~ Esperanza Fernandez – Gelem Gelem ~
Draußen ist es so schrecklich traurig. Normalerweise genieße ich die herbstliche Melancholie, das fallende Rot und Gelb, das karge, aber strotzende Grün. Doch dieses Jahr ist es anders. Jeder Fall auf den rot-gelben Boden tut mir unendlich weh. Ich sehe die Blätter nicht nur mit einem milden Lächeln fallen und sie im kommenden Frühling wieder auferstehen, nein. Diesmal ist es anders. Ich sehe sie einzeln sterben. Jeden Einzelnen sterben. Sie sterben – und die neuen Blätter werden niewieder die Selben sein.
Noch sind ihre Körper feucht, ihr Leben pulsiert noch, obwohl sie unten auf dem Laubberg nicht mehr um ihr Leben kämpfen. Wenn ich sie anfasse, sind sie glatt und riechen wohlduftend. Sie sind weich und schmiegen sich in meine Handform in der Hoffnung, aus meinem Blut noch einwenig Leben zu erhaschen. Nein… Das stelle ich mir nur vor, weil ich ein Mensch bin und mit dem Tod im Kampf stehe. Ich ihn einfach nicht als Teil des Kreislaufes akzeptieren kann. Das sterbende Herbstblatt in meiner Hand jedoch ist anders. Während es in meiner Hand zuneige geht und seine letzten Sekunden an meiner fürsorglichen Wärme genießt, weiß es, dass es schon sehr bald trocken in meiner Hand zerbröseln wird und seinen Körper der Natur freigibt, damit sie sich von ihr ernährt. Nur ich stehe da und frage mich, warum es nicht mehr da ist. Und wie es sein kann, dass soviel vergeht – von Mensch zu Tier, von Blume zu Laub, von Augenblick zur Ewigkeit.
Selbst ein Laublatt ist weiser als ich es je sein werde. Denn diese Fragen stellt es sich nicht..
Mögest Du in Frieden ruhen. Eines Tages werde auch ich bei Dir sein und hoffentlich meinen inneren Frieden kurz vor den offenen Toren spüren. So wie Du. Und dann hoffe ich, dass auch ich meine Wange an eine liebende Hand laben kann und lächelnd meinen Abschied in die Luft küssen darf…

/46.jpg)
.jpg)
Beiträge (RSS)
Woah, das ist ja wieder so ein Gänsehautmusikstück! *mich zurücklehn, die Augen schließ und einfach zuhör*
Deine Beiträge reißen mich immer wieder mit
Ich las deinen Eintrag, ging in den Wald mit meinen Hund spazieren hörte dabei Fix You von Coldplay
und plötzlich merkte ich wie die Blätter fallen.Ich hob einen hoch…….er war tot
Ach Phil…
Du hast den Herbst heute wirklich mal nach meiner momentanen Stimmung empfunden? Bewusst empfunden? Das ist ein schönes Geschenk, ich danke Dir. Auch, wenn ich niemandem wünsche, dass er traurig ist, nur weil er mich gelesen hat.
Momoli,
schön, dass Dir das Lied gefallen hat. Ich fand’s herzzerreißend. Übrigens habe ich das Lied von Arashi geschenkt bekommen.
Arashi,
danke nochmal. Du triffst sehr oft meinen Musikgeschmack. Keine Ahnung, wie schnell Du den erfassen konntest.
