Archiv für Oktober, 2007
16.10.2007, 22:03
Impressions II

Hier mein neuester Versuch, “realistisch” zu zeichnen. Da sind noch einige Fehler drin, aber ich finde es gut. Ich habe 3 Stunden daran gearbeitet. Solange saß ich glaube ich noch nie durchgehend an einem Bild. Ich hab’ sogar die “Rastertechnik” benutzt, um die Proportionen richtig zu treffen.

Jungs, schaut mal eben weg. Das ist nichts für Eure Nerven. Ich weiß, dass auch Geschlechtsgenossinnen ab 35 etwa meine Farborgien nicht immer ertragen, aber manchmal muss ich mich ausleben. Vorallem, wenn meine letzten Bilder zu schwarz-weiß-lastig waren.

Hier nochmal mit Original Hintergrund…

Mich haben immer Zeichner fasziniert, die ihre Motive extrem realitätsnah gezeichnet haben. Jedes Detail scheinen sie mit ihrem Auge und ihrem Stift einfangen zu können. Etwas, das ich eher als Wunder betrachte, als etwas, das man erlernen kann. Aber ich hab’s heute einfach mal versucht. Und zwar habe ich mir nicht viel vorgenommen. Nur ein Auge und ein paar Strähnchen. Obwohl das nur sehr wenig ist, habe ich für keines meiner Bilder wohl je solange gebraucht, wie dieses hier. Ich saß fast 2 Stunden dran – und dafür, dass es der erste, echte Versuch war, bin ich zufrieden. Wenn jemand von Euch Literaturtipps hat für Zeichentechniken, dann bitte her damit. Ich würd’s glaube ich gerne einmal richtig können.

Hier merkt man, dass ich keine Lust mehr hatte. Hihi…

13.10.2007, 02:44
Oktobergold…

Nach der harten Ernüchterung während meiner misslungenen Kopfmassage bei Eva, stolperte ich raus ins herrliche Oktoberwetter. Ich liebe es, wie die Sonne im Herbst scheint. Sie ist nicht so grell wie im Sommer und ziert sich mit einem satin-goldenen Kleid, das ihr Licht auf aller Welt Augen, Haar und Haut reflektiert und jedes Wesen zur Schönheit hochglänzen lässt. Die Menschen sehen dabei einfach so wichtig aus, in allem was sie tun, weil sie das Kleid der tiefgoldenen Herbstsonne tragen. Sie wirken ungreifbar. Vielleicht, weil ihre Konturen weicher gezeichnet sind durch das Licht. Vielleicht, weil man unter der Oktobersonne besonders gut erkennt, dass wir keine feste, linienartige Abgrenzung von unserer Umgebung und voneinander sind, sondern lediglich sehr dicht einander umarmende Moleküle, die jederzeit, wenn sie auseinanderfallen würden, uns alle ineinander verheddern, verfallen, verlieben würden…

So hing ich also meinen Träumen nach, während ich die Schritte der Menschen in der Einkaufsstraße nur noch wie einen großen, gold-kupfernen Farbfluss wahrnahm und das unangenehme Gespräch im Salon, das mich zu Stein erstarren ließ, langsam von mir abließ. Ich hatte das Gefühl, ich schwimme umher – und meine Haut war so warm wie gold fließender Samt – ich lächelte.

