Archiv für August, 2007

Ich frage mich, wie sehr wir uns eigentlich noch selbst verarschen können. Beispiel: Ich habe mich in den letzten Tagen oft mit Malen, Schreiben, Photographie und Musik beschäftigt. Ich will nicht sagen, dass ich weniger depressiv bin dadurch als sonst in der letzten Zeit, aber wenigstens werde ich von meinen Gedanken nicht regelrecht gefickt bis zum Zusammenruch, wenn ich mich intensiv mit einer Farbe, mit einer Form, mit der Liebe und Hingabe zu einem Musikstück beschäftige. Irgendetwas passiert mit mir, vorallem wenn ich male. Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben soll – aber alle Gedanken und negativen Gefühle bündeln sich furchtbar gierig, stellen sich lieb und brav an und wollen von meinem Pinsel auf’s Blatt gebracht werden. Als würden sie sich auf die Freiheit freuen. Ich schaffe es, dieses Bündel an Negativität zu spüren, ohne ihnen aber die stechende Form von Gedanken zu geben. Das hört sich doch erstmal gut an, ja? Aber wie sieht’s nun wirklich aus?

Sagen wir, ich habe in den letzten Tagen erkannt, dass die größte Nebensächlichkeit in meinem Leben, die ich null ernstgenommen habe – nämlich die Poesie, Kunst, das Schreiben, das Malen, die Photographie – eigentlich mein Lebensweg ist. Meine Art und Weise, den Menschen in meiner Umgebung dienen zu können. Ich kann mit meinem Shit tatsächlich Menschen erreichen, sie berühren, ihnen trotz all der melancholischen Gedanken eine Art Hoffnung geben, weil es doch tatsächlich Menschen zu geben scheint, die deren Traurigkeit, ihre Einsamkeit und Stolperversuche in die große, weite Welt verstehen. Und was mache ich? Ich studiere Pädagogik, dann Orientalistik – und jetzt bald auch noch Jura! Zieht Euch das mal rein! (Ich muss mir grad’ den Mund zuhalten, sorry. Sonst schreie ich.)

Oke, Lachkrampf ist vorbei. Wieviele Menschen haben sich, ihre Berufung, ihre Lebensträume denn schon zugunsten der erwarteten Leistungen in der Familie, der Kultur, der Gesellschaft geopfert? Und warum ist es so einfach, diese starken, ur-eigenen Impulse zu verdrängen? Ist es nicht beängstigend, welche Macht Konditionierungen auf einen haben?

Nein, ich bin nun nicht befreit von solchen Selbstlügen, Selbstverleumdungen etc. Die Kunst wird weiterhin eine nicht erwähnenswerte Nebensache in meinem Leben bleiben, zumal ich sie durch meine Dummheit nicht einmal perfektionieren konnte. Ich fange nach 10 Jahren wieder an, zu malen, und bin noch immer auf dem Niveau der 12-jährigen Sherry. Um wirklich gut zu werden, bin ich schon zu alt. Um diese kleinen Nebensachen jedoch gänzlich aufzugeben, noch viel zu jung. Was machen wir nun? – Richtig: Jura studieren. Toll, Sherry, toll.

Oke. Lachkrampf ist vorbei.

“Nicht, dass ich wirklich selbstmordgefährdet wäre, nein. Ich halte mir immer nur diese kleine Tür offen, damit ich im Tragen dieser sinnentleerten Tage einen Fluchtweg sehen kann. Einen, von dem ich weiß, dass ich ihn niemals nutzen darf, egal was passiert. Das Licht, das mich erreicht, wenn ich mir vorstelle, wie ich mich selbst von dieser nichtigen Existenz wegschlachte – wegschlachte wie ein Stück Vieh – und befreit meinen Schmerz ausblute, was ich bis jetzt in Überdosierungen wie grün-gelbe Galle durch meine Adern habe fließen lassen, ist unsagbar schwerelos und warm.