SÄD,
Schatz,
Ja da habe ich, glaube ich zumindest
Ich hob das Blatt und genau in diesem Moment drehte sich mein Hund um ,schaute mich mit seinen verträumten Blick an und guckte wieder nach vorne.Auch wenn er sich nur umdrehte um zu gucken was ich erhob – diese szene hatte etwas an sich
Machst Du auch manchmal Fotos von Augenblicken in Deinem Leben? Damit meine ich nicht Fotos mit der Kamera, sondern einfach ein Schnappschuss mit Deiner Seele. Eine Art “Eingravierung”, so dass Du das Bild und die Gefühle wieder zurückrufen kannst… Ich kann soetwas. Ich glaube, ich mache soetwas sogar ständig. Deshalb bin ich auch so ein verdammt nostalgischer Mensch…
Ja, das mache ich öfters
Manchmal verbinde ich Augenblicke mit Gerüchen
Und wenn die Luft genauso riecht wie an einen besonderen Tag kommt sofort das Bild und das Gefühl was ich damals empfunden habe.
Für mich riecht die Luft eigetlich jeden Tag anders
Und es ist sehr selten , dass sowas vorkommt
:)
Es ist schon komisch, daß die Menschen mit dem Wissen, irgendwann auf jeden Fall zu sterben, leben müssen … wenn ich schlecht drauf bin, denke ich einfach nur, das ganze Leben ist eine einzige grausame Ironie.
Ist das der Preis der Intelligenz?
Ja, Marguerite. Aber jetzt mal eine andere Frage: Wie würdest Du es finden, mit der Gewissheit zu leben, absolut unsterblich zu sein? Stell’ Dir vor, Du wirst auf EWIG auf der Erde weilen. DU wärest unsterblich… Wie wäre das für Dich?
Andere Frage: Was genau haben wir von der Intelligenz, dass wir so einen hohen Preis dafür zu zahlen “bereit” sind (ist auch nur ein Witz, weil wir haben ja gar nichts zu melden bei der Entscheidung darüber, ob wir Tier oder Mensch werden)… Die paar glückliche Momente… sind sie all den Schmerz wert?
Was denkst Du?
Ich denke, es kommt darauf an, ob man die einzige ist, die unsterblich ist – wenn das so wäre, wäre es die Hölle, denn dann würde man mit Sicherheit alle, absolut alle überleben, die man liebt, mag oder auch nur kennt. Und man würde wissen, daß man ihnen nicht folgen kann. Nie. Grauslig …
Wenn alle anderen auch unsterblich wären, würde es wahrscheinlich erst ein wenig später zur Hölle – vielleicht so nach tausend Jahren, wenn man alles erlebt und gesehen hat, wenn die Langeweile Einzug hält …
Andererseits – manchmal, wenn ich die Sirenen eines Krankenwagens höre, wünsche ich mir schon Unsterblichkeit … aber das ist dann ein kleiner, instinktgesteuerter Wunsch.
Da fällt mir ein: ich glaube, die Intelligenz des Menschen plus seine Instinkte sind die gefährliche Mischung. Die Instinkte verleihen einem die Angst vor dem Tod; die Intelligenz das Wissen darum.
Was wir davon haben … hm, wahrscheinlich das Überleben der Spezies. Die Natur hat sich bisher immer einen Dreck um das Individuum geschert … auf die Spezies kommt es an …
Die paar glücklichen Momente … vielleicht, vielleicht nicht. Das kommt auf meine Stimmung an. Wenn ich gerade in so einem glücklichen Moment bin, denke ich: ja, sie sind es wert.
Wenn nicht … na ja. Ist es überhaupt wert zu leben, um dann sowieso zu sterben? Manchmal empfinde ich so eine richtige Art Überdruß – dann bin ich sogar der Erinnerung an die Glücksmomente überdrüssig, der Glücksmomente selbst, die dann nichts weiter als Brosamen für mich sind.
Ich konnte gerade so gut darüber schreiben, weil es mir im Moment nicht so geht.
Mir ist noch etwas eingefallen:
Immer, wenn ich etwas erlebt habe, worauf ich mich schon lange Zeit vorher gefreut habe, fühle ich mich ganz schrecklich verloren und leer. Wenn es vorbei ist, meine ich … das heißt, nach einem Glücksmoment kommt der Schmerz bei mir meist stärker zurück, und sei es “nur” der Schmerz über den Verlust des Glücksmoments. Dann wünsche ich mir, es hätte ihn nie gegeben.
