Archiv für August, 2007
18.08.2007, 15:44
Paul Auster & Co.

Er wird oft hochgelobt von intellektuellen Lesern, doch egal, mit welchem seiner Bücher ich es versucht habe, begeistern konnte er mich nie. Sein Schreibstil ist völliger Durchschnitt und seine Gedankengänge gerade mal “deep” genug, um sie nicht als durchschnittlich zu empfinden, aber andererseits auch viel zu flach, um ihn z.B. mit einem H. Hesse oder – oder noch größer – einem Meister Dostojewski zu vergleichen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur intellektuell zu minderbemittelt, um diesen Mann zu verstehen. Ich weiß nur, dass aus seinen Romanen keine tiefen Einsichten in mir durchdringen und meine Seele einfach nicht auf seine Worte antwortet.

Ich schreibe schon lange keine Rezensionen mehr über Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, weil sie nicht nennenswert waren. Die Letzten hießen aber:

- Das Buch der Illusionen (Paul Auster)
- Die Erfindung der Einsamkeit (Paul Auster)
- Unter’m Rad (Hermann Hesse)
- Handbuch des Kriegers des Lichts (Paulo Coelho)

Vorallem Coelho hat mich einwenig enttäuscht, weil ich mehr von ihm erwartet habe. Ich frage mich nun, ob es daran liegt, dass ich die anderen Bücher, die ich von ihm gelesen habe, schon weit zurückliegen und man mich damals mehr beeindrucken konnte – oder ob dieses “Handbuch” von ihm einfach diesmal schlechter ausgefallen ist. Aber da es ein Geschenk meiner lieben Freundin ist, kann ich es nicht weggeben. Allein deshalb mag ich das Buch, wenn auch nur das Liebevolle, das hinter diesem Geschenk steckt und weniger aufgrund des Inhaltes.

Wenn jemand von Euch eine Idee hat, was ich als Nächstes lesen könnte, so möge er es mir sagen. Tipp: Ich habe die ganze SZ Bibliothek in meinen Regalen. Also, falls in der Liste etwas vorhanden ist, was ich sofort anspringen sollte, dann gebt mir ein Zeichen.

18.08.2007, 03:51
Weitere Malstriche

Ich weiß, dass ich die Leute in meiner Umgebung im Moment mit Frauengesichtern nerve – aber Bilder sollen die eigenen Gefühle widerspiegeln, bzw. sie sollen nicht, sie tun’s einfach. Dabei kommen dann in einer bestimmten Phase eben immer sehr ähnliche Motive bei raus. Wie dem auch sei, ich male tatsächlich wieder einwenig. Die eingerosteten Finger leben nach ca. 10 Jahren wieder auf. (Das Bild ist anklickbar. In der Größe sieht man nämlich fast nichts vom Ausdruck, wie ich finde.)

17.08.2007, 13:06
DHL

Ich weiß nicht, was das für ein Saftladen ist – aber heute wurden die Leute richtig von mir zusammengeschissen. Einmal der Bote, einmal die dort im Service-Center, die Dir am Telefon immer sagen, sie können nichts tun. Es kann einfach nicht angehen, dass diese Saftsäcke große Pakete nicht hochbringen und lieber scheinheilig behaupten, sie haben geklingelt und der Empfänger sei nicht da gewesen, anstatt ihre gottverdammte Pflicht zu erfüllen. Plötzlich schaust in Du in ihre Online-Statusabfrage – und was steht da? “Empfänger war nicht zu Hause”. Hallo? Geht’s noch? (Wixer!) – Jedenfalls habe ich da sehr geladen angerufen (sehr geladen, weil letzte Woche soetwas ähnliches vorkam) und erst einmal gesagt, was Sache ist.

“Da können wir leider nichts tun von hier aus. Die Fahrer sind nicht erreichbar.”
“Bitte? Wozu sitzen Sie denn da, wenn keine Kommunikation zwischen Ihnen möglich ist. Was machen Sie bei Notfällen? Bei Same-Day Transporten? Hallo? Die Leute haben schon einen Grund, warum sie zeitlich genaue Expresslieferungen anfordern.”
“Ja, da kann ich nichts tun. Tut mir Leid. Ich werd’ das dann hier vermerken.”
“Nein, ich kenne Ihr scheiß Vermerke! Die bringen rein gar nichts und werden erst gesehen, wenn der nächste Sie in der Schicht ablöst und den PC neustartet. Sehen Sie bitte zu, dass Sie den faulen Fahrer informieren, der sich erdreistet hat, hier zu behaupten, er habe geklingelt! Ich weiß, dass die Boten hier zunehmend an Faulitis leiden.”
“Ich kann nichts für Sie tun, hören Sie?”
“Dann wird das Ihr Vorgesetzter können. Sagen Sie mir bitte Ihren Namen, ich möchte gerne angeben können, mit wem ich gesprochen habe, wenn ich mich beim Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten auf die Aussage des Kunden-Services beziehen muss.”
“Entschuldigen Sie bitte, ich kann nichts für den Patzer.”
“Das weiß ich doch..”, sagte ich beschwichtigend. “Aber Sie können etwas dafür, dass Sie jetzt nicht alles tun, damit der Patzer noch HEUTE wieder gut gemacht wird!”
“Einen Moment bitte, ich frage mal eben etwas nach.”