Nicht, dass ich wirklich selbstmordgefährdet wäre, nein. Doch der Gedanke daran ist einfach nur kraftspendend und befreiend. Ich könnte, wenn ich wollte. Wie gut, dass ich könnte, wenn ich wollte. Wenn Ihr wüsstet, was ich könnte, wenn ich wollte… Und dass ich könnte, wenn ich wollte, macht mich unschlagbar.

Der Abgrund ist mein bester Freund, er schaut lächelnd hoch zu mir. Nicht, dass ich wirklich selbstmordgefährdet wäre.”

Von einem Unbekannten,
der Alles hatte,
Alles verlor –
Aber Nichts mehr zurücklassen wollte.
Schon gar nicht sich…

28.08.2007, 07:44
Selbstportrait I
26.08.2007, 21:55
Menschen

Click: ~ Udo Lindenberg – Baby Wenn Ich Down Bin.mp3 ~

Ich höre gerade Udo Lindenbergs Baby wenn ich down bin. Ich glaube, normale Iraner könnten ihn und seine zum Teil kakophonischen Töne niemals ertragen. Er hört sich ein wenig versifft an, wirkt immer leicht angetrunken – ja, sogar ein wenig ungepflegt. Er singt etwas schief, und die Sprache, in der er singt, ist eben deutsch – dazu noch einfaches Deutsch ohne Verschnörkelungen, wo wir Iraner doch gerne alles blumig, bildhaft und kompliziert ausdrücken. Feinfühlige Künstler jedoch schaffen es sehr gut, in jeder Sprache die Essenz unserer Gefühlswelten zu veräußern. Es ist nur eine Frage der Echtheit, der Verbindung zu sich und der Nähe, die man zu anderen Menschen empfindet. Und Udo hat das definitiv drauf. Er ist einer von uns.

Udo ist ein richtiger Mensch. Ich meine, ein richtiger Mensch im Sinne unserer Idee von Mensch. Die Definition von Mensch, die wir an anderen Menschen heute mit eine Lupe suchen und uns fragen, wo diese Menschlichkeit geblieben ist, was diese Menschlichkeit genau ausmacht, woher sie kommt und warum sie immer mehr vergeht. Udo singt mit gebrochener Stimme. Er nuschelt manchmal, weil er müde ist, aber redet unermüdlich seit über seit so vielen Jahren gegen braunes Gedankengut, über seine Eskapaden, Schwächen und seine Art, zu lieben. Udo ist ein Mensch, wie ich ihn mir in der Welt mehr wünsche. Einer, der einfach und ohne Umschweife sagt, dass Wasser rein ist und die Frau schön. Dass Brot gut schmeckt und mit Käse dazu sogar noch mehr. Der sagt “Das tut weh.” und der sagt “Das ist toll.”

Udo erinnert mich an einen alten Freund. Kämpfer heißt er mit Nachnamen. Ein sehr seltsamer Typ. Ein wenig Punk, ein wenig Gothic mit einem außergewöhnlich skurrilen Humor. Sein Alltag bestand eigentlich darin, die ultimativ genialste und subtilste Form von Humor zu erreichen, die ein Mensch je erreicht hat.

Wenn ich heute darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass er dadurch nichts anderes tat, als seinem Schmerz, seiner Einsamkeit, seiner Abneigung gegen die Gesellschaft Ausdruck zu verleihen. Ich kann seinen Humor nicht in Worte fassen. Aber lasst es mich so sagen: Seit ich ihn kenne, weiß ich, dass man über Humor eine ganze Nacht lang philosophieren kann, ohne dass es dabei langweilig wird. Ich habe durch Kämpfer plötzlich Chaplin verstanden und konnte über ihn lachen und danach weinen. Chaplin hat man nicht verstanden, wenn man nur über ihn lachte.

