Der Mensch denkt oft, er sei frei. Frei, zu entscheiden, wie er sein will, was er tut, was er tun wird, was er tun will, was er will. Er nennt diese Freiheit “Wille”. Das ist die größte, wenn vermutlich sogar biologisch gewollte, Illusion der Menschheit. Weder Illusionen wie Gerechtigkeit und Liebe, noch welche wie Nationalstolz und Ehre können der Illusion des “freien Willens” das Wasser reichen.
Ich werde von diversen Personen oft dafür belächelt, dass ich nicht weiß, was ich will. Aber vielleicht macht mich genau dieser Umstand “freier” als sie.


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salam azizam,
ja auf jeden fall bist du es, die “freier” ist als sie, weil du dir eingestehst, dass so viele umstände und die uns prägende umwelt unseren vermeintlichen freien willen mitformen, dass eigentlich die definition von freiem willen im sinne von absolut freiem willen nicht auftreten kann. man hat lediglich möglichkeiten in einem bestimmt gesetzten rahmen, bei einigen ist dieser rahmen möglichkeitsreicher und beim anderen nicht. aber dies wars auch schon.
Khoda negahdaret-e
Ist doch scheiße alles. Bebakhshid. Die Frage hier ist nur: Kann man den Menschen unter der Berücksichtigung dieser “Theorie” überhaupt noch für irgendetwas verantwortlich machen?
salam nazaninam,
naja so seh ich das wieder nicht. ich denke, dass jeder mensch ein gewissen besitzt und dass auch in jeder gesellschaft, die einen formen, man grundlegendes lernt und dass die kategorisierungen in gut und schlecht überall im grundgerüst gar nicht mal so verschieden sind.
jedenfalls seh ich das so.
movazebe khodet bash azizam.
Khoda negahdaret-e
Wovon muss denn der eigene Wille frei sein, damit er zum freien Willen wird?
Ich meine “frei” und nicht nur “Handlungsbefugt innerhalb bestimmter gesteckter Rahmen”. Von erzieherische Prägung, gesellschaftliche Normen, gesetzliche Bestimmungen, kulturgeschichtliche Einflüsse? Und was bleibt dann übrig, worüber der freier Willen dann wollen-können soll?
Ich weiss es doch auch nicht :-/
@Kakum,
das ist eben das Problem. Nicht jeder Mensch besitzt ein Gewissen. Bei einigen Menschen gibt es “Komplikationen” in der Sozialisation, sie entwickeln kein normal arbeitendes Gewissen. Ihr “Es” ist stärker als ihr “Über-Ich”. Ihr “Ich” vermittelt dem “Es” keine Grenzen für die Realisierung ihrer “Triebe” hinsichtlich der verfügbaren Möglichkeiten in der Realität. Das ist “krank”. Aber inwieweit kann man nun einen Menschen – so abscheulich wir ihn auch finden für diese Gewissenlosigkeit verantwortlich machen? Objektiv betrachtet.
@Ram joon,
wovon der “Freie Wille” frei sein muss? Vom ganzen Gerüst des Universums. Von seiner linearen, sowie unlinearen Kausalität. Du musst unberührt bleiben können vom Schmetterling, der mit seinem Flügelschlag auf der anderen Seite der Welt Orkane bewirken kann, wenn gewisse Faktoren zusammenspielen. Du darfst einfach weder beeinflusst werden können, noch Einfluss nehmen können. Und das wiederum bedeutete, dass Du nicht existieren dürftest. Zumindest nicht so, wie Du es gerade tust. Strange, hm?
salam,
boah freud hatten wir grade in religion. ich glaube aber nicht unbedingt, dass bei diesen menschen das “es” stärker ist, sondern dass das “über-ich” auf das “es” zugeschnitten ist, also dass in dem fall die sozialisation mitschuld trägt und falsche werte vermittelt hat, die sich im über-ich manifestieren.
aber trotzdem: ein normaler mensch mit normalem iq und “verstand” muss sich für seine tat zur rechenschaft ziehen und darf auch post-mortem für evtl. schlechte taten bewertet und verurteilt werden.
jeder mensch trägt für sein handeln verantwortung.
Khoda negahdaret-e
Ich behaupte, daß die meisten Menschen gar kein Gewissen besitzen – oder nur ein sehr, sehr schwaches.
