Ich habe mein erstes Bild mit Pastell-Kreide gemalt. Es ist nichts Besonderes geworden, denn es war erst nur ein Test. Aber ich glaube, Frauen mögen solche Bilder. (Für das Vergrößern der Bilder einfach draufklicken.)
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Dann habe ich die Ratschläge zu “realistischen Bleistiftzeichnungen” eines Freundes aus dem Forum beherzigt – und ich glaube, seine Tipps haben bei mir einwenig gefruchtet, die Zeichnung sieht realistischer aus als Andere von mir. (Seine Bilder – und die von anderen – würde ich bald gerne einmal vorstellen hier)
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Dieses manga-eske Bild hat mein kleiner Bruder (16 geworden) gekritzelt. Er wollte einfach mal sehen, wie es sich wieder anfühlt, zu malen. Ich finde, er kann intuitiv sehr gut mit Farben umgehen. (Junge, Junge!) Er hat den Bösewicht “Siduka” genannt. Man merkt, dass sein Malstil von “Dragonball” beeinflusst ist. (Hihi)
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Dieses Bild ist von Pepe. Es ist entstanden, als er bei mir war und ich aber zu meiner Familie kurz rüber musste. Ich zwang ihn an meinen Schreibtisch und setzte ihm einen gespitzten Bleistift, einen Radiergummi und ein Blatt Papier vor die Nase und befahl: “Mal’ jetzt! Mal’!” – Er guckte grimmig und meinte: “Ich brauche keinen Radiergummi!” “Wieso das denn nicht?” Er: “Ich komme mit dem, was ich male, einfach klar. (Arrogantes Etwas. Echt.) – Egal. Hauptsache, er malte nach 4 Jahren wieder irgendetwas. Also ging ich kurz rüber zur Familie, kam nach ca. einer halben Stunde zurück und fand dieses Bild hier auf:
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Einen Tag später saßen wir an meinem Schreibtisch (Ich fordere jetzt übrigens einen Größeren – so geht das nicht weiter) und experementierten mit Ölkreide. Ich bekam einen Farborgasmus nach dem Anderen – dabei kamen folgende, grobe “Kunstwerke” raus, die zwar nicht besonderer Fertigkeiten bedurften, aber ihre Wirkung dennoch positiv ist. (Man sagt, ich habe wirklich ein sehr gutes Gefühl für Farben. Vielen Dank auch.)
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Hier noch ein Bild dieser Sorte. Und in den Farbtönen gefällt’s mir auch viel mehr.
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So, das war’s erstmal. Tschö.
23.09.2007, 16:26
Grün-graue Frauen…
Der Neid einer Frau ist hässlich. Er macht ihre weichen Gesichtszüge hart und grün-grau. Ihre Augen werden klein, die weichen Lippen verziehen sich zu einem dünnen Strich im Gesicht, der anfangs ihre Entschlossenheit und später ihre Verbitterung verrät. Ihre Bewegungen werden steif und kontrolliert, ihr Hals schwillt an, weil sie so oft ihr eigenes Gift runterschlucken muss, um ihrer Galle nicht freien Lauf zu lassen – ihre herrischen Emotionen könnten ihren Plan zunichte machen. Der Neid einer Frau kann Leben zerstören – nicht zuletzt das Eigene – aber es kann Leben zerstören.
Cut.
