Ein stockdunkler, dreieckiger Raum ist für mich Orientierungslosigkeit und Angst pur. Stell’ Dir vor, Du erwartest eine Strecke, doch der schräge Wandstrang drückt Dich immer mehr zum Rauminneren, vor dem Du Angst hast, weil Du nicht weißt, was Dich dort erwartet. Vorallem, wenn Deine verzweifelt greifenden Hände die Wand zu verlieren drohen. Deine Nägel krallen sich in die kreidige Wand. Es quietscht, es bröckelt, Du greifst in die Leere und fällst. Du hast schon bemerkt, dass der Raum nicht ein weites Rechteck ist, sondern eine uneben wirkende Gestalt, in dessen Magen Du liegst. Jeder Schritt kann Dich Dein Leben – oder noch schlimmer – Deinen Verstand kosten. Es ist stockdunkel, aber Du siehst ein giftiges gelb-grün. Dein Kopf droht zu zerbersten, die Stimmen werden lauter in Deinem Kopf, und in Deiner Panik ertrunken, suchst Du in der drohenden Mitte des dreieckigen Raumes nach einem Gegenstand, obwohl Du seine Mitte fürchtest. Selbst wenn er stumpf ist, kann er Dich retten. Du kannst ihn verschlucken, so dass Du an ihm erstickst. Das ist immernoch einfacher, als sich selber zu erwürgen, denn Deine Reflexe lassen soetwas nicht zu. Für die Meisten ist der Tod die größte Angst. Für einen Gefangenen aber nicht. Merk’ Dir das.

Beim Suchen stößt Du an diese unnatürlich spitzwinklige Stelle, die Dich schrecklich erschreckt und wieder wegdrückt. Alles, was nicht rechteckig ist, ist unerwartet und bedrohlich. Das Giftgelb wird zur pochenden Sirene in Rot, und Du suchst weiter. Zitternd. Weinend. Flehend. Doch es bleibt dunkel und kalt. Dein Schrei hallt gegen die schrägen Wände und schlägt auf Dich zurück. Du wirst leider nicht ohnmächtig. Deine Arme zittern zwar, aber den einen Versuch, Dich selbst zu erwürgen, lässt Du trotz besseren Wissens nicht aus.

Das ist der dreieckige Raum. Ein Teil der persönlichen Hölle. Ein Übergewicht in der Gefühlswelt isolierter Menschen. Vielleicht gleich ein Nachbar von Dir, vielleicht auch Deine Freundin oder Deine Schwester – weilt in ihr. Bitte hör’ einfach besser hin. Poch’ nicht darauf, ihr / ihm klarmachen zu wollen, dass der Raum gar nicht dreieckig ist. Für sie ist der Raum dreieckig, egal wie wohlüberlegt Deine Argumente sind. Wenn Du sie schon übersiehst, übergehst, überfliegst wie eine Meldung aus der Klatschspalte – dann gib’ Ihr wenigstens den stumpfen Gegenstand, wenn schon nicht Deine offene Hand. Wenn sie redet, sieh’ nicht nur Dich und Deinen eigenen Kreis mit lauter Ich’s in Deinen Gedankenblasen, sondern halte sie fest – und wenn nicht, dann sieh’ sie fest an. Ihr Raum ist dunkel und dreieckig. Die Winkel spitz und erdrückend, ihre inneren Stimmen erschöpft, hämisch und krank.

Hol’ sie da raus. Und vorallem: Tu’s sofort. Warte nicht.