Kakum,
das Über-Ich kann nicht auf das ES zugeschnitten sein. Es ist entweder nur schwach, stark oder zu stark ausgeprägt. Das Über-Ich verfestigt in sich einfach die Ge- und Verbote in einer Gesellschaft. Dazu gehören auch unsere Gesetze. Aber nichts desto Trotz: Sagen wir, das Über-Ich passt sich an das ES an, dann reden wir hier immernoch von einem zu starken Es. Es macht keinen Unterschied.
Was ist ein normaler Mensch? Was ist ein normaler IQ? Die grausamsten Triebtäter haben ein überdurchschnittliches IQ. Wie erklärst Du Dir das? Natürlich müssen solche Menschen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber nicht, weil’s objektiv wirklich begründbar ist, sondern weil die Gesellschaft geschützt werden muss. Wenn jemand “normal” entwickelt ist, dann wird er soetwas nicht tun. Wenn er nicht normal entwickelt ist, gibt es Gründe dafür. In beiden Fällen kann man nicht von einer alleinigen Schuldigkeit sprechen. Verstehst Du, was es ist, was die Sache so schwer macht?
@Grauwolf,
für so eine gewagte Theorie sollte man wenigstens den Ansatz einer Begründung bringen.
Es gibt viele Beispiele dafür – relativ aktuell ja z.B. die im Westen sehr verbreitete “wir sind besser”-Sicht auf andere Regionen. Umgekehrt ebenso die in anderen sehr verbreitete “wir sind besser”-Sicht auf den Westen. ;)
Man kann es aber auch im kleinen finden – unter Kollegen z.B, die Dich lieber kaputt spielen, als das Risiko des Arbeitsplatzverlustes mit Dir zu teilen.
Sorry, Grauwolf. Aber das Beispiel ist verdammt schlecht. Gerade die Unterscheidung zwischen “Gut” und “Böse” zeichnet ein Gewissen aus. Auch, wenn die Unterscheidungen – wie im Falle Westen & Osten – nicht unbedingt zutreffend sind. Versuch’s weiter.
:)
Die Unterscheidung zwischen “gut” und “schlecht” zeichnet nur Größenphantasien aus. Wer sich selbst für “gut” hält, hält sich selbst für etwas besseres. Und wer “schlecht” ist hätte damit in den Augen des sich selbst als “gut” bezeichnenden ja dann automatisch seine elementaren Rechte verwirkt – dürfte also mit vermeintlich gutem Recht schlecht behandelt werden.
Und warum immer Westen vs. Osten? Warum nicht einmal Norden vs. Süden? ;)
Das ist doch völlig irrelevant, Grauwolf. Es geht um Polarisierung zwischen “gut und böse”. Welche Kriterien nun zu dieser Unterscheidung führen, sind völlig gesellschaftsabhängig – oder bei isolierten Menschen “umgebungsabhängig”. Aber allein diese Unterscheidung setzt ein Gewissen, ein Über-Ich voraus.
Des Weiteren taugt Dein Argument deshalb nichts, weil das, was Du da erwähnst, nicht einmal auf eine Mehrheit zuzuführen ist. Der Typ, von dem Du Dich gemobbed fühlst, fühlt sich vielleicht von Dir belästigt und sieht sich genauso sehr im Recht und sich als Opfer, so wie Du dich als Opfer und Dich im Recht siehst. Sorry. Aber es gibt tatsächlich Beispiele für ein defektes Gewissen, die klar von einem normalen, wenn auch manchmal gemeinen Gesellschaftsmenschen leicht zu unterscheiden sind.
salam azizam,
ich bin hier doch überfragt und finde deine sichtweise interessant, aber menschen frei zu sprechen von ihren taten, könnte ich trotzdem nicht, selbst wenn sie nie die möglichkeit hatten, anerkannte moralvorstellungen zu entwickeln.
entscheidend ist: sie haben gesellschaftliche konventionen verletzt und allein die tat ist entscheident, nicht die motive oder gründe (naja nicht ganz, die sind eigentlich auch sehr wichtig.)
hmm *seufz*
movazebe khodet bash, gole nazaninam.
Khoda negahdaret-e
Ich seh mich nicht im Recht, ich seh mich am Ende.
im free