Ich würde sagen, ich bin eine junge Frau. Weder habe ich etwas, worauf man neidisch sein könnte, noch kann ich etwas Außergewöhnliches, noch bin ich etwas Außergewöhnliches, noch bin ich außergewöhnlich schön, noch sonstetwas – als dass die Frauen um mich herum irgendeinen Grund hätten, mir mit einem bösen Blick hinterherzutrachten. Interessanterweise sind es nie Frauen, die etwas reifer sind als ich, die mich mit diesem seltsamen Verhalten verfolgen, sondern Gleichaltrige. Reifere Frauen haben sehr mütterliche Gefühle zu mir (auch wieder ein Phänomen, über das ich später schreiben werde). Aber gerade in meinen “Freundschaften” scheine ich einige Erfahrungen mit “Neid” gemacht zu haben, bevor mir überhaupt bewusst wurde, dass es sich dabei tatsächlich um Neid handelt. Neid wäre einfach das Letzte, worauf ich kommen würde – denn: Worauf sollte man bei mir schon neidisch sein? Auf meine ständigen Gemütsschwankungen? Meine Gewichtsschwankungen? (Lalala), auf mein ganz toll ausgeprägtes Selbstbewusstsein? Auf meine Orientierungslosigkeit – ob nun räumlich und lebensweg-technisch? (Oder liegt es tatsächlich daran, dass ich besser Fußball spielen kann als einige Männchen?) Das Letzte, was ich selbst in meiner Anwesenheit bekommen würde, sind Gefühle des Minderwertes, die ich mit irgendwelchen subtilen Aktionen zu kompensieren suchen würde. Ich bin soetwas von Banane und nicht nachahmungswürdig, dass ich mir das auch gerne auf die Stirn kleben würde: “Achtung! So nicht! Verrück(t)-ungsgefahr!”
Aber was geschieht? Ich frage mich seit Jahren, warum ich Freundinnen, auf die ich mich wirklich verlassen kann, die wirklich keine negativen Gefühle wegen irgendwelcher Dinge entgegenbringen, nur an einer halben Hand abzählen kann, aber mit männlichen Wesen wundervolle Freundschaften eingehen kann (die zugegebenermaßen irgendwann in einem üblen Gefühlschaos landen, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Aufgrund dieser lange Zeit nur unbewusst wahrgenommenen Gefühle habe ich verschiedene Mechanismen entwickelt, damit meine Freundinnen mich “mögen”. Ich begann, mich “klein” zu halten. Ich entwickelte eine Art des Sich-Selbst-Relativierens, sobald ich etwas vollbrachte, das gut war und folglich irgendwelche negativen Gefühle mir gegenüber hätten entwickelt werden können, die wertvolle (!) Mädchenfreundschaften hätten gefährden können, vertuschte ich meine “Kreationen” oder irgendwelche Errungenschaften am Tag. Ich merkte sehr lange nichts von meinem Ausweichverhalten (das übrigens nicht wirklich etwas brachte), bis mich eine Freundin darauf ansprach. Sie gab mir einen deftigen Tritt und sagte “Warum kannst Du mit Komplimenten in der Öffentlichkeit nicht umgehen? Warum weist Du sie zurück oder machst Deine eigenen Fähigkeiten ständig zunichte? Zeig’ Dich endlich. Nicht nur virtuell.” (Danke, Sahari…)
Ich habe lange darüber nachgedacht, bis ich erkannte, dass ich das tu’, um meine Freundschaften auf die Art am Besten halten zu können. Meine beste Freundin Dini, die mich schon seit 22 Jahren durch’s Leben begleitet, hat nie auch nur Ansätze von Konkurrenzkämpfen mir gegenüber gezeigt – im Gegenteil: Sie verhielt sich sogar mütterlich und fördernd mir gegenüber. Die anderen Freundschaften habe ich durch die Dominanz ihrer Anwesenheit immer an meiner Seite nicht wahrgenommen. Aber als unsere schulischen Wege sich trennten und wir nach dem Abitur nicht mehr den ganzen Tag wie siamesische Zwillinge zusammen waren, war ich empfänglich für die subtilen Sticheleien. Es hört sich fast so an, als sei ich nur von solchen Furien umgeben – aber so ist es gar nicht. Es sind vielleicht nur drei bis fünf Frauen, die so agieren, aber da mir diese Frauen eben einst viel bedeutet haben oder es noch tun, fallen sie besonders auf. Und gerade jetzt, da ich schon lange nicht mehr bereit bin, mich klein zu machen (aber auch nicht, mich aufzublähen), werden die kleinen Sticheleien und Intrigen noch sichtbarer. Je mehr ich mich zeige, desto “radikaler” deren Kompensationsmechanismen.
Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich meine “Theorien” über das Verhalten dieser Ladies “teste”, indem ich ihr Verhalten “reproduziere”. Dazu bedarf es nur irgendeiner kleinen Aktion wie: “Guck’ mal, das habe ich heute gemalt.” oder “Wie findest Du meine neue Wimperntusche? Sie macht die Wimpern etwas länger, findest Du nicht?” – und prompt kommen Reaktionen, die alles entblößen. Ich gucke jedesmal ungläubig dabei, weil ich jedesmal hoffe, dass ich doch falsch liege. Aber nur einige Augenblicke danach kommen Reaktionen wie:
o “Also, lange Wimpern lenken von den Falten ab.” (Ganz raffiniert: Frau gibt mir in Sachen “lange Wimpern” recht, schlägt aber gleich in einem Satz zu, indem sie auf “Falten” aufmerksam macht)
o Keine Reaktion auf das, was ich gemalt habe (Also Ignoranz)
o “Sehr schön. Du malst Dich gerne selbst in Deinen Bildern, nicht wahr? Natürlich direkt so, wie Du Dich gerne hättest.” (Wieder künstliches Lob mit einem Totschläger wie “Du bist selbstfixiert und so schön wie die Bilder noch lange nicht!)
o Diese Reaktion ist besonders süß. Völlig unabhängig von dem, was ich gerade gesagt habe, kommt eine Selbstdarstellung in Bereichen, in denen ich offen meine Schwächen zeige (z.B. mein miserables Englisch): “Oh ja, also, da war so ein Kunde und ich habe mit ihm perfekt auf Englisch gesprochen. Hab’ mich selbst gewundert, wie gut ich das kann, dabei rede ich doch kaum Englisch! So wie Du.” (*lach*)
o Eine “Freundin” von mir z.B. fühlt sich nur dann wohl in meiner Nähe, wenn es mir schlechter geht als ihr und sie sich als Retterin sehen. Als Mutter Theresa auf dem Podest, die anderen durch ihre reine erhabene Anwesenheit und Handauflegen helfen kann
Das hier sind noch die süßen, kleinen, amüsanten Beispiele. Es gab Situationen, da konnte ich nur den Kopf darüber schütteln, wie weit man bereit war, zu gehen, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Ich verstehe dieses Verhalten nicht – und ich bin geneigt, zu behaupten, dass sie in dieser beißenden Feindseligkeit nur bei Frauen vorhanden ist. Wie gut, dass diese Art von “Freundschaften” oder “Bekanntschaften” nur eine sehr überschaubare Minderheit darstellen, die ich gut umgehen kann. Sie zäunen mich auch nicht mehr ein, denn ich tu’ inzwischen den Teufel, um mich zu verstecken, nur damit keine subtilen Sticheleien oder netten Gedanken und Lästereien mich treffen. Es ist so, wie es ist – und da ich mich leider nicht mit Frauen prügeln kann, um eine Sache aus dem Weg zu räumen und danach etwas trinken zu gehen, gehe ich ihnen vorerst gänzlich aus dem Weg, nachdem ich sie einmal fest umarmt habe und ihnen mit einem Lächeln klargemacht habe, dass ich auf sie warten werde. Warten, bis sie wieder im Reinen sind mit sich.
Cut.
