Lieber Omid,
eigentlich ist das Schreiben für mich wie Atmen oder wie “Âb khordan” (Wasser trinken) – aber diesmal habe ich es vor mich hingeschoben. Ich habe überlegt, woran das liegen könnte; und erst vorhin ist es mir bewusst geworden – und nur deshalb kann ich jetzt schreiben: Vielleicht will ich nicht herausfinden, wer wir sind. Vielleicht will ich nicht erfahren, dass das, was wir heute sind, nicht einmal annähernd das ist, was einer der großen Wiegen der Zivilisation würdig wäre.
Als ich 15 Jahre alt war, reichte mein Vater mir irgendwelche Formulare. Ich sollte sie ausfüllen, damit wir zusammen ins Rathaus gehen, um meine Einbürgerung zu beantragen. Wenn Du wüsstest, wie empört ich ihn ansah, wie trotzig ich antwortete: “Niemals! Ich bin Iranerin, Papa! Ich will keinen deutschen Pass. Soetwas würde ich nie tun. Wie kannst Du nur?”
Seine Antwort darauf war ernüchternd: “Dokhtaram (Meine Tochter), wenn Du Dich schon von einem Stück Papier der Identität berauben lassen kannst und Dich nicht mehr als vollwertige Iranerin fühlst, dann solltest Du Dich fragen, warum man Dich so schnell bedrohen kann. Denk’ darüber nach, ob Du wirklich weißt, wer Du bist und woher Du kommst – vielleicht bist Du viel unsicherer, als Du Dich gibst. Denn wärst Du es nicht, würdest Du keine einzige Sekunde auf die Idee kommen, mit dieser Urkunde keine Iranerin mehr zu sein. Ich lege Dir die Einbürgerungsformulare auf Deinen Tisch. Wenn Du Dir Deiner sicher genug bist, dann füll’ sie aus.” Er ließ mich mit meinen Gedanken allein und schloss die Tür hinter sich. Erst 3 Jahre später übergab ich ihm die Formulare ausgefüllt zurück.
Diese Geschichte wiederholt sich heute erneut: Hier und jetzt. Viele Jahre später und um viele Gedanken und Zweifel stärker als damals, als ich 15 Jahre alt war, frage ich erneut: Wer bin ich?
“Wir haben die Tage bis zur Freiheit gezählt
und mit unserem Blut dennoch den Sinn verfehlt;
Ich sehe nichts.
Nichts, was mich hier auf meinen
einst geliebten Boden hält.”
(Sherry)
Ich würde so gerne sagen, ich sei hoffnungslos, lieber Omid, denn dann wäre dieses Hin und Her vorbei. Ich würde so gerne sagen, ich könne mich von Iran abwenden, nicht mehr kämpfen, nicht mehr schimpfen, nicht mehr weinen – aber für die Hoffnungslosigkeit bin ich noch zu verzweifelt. Um diese Verzweiflung zu besiegen, muss eine Lösung her. Also geht der Kampf weiter.
Ich habe nicht soviele Erinnerungen an Teheran, wie Du. Ich bin dort geboren – und bis zu meinem 3. Lebensjahr habe ich dort gelebt. Danach hatte ich kaum Kontakt zu Iranern. Doch immernoch erkenne ich jeden Iraner an seinem Geruch, an seiner Körperhaltung und an seinen Augen. Die Erfahrung mit den Ermordeten der IR selbst in Deutschland, lehrten mich schnell, einem Iraner nicht alles zu erzählen – und dennoch: Immer, wenn ich einen sehe, lächle ich, trotz seines ersichtlichen Misstrauens mir gegenüber und weiß, dass er aus meinem Nest kommt. Die Schatten unter seinen Augen verraten mir, dass er den Geruch des Rosenwassers genauso sehr vermisst, wie ich. Ich fühle mich ihm zugehörig, will ihm anbieten, sich neben mich zu setzen und mit mir Noon o panir o sabzi (Fladenbrot & Schafskäse) zu teilen, mir seine Geschichte zu erzählen und mit mir über sein Heimweh zu reden – doch außer einem flüchtigen Blick und einem unmerklichem Nicken, bleibt nichts übrig. Warum ist das so? Ist es die Angst? Oder schämen wir uns für unsere Geschichte und wollen ihr am Liebsten nirgends begegnen? Schon gar nicht im Gesicht eines Landsmenschen? Sag’ Du es mir, Omid.
