Ich wünschte, wir Menschen würden in einer Kultur leben, in der der Tod kein Drama ist, sondern ein Grund zur Freude. Wenn auch kein Grund zur Freude, so dann doch wenigstens kein Grund zur Trauer – und kein Grund zur Lebensangst. Natürlich kann man selbst unter optimalen kulturellen Vorraussetzungen den natürlichen Schmerz des Verlustes nicht gänzlich vermeiden – doch wenigstens eindämpfen. Nicht nur eindämpfen, sondern durch andere Gefühle wie Freude überlagern. Ich wünsche mir für die Menschen in der Zukunft, dass sie den Tod eines Lieben als Glück empfinden können, so dass niemand nach mir oder nach Euch Angst vor dem Verlust haben muss. Wenn das möglich wäre… Aber wer weiß? Vielleicht ist die Angst vor dem Tod verdammt wichtig.

Damals fürchtete ich mich nicht vor meinem eigenen Tod. Doch heute tu ich sogar das. Der Gedanke, eines Tages meine geliebten Wesen zu verlieren, macht mich heute schon jeden Tag krank und lässt mich innerlich verrecken. Ich möchte es nicht so dramatisch ausdrücken, aber es ist so dramatisch. Ich sage mir tagtäglich, dass ich diese verdammte Verluste akzeptieren muss. “Das ist der Lauf des Lebens”, sage ich mir. “Akzeptiere das. Du hast es nun oft genug erlebt. Akzeptiere es.”, sage ich mir. “Tu es. Jetzt, jetzt, jetzt.”, schimpfe ich mit mir – doch es bringt nichts. “Ich muss, ich muss, ich muss.” Die Ausweglosigkeit aus diesem Lauf des Lebens ist einmal Grund zur Verzweiflung, aber auch Grund zur Beruhigung. Die Einsicht dessen, dass niemand diesem Weg entkommen kann und jeder dieses Leid erfahren muss, kann mich manchmal zähmen, manchmal aber zu noch größerer Verzweiflung führen.

Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Aber sollte ich einmal Kinder auf die Welt setzen, werde ich versuchen, ihnen den Tod anders näherzubringen. Ob ich dabei glaubwürdig klingen werde, weiß ich nicht. Aber ich werde es versuchen. Ich hasse die Regeln des Lebens. Ich hasse sie. Ich hasse sie. Verfickte… Scheiße. Ich kann’s einfach nicht hinnehmen.