In einer jungen Nacht lief ich einen mondscheinweißen Hügel hoch und hoffte dort auf Erlösung. Ich stellte mir die Erlösung in sovielen, verschiedenen Formen und Farben vor, dass ich mich nicht entscheiden konnte, wie genau ich sie mir wünschen soll. Soll sie silbern sein wie der Mond? Gold wie die Sonne? Funkelnd wie die Augen eines Kindes oder die Sterne? Farbenschwanger wie ein alles umarmender Regenbogen – oder einfach nur erblindend wie die Liebe? Es waren jene Gedanken und Träume auf dem Weg zum hohen, mondscheinweißen Hügel, die mir die Kraft gaben, durchzuhalten. Meine Knie waren schon blutig von den Schürfungen, mein Mund trocken vor Durst.
Als ich endlich oben angekommen war, sah ich den Himmel. Er war frei. Keine Bäume, keine Gebäude versperrten ihm die Sicht. Der Trieb nach Geld ließ die Sterne nicht in Vergessenheit geraten. Keine noch so wichtige Karriere raubte dem Morgenduft das Liebesspiel zwischen Tautropfen und Blüten, kein technisches Poltern die weisen Lieder der Morgenvögel.
Ich erkannte, dass Erlösung Ablassen bedeutete. Die verkrampfte Faust des Festhaltens kraftlos zu öffnen und statt des kleinen Habes an die Hand anzuketten, das ganze Universum an sich laben lassen lassen. Ich erkannte, dass Erlösung Ablassen bedeutete. Einfach Ablassen.
Also ließ ich ab und sprang…



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