Kämpfer war einer dieser Typen, die überhaupt nichts Sexuelles ausstrahlten, so dass mein Papa mir sogar erlaubte, dass er zu uns nach Hause kommt und ich auch zu ihm gehe – und das heißt schon etwas. Kämpfer war ein Mensch, so wie Udo ein Mensch ist. Einer jener eben, die ihr Herz in den Augen trugen und ohne Umschweife mit dem Finger auf das zeigen, was sie liebten oder auch verachteten ohne sich etwas auf Diplomatie zu geben trotz seiner Angst, dass seine Freunde ihn irgendwann alle verlassen würden.

Kämpfer kämpfte dagegen an, ein Spießer zu werden. Er wollte nicht im grauen Anzug zur Arbeit und abends wieder nach Hause. Er suchte nach etwas, das Arbeit war und Kreativität erlaubte. Also wurde er Erzieher. In der Schule lief immer mit seiner Kamera rum. Er nötigte seine Clique dazu, seinen selbstgeschriebenen Drehbücher als Schauspieler zu dienen. Ich war schon alles Mögliche von Krankenschwester bis Puffmutter. Einmal musste ich Marco, der eine fiese, kleine Oma gespielt hat, den Hintern abputzen (natürlich war er noch angezogen) und meine ganze Hand wurde zu Drehzwecken mit Nutella besudelt. Das sah so echt, dass ich mich beim Dreh fast übergeben musste. Er hatte meinen vorwurfsvollen Blick mit der Kamera eingefangen. Wie ich ihn ansah und nur fauchend dachte “Kämpfer, nach dem Dreh bring’ ich Dich um!”

Und wenn alle nach Hause gegangen sind und er und diese Videos alleine in seinem kleinen Zimmer waren, redeten sie miteinander. Während er sie schaute, fragte er sich, warum es so etwas wie Trennungen gibt. Er machte sich bewusst, dass diese Tage nicht erst dann vorüber waren, wenn wir alle unter der Erde lagen, sondern viel früher. Er wusste, dieses Beisammensein muss festgehalten werden. Also hielt er es fest. Immer wieder. Mit seinen Videos.

Warum erzähle ich jetzt über Kämpfer? Ach so. Udo Lindenberg. Udo Lindenberg ist ein Mensch, so wie Kämpfer ein Mensch ist. Einfach, mit klaren Gefühlen – und wenn doch mit Unklaren, so dann aber mit klaren Worten, wenn sie denn versuchten, sie auszudrücken.

Einmal ging es mir sehr schlecht. Nach einem heftigen Streit mit meiner Mutter hatte ich mich hingesetzt, gegen die Wand gestarrt und ungefähr drei Stunden kein Wort mehr mit jemandem. Meine Psyche hatte dicht gemacht, nichts kam mehr durch. Meine Cousine Darya (Dada) saß neben mir und weinte, ich solle doch bitte wieder reden. Ich muss siebzehn gewesen sein. Und mit siebzehn hatte ich noch die Fähigkeit, mich im wachen Zustand in eine andere Realität abzudriften, Mauern aufzurichten, die alle selbstgebauten der Welt überragten an Dicke und Höhe und Undurchlässigkeit. Da rief Dada Kämpfer an, er solle schnell kommen, mit mir stimme etwas nicht.

Ich hörte seine Springerstiefel von draußen, und schon regte sich etwas in mir. Warum nur konnte er das? Er kam rein, schaute sorgenvoll ins Zimmer und sagte nur:

“Was machst Du denn da nur, Sherry-Maus?”, und setzte sich neben mich. Ich schaute ihn mit großen Augen an und meinte mit trockener Kehle: “Was zum Teufel machst Du denn hier, Kämpfer?”

“Nach Dir sehen. Du bist doch mein Sorgenkind Nummer 1.”
“Ich bin kein Sorgenkind!”, wehrte ich mich (wie immer) – und er schmunzelte väterlich.

