Click: ~ Hossam Ramzy & Rafa El Tachuera – Al Quantara (The Bridge) ~
Inzwischen gibt es keine Worte mehr. Liebe, Ehre, Ehrlichkeit – und die Hure. Alles Wörter, einander wie angegossen, sich gleichend, kaum voneinander zu unterscheiden. Seife mich ein, damit ich endlich dreckig werde, die Sauberkeit muss von meiner Haut, sie ist so klebrig falsch. Dabei wollte ich nur in Deinen Lügen ertrinken und Dir die Füße waschen wie jeden Abend vor dem zu Bett gehen. Doch jemand hat mir ein Trugbild verpasst und gesagt, es würde Dich nicht geben – und ich gehorchte wie eine Dienerin, schloss die Augen und sagte Dir mit zusammengepressten Fäusten, dass es Dich nicht gibt. Die Wellen ritten auf mir wie die wilden Araber einst auf ihren Pferden, als sie unser schönes Land zertraten und all die goldene Weisheit unter einem einzigen Wort zermalmten. Das Feuer roch nach Menschenfleisch, doch wir lernten ihre Sprache sprechen, besser als sie selbst.
Worte, es gibt sie nicht mehr. Jedes Wort, jede Geste, jeder Tritt in dieses und jenes Gesicht ist soviel wert wie die edle Etiquette einer vereinsamten Prinzessin in ihren großen Ess-Sälen. Wir hatten auch einst eine Prinzessin, doch ihr Vater wurde vom Thron gestürzt von peitschenden Barbaren, die die weißen Brüste unserer Frauen liebten. Ihre Handspuren sind noch immer auf ihren Leichen zu finden. Sie floh aus Stolz und wurde dann doch geknechtet von ihnen – und lernte ihre Sprache, so wie wir.
Ich hatte Träume. Sie gingen in die Vergangenheit, scheiterten dort an ihrer Unwiederbringlichkeit – man bat mich, zu gehen und mein Leben zu leben. Und zwar hier und jetzt. Mein theatralischer Kampf gegen die schreienden Mauern meiner Gedanken wurden abgetan wie das Geschwafel eines Wahnsinnigen. Die Farben in schwarz-weiß waren mein zu Hause, toupierte Frauen, große, dunkle Augen, weiße, volle Schenkel in Plateau-Schuhen – und heute zeigt man mit dem Finger auf das Loch, in dem ich nicht einmal mehr wohnen darf, solange ich denken kann. Sie erzählen uns von der Errungenschaft, ein Mensch zu sein und kein Barbar mehr. Wir waren auch einst Menschen, da war ein Könnig, der einem antiken alten König die Erde küsste, unter der er begraben lag. Diesen nannten die alten Griechen einen Barbar, weil er seine Sklaven frei ließ und gebot, jeder Mensch müsse für seine Arbeit bezahlt werden.
Worte, es gibt sie nicht mehr. Die Heilige ist niederträchtiger als jede gutherzige Hure, die neben vielen ekligen Gestalten, denen sie dient auch den Einsamen eine Mutterbrust zum Einschlafen bietet. Hat ihnen jemals jemand gedankt? Dank – auch ich empfand einst Dankbarkeit, bis sie mich noch im Kindheitsschlaf auf dem Schoß meiner Eltern aus der Heimat gebombt haben. Deutsche, französische, Schweizer Bomben waren im regen Geldverkehr von hier nach Irak zu ihrem Einsatz gekommen, wir dienten ihren Versuchen, so sollte es sein. Auch bei uns hatte man einst Hoffnung auf Gerechtigkeit, doch jetzt sitzen die Opiumsüchtigen zahnlos in den Ecken meines Loches verstreut und schütteln hoffnungslos den Kopf.
Worte, es gibt sie nicht mehr. Wenn ich mich hingebe und Augenblicke auf einen Punkt in der Luft starre und beim Erwachen merke, dass mehr als eine Stunde vergangen ist, in der ich wort- und gedankenlos da saß, weiß ich, dass es keine Worte mehr gibt. Die Grenzen sind längst zersprungen, die Schönheit fängt an, zu stinken und die Maden, die sich an der verwesten Leiche begnügen, scheinen das einzig Standhafte in diesem Regelwerk zu sein, das sich Leben nennt.
Worte… Was können sie schon…


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Wow Sherry, Du bist echt der Wahnsinn! Ein geniales kleines Werk von Dir!
WOW !
Anspruchsvoll und voller Bilder.
