Der erste Schritt zum Glück – oder auch einfach nur zur inneren Ruhe – ist, die berühmten “Warum-Fragen” loszulassen. “Warum ist die Welt so, wie sie ist? Warum ist der Mensch so begrenzt? Was wäre, wenn er nicht so begrenzt wäre? Was liegt außerhalb unserer Wahrnehmung? Warum müssen Menschen leiden? Warum ist der eine reich und fett und der Andere muss hungern? Warum habe ich ein Bewusstsein? Gibt es soetwas wie Seele? Gott? Und wenn ja, warum lässt Gott zu, dass wir leiden? Was ist Unendlichkeit? Und was ist Vollkommenheit? Warum bin ich machtlos gegen meine Gefühle? Was ist Liebe? Ist Liebe nur der Fortpflanzungstrieb im Menschen – oder steckt da mehr hinter? Wer oder was bin ich? Warum zum Teufel hat man mich nicht gefragt, ob ich auf die Welt kommen will?”
Der zweite Schritt ist, dass man niemals von seinen Mitmenschen etwas erwartet. Egal, wie sehr man sich für sie einsetzt, was man für sie tut, mit wieviel Liebe man ihnen begegnet – man darf nichts von ihnen erwarten. Weder von der Familie, noch von Freunden. Das erspart einem tiefe Enttäuschungen. Der dritte Schritt ist, entweder zu denken, man habe die Macht, sich selbst zu ändern – oder davon auszugehen, dass nichts in der eigenen Hand liegt und alles, was man tut, im Grunde vom “Gehirn” gewollt wird, ohne dass man weiß, warum man etwas will und wie man überhaupt etwas will. Der nächste Schritt ist es, dass man die Welt, so wie sie ist, akzeptiert. Samt all seiner Regeln, Naturkatastrophen, der desktruktiven Natur des Menschen, der Wildnis, der Sterne, der Tatsache, dass wenn es nur die kleinste Abweichung in der Gravitation vorhanden wäre, die Erde so, wie sie ist, gar nicht funktionieren würde. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir wissen, wie etwas funktioniert, aber nie herausfinden werden, warum die Dinge so funktionieren, wie sie es tun. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir – selbst wenn wir alles wüssten, wir nie herausfinden könnten, ob wir denn jetzt alles wissen, denn wir können nie wissen, ob die letzte Information wirklich die letzte Information ist. Einer der wichtigsten und letzten Schritte ist, dass (eigene) Leid nicht persönlich zu nehmen. Man leidet, ja. Aber nicht, weil jemand mir etwas Böses will, sondern weil es zu den Regeln des Universums gehört, dass der Mensch leidet. Sehr gut wäre es, wenn man sich selbst von Außen beim Leiden beobachten könnte.
Ich bin noch nicht einmal bei Schritt 1 angekommen, denn sonst könnte ich schlafen. Ich habe es noch nicht geschafft, meinem ratternden Gehirn mal mächtig die Fresse zu polieren, damit es KO in der Ecke liegt und mich in Ruhe lässt. Ich habe es nicht geschafft, über meine emotionalen “Grenzen” – sprich’: meinem Ego – hinauszuschauen und zu sagen: “Egal, was Du durchgemacht hast und durchmachst, Sherry – Deine mickrige Existenz ist ein Witz in Relation zum Universum, also geh’ über Dich selbst hinweg.” (Und ich kenne übrigens auch noch niemanden, der es geschafft hat.)
Ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Und bis ich das alles geschafft habe, bin ich sicherlich schon auf dem Weg nach “drüben”. Ich mag “drüben” übrigens. Drüben ist bestimmt besser. Ob nun nichts danach kommt oder ein neues Universum mit milderen Regeln, ist eine andere Frage, die zu den Fragen gehören, die sich eigentlich in Schritt 1 wiederfinden sollten. Werde ich sicher noch nachholen. Blah Blupp.
07.09.2007, 10:09
Her Mind…
Für mein Furien-SÄD. (Du weißt schon, warum) Um das Bild in groß zu betrachten, einfach auf das Bild klicken…
(KLein).jpg)
Hier in richtig groß » Sizuka «
Wie definiert Ihr den “Freien Willen”? Wir reden tagtäglich in vollster Selbstverständlichkeit darüber, dass der Mensch eine Entscheidungsfreiheit hat und einen freien Willen, ohne dabei wirklich all jene Faktoren zu bedenken, von denen wir beeinflusst und im Grunde auch festgelegt worden sind. Diese Antwort habe ich in einer interessanten, philosophischen Diskussion mit einem jungen Mann verfasst – wer mag, kann hier mit einsteigen und seine Meinung über den freien Willen und seine persönliche Definition darüber niederschreiben:
» Hey R….
Du sprichst da ein paar interessante Punkte an, die jeder für sich wieder einen eigenen Thread verdienen würde. Z.B. Thema “Altruismus”. Es gibt keinen Altruismus in dem Sinne, wenn Du mich fragst – aber wie gesagt, das ist ein anderes Thema.