Dann habe ich meinen Kopf einfach an seine Schulter gelehnt und ganz leise gefragt:

“Bringst Du mich zum Lachen, Kämpfer?”
“Das machen wir gleich. Ruh’ Dich erst einmal ein wenig aus.”
“Okay…”, seufzte ich und schlief irgendwann ein. Als ich aufwachte, war er weg.

All das kommt mir in den Sinn, wenn ich Udo Lindenberg höre. Vor allem dieses Lied. Kämpfer war immer sehr lange und schweigend verliebt, wenn er verliebt war. Nicht heimlich, aber schweigend. Er beobachtete seine Liebste nur, hielt aber immer den Atem an, wenn er sich nicht mehr zurückhalten konnte und auf sie zugehen wollte. Er wollte sich immer stoppen, wenn es um die Liebe ging. Ich glaube, er war fest davon überzeugt, dass er alles, was er anfasste, das mit Liebe zu tun hatte, kaputt gehen würde. Warum er das dachte, habe ich nie wirklich erfahren.

Heute ist er zweiunddreißig und hat eine feste Freundin, die ein Kind mit in die Beziehung reingebracht hat. Kämpfer mag Kinder. Er sieht sie als kreative Bomben an, die ihn inspirieren. Ihre Gedankengänge faszinieren ihn. Sie haben irgendein kreatives Unternehmen aufgemacht. Wandbeschmückung und Malerei oder so. Fragt mich nicht genau, ich weiß es nicht. Vielleicht wird er so seine genialen Comics an den Wänden der Wohnzimmer los.

Ich bin mir sicher, dass er sich heute noch die alten Videos von uns ansieht und an uns zurück denkt, wehmütig lächelt und auch mal laut lacht. Er fragt sich ganz sicher noch immer, warum es Trennungen und Veränderungen in der Welt gibt und wie er es trotz dieses Widerwillens gegen die Natur dieser Welt geschafft hat, damit klarzukommen. Ich bin mir sicher, dass er zu den wenigen Menschen gehört, die sich selbst treu geblieben sind. Die durch ihre innere Sturheit gegen die Gesellschaft immer noch an ihren alten Idealen festhalten, auch wenn das bedeutete, dass Andere aus ihm hinausgewachsen sind und ihn zurück gelassen haben. Was Kämpfer bestimmt nicht weiß ist, dass wir – oder zumindest ich – noch sehr oft und sehr intensiv an ihn denke.

Ja, unser Udo…

25.08.2007, 17:29
Bettgeflüster

Lady hat mir ein Stöckchen zugeworfen. Und das auch noch bezüglich eines Themas, mit dem ich gerade auf Kriegsfuß stehe: Dem Schlaf!

Lieblings-Schlafposition?
Auf dem Bauch und seitlich – und immer irgendwie kämpfend! :hoddo:

Hast Du ein “Einschlafritual”?

Ich wippe mit dem Po. Ohne Scheiß jetzt. :oops:

Hast Du ein Kuscheltier, Knuddelkissen o.ä.?

Ja, meinen Mu-Sh-el. Er ist ein Teddy-Baby aus alten Zeiten. Er kann nichts für seinen doofen Papa, also habe ich ihn alleine aufgezogen mit viel Liebe. :rose:

Was machst Du, wenn Du nicht schlafen kannst?

Surfen, Lesen, Schreiben, TV-schauen, an die Decke starren, Musik hören, Diät-Pläne schmieden. :cry:

Wie groß ist Dein Bett?

160 x 200 oder so. :cool:

Wie viele Kissen hast Du?

Vier Kissen und zwei Decken. Die Kissen umarme ich oft, in die andere Decke keile ich meine Beine oft ein. In einsamen, bedrohlichen Zeiten liegen zwei Decken auf mir, dann fühle ich mich durch die Schwere, die auf mir liegt, irgendwie geschützt. :seufz:

Linke oder rechte Seite?

Rechte.

Wie lässt Du dich wecken?