Wenn diese Gefühle aber wieder verebbt sind, freue ich mich auf die nächsten schönen Erlebnisse – es ist, als würde ich immer wieder von neuem in die Falle tappen.
Marguerite,
tut mir Leid, dass ich so spät erst antworte. Die letzten Tage vergehen wie in einem konturlosen Traum, ich kriege echt gar nichts mehr auf die Reihe.
Natürlich hast Du Recht. Es kommt darauf an, ob Du die Einzige bist, die unsterblich ist. In meinem Beispiel bist Du die Einzige, ja. All die Punkte, die Du audgezählt hast, habe auch ich bedacht. Immerwieder Menschen verlieren. Alle Anderen altern sehen und selbst alle überleben – die Begrenztheit der Welt immer schärfter zu spüren kriegen, weil man soviel Zeit hat, dass man jeden Winkel der Erde erforschen kann – mehrere Male. Es gibt keinen einzigen Ausweg… Ich würde Platzangst kriegen.
Selbst, wenn alle Menschen unsterblich wären. So bestünde noch die Gefahr, dass man lebenslang gefoltert werden kann oder unter einer Situation leiden kann wie Liebeskummer, Trennungsschmerz, schrecklichen Depressionen, körperliche Leiden, die man aber nie nie niewieder umgehen kann, indem man schlicht und einfach stirbt…
Sterben ist natürlicher und erwünschter, als wir im Augenblick unseres prallen Lebens glauben mögen. Das hat irgendwie etwas Gesundes an sich – also dieses Sterben. Ich weiß nicht, wie ich’s erklären soll.
Das Überleben einer Spezies wäre aber auch ohne die Intelligenz gewährleistet, sieht man ja an anderen Arten. Jedoch nicht mehr für den Menschen. Wir könnten nicht mit den “organischen Werkzeugen” überleben, hätten wir unsere Intelligenz nicht. Dafür sind unsere Sinne und Instinkte viel zu schlecht ausgebildet und wir viel zu unspezialisiert, was ökologische Nischen etc. angeht. Aber grundsätzlich ist Intelligenz keine Bedingung für Arterhaltung (jeglicher Form)…
Geht mir genauso
Es ist schon vorgekommen, dass ich nach einer wunderschönen Party voller zauberhafter Gespräche und Umarmungen 1 Woche die Schule versäumt habe, weil ich so… depressiv wurde.
Hey wo sind die anderen 2 einträge :D
Hi Philchen…
Das Eine war eh nur ein Video – und das “Selbstportrait” war mir dann vielleicht doch zu “klar”. War’n Foto von mir. Ich dachte, das sei vielleicht gar nicht so deutlich, aber hm. Hab’ jetzt doch was Hemmungen…
Ja man konnte dich schon deutlich erkennen
hahah
Ich habe es geschafft noch beide Beiträge zu sehen :D
echt hübsch
LOL… Na dann. Danke…

Mist, ich war zu spät … ;-)
–
Oh, Sherry … Du auch. Das tut mir so leid. Es ist so ein blödes Gefühl.
Gestern ist es mir wieder so gegangen. Ich glaube, ich habe in meinem neuen Eintrag nicht so gut beschrieben, wie schön ich den Samstag fand, weil ich über seinen Verlust so deprimiert war. Aber durch das Schreiben habe ich ihn doch ein wenig eingefangen. Und eigentlich ist er nicht verloren.
Aber sag mir das mal …
Da hast Du recht. Aber Reißzähne sind auch keine Voraussetzung für die Arterhaltung. Und Stacheln, Dornen oder was auch immer auch nicht. Aber wir haben nun mal keine Reißzähne … dafür halt die Intelligenz.
Party geht ja noch.
Am schlimmsten ist es wenn man aus dem Spanien-Urlaub wieder zurückkommt :)