Warum schreibe ich über grün-graue Frauen, wenn ich die ganze Zeit an diesen einen, roten Tanz denken muss? Ich glaube, darüber schreibe ich später. Boah, war das eine Nacht… alles war Feuer…
Es muss vor einer Woche gewesen sein. Ich schlenderte mit Mama lustlos durch die graue Einkaufsstraße, während jede noch so interessante Seelenfarbe an mir vorbaurauschte. Wie, als sei ich eine emotionslose Maschine, unempfänglich für jegliche Schönheit. Die Welt war uninteressant, gemein, ungerecht – und vor allem: Nicht veränderbar. Jemand hatte uns Menschen mit einem heißen Eisenmetall das Gehirn um-gequetscht – und da liefen wir nun orientierungslos rum und suchten in irgendwelchen zu habenden Dingen unser Glück. Ich fühlte mich mit jedem Zombie vollkommen überein, indem ich mich wie diese vollkommen einsam fühlte und diesen Zustand vollkommen verteidigte. Als ich begann, mich in meiner neuen Zombie-Haut wohl zu fühlen und die fast naive Begeisterung meiner schönen Mutter über dies und jenes an mir vorbeiging wie Passanten, hörte ich aus der Entfernung das rege Spielen von Straßenmusikern. Die erst dumpfen, verworrenen Töne zogen mich in ihre Richtung und gewannen an Schärfe und Klarheit. Der Duft von irgendeiner undefinierbaren Süße stieg in meine Nase bei diesen vertrauten Klängen. Ich erwachte aus meinen diffusen Gedanken und schaute meinte Mutter an:
“Gehen wir zur Musik, Mama.”, sagte ich bestimmt, als habe ich eine wichtige Mission zu erfüllen.
Dort angekommen, hörte ich sie. Edelgraue Melancholie in der lieblichen Melodie, die sich in die Tiefe meines Abgrunds hinab steigerte und sich erlaubte, mit den unruhigen, dunklen Zonen meiner Seele zu reden und dann zu tanzen. Mein Mund stand offen, als ich diese Musiker ansah. Es waren vielleicht vier Männer: Einer sehr jung, einer sehr alt, die anderen mittig. Eine Violine, ein Bass, ein Akkordeon und eine Klarinette redeten zu mir in einer Sprache, die keine Verbale der Welt auch nur annähernd greifen könnte. Die melancholischen Wellen überfrauten mich. Von oben und unten herab überflutete mich eine heftige Gänsehaut und traf sich in meiner Mitte, so dass ich mich aufbäumte und mir die Tränen in die Augen schossen. „Scheiße!“, dachte ich. „Sie hatten mich berührt.“ – Und dann fühlte ich mich darüber doch noch dankbar.
“Mama…”, sagte ich fassungslos. “Mama, was sind das für wundervolle Musiker? Wie wundervoll sie spielen, Mama…”
“Ja, mein Schatz, ich weiß. Schön, nicht wahr?”, sagte sie milde lächelnd.
“Mama… Warum sind die nicht reich? Warum stehen hier nicht alle rum und lassen sich mitreißen?”
Ich sah mich um und bemerkte plötzlich, dass tatsächlich ein paar Zombies – wie meine Wenigkeit – aufgewacht waren und entzückt bis fasziniert auf die Musiker schauten und ihre Körper zur Musik mitwippen ließen. Aus der grauen Tristesse lösten sich plötzlich die Grautöne auf und wichen einer sich erschaffenden, bunten Welt, die sich wie ich aufbäumte und wie eine hypnotisierte Schlange, die sich durch die Melodie ihrer Sehnsucht willenlos herausgezogen fühlte, in ihrer unmittelbaren Umgebung verbreiten wollte. Und genau das geschah. Mitten im Alltagsgrau der Einkaufsstraße entstand eine kleine, bunte Oase von wachen Seelen und frohen Farben.
In meiner Bauchumgebung spielte sich irgendetwas Ungewohntes ab. Zwar etwas sehr Vertrautes, doch lang Vermisstes. Ich fühlte, wie sich der Vorbote eines mich überschwappenden Glücksgefühls streichelte und sich feierlich ankündigte. Ich hielt ungläubig und fast ängstlich die Luft an und schloss die Augen. Ich schloss die Augen und drückte Mamas Hand, bis mich jemand antippte. Von vorne. Ich klimperte die Lider auf und sah dem jungen Violinisten direkt ins Gesicht. Er lächelte heiter und fragte in seinem bulgarischen Akzent:
“Woher kommst Du?”