Wenn ich nicht raus muss, dann von meinen Träumen oder einem Anruf. Wenn ich Pflichten habe, dann vom Handywecker mit Lieblingsmelodien. Ich hasse es übrigens, von der Sonne geweckt zu werden. Dann ist mein Tag schonmal hin. :debil:

Stehst Du direkt auf oder bleibst Du liegen?

Das ist verschieden. Meistens bleibe ich aber noch liegen, weil ich erstmal mit der Realität klarkommen muss oder eben auf “Realität-Modus” switchen muss, das ist bei meiner surrealen Traumwelt gar nicht so einfach. :o:

Dein erster Gedanke am Morgen?

Meine Familie… :herz:

Was machst Du um wach zu werden?

Entweder etwas sehr Kaltes trinken oder kalt duschen oder beides. Das tut mir meistens gut. 8-O

So, ich gebe das Stöckchen weiter an Hasret, Momo, Avalon, Minah und Sörbeli.

~ Starsailor – Tie Up My Hands.mp3 ~

Ich habe damals immer so liebenswürdige Scheiße geredet, von der ich tatsächlich überzeugt war. Meine tiefsten Überzeugungen waren: “Letztendlich wird alles gut”. Meine Lieblingsweisheiten an Menschen mit verschlossener, unterkühlter Seele war: “Ja, gewiss. Natürlich machen Dich die Mauern schmerz-undurchlässiger. Aber bedenke, sie sind dann gleichzeitig auch undurchlässiger für tiefes Glück.”

Ich habe wirklich jedes verfickte Opfer gebracht, um durstig nach diesen mich tief erzitternden Gefühlen der absoluten Einheit mit der Menschheit zu erreichen. Ich hatte in meinem Leben schon Momente, in denen ich vor Glück alles, was ich in den Händen hielt, fallen ließ und die Luft anhielt. Für diese Momente hätte ich alles getan. Jede Unvernunft in Notwendigkeit umgewandelt, jede noch so große Hürde habe ich gemeistert, auf den Rändern irgendwelcher Klippen ins Endlose bin ich balanciert, in alle offenen Arme bin ich reingelaufen – immer mit der Überzeugung, dass grundsätzlich war kein Mensch böse ist. Böse Menschen waren nur Menschen, die leiden. Menschen, die leiden, brauchten nach meiner Auffassung aber nur Liebe. Die hätte ich mit meiner überschwänglichen Agapé-Liebe schon irgendwie heilen können, dachte ich.

Ich war schon immer ein sehr melancholischer Mensch, der jedoch mit einem sehr temperamentvollen Naturelle und viel Kampfeslust einherging. Aber das alles scheine ich nicht mehr zu sein. Die Melancholie ist zur Resignation aufgestiegen, die Kampfeslust für ein besseres Dasein zu einem alten Wappen, das ich irgendwann nach einer verlorenen Schlacht weggelegt habe. Diese Veränderung ist nicht von heute auf morgen geschehen. Ihr sind viele hässliche, traurige, zerschmetternde Ereignisse vorausgegangen, die ich auch niemals einfach benennen werden kann. Damals hätte die alte Sherry vielleicht darüber berichtet, denn sie hätte niemandem etwas Böses zugetraut. “Mein Gott, wer könnte schon so gemein sein und all diese schwachen, wunden Stellen an Dir dazu nutzen, um Dich zu quälen?” Heute sieht’s anders aus. Völlig anders. Ich weiß, es gibt diese Menschen. Ich habe es am eigenen Leib erlebt. Und Ihr vermutlich auch.