Ich denke, ich argumentiere nicht einmal aus evolutionsbiologischer Sicht, wenn ich sage, dass jede Emotion eine Art “Nachvollziehbarkeit” aufweist. Ich versuche es anders zu erklären. Unabhängig davon, inwiefern eine Emotion “nützlich” oder “nicht-nützlich” ist, erweist sie sich immer als ein Produkt von mehreren, vorangegangenen Ursache- und Wirkungsmechanismen. D.h.: 1+1=2. Der 2 ist eine Kooperation von 1+1 vorausgegangen, so dass das Produkt 2 dabei rausgekommen ist. Wir können das Produkt also rückwirkend “nachvollziehen” und die Ursachen / die Wirkungsfaktoren dafür ausfindig machen, die dafür gesorgt haben, dass diese 2 zu Stande gekommen ist.
Genauso verhält es sich mit den Trieben, Emotionen und unvernünftig wirkende Handlungsweisen. Deshalb möchte ich noch einmal darauf verweisen, dass ich mit “logisch nachvollziehbar” nicht die Inhalte einer Idee, einer Handlung, einer Emotion meine, sondern die Reaktionskette bzw. die mathematisch nachvollziehbare Gleichung, die zu Produkt A, B, C geführt hat.
Was hat das nun mit unserem Thema “Freier Wille” zu tun? – Sehr einfach: Solange unser Gehirn (also nach Deiner Definition wir selbst) nicht dazu in der Lage ist, aus dem unbedingten Dominoeffekt einer Ursache- und Wirkungskette auszutreten und ein völlig eigenständiges, unbeeinflusstes, von jeglichen exogenen Faktoren unberührtes und außerhalb jeglicher logischer Gesetze und Denkmuster, ein Produkt zu erschaffen, können wir nicht von einem freien Willen reden. Warum? – Weil der freie Wille mindestens die Entscheidungsmöglichkeit voraussetzt, außerhalb der kognitiven Grenzen agieren und und denken zu können.
R.: Unser Gehirn ist keine Rechner, der auf sture Algorithmen läuft, es macht oft genug unlogische Entscheidungen (das liegt vielleicht zum Teil daran, dass wir sehr vom Unterbewusstsein gesteuert sind, und daher auch unser Verhalten nicht dauern “überlegt” wird).
Unvernünftige Entscheidungen, ja. Aber nicht “unlogische”. Schau’ mal, R. Weißt Du, was an “Theorien” z.B. so interessant ist? Eine Theorie kann in sich völlig schlüssig und plausibel sein, das “Ergebnis” kann aber falsch sein, weil nicht die richtigen Faktoren mit integriert worden sind, bzw. zuwenige Faktoren mit integriert worden sind. Deshalb bekommt man in einer Mathematikklausur z.B. immer ein paar Punkte, wenn der Rechenweg an sich logisch und nachvollziehbar ist, aber das Ergebnis dennoch falsch. Logik bedingt nicht immer das richtige Ergebnis. Logik ist lediglich eine Art “Denkmuster”, ein “Werkzeug” zur Lösung von Problemen – ob nun mathematischer oder alltäglicher Natur. Nun stell’ Dir aber vor, es gibt vielleicht andere Arten von Denkmuster – und nicht nur die Logik. Aber Du als “Gehirn” bist so strukturiert, dass Du nur dieses eine Denkmuster nutzen kannst, und nichts Anderes. (So ist es ja auch, wir kennen keine anderen Denkmuster) – Wo bleibt dann der freie Wille, wenn Du nicht einmal das Werkzeug auswählen darfst, mit dem Du “denken” und “handeln” willst? Du bist also von vorneherein determiniert. Und das, was Du denkst und wie Du es denkst, ist zudem von exogenen und endogenen Faktoren und Impulse vorbestimmt. Da bleibt von einem freien Willen wirklich nichts übrig, außer die Illusion.
Ich möchte dazu aber noch sagen, dass die Illusion des Menschen, einen freien Willen zu besitzen, sehr wichtig ist zum Überleben. Wäre es anders, würde jeder Mensch resignieren. Auch das scheint genetisch festgelegt zu sein: Schau’ mich z.B. an: Ich glaube nicht an den freien Willen, bin mir sozusagen dieser Illusion vollkommen bewusst und könnte Dir kein einziges Beispiel für eine “freie Entscheidung” oder einen “freien Willensimpuls” nennen und habe trotzdem im Alltag das Gefühl, ein autonomer Mensch mit eigenen Entscheidungen zu sein. Alles Andere wäre selbstmordgefährdet.
Übrigens denke ich nicht, dass der Mensch lediglich sein Gehirn ist. Aber auch das ist wieder eine andere Diskussion. Es ist mir übrigens eine Freude, mit Dir zu diskutieren.«
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