Ich sah in einem Schaufenster schöne, glitzernde Objekte, undefinierbar, weil auch gar nicht der Wunsch danach bestand, ihren unwichtigen Konturen eine Bezeichnung zu geben. Die Farben waren es, die mich hinzogen. Das Funkeln, das Glitzern, das zum Lebensgemälde dieser Straßen in Gold getaucht passte, ihnen den Kuss der Vollkommenheit verlieh. Ich war berauscht… Also ging ich hinein in das Geschäft und bewegte mich ohne wirklich zu schauen, auf die glitzernden Elemente zu. Legte meine Handtasche zur Seite, fasste sie an, um die Farben besser fühlen zu können. Sie spielten mit mir Verstecken und wurden kühler, sobald ich sie zu besitzergreifend anfasste. Wenn ich sie aber streichelte, öffneten sie sich wie eine junge Blüte um offen für das Licht alles in sich einzuverleiben. Wie verzaubert ich doch war – und da draußen alles gold, kupfer und duftend braun… Vertieft im Dialog mit ihren klunkernden Gesten, rüttelte mich plötzlich ein grelles gelb-rot. Ich wurde schnell steif. Um mich herum war pure Gefahr, eine Spannung von pulsierenden Muskeln, eine Bewegung, ein Eisenring um mein Gehirn, der meiner linken Hand irgendwelche Befehle gab. Ich packte meine Tasche rasch und zog sie an meine Brust. Als ich meine Augen öffnete und mich rasch umwand, sah ich direkt in das Gesicht eines Jugendlichen, der mich total erschrocken ansah. Sein Blick verriet Angst und Fasziniation zugleich. Ich drehte meinen Kopf und sah seinen “Kollegen”. Ich wusste sofort, sie wollten mir die Tasche unauffällig wegschwinden lassen, doch dieses knallige Rot-Gelb gellte mir ins Gehirn und schoss meine Hand zur Tasche.

Er wand seinen Blick von mir und ging mit seinem Kollegen weg. Ich hörte nur noch ein “Hast Du das gesehen? Wie geht sowas?”

…und weg waren sie.

Als ich zu diesen glitzernden Objekten schaute, sah ich, dass es sich dabei um Parfümflaschen handelte und ich im Douglas stand. Der Zauber war weg, aber etwas Anderes verblüffte mich wieder einmal auf’s Neue. Nicht, dass es mir zum ersten Mal passiert wäre, dass ich Aura-Farben sah, ohne zu wissen, wer hinter mir stand – aber ich bin doch immerwieder fasziniert von dieser “Gabe”.

Ich rief Peyman an und erzählte ihm die Geschichte ganz anders, als ich sie erlebt hatte: “Schatz, zwei Jungs wollten mir gerade die Handtasche abziehen, doch ich war schneller.” “Schatz, pass’ doch auf. Als ich mit Dir in der Stadt war, hatte ich ständig das Gefühl, Du gehst sehr lose mit Deiner Handtasche um.” war alles, was Mr. Besserwisser für mein Abenteuer übrig hatte.

“Oke, Schatz… Bis später. Ich komme jetzt nach Hause”, sagte ich seufzend und legte auf.

11.10.2007, 23:01
Die misslungene Kopfmassage

Heute beim Frisör. Ich war schon fast am schlafen bei Eva’s Kopfmassage und fiel meine Gedankentreppen hinunter in eine weiche Wolke der Entspannung. Aus der Ferne hörte ich meine “Nachbarin” unser’n liebenswürdigen, tuntigen Micha zureden. “Blablabla – ich bin ja so wichtig. Blabla. Hab’ Geld, hab’ ein Haus, trage Pelz, blabla.” – In Gedanken riss ich mir zwei kleine Stückchen Wolke ab, stopfte sie mir ins Ohr und döste so vor mich hin. Eva’s Kopfmassage veränderte meine Gedanken in totales rosa Gaga. Wundervoll… Die Tante nebenan hörte ich immer ferner immer ferner nur noch ganz fernab von mir – bis plötzlich ihr Handy klingelte. “Didilidiiii”. Wolke weg. Augen auf. Ich sitze steif auf dem Sessel und schaute Eva durch den Spiegel an. Die Tante nebenan brabbelte:

“Ach, da geh’ isch jetzt nisch dran. Das is meine Mutter.” – und legte das Handy weg.

