Ich höre gerade Chopin’s Prélude n°4 In E Minor und glaube, dass einem alten Freund dieses Stück gefallen hätte. Er versteht etwas von jenen Augenblicken im Leben, in denen man sich der Sinnesleere aller möglichen Wege bitter bewusst wird, aber dennoch die fremde Frau in seinem Bett so innig liebt, wie man eine Frau nur lieben kann – und das, obwohl man auch um die Sinnlosigkeit der Liebe weiß.

Kennt Ihr diese Nächte, in denen man halb hier, halb dort – fragt nicht wo – die Sätze immer mit einem “Ach… Weißt Du…” beginnt? Wie ziellos sie doch dann in einem matten Lächeln münden, diese halben Sätze und verstreuten Gefühle – und wie diese letztendlich mit einem Schluck Wein wieder in sich besiegelt werden. Mein alter Freund hätte dieses Gefühl verstanden. Sich der Sinnlosigkeit bewusst, doch noch alles gegeben. Nicht der Hoffnung Willen, sondern des Fühlens Willen, mit der Vergänglichkeit im Nacken.

Diese Zwei auf diesem Bild erleben so eine sinnlose Nacht. Es ist die schönste, intensivste und verzweifeltste Nacht ihres Lebens. Sie zeigt ihm ihre Liebe mit all ihrer Hingabe, mit allem, was sie hat – und er findet keine Worte, keine Gesten für sie, die ihr klarmachen könnten, wie tief er fühlt – also spielt er ihr sein Lied vor. Dieses sinnlose Lied, ich glaube es ist tatsächlich Chopin’s Prélude n°4 In E Minor. Ohne in solch’ einer Nacht einige Tode empfunden zu haben, hat man einfach nicht gelebt. Mein alter Freund hätte das verstanden…

Grand Piano