Omid: “Bin ich nur undankbar, wenn ich mich nach meiner alten Heimat sehne? Ich bin eher verzweifelt. Sag Du es mir, liebe Sherry: Welche Nationalhymne ist denn unsere gemeinsame? Und welche Flagge ist für uns die iranische?”
Nein, diese Frage musste ich mir nie stellen, denn meine Nationalhymne ist “Ey Iran”. Ich habe noch nie eine andere mit soviel Begeisterung gehört und auch noch nie eine andere soviel Kraft gesungen. Es sagt nicht alles so, wie ich es wohl gesagt hätte, denn die Hymne ist sehr männlich – aber ich hatte nur die der Qajaren und die der heutigen, islamischen Republik Iran zur Auswahl. Die von den Qajaren war schön, aber die Dynastie war schrecklich. Und die heutige? Die spricht mehr von Religion und Märtyrern, als von Iran. Wenn “Ey Iran” auch nicht unsere gemeinsame Hymne ist, vielleicht kannst Du mit dem, was diese Hymne über Iran sagt, etwas anfangen. Oder? Versuch’s nochmal, Omid. Hör’ sie Dir an. Ey Iran
Was meine Nationalflagge angeht – so stand auch diese niemals zur Debatte. Es war und ist “Shir o Khorshid” (Der Löwe und die Sonne). Du darfst sie nicht nur mit den Pahlavi’s assoziieren, lieber Omid, denn gerade diese Flagge ist es, die sich einer sehr alten, iranischen Symbolik bedient. Auch in Ferdowsis “Shahname” wirst Du lesen, was er dazu schrieb: Es war Rostam, unser Held, der diese Symbole stets hoch hielt. Wie kann ich mich Helden wie Ferdowsi und Rostam entziehen? Gar nicht. Ferdowsi ist für mich der Retter der persischen Sprache. Der Retter eines großen Stückes Kultur, das uns trotz der aggressiven arabisch-islamischen Invasion geblieben ist. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.
Omid: “[...] Dann kam ein Freund meines Vaters zu Besuch und war empört, dass ich die Flagge des Regimes („Partschame Hesbollahiha“) aufgehängt habe. Mit Tränen in den Augen bat er mich, dies nie wieder zu tun. Später erfuhr ich, dass sein alter Vater auf der Straße von Revolutionswächtern erschossen worden war.”
Ich verstehe den Freund Deines Vaters. Sollten wir uns eines Tages einmal gemeinsam ein Fußballspiel anschauen, würde auch ich Dich auch darum bitten, eine andere Flagge zu benutzen. Diese Flagge wurde nur für die Islamische Republik Iran konstruiert. Sie steht für alles, was unseren Landsleuten widerfahren ist. Sie steht für die vielen Tote im Irak-Krieg. Sie steht für alle Studenten und politischen Gefangenen, die noch jetzt auf die Freiheit warten. Sie steht für Hinrichtungen. Und sie steht dafür, dass Du und Ich hier des Nachts sitzen und darüber sinnieren, wer wir sind. Wenn Du Shir o Khorshid nicht magst, dann basteln wir einfach eine Eigene. Wieso nicht, Omid? Reich genug ist unsere Geschichte und unsere Kultur dazu. Wir haben soviel Auswahl. Lass’ uns für Dich eine Flagge basteln.
Omid: “Ich gehöre zu der Spezies, die der Meinung ist, dass die Revolution richtig und notwendig war. Die Rückkehr der Monarchie wäre das letzte, was ich mir für den Iran wünschte. In meiner Iran-Flagge haben Löwe und Sonne nichts zu suchen. Ich habe in der zweiten Klasse gern den Gottesnamen mit dem Schwert in der Mitte gemalt. Ich wusste, das ist die Flagge meines Landes. Heute weiß ich: Das ist sie nicht mehr.”
