~*Javad Maroufi – Khâbhâye talâee*~

Ich hatte einmal privaten Klavierunterricht. Ich war 9 Jahre alt, als irgendwann ein Klavier in meinem Kinderzimmer stand, weil Papa’s Musiker Kollegen zu ihm meinten, es sei erstaunlich, wie ich ohne Noten und Unterricht einfach ihre Stücke versuchte, nachzuspielen – zweihändig, aber eben nur auf Papa’s Keyboard. Er hätte mich zur Profischlagzeugerin machen können, aber niemals zur Pianistin, denn Keyboard spielte er nur sporadisch, wenn er die Songs, die er schrieb, melodisch nochmal untermauern und aufnehmen wollte.

Ich weiß noch genau, wie ich mich fühlte, als in meinem kleinen Zimmer dieses schwarze Klavier stand. Es kam mir vor wie ein Baby, das gerade von seiner Mama Selbstbewusstsein bekommen hatte, damit es seinen ersten Job bei mir gut machen würde. Ich stand dort mit großen Augen, wie angewurzelt, und konnte erst einmal nicht glauben, was ich da sah. Anstatt auf das Klavier zuzugehen, drehte ich mich um und rannte Papa in die Arme und weinte. Ich weiß nicht mehr, was er sagte, aber ich hörte ihn lächelnd und tröstend auf mich einreden. Er nahm meine Hand und führte mich zum Klavier, setzte mich auf den Klavierhocker und ließ mich irgendwann mit ihm allein.

Ich weiß nicht, wie lange ich da saß und das Baby-Klavier nur ansah und vorsichtig streichelte, aber irgendwann begann ich zu spielen. Ganz zaghaft, bis ich merkte, dass ein Klavier anders angefasst werden muss alsl ein Keyboard. Ich weiß auch nicht mehr, wie lange ich spielte. Aber als ich aufhörte, waren Papa und Mama glücklich…

Ein paar Tage später stellte Papa mir meine liebe Klavierlehrerin vor. Eine ältere Dame mit einer leicht arroganten Erscheinung, aber einem guten, disziplinierten Herzen. Wir spielten immer deutsche, klassische Stücke. Ich verzweifelte sie immer damit, dass ich keine Noten lernte, beeindruckte sie aber damit, dass ich die Stücke dennoch fehlerfrei spielen konnte. Nach ein paar Monaten brachte Papa Noten von alten, iranischen Stücken mit – und sie unterrichtete mich darin. Sie tat es sehr gerne. Die Noten waren sehr ungewöhnlich für sie, aber sie begann, Gefallen an iranischen Klavierstücken zu finden und spielte sie irgendwann nicht mehr nur nach Noten, sondern konnte die Stücke fühlen. Sie sagte immer: “Sherry, Du träumst immer beim Spielen. Du musst Dich doch konzentrieren.” – “Aber wenn ich mich konzentriere, mache ich Fehler.”; und es war wirklich so.

Dieses Stück hier war unser Lieblingsstück. Ich lernte es sehr schnell. Und obwohl ich heute komplett aus der Übung bin, kann ich das hier immernoch wie im Schlaf spielen. Ich muss mich einfach hinsetzen, die Augen schließen und beim Spielen träumen.