Danke dafür !
Danke, Ihr Lieben. Ich dachte eigentlich, dieser Text würde bei jedem komplett daneben gehen, weil er nicht so einfach logisch gedacht wurde, sondern einfach draufgeklatscht ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken.
Ja, anspruchsvoll und sehr raffiniert sind die richtigen Bezeichnungen für diesen Text. Ich musste den Text zweimal lesen, um ihn richtig zu begreifen. Vielleicht war ich beim ersten Mal nicht aufmerksam genug.
Danke, Azizam…
PS: wegen gestern…
Du hast wieder mehr mit dem Kopf gelesen, aber beim zweiten Anlauf ging’s, nicht wahr? Leider muss man den Text mit der Musik lesen.
Danke für das Lied, Arashi… Es hat mich etwas frei lassen können.
danke für den text…

das lied ist heftig, hm?
Ja, Schatz. Ist es.
Ich will nicht einfach einen Kommentar hierher klatschen, ohne etwas Sinnvolles zu sagen, aber jetzt mache ich das trotzdem. Nur um eine Spur zu hinterlassen und um zu sagen, daß Dein Text auch eine Spur bei mir hinterlassen hat. Danke. Ich habe ihn auch mehrmals gelesen, er ist wie ein Lied.
Marguerite,
ich glaube, hättest Du auch nur einen Punkt gemacht, er wäre nicht sinnlos gewesen. Danke…
Als ich den Text las, hatte ich mich vorher weder dafür entschieden ihn mit dem Herzen noch mit Verstand zu lesen. Die Musik blieb auch aus.
Das erste und einzige woran ich die ganze Zeit als ich den Text las denken musste war: Wir haben den Iran an Allah und seine Reiter verloren aber dafür gibt es soviele andere Iraner die es geschafft haben: Die Deutschen, Skandinavier, Engländer, Österreicher, Holländer, Belgier, Franzosen, Italiener…
Absurd? Überhaupt nicht, eher die nackte Wahrheit. Diese Völker haben die selben Gene wie wir, sie sind Nachkommen der Iraner, wie wir auch. Sie haben die Welt erobert, die Zivilisation ja eigentlich alles was auf dieser Welt passiert ist ein Werk der iranischen Völker? Nationalismus? Überhaupt nicht, eher die nackte Wahrheit.
Es zeigt mir dass dieser potente Stamm kam, überall hin wanderte und die Welt gestaltete. Es ist nicht alles verloren, wir dürfen nur nicht den Fehler begehen und den Iran als etwas begrenztes ansehen. Nur ein Beispiel: Selbst die Deutsche Sprache ist eine alte Ableitung der Nieder-Iranischen und Hoch-Iranischen Sprache. Selbst der Name “Germane” kommt aus dem iranischen. Die Germani waren ein kleines persischen Volk wonach heute die “Kermanis” benannt sind. Die Sachsen sind die guten alten Sakas wonach heute noch die Provinzen “Semnan” und “Sistan” (früher Sakistan) benannt sind. Die Sachsen sind die selben Sakas also Parther.
Unsere Brüder in Europa haben nur das Glück gehabt lange Zeit von dominanten Religionen und insbesondere abrahamitischen Religionen verschont zu bleiben. Ihre Kämpfe und Kriege waren lange Zeit nicht wegen der Religion sondern um Land, Frauen, Beute und Ehre gewesen. Sie waren Frei als unter den Sassaniden Mazdakiden und Manichäer haufenweise abgeschlachtet wurden und das alles in Namen der Zentralreligion: Zarathustrainsmus. Die mörderische Theokratie betrat dieses Land während der Zeit der Sassaniden und hat seit dem die Menschen nie mehr in Frieden gelassen.
Der Iran, iranische Völker und der iranische Geist lebt, nur nicht mehr so recht im Iran.
Cheers
Das hört sich in meinen Ohren fast positiv an, Hormoz. Und die Dinge, die Du hier gesagt hast, wusste ich nicht. Warum zum Teufel weiß das niemand? Warum? Welche Bücher z.B. muss man gelesen haben, um diese Dinge zu wissen? Iranische? Mein Farsi ist nicht gut genug, um das tun zu können.
Irgendwie hörst Du Dich sogar so an, als würdest Du “Iran” vermissen. Ich kann mich mit den “europäischen Brüdern” aber einfach nicht identifizieren, Hormoz.