Ich gehöre zu der Spezies, die der Meinung ist, dass die Revolution das Schlimmste ist, was uns widerfahren konnte. Sie war nicht nur das Schlimmste, sie war gänzlich unnötig. Die Wege für eine weitere Modernisierung und der Erschaffung demokratischer Strukturen waren damals viel offener und geebneter, als heute. Der Shah war dabei, seine Politik zu korrigieren, indem er Bakhtiar großen Einfluss gab. Für 1979 standen sogar Neuwahlen an. Alle Wege wurden dafür bereitgestellt, dass Iran so wird, wie wir es uns heute noch erträumen. Nein, lieber Omid: Etwas Schlimmeres hätte uns nicht passieren können, als diese Revolution. Sie hat alle Modernisierungen, die wirklich eine schwere Geburt waren, mit einem Schlag zunichte gemacht. Einfachso. Weg.
Omid: “So ist die islamische Revolution auferstanden und gibt uns Glauben und Leben…”
“Az bas ke setareh koshtid,
ruye zaman siyah ast”
(“Ihr habt soviele Sterne getötet,
dass das Gesicht der Zeit erschwarzt ist”)
Du siehst, wir sind beide Iraner und haben dennoch soviele, voneinander abweichende Eindrücke und Meinungen. Und trotzdem: Die Verzweiflung ist die Selbe. Unser Heimweh, ist das Selbe. Die besondere, verborgene Tiefe unserer im grauen Alltag geheim gehaltenen hybriden Seele die Selbe. Und wieder bleibt die Frage offen: Wer sind wir? Oder sollten wir die Erkundung anders beginnen? Sollten wir vielleicht fragen, wer und was Iran ist? Wofür dieses Wort, diese große, stolze Katze steht? Woran denken wir, wenn wir Iran sagen? Sag’ Du es mir, Omid. Ich sag’s Dir in diesem Gedicht:
“Du bist meine Mutter,
auf meinem tränengetränkten Laken,
liegst Du in meiner geheimen Schatztruhe,
ich spreche zu Deinen Wunden
und küsse ihnen Deinen Namen drauf:
Iran…
Du bist mein Traum,
fernab von dieser Welt,
bist Du frei,
ich liebe Deine heiße Stirn,
ich male Dich auf ihr drauf:
Iran…
Du bist meine Seele,
Deine schwere Erde -
die Salbe auf meiner sehnsuchtgeplagten Haut,
ich schlage meine Wurzeln rein:
Iran…
Du bist meine Liebe,
Meine kleine Hand in Deiner,
sucht Halt, um weiter zu leben
Mit geschlossenen Augen
spreche ich über meine Sorgen,
ich flehe Dich an
und segne meine Lippen
mit Deinem Namen:
Iran…
(Sherry)”
Ich will Dir glauben. Ich will Deinem Schwur glauben, auf dass Du und ich den Vogel der Morgenröte fliegen sehen – und sei es nur als Zuschauer der deutschen Nachrichten. Ich will Dir glauben. Auf dass wir unseren Kindern eines Tages jenen Ort zeigen können, der beim Verlassen in uns solch’ eine große Leere hinterlassen hat, die wir heute noch zu füllen suchen. Auf dass wir ihnen eines Tages jenen Ort zeigen können, von dem wir vertrieben worden sind… So sei es.
Khoda negahdaret (Möge Gott Dich schützen),
Sherry
© Iran-Now Redaktion


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Ich möchte mich gerne zu zu demspruch Iransamin
Gorbeje bosrge ma Iran äußern.
Artikelautor: Naseri Razazi
Die Besetzung Kurdistans und die Ausbeutung des kurdischen Kulturerbes
Naseri Razazi
Bevor ich das eigentliche Thema behandele, möchte ich gern einen historichen Rückblick auf die Hindernisse und Probleme halten, unter denen unsere Sprache seit langem leidet. Die Sprache hat eine feste Verbindung zu Musik und Gesang Es macht keinen Sinn über kurdische Musik und insbesondere über Gesang und Folklore zu sprechen, ohne auf die Sprache zu kommen Die kurdische Sprache ist mit all ihren Dialekten wegen der Teilung des kurdischen Volkes unter den vier Besatzerländern und wegen des Einflusses der Sprachen derBesatzernicht rein geblieben, mehr noch, sie ist gelähmt worden. Außer in einigen unzugänglichen Dörfern ist die Sprache nirgendwo in Kurdistan rein geblieben. Der von der Mehrheit der Kurden gesprochener Kurmanci-Dialekt konnte sich in den siebzig Jahren kemalistischer Regimes nicht entwickeln. Viele Wörter mischten sich aus dem Türkischen, Arabischen und Lateinischen in die kurdische Sprache, obwohl es im Kurdischen für diese eigene Synonyme gibt, die inzwischen fast vergessen sind. DiekurdischeSpracheistzwangsweise durch das Türkische ersetzt werden und erlitt dabei großen Schaden, sodaß das ganze schriftliche Kulturgut vernichtet wurde und verschwand.
