Archiv für April, 2007

Oh Mann… (Papa findet das Lied auch genial)

11.04.2007, 01:24
Eshghe Sor’at

Tut mir Leid. Ich habe keine Übersetzung hierfür. Selbst, wenn ich’s versuchen würde, es ginge nicht.

10.04.2007, 02:35
Nur Du und Ich

Der dunkle Rauch
unserer Geschichte
übergeht schleichend
die Schwelle
zur Vergangenheit

Die Erinnerung an Dich
war immer mehr bitter
als süß
mehr traurig
als gut

Doch heute -
da ich Dich noch immer liebe
Aber die Folter von meiner Seele
abließ und ich wieder lebe -
Denk’ ich an unsere Augenblicke
voller Frieden
Als wir jedes unnötige Wort
durch einen Kuss
oder einen Blick
in des Anderen Tiefe
mieden

Wie Deine Hand sich auf die meine legte
und Deine Fingerkuppe
meine Brauen zählte
Wie meine Tränen Dich
Zu Heldentaten brachten
Und all den bösen Geistern
Nach dem Leben trachten
Wie all meine Träume
Zu all Deinen Herzenswünschen wurden
Und alle Wunden meines Herzens
Zu Deinen Heiligtümern auserkoren
sich in Deiner Oase auf dem weißen Blütenbett
in den Rausch der Vergessenheit verloren
Wie die Zeit Deinen Regeln folgte
wenn ich herrisch Deine Ewigkeit wollte
Wie die schweren Schatten meiner Ängste
erst Deine Brust beengten
und dann von Deinem lauten Lachen
In alle Himmelsrichtungen zersprengten

Und wie all die Liebe
in (D)einer einzigen Hand gehalten
Dich ob Deines Weges ohne mich
in jeder Nacht mein Klagelied
in Deine verlassene Seele schallten

Und wie Deine Stimme mir
des nachts Deine Wärme erzählte
Und ich beim Erwachen
in meiner Blutlache sitzend
das Leben um seine schmerzfreien
Momente flehte

…wissen nur Du und Ich
Nur Du und Ich…

08.04.2007, 01:00
Die seltsamen Wege des Lebens

Heute hat uns Papa eine Geschichte erzählt, bei der ich mich frage, warum er bis heute versäumt hatte, sie zu erzählen. Er dachte wohl, er habe sie uns schon erzählt.

Damals, in der Heimat, als Papa 14 war, brachte er sich mit seinen eigenen Mitteln irgendwie das Schlagzeug spielen bei. Er konnte keine einzige Note und hatte kein Schlagzeug, nicht einmal Schlagzeugstöcke, doch er übte mit normalen Stöcken auf Kissen & Töpfe, weil er es unbedingt wollte. Nach dem Fußball kam er immer nach Hause und spielte die Rhythmen der damaligen Rock-Bands nach. Er muss Talent gehabt haben, denn er verbesserte sich zusehends und hielt sich selbst für’n Profi.

Eines Tages – da muss er 16, 17 oder 18 gewesen sein, war Fereydoon Farokhzad im Iran gerade berühmt geworden – oder war es schon einige Zeit lang, ich weiß es nicht genau. Er forderte die Leute damals auf, dass sie sich melden sollen, wenn sie irgendein künstlerisch-musikalisches Talent haben, damit sie zum Casting gehen. Papa fand die Nummer heraus, rief das Farokhzad Team sofort an und sagte großkotzig: “Ich bin der Mann, den Ihr sucht. Ich bin Schlagzeugprofi, kann aber keine einzige Note. Aber ich bin weltklasse und würde das gerne beweisen. Habt Ihr Interesse? – Ja oder Nein?” Die Crew fand Papas Selbstbewusstsein wohl gut und sagten ihm zu. Der Casting-Termin wurde auch sofort gemacht. Am besagten Tag machte sich die Farokhzad Crew samt Farokhzad selbst auf den Weg zu Papa und seine Familie. Dort wollte man ihn spielen sehen. Papa meinte sogar, sie müssen ein Schlagzeug mitbringen, er habe gar keines.

Papa erzählte heute “Mage ma midunestim Sa’at chie? Ki hala sa’at dasht?” (“Wer hatte damals schon eine Uhr?”) Also stand er an jenem Tag draußen vor dem Haus auf der Straße, bis die Jungs kamen und ihn zu einem Fußball Match gegen die Jungs von der anderen Siedlung zu überreden suchten:

“Ey, die haben uns letztens voll fertiggemacht und sind voll frech geworden. Die fühlen sich gerade wie die Kings, komm’ bitte mit!”
“Das geht nicht. In 1.5 Stunden habe ich eine wichtige Verabredung.”
“Ein einhalb Stunden? Bis dahin sind wir schon längst fertig!”
“Nein, geht nicht! Ist wichtig.”
“Die Großkotze haben aber behauptet, dass selbst Du es nicht schaffen würdest, dass wir gegen die gewinne. Das kannst Du doch nicht auf Dir sitzen lassen. Komm schon, lass es uns denen zeigen.”

