Archiv für März, 2007

In einer jungen Nacht lief ich einen mondscheinweißen Hügel hoch und hoffte dort auf Erlösung. Ich stellte mir die Erlösung in sovielen, verschiedenen Formen und Farben vor, dass ich mich nicht entscheiden konnte, wie genau ich sie mir wünschen soll. Soll sie silbern sein wie der Mond? Gold wie die Sonne? Funkelnd wie die Augen eines Kindes oder die Sterne? Farbenschwanger wie ein alles umarmender Regenbogen – oder einfach nur erblindend wie die Liebe? Es waren jene Gedanken und Träume auf dem Weg zum hohen, mondscheinweißen Hügel, die mir die Kraft gaben, durchzuhalten. Meine Knie waren schon blutig von den Schürfungen, mein Mund trocken vor Durst.

Als ich endlich oben angekommen war, sah ich den Himmel. Er war frei. Keine Bäume, keine Gebäude versperrten ihm die Sicht. Der Trieb nach Geld ließ die Sterne nicht in Vergessenheit geraten. Keine noch so wichtige Karriere raubte dem Morgenduft das Liebesspiel zwischen Tautropfen und Blüten, kein technisches Poltern die weisen Lieder der Morgenvögel.

Ich erkannte, dass Erlösung Ablassen bedeutete. Die verkrampfte Faust des Festhaltens kraftlos zu öffnen und statt des kleinen Habes an die Hand anzuketten, das ganze Universum an sich laben lassen lassen. Ich erkannte, dass Erlösung Ablassen bedeutete. Einfach Ablassen.

Also ließ ich ab und sprang…

Erlösung in einer jungen Nacht

05.03.2007, 06:38
Luna Llena

Die Momente, an denen ich weder mich, noch das Leben in der Umgebung ernstnehme, sind die befreiendesten überhaupt. Kennt Ihr das auch? Ihr hört irgend ein ~ seltsames Lied ~ auf voller Lautstärke, das Euch ruckartig ins All schießt und Ihr alles von oben betrachtet – die Lichter der Welt erlischen, aufleuchten, erlischen, aufleuchten – bis man die Differenz, die an & aus Abstände nicht mehr sieht und alles nur noch hell ist, alles nur noch ein ganzes Organ, das pulsiert und nicht sterben kann, weil es jedesmal neue Manifestationen der Energie gibt. In solchen Augenblicken bekommt man kurz das Gefühl, das individuelle Leben sei völlig irrelevant, unwichtig – und somit jedes Wehwehchen auch. Alles konzentriert sich auf das Existieren an sich, bis auch das nicht mehr von Belang ist.

Neben tiefem Glück, der völligen Hingabe an einen reißenden Sturm im Fluss, einem Sprung ins Weltall, einer allumfassenden Umarmung – ist das einer der befriedigendsten Augenblicke überhaupt. Sobald man versucht, es zu greifen, verschwindet es, weil es wieder in Grenzen und separierten Gedankenmustern gepresst werden muss. Aber jedesmal, wenn ich das hier lese, werde ich wissen, was ich damit gemeint habe – und die Erinnerung ist es, die mich dann beruhigt.

Lune Llena