auch voll sozial und immer hilfsbereit und vor allem offen. auch eine sache, die orientale nichts sind.
ok ich hab jetzt viel scheiße gelabert und lass dich mal allein.
ich will auch für dich da sein, weil ich dich wirklich sehr liebe. das video habe ich mir nicht angesehen, weil es für mich ein erster schritt sein soll, mich von der grausamkeit zu trennen und mich auf MEIN leben zu konzentrieren und für mich selber ackern soll, ein ruhiges leben zu führen.
Khoda negahdaret-e
“…der erste schritt deinen charakter zu verbessern, ist keine vorurteile zu haben…”
In diesem Sinne…
…Khoda negahdaret-e!
@Ebi jan,
ich glaube, ich mag Nazim Hikmet. Die Gedichte, diei ich von ihm gelesen habe, sind wirklich schlicht & schön. Ich weiß, dass es schwer ist, sie in einer anderen Sprache genauso einzufügen, wie in der Originalsprache.
@Kakum,
danke für Deine langen Eintrag, den Du einfach aus dem Herzen schriebst, ohne nachzudenken. Die Dame, die Dir diesen Satz sagte, sagte etwas sehr Weises. Aber weißt Du, was das Dilemma an der Sache ist? Das Dilemma ist, dass Vorurteile von der Natur gewollt sind, dass sie sogar manchmal lebeneswichtig sind, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Der Mensch macht Erfahrungen, die bei ihm je nach anschließender Empfindung entweder Aversionen oder Affinitäten auslösen – und das ist wichtig für’s Überleben. Es ist einfach besser, zu denken, dass der bärtige, bösschauende Typ, der seine Hand auffällig in der Jackentasche rumfuchteln hat, eine Waffe darin bereithält und man ihm aus dem Weg geht, als umgekehrt – und man dann doch erschossen oder verletzt wird.
Das Gehirn kann nicht anders, als “Dinge” zu kategorisieren, um überlebensfähig zu bleiben. Ich muss aber dennoch zugeben, dass ich sehr bemüht bin, mit sowenig Vorurteilen wie möglich auszukommen. (Ohne geht nicht. Das schafft auch nicht die weise Dame, die Dir begegnet ist). Ohne Vorurteil kannst Du nur ohne Gedächtnis sein. Oder ohne jeglichen Schmerz erfahren zu haben…
Kakum, ich finde auch, dass Du Dich viel zu früh mit solchen Dingen beschäftigt hast. Und so frei und gleichgültig Du Dich hier auch gegenüber Iran etc. gibst, es wird Dich eine Zeit lang immer noch verfolgen, bis Du reif genug bist, um Dir in dieser Sache Ruhe zu geben. Wir Menschen haben einfach ein riesen Problem: Wir können viele Dinge in uns nicht mehr mit dem vorhandenen Wissen und den Regeln der Logik in Vereinbarung bringen – also verzweifeln wir.
Gedulden wir uns…