“Ich? Ich bin Iranerin.”
“Ah, Iran!”, rief er laut aus. “Okaaaay…”
Er drehte sich zu seinen Freunden um und rief irgendetwas auf bulgarisch. Und dann laut “Persien! Sie ist aus Persien! Okay, legen wir los!”
Ich schaute die Musiker nur mit großen Augen an und wusste nicht, was jetzt kommen würde. Wollten die jetzt etwa persische Musik spielen? Vielleicht Traditionelle? Oder neuere Lieder? Sind die sich sicher, dass sie persische Musik kennen? Woher bitteschön? Die waren doch bis jetzt mehr bei russisch-ungarisch geblieben. Ich weiß im Nachhinein nicht, ob ich mir diese Fragen wirklich gestellt habe, aber ich erinnere mich, dass ich mich kurz so fühlte, als habe man mich auf einen Fleck Erde genagelt, von dem ich nicht mehr fort konnte – nicht mehr fort wollte.
Der erste Ton erfolgte, der zweite erfolgte, der dritte… Eine ganze Melodie wurde laut lachend von den Musikern gemalt. Sie schauten mich an und wollten in meinen Augen sehen, wie ich die Melodie wiedererkenne, ob ich sie wieder erkennen würde, ob ich sie so sehr lieben würde, wie sie es just in dem Moment, in dem sie sie malten und mir schenken wollten, liebten. Ich wurde ganz hastig. Ist das wirklich das Lied? Sind das wirklich Oldies? Persische Lieder aus meiner Kindheit, die die Geschichte meiner Eltern und die Geschichte meiner Großeltern mit sich trugen? Das Glück durchzuckte meinen Körper wie ein länger andauernder Höhepunkt unter den Händen eines Geliebten. Ich hörte Mamas Begeisterung. Sie drückte meine Hand. Die Bilder der Vergangenheit prasselten auf mich ein. Bilder, die ich nie selber mit eigenen Augen gesehen habe, aber immer mit einem Sinn erfühlt habe, der das Auge um Dimensionen überstieg. Ich sah…
…Papa, wie er Mama an der Hand zieht und sagt: “Mir ist es gleich, was Deine Eltern sagen, wir gehören zusammen.” Ich sah Mama weinen. Ich sah Papa eine Straßenprügelei anfangen, weil Mama mit ihren zarten vierzehn Jahren von mehreren Männern umkreist worden war. Ich sah Papa im Gefängnis, weil Mamas Eltern die beiden voneinander trennen wollten. Ich sah Mama, wie sie am Fenster ihres Jugendzimmers saß und weinend Tagebuch schrieb und Papa Gedichte schrieb. Ich sah Papa, wie er Steine an Mamas Fenster warf, nur um ihr sein Gedicht zu bringen und ihres von ihr zu erhalten. Ich sah, wie Mama von zu Hause weglief und ohne nichts in den Händen an der Tür von Papas Familie klopfte und eingeschüchtert sagte:
“Ich bin seine… Frau. Ich bin von zu Hause abgehauen. Kann ich hier auf Ihren Sohn warten?”
Ich sah, wie sie sofort in die Familie aufgenommen wurde. Ich sah, wie sie für immer dort blieb, weil sie sonst von ihren Eltern getrennt worden wären. Ich sah, wie sie heirateten – ganz hastig in Schlaghosen und T-Shirts. Wie Mamas Bauch kugelrund wurde, wie ich hinaus in die Welt wuchs und immer mehr mit ihnen selbst verwuchs. Ich sah, wie ich Anlass genug war, dass sich alle mit Mamas Eltern versöhnten und Mama und Papa nicht mehr um ihre Liebe bangen mussten. Ich sah ein Mofa, einen ernstblickenden Papa, eine glückliche, lachende Mama, die sich an Papas Brust von hinten festhielt. Ich sah Nächte voller Musik und Leidenschaft am Schlagzeug und am Mikro, wie Papa in der Musik alles gab, um mitten in Teheran ein kleines Haus zu kaufen. Ich sah so viel… Ich sah ihre Liebe, öffnete die Augen, um die Tränen frei zu lassen. Um sie frei zu lassen, damit mein Glück die Erde nährte. Die Musiker spielten ein altes, persisches Lied nach dem Anderen, inspiriert von unserer Freude und den nostalgischen Tränen, die wir dabei ließen.