Es ist selbstverständlich, daß sich eine Sprache entwickelt und ändert. Aber die Entwicklungen, die frei durch wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Veränderungen bedingt sind,sind nicht zu vergleichen mit solchen, die durch die Zwänge der Besatzer entstanden sind. Diese Zwänge und der Einfluß der jeweiligen Sprache der Besatzer hat dazu geführt, daß im vom Iran besetzten Teil Persisch, im vom Irak und Syrien besetzten Teilen Arabisch, im von der Türkei besetzten Teil Türkisch Einzug in die kurdische Sprache gefunden hat. Ähnlich ist es der kurdischen Sprache in den ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Azerbeidschan ergangen. Es istverwunderlich, daß die kurdische Sprache unter diesen Umständen nichtzu einemWirrwarr von verschieden Sprachen verkommen ist.
Die kurdische Sprache hat viele Dialekte. Die Eigenarten der Dialekte übertragen sich auch auf die kurdische Musik. Die Interpretationsart und der Klang eines Gesangs mit der Melodie geben Hinweise auf den jeweiligen Dialekt, in dessen Verbreitungsraum der Gesang ursprünglich entstanden ist. Es ist sehr naheliegend, daß die Dialekte (Hawrami, Zazaki, Kurmanei, Sorani, Leki oder Lun) in ihren Entwicklungen verschiedene Wege gegangen sein müssen. Um es zu verdeutlichen, sei noch erwähnt, daß es einem Kurmand sprechenden Kurden sehr schwer fallen würde, einen Hawaramisch-Siatschmana (vergleichbar dem ,Jodeln’) zu singen, und einem Lure sprechenden Kur-den kaum gelinge würde, ein Lauk zu singen.
Die kurdische Sprache ist sehr reichhaltig an volkstümlichem Gesang und Lite-ratur. Bait ist das wichtigste Element der volkstümlichen kurdischen Literatur und besitzt in der klassischen kurdischen Literatur eine bedeutende Stellung.
Nach der Teilung Kurdistans haben die Kurden in Nordkurdistan am meisten unter dem Verbot kurdischer Sprache, Kleidung, Gesang, Musik und Kultur gelitten.
Zu den Problemen, die die Verbote der Dialekte mit sich bringen, kam noch das Dilemma der Schriftzeichen (arabische und lateinische) hinzu. Dieser Umstand führte dazu, daß die Kurden in Nordkurdistan ihre klassische kurdische Literatur nicht mehr in dem Umfang studieren konnten, wie sie sollten. Und dieser Teil ihrer Literatur ist ihnen auch fremd geblieben.
Umgekehrt konnten die übrigen Kurden das mit lateinischen Buchstaben geschriebene Kurdisch nicht lesen. Infolge dessen sind gegen den Austausch kultureller Entwicklungen innerhalb des kurdischen Volkes große Barrieren errichtet worden.
Mit der Machtübernahme Atatürks und der Zerschlagung von kurdischen Freiheitsbewegungen begann die systematische Assimilierung und Vernichtung der Kurden. Unter dem Vorwand eines einheitlichen Staates, das sich sogar bis auf einheitliche Kleidung erstreckte, wurde kurdische Sprache, Kleidung, Musik und Gesang verboten. Sie versuchten, alle kulturellen Ausdrucksformen zu verbieten und zu vernichten; die kurdischen Tänze bekamen türkische Namen.
