Es ist ganz seltsam. Dieses Bild ist weder technisch gut, noch gehören die Farben zu meinen Lieblingsfarben. Zudem habe ich viele Fehler gemacht. Aber das lege ich bei diesem Bild sehr einfach zur Seite, ohne mich daran zu stören, denn es ist etwas Anderes hier passiert.

Ich habe einen jungen Mann gemalt. Ich habe ihn “Dominique” genannt. Dabei hörte ich Astor Piazolla. Und während ich ihn so malte, ist mir etwas Seltsames passiert. Ich habe mich tatsächlich einwenig in ihn verliebt. Ich finde, seine Augen sprechen Welten. Er sehnt sich wohl sehr nach “irgendetwas, irgendwem, nach irgendeinen Ort”. Er ist melancholisch, verträumt, sucht die Ferne. Aber seine Mundwinkel zeigen eine Vorfreude. Eine Vorfreude, als wüsste er, er würde bald “dort” sein dürfen. Dort, wo jemand auf ihn wartet. Wer oder was das immer jetzt auch ist, weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich mich in mein Motiv verliebt – und jetzt weiß ich auch, warum ich nie Männer male… Wenn ich Macho-Männer male, dann ist es in Ordnung, die finde ich dann einfach nur sexy. Aber sollte in ihren Augen auch nur andeutungsweise Melancholie, Sehnsucht oder sonst etwas vorhanden sein, bin ich Opfer. Und das sofort. Dann darf ich selber wieder darum kämpfen, aus der Melancholie, der Sehnsucht und der “Vorfreude” wieder zu erwachen, die ich im Ausdruck meines Gemäldes sehe. Oke, genug gefaselt. Hier ist der junge Mann. Ihr werdet ihn bestimmt gar nicht so schön finden wie ich. Aber Ihr seid es auch nicht gewesen, die jedes Detail an ihm einsaugen musste, bevor es mit Farbe zur Form gebracht wird.