“Warum denn nisch?”, fragte Micha.
“Najah. Mein Vater ist vor sechs Wochen jestorben”, erzählte sie so beiläufig, als würde sie sagen, sie müsse mal auf’s Klo “und seitdem ruft meine Mutter misch und meinen Bruder wirklich vier Mal am Tag an! Also NOCH hamma uns nisch beschwert. NOCH nisch. Die hat auch noch so von Arcor so ‘ne Telefon Flatrate, das kann sie natürlisch jetzt voll ausnutzen!”

Micha tat so, als habe er vollstes Verständnis für die arme, von der trauernden Mutter belästigten Frau.

Ich war wie versteinert. Einfach geschockt. Erschrocken über soviel toten Mist im Gehirn einer Frau Mitte vierzig, neben der noch ihre jugendliche Tochter saß und kaugummikauend eine Modezeitschrift las. Ich sah Eva durch den Spiegel fest in die Augen. Sie wusste genau, wie abartig ich das, was ich gehört hatte, fand. Sie streichelte meine Wange und flüsterte:

“Ihr lebt in zwei verschiedenen Welten. Ich weiß, Sherry…”

10.10.2007, 17:59
Rast

~ Click: Nasser Cheshmazar – Awaiting ~

Es ist alles in Ordnung, sage ich mir. Das ist der Lauf der Welt – und es muss so sein. Es ist natürlich, und jeder muss da durch. Dass ich mit Endlichkeiten weniger zurechtkomme als Andere, ist völlig irrelevant. Es gibt auch keine Gerechtigkeit, sage ich mir. Gerechtigkeit ist eine Illusion, und das sage ich nicht einmal mit Verbitterung. Solange ich mir an diesen Dingen die Fragen aus dem Gehirn reiße und im Überbleibsel meiner klaren Gedanken eine Antwort suche, werde ich keine Ruhe finden und weiterhin an Schlafstörungen und anderem Übel leiden. Es gibt Menschen, die leben einfach vor sich hin, trällern, lieben die Musik, lachen und tanzen. Sie schalten die Nachrichten ab und sagen “Mein Gott, was interessiert mich das? Man lebt nicht lange, also sollte man sich von solchen Dingen fernhalten, wenn man sowieso nichts an ihnen ändern kann.” – Was ich gerne mit Verachtung strafen würde, ist eigentlich das einzig Richtige: Einfach Dinge, die mir schaden, ausblenden. Vorallem, wenn ich gegen sie eh nichts anrichten kann.

Wie oft habe ich mich aufgeregt? Angefangen von kleinen Undingen aus dem privaten Leben bis hin in die weite Welt der Politik? Mit meinen Mitteln habe ich versucht, dagegen anzukämpfen. Für das “Gute” oder das, was ich als gut und richtig empfand. Was hat es gebracht? Was genau? Eigentlich nichts. Obwohl, ich lüge, nicht nichts, sondern doch Einiges: Außer ein paar begeisterten Zurufen von Menschen, die eh schon von vorneherein meiner Meinung waren, gab es nur Feindseligkeiten, Drohungen, schlaflose Nächte, weil ich die schlimmen (Kriegs)-Bilder nicht aus dem Kopf bekam, Existenzangst, weniger Zeit für die Menschen, die mir wirklich wichtig sind… (Ja, wie oft habe ich eigentlich für meine “Welt-Rettungs-Aktionen” meine Familie vernachlässigt? Zu oft. Viel zu oft). Und wenn jemand sagt, “Ja toll, Sherry! Stell’ Dir vor, alle würden so denken, dann ginge ja die Welt unter”, dann kann ich nur müde lächeln und antworten: “Vielleicht. Aber es wäre unnatürlich, wenn alle so denken würden wie ich. Und weil’s eben nicht so ist, dass alle so denken werden wie ich, darf ich’s mir leisten, so zu denken. Ich als Mensch und meine Meinung gehöre mit in dieses System der Gedanken und Meinungen, die die Welt so erhalten, wie sie ist.”