Papa konnte nicht anders und ging mit. Sie spielten, kämpften, spuckten, fluchten und vergaßen vollkommen die Zeit, weil das Spiel ständig knapp war. Die Mannschaften schossen ein Tor nach dem Anderen gegeneinander – und das Ende war nicht abzusehen. Der Kampf musste zu Ende gekämpft werden. Während Papa spielte, war Farakhzad schon unterwegs, ging durch die damalige Gegend, in der Papa aufgewachsen ist, versammelte die Leute unfreiwillig um sich die Leute sich, gab Autogramme usw. Alle fragten, was er denn hier suche – und er antwortete “Hier ist ein Junge namens … und er sagt, er sei Profischlagzeuger. Wir brauchen einen Schlagzeuger und wollen ihn spielen sehen.” Oma war total nervös und verlegen, fluchte innerlich, als sie ihn reinbat und hektisch meinte, dass ihr Sohn noch nicht da war. Sie bediente die Crew so gut sie konnte, doch Papa kam nicht, nicht einmal nach einer Stunde – und die Crew und Farokhzad gingen verärgert. Oma entschuldigte sich tausend Mal für ihren dummen Sohn. Aber nichts half, die Chance war vergeben.

Während des Fußballspiels blieb Papa plötzlich wie angewurzelt stehen. Ihm fiel dieser Termin ein, seine große Chance, die er nicht verpassen durfte! Er rannte aus dem Feld raus und fragte keuchend jemanden auf der Straße, wie spät es sei. Er war 1.5 Stunden über der Zeit. Er fluchte, weinte, war völlig verzweifelt, als er zu Hause ankam. Bevor Oma mit ihm schimpfen konnte, war er selber schon so fertig, dass sie ihn erstmal in Ruhe ließ. Alle kamen sie auf ihn zu und sagten “Was bist Du denn für einer? FAROKHZAD war hier! Er wollte Dich spielen sehen. Du Idiot!”

Cut.

20 Jahre später in London nach einem Konzert von Farokhzad. Papa sitzt mit ihm und den anderen Jungs aus der Band im Zug, sie schnacken und lachen. Papa schaut Farokhzad an und musste lachen.

“Warum lachst Du, Junge? Was ist los?”, schaute er Papa gutmütig an.
“Ferri, wenn ich Dir etwas erzähle, Du wirst es nicht glauben.”, sagte Papa grinsend.
“Erzähl’ mal. Los…”
“Ferri, erinnerst Du doch noch damals in Teheran? Als Du diese Familie in … Abad besuchen gegangen bist und Du einen Jungen Schlagzeugspielen hören wolltest und er nicht erschien?”

Ferri Farokhzad dachte kurz nach und meinte: “Klar erinnere ich mich an diesen Volltrottel! Der Junge hatte so eine große Chance, die ganze Crew war zuhause, die arme Mama von dem war so fertig mit den Nerven! Und der hat die Frechheit, nicht zu erscheinen!”

“Ferri…”, setzte Papa an.
“Dieser Junge vor 20 Jahren. Das war ich.” – und er sah ihn belustigt an.
“WAS? Wirklich?”, sah er ihn mit überraschtem Gesicht an.
“Ja, wirklich! Ich hatte mich in einem Fußball Match vergessen. Im ernst!”
“Du meine Güte… Du warst das also. Ich habe das damals richtig persönlich genommen, dass Du nicht aufgetaucht bist. Und heute bist Du mein bester Schlagzeuger.”, lachten sie beide.

Ich fand diese Geschichte so wundervoll. Das Leben spielt einem so seltsame Streiche, nicht wahr? Papa erzählte heute, dass kurz, bevor Ferri ermordet worden ist, er ständig davon redete, dass sie ihn bald töten würden und dass er seine Mutter vermisse, er wollte sie so gerne und so dringend sehen. “Aber ich kann nicht nach Iran, sie bringen mich dort sofort um, weißt Du?” – Papa sagte ihm “Red’ doch keinen Unsinn von wegen ‘Ich sterbe bald.’ Mal’ nicht den Teufel an die Wand.” – Aber er schien die letzten Wochen seines Lebens gespürt zu haben, dass man nicht so einfach am Leben bleibt, wenn man Khomeini beschimpft. Nur paar Wochen später fand man ihn erstochen auf. Auf dem Anrufbeantworter von Ferri Farokhzad war Papa’s Stimme zu hören: “Junge, wo bleibst Du? Wir müssen proben…”

Da war er vermutlich schon tot und lag in seinem Zimmer. Amu Ferri, wo auch immer Du gerade bist, mögest Du glücklich sein.

Amu Ferri

07.04.2007, 11:20
Glaskugel

Dieser anstrengende Akt des Schweigens gilt auch dem eigenen Unverständnis sich selbst gegenüber. Nicht einmal mehr mit Dir oder mit mir suche ich das Gespräch, die Zustimmung. So kräftezehrend das ist, lieber – mit wem ich auch gerade immer spreche – so ist es immernoch das Wehrloseste und Einfachste, was ich tun kann. Der Kampf braucht eine Pause. Anlehnen ist schon zuviel des Guten. Ich will meine Glaskugel. Lass’ mich alleine drin sitzen und mit der Musik reden. Sie ist wieder so plastisch die Tage, dass man in ihr leben kann.

Pscht…

~ Café Del Mar – Dido ~