Diese Lieder tragen nicht nur die Geschichte meiner Eltern, sondern inzwischen auch meine eigene. Ich werde nie von ihnen loskommen. Ich werde sie nie wieder hören können, ohne dabei in Melancholie und in Glück gleichermaßen zu versinken. Ich werde diese Lieder nie hören können, ohne mich in eine andere Zeit, in eine andere Welt wünschen zu können. Ich kann diese Lieder nie hören, ohne Papa und Mama dabei unendlich zu lieben, meine Muttersprache zu lieben und ihre Art, einander zu lieben zu lieben. Diese Lieder höre ich immer mit Bedacht und Ehrfurcht. Ich weiß, ich kann sie nicht immer hören, weil sie mich in Depressionen stürzen können oder in eine heillose Nostalgie, die mich dann eine Woche ins Bett wirft, damit ich mich in ihr suhlen und baden kann. Suhlen kann in der Hoffnung, dass ich beim nächsten Augenaufschlag nicht hier bin, sondern dort – in der Vergangenheit. Dort, wo alle glücklich sind, die Welt weniger mechanisch ist und vor allem alle noch leben.
Deshalb lasse ich in meinen eigenen vier Wänden nicht zu, dass diese Art von Liedern unerwartet und erschlagend in die Atmosphäre prasseln. Denn ich weiß um ihre zerreißende und niederreißende Wirkung. Doch dort, auf der Straße – in der grauen Tristesse der Zombiemassen und des Nieselregens, der ich mich so bieder fügte – wo ein junger Musiker auf mich zukommt und fragt, woher ich komme und dann auf seinen Befehl hin alle anfangen, die Geschichte meiner Eltern und die meiner Großeltern zu spielen, erliege ich gnadenlos dem Glück. Ich halte die Luft an, mache seltsame Bewegungen mit den Armem, nehme die Situation mit der Kamera auf, schließe die Augen, um jeden weiteren Moment zu vermeiden, damit dieser nie endet, balle meine Fäuste zusammen – und das alles im ewig scheiternden Versuch, das Glück festzuhalten, es einzurahmen, an die Wand zu nageln, mich für immer mit ihm zu vermählen.
Und trotz seiner Vergänglichkeit sitze ich hier – und dieses Glück ist eine Erinnerung. Aber was ist eine Erinnerung? Die Erinnerung ist ein einst gegenwärtiger Moment gewesen. Ich habe ihn erlebt, ich habe ihn gesehen – es ist gar nicht so lange her. Und das ist der Beweis dafür, dass er wieder geschehen kann.
“Hast Du gesehen, Mama?”, sah ich nach links zu ihr und drückte ihre Hand.
“Ja, ich habe alles gesehen. Alles.”, lächelte sie und drückte meine zurück.
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14.09.2007, 12:47
Nazanin II
Jetzt hat sie mich gemalt. Heute ist ein schöner Tag… Sie hat mich viel schöner gemalt, als ich es in real jemals sein könnte. Ihre Technik hat sich unglaublich rasant verbessert.
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12.09.2007, 15:23
Nazanin…
Hier habe ich meine kleine Freundin gemalt. Einmal, als sie noch ein Teeny war und mit langer Mähne (und wunderschönen, schwer zu malenden Locken) – und einmal heute, als junge, blühende Frau mit kürzerem, selbstbewusstem, sexy Schnitt. Um die Bilder richtig sehen zu können, klickt sie bitte an.
Nazanin als junge Frau…
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Nazanin als Teeny…

Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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