Auch nicht mit den Mullah-Iranern, aber mit den Iran-Iranern schon etwas mehr, als mit den Europäern. Ich fühle mich unwohl… Verdammt.
Nein, dazu brauchst du nichts auf persisch lesen. Wie in sovielen anderen Fällen ist das beste Infomaterial bei den Deutschen und vor allem Englischen und Russischen Philologen, Ethnologen und Archäologen zu finden.
Ich weiss nicht ich kann dir spontan einige englischsprachige Bücher nennen die mittlerweile fast nicht mehr zu finden sind. Die kannst du heute vielleicht nur noch in den alten Bibliotheken bekommen weil sie alle aus dem 19 Jahrhundert sind.
- The Breeches Bible, considered as the basis for Remarks, Critical and Philological on the English Language (1862)
Seiten: 173-178
- The New Cratylus or contributions towards a more accurate Knowledge of the Greek Language. By John William Donaldson
Seiten: 76-94
- The Fall of Rome and the raise of new Nationalities
By John G. Sheppard
Seiten: 117-121
Ich hab hier nur schnell 3 Bücher aufgezählt die ziemlich dick und sehr schwer zu finden sind. Ich habe die Seiten die ich hier erwähnt habe auch gescant und online gespeichert. Fallst du interesse daran hast, schick ich dir die Links.
Fühl dich nicht unwohl sondern als ein kleines, normales und unbedeutendes Teil des Ganzen.
Die Sache mit Iran-Iranern und den Europäischen Iranern ist eine einfache. Wir leben seit tausenden von Jahren voneinander entfernt. Auch wenn wir die gleichen Gene nie verlieren werden und dadurch bestimmte Verhaltensmerkmale sowie physische und einige andere Merkmale immer verblüffend ähnlich seien werden, gibt es 2 wichtige Sachen die Evolution und die damit verbundenen Anpassungsfähigkeit der Menschen heissen.
Die Natur und die geographischen gegebenheiten der Germanen haben ihr Verhalten geprägt genauso wie unsere Gegend (Iran) und gegeprägt hat. Leider begann unser Gegend ein durchzugsgebiet aller möglichen Völker zu werden und das hat sich in unserem Falle als nicht Vorteilhaft erwiesen.
Es hat uns nichts gutes gebracht ständig von Türkvölkern, Mongolen und Araber überrannt zu werden. Sie waren uns kulturell nicht ebenbürtig somit konnten wir nur verlieren.
Die Europäischen Iraner jedoch hatten das Glück von Türken, Mongolen und Araber weitestgehend verschont zu bleiben. Somit haben sich iranische Völker nur untereinander gemischt und nicht mit anderen sprachlich, genetisch, kulturell völlig fremden Menschen die dazu noch eher Wild und Primitiv als kulturell hochstehend waren. Dass das nicht passiert ist, scheint Ihnen (den Europäischen Iranern) augenscheinlich gut getan zu haben.
Ja, Hormoz. Auch darum ging es in diesem Beitrag “Worte”. Wie wir umgerannt worden sind von Völkern, die uns eigentlich deshalb besiegten, weil sie um sovieles primitiver waren. Das mag man als “Rassismus” empfinden, was ich hier sage, aber damit hat das überhaupt nichts zu tun. Dieses dämliche “politisch korrekte Reden” nervt mich sowieso. Immer alles entweder relativieren, pauschalisieren oder auf die Gleichheit der Kulturen pochen, nur um nichts Falsches zu sagen. Nein, verdammt, die Kulturen sind weder heute gleichwertig, noch waren sie es damals. Fertig.
Ich wäre dennoch nicht gerne wie die Europäer. Mir fehlt einiges an der europäischen Mentalität, was ich jetzt nicht direkt in Wort und Schrift umleiten kann. Die Bücher, woher hast Du sie denn, wenn sie so rar sind? … Falls Du die Seiten schon in gescannter Form hast, Hormoz, dann schick’ sie mir bitte. Aber falls Du sie erst extra scannen musst, würde ich Dich ungern in Umstände stürzen… (Außer, Du hast nichts dagegen
) – Meine Email-Adresse hast Du noch?
Ich fürchte ich hab deine Email nicht mehr oder ich weiss einfach nicht mehr wo ich danach suchen sollte. Vielleicht in meiner Messenger Liste?
Ist die Email-Adresse, die Du hier ausgefüllt hast, bevor Du Beiträge schreibst, noch aktuell? Dann schicke ich Dir dahin meine Email-Adresse.
Ja kannst du hinschicken