Der erste kurdische Sänger, der kurdische Lieder mit türkischen Texten sang, und damit ein schlechtes Vorbild für seine Nachfolger wurde, war Djelal Güsel Ses. Eigentlich war er wegen seiner schönen Stimme von der türkischen Regierung beauftragt worden, in einer Moschee von Diyarbakir als Muezzin tätig zu werden. Als Atatürk Diyarbakir besuchte, hatte Djelal eigens für ihn im Gazi-Palast gesungen und Atatürk dankte ihm persönlich. Djelal Beg hat in seinem Leben nur ein einziges kurdisches Lied gesungen; dieses wurde nicht aufgezeichnet. Nach Djelai Beg wurden kurdische Sängermittechnischen und finanziellen Möglichkeiten unterstützt, damit sie kurdische Lieder türkisieren konnten und die türkischen Texte mit kurdischer Musik auf Schallplatten aufgezeichnet werden konnten. Aus dieser Zeit kennen wir noch zwei weitere Sänger, Djamil Djanqat aus Urfa und Fechri Malatiayie, die dem zuvor erwähnten folgten. Djelal Beg war von patriotischen Kurden aus Diyarbakir aufgefordert worden, nach Syrien ins Exil zu gehen, um dort seine Lieder in Kurdisch auf Schallplatten aufzeichnen zu lassen. Aber die Furcht vor Repressalien seitens der türkischen Regierung und die Angst vor kurdischen Kollaborateuren hin-derten ihn an diesem Schritt.
Sehr brutal wurden die 28 kurdischen Aufstände in der Türkei niedergeschlagen. Die Türkei strich alle Wörter über die Kurden aus den Wörterbüchern und Lexika. Sie erhielten die Bezeichnung ,,Bergtürken”. Interessant ist die Reaktion der türkischen Bevölkerung auf die türkisierten Lieder.
Viele dieser Lieder enthalten kurdische Wörter, die nicht ins Türkische übersetzt werden konnten, wie lele, lob, delele, delob, lelenar. hey/e, heylo usw. Als letztens Altinmese das Lied ,,Le chanem chan chaneme’ im Hauptkanal des türkischen Fernsehens gesungen hat, fragten Zuschauer, aus welchem Teil der Türkei das Türkisch stamme und was dies für ein Lied gewesen sei. Die türkischen Funktionäre hatten sich die Antwort im voraus überlegt. Sie antworteten den Zuschauern, daß der Sänger eine Sprache der Bergtürken benutze, die noch nicht zivilisiert seien. Heute ist die Hälfte der bekannten ,,türkischen” Sänger Kurden, z.B. Ibrahim Tatlises, lzzet Altinmese, Burhan Cacan, Mahmut Tuncder, Kücük Emre und viele andere. Viele verlassen Kurdistan und leben in Istanbul oder in Ankara, um dann vielleicht ins Ausland zu flüchten.
In dem vom Iran besetzten Teil Kurdistans begannen nach der Machtübernahme durch Schah Reza Pahlewi die gleichen Verbote wie in der Türkei. Die Folgen dieser Verbote sind in den Städten Sine und Mahabad noch zu sehen. In Mahabad tragen kurdische Männer Anzüge mit Krawatten und dazu den Turban. In Sine tragen die Männer kurdische Hosen mit Jacket und auf dem Kopf den ,,Pahlewi-Hut”. Die älteren Männer berichten, daß Polizisten und Wachmänner sie auf der Straße verhaftet und geschlagen haben, weil sie kurdische Trachten trugen. Sie wurden wieder entlassen, nachdem sie ihre Trachten gegen erlaubte Kleidungsstükke ausgetauscht hatten.
Auch Frauen sind aus dem gleichen Grund mißhandelt worden. In Ostkurdistan waren die Kultur und die Künste in den Händen einiger regierungstreuer Gruppen. Der im ,,Radio Sine für Musik zuständige Experte war der Geigenspieler Grischna, der von der kurdischen Musik keine Ahnung hatte. Er war sehr gegen die Neugründung von kurdischen Musikgruppen. Wenn die Kurden in den Studios der Radioanstalt Aufnahmen ma-chen wollten, hat dieser Experte immer mit der Begründung, die Musik sei nicht aus ,,unseren Regionen-, abgelehnt. Sie wollten keine Bereicherung der kurdischen Kunst und Kultur. Hasan Kamkar, Abteilungsleiter für Musik des Kultur und Kunstdezernats der Stadt Sine nutzte die Gelegenheit, um all seine Kinder Musikinstrumente erlernen zu lassen.