Während man noch dabei ist, sich über das Erwachsenwerden Gedanken zu machen, liegt man schon in der verfickten Scheiße des Erwachsenseins. Erwachsensein bedeutet nichts Anderes, als ein abgestumpftes, gestresstes Etwas zu sein, das seine amputierten Gefühle in irgendeine andere Bahn kanalisiert, um sie doch noch irgendwie zu entladen, wenn auch nicht in ihrer ursprünglichen Form. Bei mir ist es das Essen, bei anderen ist es Sex, bei einem Anderen wiederum ist es der Spaß an Selbstdarstellung. Dann gibt es noch die armen Schweine, die sich und ihre Persönlichkeit nur auf ihren Beruf und ihre gemachten Karriere reduzieren, als seien sie ohne nichts wert. Manche mutieren zum Nihilisten, um sich jede Sekunde einzuhämmern, man habe keine Empfindungen und Erwartungen mehr zum Leben. Andere wiederum gehen Menschen zum Spaß ermorden. Dann gibt es noch unsere Internet Junkies, die sich isolieren, aber aufgrund “reger Kontakte” in virtuellen Gefilden meinen, sie stünden mitten im Leben, während ihre Leben um sie herum jedoch einfach verfällt wie abgestandener Joghurt. Die Echtesten sind noch immer unsere Borderliner. Die Armen sind in einer Situation, in der sie wissen, dass die ganze Welt sich selbst verarscht, deshalb schneiden sie aus Verzweiflung an sich selber rum und sind dabei gar nicht so viel anders als die Aufzählungen vorher: Denn bei allen Beispielen handelt es sich um nichts Anderes als um Selbstverstümmelung auf die eine oder andere Art.

Ich frage mich, was es letztendlich ist, das aus uns das gemacht hat, was wir heute sind – nämlich absolute emotionale Versager! Wie oft muss ich noch erleben, wie die Augen der einen und selben Person bei jedem Mal, an dem ich sie wiedersehe, wie in Schlamm versinken und völlig leer und wieder einmal ärmer um einen Kindheitstraum raus blicken? Wie oft muss ich auf der Straße noch jemanden zusammen scheißen, der es tatsächlich wieder fertiggebracht hat, jemanden zu ignorieren, der auf dem Boden liegt und offensichtlich bewusstlos ist? Wie oft muss man die ignoranten, grauen Erscheinungen noch ertragen? Wie lange? Ich mutiere selber bald dazu. Dieser Prozess ist wie Ersticken. Meine Seelenfarben werden eingedeckt in Betongrau, damit sie auch zum Rest der Dreckswelle passen – und ich kann nichts dagegen tun. Es geschieht einfach. Ich krepiere wie alle Anderen auch, indem ich mich zwinge, nur auf der Oberfläche zu leben und nicht mehr in der Tiefe.

Letztens war ich im Amtsgericht irgendeine Formalität erledigen. Dort stank es nach seelischer Verwesung und Frigidität. Im Ernst. Ich hätte nie gedacht, dass man diesen Zustand riechen kann, aber es war so. Ich saß da, habe gewartet – und beim Anblick dieser eigenartig riechenden Menschen dort sind mir einfach so ruhelos die Tränen über das Gesicht gelaufen. Ich wollte jeden einzelnen, stumpfen Menschen dort eigenhändig ermorden. Nicht nur aus Wut, sondern um ihn einfach von seinem nutzlosen Dasein zu befreien. Schlicht und einfach töten und die verpestete Luft von ihrer klanglosen Frigidität befreien. Und da fällt mir auch wieder der Hauptgedanke zu diesem Chaos hier ein: Ja, es kann alles gut werden. Warum? Weil wir alle eines Tages sterben werden und uns und diese Welt von uns befreien.

Bis dahin möchte ich es mir aber noch gemütlich machen und so viel von meinem alten Scheiß in der Welt verbreiten, wie es nur geht. So viel die ursprüngliche Sherry verbreiten, wie es bei meiner fortschreitenden Mutationen noch möglich ist. Vielleicht bringt es ja doch noch etwas. Also, auch, wenn Ihr mir das jetzt nicht abnehmt – aber es gibt für mich noch immer nichts Schöneres als eine Umarmung. Als festgehalten werden. Zu wissen, man nicht alleine ist, auch wenn man sich einsam fühlt. Zu wissen, dass man sich gemeinsam einsam fühlt und das die Einsamkeit wieder aufhebt.