Es ist gut, dass es Menschen gibt, die höhere Ziele haben und auch Vieles bereit sind, zu opfern, um diesen nachzujagen. “Idealismus ist die einzige Krankheit, die nicht geheilt werden sollte”, sagte einst ein Freund – und er sagt es immerwieder. Doch Tatsache ist, dass es oft die Idealisten sind, die vom Leben so gut wie nichts mehr mitbekommen. Sie schaffen es kaum noch, zu handeln. Sie bleiben beim wehmütigen Träumen, wohingegen oberflächliche, sorglose Mitgenossen/Innen einfach leben und nicht jeden Tag um einen Grund kämpfen, aufzustehen. Sie tun, was sie tun müssen, denn sie tun, was ihnen selbst am Besten tut. Aber Idealisten streben nach dem allgemeinen Wohl ihrer Umgebung, der Gesellschaft, eines Landes, der ganzen Welt und werden täglich mehr als 20 Mal daran scheitern, dass sie nicht alle glücklich machen können. Es ist nicht natürlich, dass alle glücklich sind. Es ist aber natürlich, dass jeder Mensch eine andere Meinung, andere Bedürfnisse und eine andere Wahrnehmung hat. Nehmen wir’s einfach hin, wir können einander nicht immer zustimmen und wohlgesonnen sein. So ist die Welt.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, ich würde Gott um einen weitaus niedrigeren IQ bitten. Nicht, dass meiner zu hoch wäre, aber ich hätte gerne etwas Unterdurchschnittliches. Ich würde ihn zudem bitten, mir einen gesunden Abnabelungsprozess zu bescheren (oder überhaupt einen zu bescheren, ich hatte keinen). Ich würde ihn um einwenig mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl bitten, eine unkompliziertere Herkunft, weniger Fantasie, dafür mehr Bodenständigkeit. Bloß keine künstlerische oder musikalische Ader. Ich will überhaupt nicht mehr der festen Überzeugung sein, dass Musik mehr ist als ein paar Tonfolgen und dass Liebe ein mehr mystisches als körperliches Spiel ist. Farben wären einfach Farben – klar, sie erzeugen Freude – aber nicht wie bei mir Gerüche, Geräuche und Seelenflüge.

Ich lege jedenfalls die Rüstung ab, lass’ mein Schwert fallen. Es bringt nichts mehr, zu kämpfen. Weder gegen die Welt, noch gegen die Umwelt. Ich will mich nicht mehr erklären – jedes Wort ist ein Wort zuviel. Hier ist es in Ordnung, weil ich weiß, dass eine Vielzahl von Menschen lesen und jeder von ihnen vielleicht einen winzigen Abschnitt wirklich versteht, also fühlt. Aber hier in meinen kleinen, kreisförmigen Grenzen herrscht nur Einsamkeit. Und ich habe sie mir selber ausgesucht, indem ich von meiner Umgebung soviel erwarte, wie ich von mir selber erwarte – jedesmal, wenn ich ihr diene. Deshalb blieb niemand mehr übrig. Das ist oke. Jeder ist anders. Ich bin anders. Ich brauche eine kleine Rast – und ich hoffe, dass ich meine Ideale nicht nur zur Rast ablege, sondern komplett. Ich hoffe, ich werde niewieder genug Energie haben, um um Dinge zu kämpfen, für die es sich nicht zu kämpfen lohnt. Nicht, weil die Ideale nichts wert sind, sondern weil meine viel zu kleinen Hände und Hiebe und Streicheleinheiten einfach nichts bewirken können. Ich hoffe, ich werde ab jetzt nur mit so geringer Energie beglückt, dass sie gerade dafür reicht, sie für mich, mein Leben und meine Familie zu rationieren, damit kein Tropfen mehr in verschwendete Trostgedanken sinnlos dahinschwindet.

Und nun lass’ mich in Ruhe, Sherry. Ich bin müde…

06.10.2007, 07:49
She…

Diesmal bin ich selbst fasziniert von den Farben… Wenn Ihr draufklickt, seht Ihr, dass die Farben richtig Struktur haben.