Seine Verwandschaft mit dem berühmten iranischen Tar-Spieler Rezai Lutfi war der Grund, daß das kurdische Trommelinstrument Def, das vor allem von kurdischen Derwischen im Rahmen religiöser Zeremonien gespielt worden ist. zu einem der wichtigsten Instrumente der persischen Musik wurde. Die Familie Kamkar und Musiker wie Andalibis und Selemanpurs Garajdpur komponierten für persische Musiker wie Schadjarian und Simabina. Scharam Nazri. Sie entwickelten den Garjan-Rhythmus (7/8-Rhythmus), der nur in den Regionen Sine, Kirmaschan und Ilam verbreitet ist. So wurden diese kurdischen Melodien als persische Musikbezeichnet. Und nun verlangtdie iranische Regierung von Kurden, die Inhalte der kurdischen Musik zu islamisieren. Die Perser zeigen, daß sie auf ihre Musik, insbesondere auf ihre religiöse Musik, sehr stolz sind. Eigentlich wissen sie, daß das, was sie als ihre Musik bezeichnen, eine Zusammensetzung aus der Musik von sieben Nationen ist.
Mullah Abdullah Farahany. ein berühmter Tar-Spieler, sammelte sieben Grundmelodien und war dafür nahezu fünf Monate in Kurdistan. Bedauerlicherweise wird diese Sammlung von den Ahnungslosen, deren Herz nur für ein großpersisches Territorium schlägt, als persische Musik bezeichnet. Den begabtesten kurdischen Musikern bleibt oft nichts anderes übrig. als sich in den Dienst der persischen Musik zu stellen, um Repressalien und ökonomischen Behinderungen aus dem Wege zu gehen. Mirzade ist ein kurdische Geigenspieler. Seine Art, mit den Grundmelodien Saba’ Hidjaz und Bayat zu spielen, wie er z.B. mit Tahir Tafiq gespielt hat, kann von keinem anderen Kurden nachgeahmt werden, selbst nicht von Kurden aus Südkurdistan, die kurdische Musiklehrer hatten. Die Kompositonen, die er für Hassan Zirak schrieb, werden nicht in Vergessenneit geraten.
Mujdtaba Mirzade stammt aus Kirmaschan und ist einer der begabtesten Violinisten. Leider mußten auch er und einige andere wegen Repressalien Kurdistan verlassen, um sich in den iranischen Städten der persischen Musik zu widmen. Viele kurdische Musiker stellen ihre Begabung in den Dienst der religiösen persischen Musik. Einige von ihnen sind sicherlich nicht mit dem Kummer des unterdrückten kurdischen Volkes aufgewachsen, die Probleme ihres Volkes sind ihnen nicht bewußt. Sie haben auch vielfach keine kurdische Erziehung genossen. Sie sollten aber trotzdem wissen, daß die kurdische Musik eine wichtige Grundlage für ihre Arbeit ist.
Eines der wichtigsten Elemente der kurdischen Musik ist die musikalische Basis, aus denen Melodien abgeleitet werden wie Lawik, Hayran, Hora, Siatschamana und Qatar. Diese sind leider vernachlässigt und nicht weiterentwickelt worden, daher findet man sie nur noch in der Folklore wieder.
Tschamary, Sahary, Naqarachan und Siware, sind alte kurdische Musikstile, die jeweils aus einem bestimmten Anlaß gesungen und gespielt werden. Tschamary ist eine Trauermusik, die mit einer Dehol (Trommel) und einer Zurna im Duo gespielt wird, wenn eine junge Frau oder ein junger Mann gestorben ist oder getötet wurde. Die Musiker folgen als erste dem Sarg und spielen im Gehen, dahinter gehen trauernd und weinend die Frauen.