Deshalb hört bitte zu – und damit meine ich auch mich selbst. Bitte seid für Eure Mitmenschen mitverantwortlich, selbst wenn Ihr sie nicht kennt. Seid innerlich nicht so tot, dass eine weinende Frau auf der Straße Eures Blickes nicht würdig ist. Geht hin, fragt sie, was sie hat und ob Ihr etwas für sie tun könnt. Unterhaltet Euch manchmal mit Obdachlosen, denn sie sind so reich an Lebensgeschichten und tiefen Erfahrungen, dass einem schwindelig wird. Seid der kleine, überraschende Lichtblick der grauen Masse um Euch herum. Es muss nichts Großartiges sein. Ihr müsst nichts opfern. Ein Lächeln, ein überraschendes Grüßen, das scheulose auf Andere zugehen und die Bereitschaft zur Hilfe anbieten, kann in Euch und in andere Blumen zum wachsen bringen. Auch, wenn man Euch in Eurem Treiben kurz skeptisch anschaut, lasst Euch nicht aufhalten – ist das Eis nämlich erst einmal gebrochen, ist die Befreiung und das erleichterte Lächeln Eurer Mitmenschen Euch eine unvorstellbare Freude. Seid präsenter. Seid einfach da, verdammt. Ich gebe auch mein Bestes. Lasst es uns versuchen. Dann wird auch alles gut.

23.08.2007, 17:04
Cassandra

Und hier etwas für Farb-Junkies wie mich. Ich liebe Farben, vorallem sehr Intensive – aber das Malen mit Farben traue ich mir nicht so zu. Bei Bleistift / Grau musst Du nur nuancieren, um richtig zu schattieren. Aber bei Farben muss man zudem die Farben variieren; und das schaffe ich noch nicht so gut. Außerdem verliert man mit Buntstiften irgendwann die Nerven. Ich brauche Pastell-Kreide und Wasserfarben.

22.08.2007, 10:00
Titten Titten Titten!

An der hier hatte ich richtig meinen Spaß, ehrlich. Und wenn’s nach mir ginge, hätte ich ihr wahrscheinlich noch größere Brüste gemalt. Aber irgendwie wollte ich ihr pseudo-unschuldiges Gesicht nicht gänzlich untergehen lassen.

(Bild anklickbar…)

21.08.2007, 17:11
Von Freundinnen & Schwestern

Und nein, ich bin nicht lesbisch…

(Bilder bitte anklicken…)

19.08.2007, 02:56
~ Mein Ein & Alles ~

~ :rose: ~

Du bist der König aller Sieger
Die Muse aller ehrenvollen Krieger
Die fest haltende Hand trauriger Verlierer
Die Heimat rastlos Suchender
Und Gottes stolzer Geliebter

~ :rose: ~

Das Augenlicht der Blinden – das bist Du
Die feste Hand eines Flehenden – das bist Du
Die Schultern, auf denen Kinder lachen
und sich sorglos in die Tiefe des Lebens
fallen lassen,
das bist Du

~ :rose: ~

Und weil der Weg, den Du gehst,
Der Weg des Beschützers für die
Schutzlosen ist

~ :rose: ~

Und weil das Lied, das Du in schlaflosen Stunden singst,
Das Lied aller Liebenden ist

~ :rose: ~

Und weil Deine Augen, die mal aus Wut gegen Ungerechtigkeit
Mal aus herrisch-packender Leidenschaft funkeln,
und das Licht der Sterne -
und der Sterne Kindes-Kinder sind

~ :rose: ~

Und weil die Kraft, die Du uns verleihst
Die Kraft eines Majnoons
auf der Suche nach Leyla
in der peitschenden Wüstensonne ist

~ :rose: ~

…bist Du es,
der mein Ein und Alles ist
Bist Du es, den ich bedingungslos liebe -
nein, nicht nur das -
denn ich vergöttere Dich
mit Allem, was in mir ist

~ :rose: ~

Du