Click: Dean Martin – Sway (Bitte hören, sonst versteht Ihr gar nichts!)
Dada hat mich letztens mit einem elektronischem Zettelchen (SMS) wieder an dieses Lied erinnert – “Sway” von Dean Martin gesungen. Sie weiß, was sie dabei ausgelöst hat, aber erklären könnte ich es nicht. Niemandem. Ich habe versucht, es meiner Freundin in ein paar Worte zu quetschen, aber es ging nicht. Ich werde alle Versuchsansätze hier reinschreiben, das Gefühl zu erklären, das dieses Lied in mir auslöst.
An V.
Fühlst Du Dich bei dem Lied nicht auch irgendwie komisch in der Bauchgegend? So ein kleiner Schmerz mit Flattern – wie das erste Mal heftiges Verliebtsein. Kennst Du diese Art von Verliebtsein, bei dem alles so Gaga ist und bebt, dass Dir fast übel wird und Du Dich übergeben musst? Das ist aber nicht unangenehm, sondern… Du willst einfach ohnmächtig werden vor… OHNMACHT.
Ich weiß noch genau, als ich mich damals in Pepe verliebt habe, konnte ich nicht mehr arbeiten. Ich saß an meinem Schreibtisch dort und hab’ nur total kopfschüttelnd aus dem Fenster gestarrt und gedacht: “Ach Du Scheiße. Wie konnte das bloß einfachso passieren, Sherry?” (Ich hatte manchmal Brechreiz. Sehr schmeichelnd, ich weiß.)
Oder bei meiner ersten Liebe Michael. Ich bin gestorben, so schlimm war das Gefühl, verliebt zu sein. Und dieses Lied bewirkt bei mir genau dieses Gefühl. Diese Machtlosigkeit, die mich dann einfach nur dazu zwingt, aufzustehen und die Hüften zu schwingen, weil man sonst innerlich platzt. (Nein, es ist kein Schwingen. Es ist ein “Schweben” und währenddessen die Welt zu umarmen… Verliebt zu umarmen.)
[...]
An Dada
“Dance with me… Make me sway… *seufz* Dieses Lied ist wie die erste Liebe zum Leben. Ein völlig anderes Leben war das… :(
Damals bot sich die Schönheit des Lebens förmlich an, selbst in unseren depressiven Phasen. Heute wringen wir sie aus, zerren und quetschen an ihr.. Und wenn dann doch mal ein Tropfen rauskommt, verfehlt sie unsere Zungen…”
Dieses Lied trägt die ersten Liebesgefühle dem Leben und den Menschen gegenüber, die ich als kleines Mädchen empfand. Es war ein Gefühl von “Ich zerspringe gleich in der Luft, aber das ist nicht schlimm, das Leben sammelt mich auf…” Ich war weiser damals als heute. Ich vertraute dem Leben, ich vertraute Gott und war der festen Überzeugung, dass alles gut wird. Dass letztendlich alles gut wird. Ich zog einfach meinen großen, langen, weißen Rock an und wartete auf die Rhythmen meines Papa’s und auf Onkel’s Gitarrenbegleitung, damit ich barfuß mit dem stürmischen Tanzen und Drehen beginnen konnte… Ich wirbelte um mich und alle anderen herum, so dass der Raum kein Raum mehr war, sondern eine offene Atmosphäre, durch die ich schweben und fliegen konnte. Die Rhythmen wurden schneller, und ich hörte sie alle lachen und mich irgendwann atemlos auf dem Boden kichern. Ich lag auf dem Rücken, alles drehte sich – und selbst die Übelkeit war mir willkommen, denn sie war ein Beweis dafür, dass ich mich wieder selbst überboten hatte. Keine zehn Sekunden später hüpfte ich wieder auf und schrie: “NOCHMAL PAPAAAAAAAAAAAAAA!”
…und alles fing von vorne an…
Das war meine erste Liebe. Nicht Elvis, nicht Dean Martin, nicht Michael – sondern das Leben selbst. Wann hat das alles aufgehört? Wie konnte es geschehen? Wann färbten sich meine Augen so müde und schattig, dass ich mich an solche Zeiten nur noch erinnern kann wie an einen längst vergangenen Traum aus einer anderen Zeit? Ich weiß, wann es anfing und ich weiß, wann ich es den Höhepunkt erreichte, doch darüber will ich nicht berichten.
Manchmal erwische ich mich wieder beim kichern. Aber bin ich dann wirklich ich in meiner jetzigen Form, wenn ich das tu’? Und bin ich dann wirklich in dieser Zeit, wenn ich das tu’? Bin ich dann wirklich bei den realen Personen in meiner Umgebung, wenn ich das tu’? Ich weiß es nicht. Und ich weiß auch nicht, warum ich diese Frage nicht beantworten kann. Warum ich die Vorhänge der chronologischen Etappen meines Lebens in solchen Momenten nicht mehr in einer Reihenfolge sehe, sondern alles ineinanderfließt? Und das, ohne sich unnatürlich anzufühlen? Warum beschleicht mich in solchen Momenten immer das Gefühl, dass es eine Lüge oder ein Trick unseres Gehirns ist, die Zeit in einer Reihenfolge “abzubilden”? Was, wenn wir eigentlich überall sind? Was für ein Unsinn… (Danke Gehirn, Du hast mich wieder entwirrt. Guter Junge.)
Dean Martins Stimme schwebt und rutscht auf Eis, deshalb liebe ich seine Stimme so. Es gibt heute kaum noch jemanden, der so singen kann. Auch Sinatra konnte es nicht. Auch Benett nicht oder Michael Bublé. Das kann nur Dean Martin, Viguen, Papa… Ich liebe die Welt nicht mehr so bedingungslos wie damals. Und ich achte das Leben nicht mehr so sehr wie damals, weil wenn ich es achte, habe ich immer so schrecklich viel zu verlieren. Das Leben ist ein schlechter Witz, über den man dennoch immerwieder herzlich lachen muss – und deshalb höre ich mir diesen schlechten Witz immer und immerwieder gerne an. Und wenn ich “Sway” von Dean Martin höre, versöhne ich mich kurz mit dem Leben…
Lass’ uns kurz Frieden schließen, Du undankbares Ding…
Dada an mich:
“Dein Herz ist halt Toppoli…” (Toppoli ist ein liebevoller, persischer Ausdruck für “mollig”)


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das lied ist so… so

Danke für das Lied … ich kannte es noch nicht … und für Deine Gedanken dazu. Oder besser gesagt, die das Lied angestoßen hat.
Ich bin vor ein paar Stunden nach Hause gekommen – und jetzt fühle ich mich irgendwie nostalgisch und schwarz-weiß … in eine andere Zeit versetzt. Fühlt sich gerade gut an, nicht in Farbe zu sein ;-)
SÄD,
unglaublich, ne?
Marguerite,
Du kanntest es nicht? Ich dachte eigentlich, dass gerade Du das Lied kennst. Irgendwie passt es so zu Dir. Ich finde sowieso, dass Du mit Deiner ganzen Art, zu leben, in die alte Zeit passt. Ich weiß jetzt nicht, wie ich das erklären soll, aber Du wirst es bestimmt verstehen…
Ja, weniger Farbe bitte. Weihnachten hat so genervt…
Um so besser, wenn es vorbei ist, das Weihnachten …
Jetzt habe ich auch langsam wieder etwas Appetit auf Farbe. Aber fangen wir lieber erst einmal mit einer leichten Farbbrühe an ;-)