Tschamary heißt, mit Dehol und Zurna um Menschen zu trauern, die einen heldenhaften Tod durch Unterdrücker starben. Naqarachan wurde im Ramadan (Fastenmonat) vor Sonnenuntergang ebenfalls mit Dehol und Zurna gespielt. Siware spielte man in Kriegszeiten mit zwei Trommeln auf einem Pferd. Die Militärs luden die kurdischen Olanführer ein, an Militärparaden teilzunehmen, aber nach der Niederschlagung der Mahabad-Republik und nach der sogenannten Bodenreform ist auch diese Musikart in Vergessenheit geraten.
Was ich erwähnte, war nur ein Hauch der kurdischen Musik, die in Folge der Besetzung Kurdistans und des Verbots der kurdischen Sprache und Kultur aus dem Sinn schwand. Diese Richtungen sind Teil der kurdischen Musik. Ich vertrete die Ansicht, daß wenn die Kurden einen eigenen Staat hätten, sich ihre alte Musik (Hayran, Lawik, Hora) so entwickelt hätte. daß sie vielleicht mit großem Orchester zu einer Art kurdischer Oper hätte werden können.
In der Türkei wird die kurdische Musik als minderwertig betrachtet. in Istanbul und Ankara gibt es eine Menge kurdischer Musiker, die für berühmte türkische Sänger spielen. Ein großer Teil der türkischen Musik ist durch das Osmanische Reich aus der kurdischen, griechischen, armenischen und arabischen Musik geraubt und Kulturgut dieser Völker. Das Atatürk-Regime setzte die Tradition in diesem Sinne fort. Im Iran wird kurdische Musik “regionale Musik” genannt.
Alle diese Regierungen versuchen. mit Hilfe musikalischer Kollaborateure die kurdische Musik zu sabotieren und Darstellungen nur auf Dehol und Zurna zu beschränken. Während die persische Musik sich auf Kosten der Musik anderer unterdrückter iranischer Völker, die sie ,,regionale Musik” nennen, bereichert.
Zu Beginn meines Vertrags erwähnte ich, daß es einen riesigen Unterschied zwischen gegenseitiger, freiwilliger Beeinflussung der Kulturen auf der einen Seite und Raub und Ausbeutung auf der anderen Seite gibt. Die Besatzer Kurdistans versuchten mit allen Mitteln, die Kurden zu unterdrücken und zu assimilieren. Aber eines schaffen sie nie: nämlich die Zerstörung der Freundschaft und der Menschlichkeit zwischen Kurden und anderen Völkern. Die Völker möchten zusammensein können und sich freiwillig untereinander mischen können. Aber die Faschisten fürchten sich davor und versuchen, dies zu verhindern. Aber das wird ihnen nicht gelingen, den in den zwischenmenschlichen Beziehungen können sie keine Grenzen ziehen.
Die Kurden lebten in Frieden mit Azeris, Armeniern, Assyrern und Juden, aber die Besatzer stifteten immer wieder Unruhe zwischen diesen Völkern, um ihre eigene Macht zu stärken und die anderen zu vernichten. Es ist logisch: zwei benachbarte Völker beeinflussen sich gegenseitig. Jeder freiheitsliebende und modern denkende Mensch stellt sich nicht gegen positive Änderungen, um voneinander zu lernen. Ich meine, es sind nur die Regierungen und nicht die türkische, persische und arabische Bevölkerung, die versuchen, Haß zwischen den Völkern zu schüren.
Kurdistan heute Nr. 13, Februar/März 1995
Wir sollten den Regierungen keine schanc geben die Völker aufeiander aufzuhetzen
In unserem Fall der iranischen Regierung.
Ein bestandteil dafür Danesch wa elmo ulumiat.
Nationalismus auf rasistischer ebene hilft nur den Regierungen.
Ich habe eine Emphelung die mit Kunst zutun hat
unds war
In Google eingeben: Persische Musikseite
Direkt auf das zweite drücken wo: “Persische Musik” steht.
Mir persönlich gefellt die Zohreh Jooya.
In der Tat: Revolutionen verschlimmern eigentlich immer die Übelstände, gegen die sie sich wenden.
Der Typ schreibt zwar sehr, sehr deftig. Aber im Grunde genommen hat er recht:
http://drchaos.eu/archives/2010/07/07/die-losung-private-militarorganisationen.html
Warum geniessen Verbrecher wie der iranische Staatschef “diplomatische Immunität”?