Wartemelodie blabla tralalala…

“Hören Sie?”, fragte sie etwas entspannter.
“Ja bitte.”
“Ich kann Ihnen nichts versprechen, aber der Fahrer wurde informiert. Wenn wir Glück haben, dann kommt Ihre Lieferung noch heute.”
“Sehr gut, danke. Geht doch.”
“Aber ich kann Ihnen nichts versprechen.”
“Oke. Wichtig für mich ist nur, dass Sie es versucht haben und mich nicht direkt wieder abgewimmelt haben. Diese ‘Das ist nicht mein Problem-Mentalität’ ist so typisch deutsch. Das muss wenigstens im Service-Bereich sofort geändert werden.” (ich grinste frech)
“Jaha…”, rollte sie die Augen.
“Oke, ich will Sie nicht länger aufhalten. Schönen Tag noch und vielen Dank.”
“Gerngeschehen.”

Klack.

Viertel Stunde Gefluche, während ich aus Frust meinen Balkon putzte. Ein Anruf.

“Hallo, guten Tag, Frau… Ihre Sendung wird in 10 Minuten zugestellt werden. Tut uns Leid wegen der Unannehmlichkeiten.”
“Oh, danke. Kein Problem. Schön, dass es heute doch noch klappt, obwohl solche Dinge ja immer auf den nächsten Tag verschoben werden.”
“Gerngeschehen… Aufwiederhörn’.”

Klack.

Ich, immernoch skeptisch, fluche per SMS weiter wegen DHL. Ich hab’ denen nämlich immernoch nicht abgenommen, dass sie tatsächlich heute noch erscheinen würden. Als ich auf dem Balkon dieses gelbe Monster in unsere Straße reinfahren sah, blieb ich dort und beobachtete den Paketboten. Ich richtete mich auf und rief hinunter:

“Vierte Etage links bitte! Gucken Sie, ich bin DA. Nicht, dass Sie doch noch etwas Anderes angeben.”
“Vielen Dank auch!”, rief er hoch, ich flitzte zur Tür, drückte sie auf und wartete mit in die Taillie gestemmten Fäustchen und schaute grimmig.
“Tut mir Leid, vorhin hatte ich geklingelt, aber da war niemand.”, keuchte er.
“Sicher doch. Und meine Klingel hat sich plötzlich selbstgeheilt. Sie wissen schon. Medizinisches Wunder – gibt’s auch beim Menschen.”
“Wirklich…”
“Ja, ich glaube Ihnen. Das nächste Mal, wenn meine Klingel wieder schlappmacht immer genau dann, wenn DHL mal etwas Schwereres hochzuschleppen hat, werfen Sie’n Stein gegen’s Fenster. Danke. Schönen Tag noch.” (Bumm)

Echt schade, dass man nur etwas erreicht, wenn man patzig wird. Ich hab’s schon so oft mit weicher Zunge versucht, aber dann wirst Du gar nicht erst ernstgenommen. Schon gar nicht bei meiner komischen Mädchenstimme. Da tätschelt man mir lieber auf den Kopf und denkt sich “Süß.” – Das war’s dann auch schon. Arschi.

11.08.2007, 18:46
Tiefgedanken

Ich würde gerne Lieder hören. Doch die, die ich ertragen könnte, sind zu fröhlich und tun wiederum weh, weil sie Deiner nicht gedenken – und im Grunde doch gar nichts fröhlich ist. Und die, die traurig und tief sind, schleudern mich in den Schlund verachtungsschwangerer Gedanken gegen das Leben und seine Regeln – doch auch das wäre Deiner nicht würdig – denn ich soll ja leben, sagst Du. Egal, was ich tu’, ich tu’ das Falsche. Ich halte den Hörer in der Hand, um zu reden – aber am Ende lasse ich die Worte Anderer nur auf mir niederprasseln – unfähig, auch nur einem von mir kommenden Schmerz einen menschlichen Laut zu geben, damit er endlich nach draußen dringt. Wie ein Tier im Käfig gehe ich auf und ab, im Bestreben, eine Lösung zu finden – immer die Tatsache verdrängend, dass es gegen den Tod keine einzige Lösung gibt. Ich möchte weinen, fürchte mich aber vor der heißen Blutlache, die die Erde, auf der meine und Deine Zukunft blühen soll, zur endgültigen Fluchtlosigkeit verdammen würde. Ich möchte nicht jammern, wohlwissend, dass ich gerade ob der letzten Jahre nicht nur das Recht, sondern die Notwendigkeit habe, genau das zu tun.

Die Zeit – hält man mir immer vor – würde alle Wunden heilen. Doch ich habe zuviel davon, um die lang Strecke mit dieser Last leben zu können – und zuwenig davon, um irgendwann darüber hinwegzukommen, um den ersten Tag zu erreichen, an dem ich wieder lächle.

Ich entschuldige mich für soviele dunkle Schleier auf meinem Gemüt, die ich lüfte. Doch mit wem soll ich reden, wenn nicht mit Fremden? Fremde enttäuschen mich wenigstens nicht. Schönes Wochenende, Ihr Lebenden da draußen.

09.08.2007, 22:31
Ich komme auf den Geschmack

Okay, ich kann nichts dafür. Gestern hat das Gekritzel mich tatsächlich dazu gebracht, heute doch noch einen Abstecher in die Stadt zu machen und mir diesr Bonzen Malstifte zu kaufen – Faber Castell. Die nennen sich “Künstler-Stifte”. Ich kam mir sehr wichtig vor, als ich sie mir heute fein säuberlich raussuchte und so tat, als seien sie für mich gerade noch gut genug. Einer der Bilder, die heute dabei rausgekommen sind, ist das hier:

Ich habe das Motiv natürlich nicht selbst erfunden. Ich übe jetzt erstmal an Vorlagen rum, damit ich ein Gefühl für “Figuren” bekomme. Dann, wenn nicht mehr alles so verstockt ist in meiner Hand, kann ich meiner Fantasie endlich freien Lauf lassen.