Seit ich von Sahari dieses Notizbüchlein geschenkt bekommen habe, schreibe ich wieder Tagebuch. Undzwar nicht digital, sondern mit dem Kulli – wie damals. Wie ursprünglich. Wie all die Jahre davor. Seit ich 9 Jahre alt bin, schreibe ich Tagebuch. Irgendwann hörte ich auf. Um ziemlich genau zu sein vor 3 Jahren. Um noch genauer zu sein, habe ich vor 3 Jahren mit ziemlich vielen Dingen aufgehört – aber das ist ein anderes Thema.
Ich mag die Blog-Welt, ja. Aber ich werde hier nie deutlich, konkret, gezielt – ich schreibe oft allgemeiner. Natürlich spürt man meine Wut, meine Trauer, meine Hilflosigkeit oder auch mal meine Freude oder Nostalgie – doch hier, in der digitalen Welt, wird man kaum herausfinden, was mich eigentlich bedrückt, was in meinem Alltag wirklich geschieht oder woran ich gerade zu knabbern habe. Das, was ich hier tu’, ist lediglich das Malen von assoziationsreichen Bildern, undzwar weniger mit Formen und Farben, als mit beschreibenden, schmückenden Buchstabensalaten. Ich lasse nur erahnen, aber nie wirklich anpeilen. Das ist für mich auch richtig so.
Aber so ein Tagebuch ist etwas Anderes. Ich kann frei schreiben; und ich beginne meine Einträge wieder mit “Lieber Gott”. Wenn ich fertig bin mit dem Schreiben, brauche ich mir keine Sorgen darüber zu machen, dass jemand unberechtigterweise an die Daten kommt. Es ist so entlastend. Wie konnte ich nur damit aufhören? Irgendwann musste ich damit aufhören, weil ich keine Zeit mehr hatte. Oder weil meine Probleme gar nicht mehr meine waren, sondern die von Anderen. Ich hatte mich komplett verloren. Aber auch das ist wieder eine andere Geschichte…
Das nächste Mal, wenn Darya zu mir kommt, machen wir es wie damals. Wir kuscheln uns einander und lesen dann meine Tagebücher. Das hat sie immer so geliebt.
“Sherry?”
“Ja?”
“Wann liest Du mir aus Deinen Tagebüchern vor?”
“Gleich. Sofort. Lass uns erst essen.”
Dann blätterten wir mit leuchtenden Augen (Ihr müsst unbedingt mal Darya’s leuchtende Augen sehen). Seiten anfassen zu können, ist etwas Wunderbares. Wusstet Ihr das? Oder zu den Einträgen auch etwas kritzeln zu können, die sich verändernde Schrift zu beobachten, die sich an stockenden oder auch leidenschaftlichen Gedankenflüssen anpassen, das Papier zu riechen – man fühlt sich einfach 1000 Mal mehr, als hier in der digitalen Welt.

(Über die anderen Geschenke berichte ich bald sicher auch noch. Jedes für sich hatte 10000 Gedanken an mich
)

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