Ich war früher so gut darin, über die Liebe zu schreiben. Doch nun, da sie mir persönlich – seit fast 4 Jahren schon – in einer Form begegnet ist, wie ich sie unfassbar finde (obwohl sie nicht meinen pubertären Träumen von Liebe entspricht), kriege ich kein Wort heraus, das sich nicht vorher in abertausende, hoplrige Gedanken verlaufen hat und am Ende als Restprodukt eines Stotterschwarms meiner verwirrten Synapsen ausgespuckt worden ist. Mir fehlen jegliche Worte – und alle romantischen Assoziationen mit Rosen, Blüten, Felder, Sonne, Sterne kommen mir so ungeeignet und entwürdigend ausgelutscht und kitschig vor, dass ich sie schon zwanghaft vermeiden will.

Die Liebe in Kombination mit dem Menschen kann nichts Harmonisches sein. So sehr ich mir damals eine absolut harmonische Liebe gewünscht habe, so merke ich, um eine solche Harmonie mit dem Menschen als widersprüchliche und nuancenreiche Persönlichkeit vereinbaren zu können, muss entweder das Gefühl der Liebe weniger reißerisch und machtübernehmend sein oder die Persönlichkeit zumindest einer der Liebenden völlig flexibel, biegsam bis hin zu “wenig vorhanden” sein. Und doch sind das die schönsten Momente der Liebe: Wenn die Persönlichkeit gegenüber dieser Macht kapituliert und man sich einander einfach hingibt, als gäbe es keinen Morgen. Doch zwischen diesen paradiesischen Ruhestätten der Liebe flammt immer wieder ein erbitterter Kampf zwischen der Vorherrschaft zwischen Ego und Liebe – und in den meisten Fällen fusionieren sie, was dazu führt, dass die Liebe ihre Bedingungslosigkeit verliert und zum Mittel für das eigene Ego benutzt wird. So entstehen Eifersucht, Machtspielchen, Manipulationsversuche während der Beziehung; und natürlich Hass – bishin zu harmloseren und alltäglicheren Formen wie Trotz, Sturheit, eine berechenbare Anti-Haltung gegen alles, was der Liebste sagt (lalalalalala!) und alltäglicher, kleiner Stress.

Inzwischen ist das alles nur “Ego-Kram”, der mich sogar lächeln lässt. Ich gehe dann mit unser beider Ego so um wie mit einem trotzigen, egoistischen Kind und kann die Natur unserer Persönlichkeiten hinnehmen, ohne meiner Liebe zu ihm irgendeinen Abbruch zu tun.

Ich will einfach niewieder von Dir weichen, Baby. Und ich hoffe, dass es niemals soweit kommt, dass Dir diese Treue lästig wird. Aber nach all dem kann ich mir das einfach nicht vorstellen. Du bist mein bester Freund und der, bei dem ich immer weiß, dass er mein bestes will (das weiß ich sonst nur noch bei meiner Familie). Der, bei dem ich weiß, dass er bereit ist, für meine Unversehrtheit sein Leben zu geben (auch das kenne ich sonst nur von meiner Familie). Der, der mich liebt, obwohl er all meine Ausraster am eigenen Leib gespürt hat und der, der die übertriebenen Überhäufungen meiner Liebesüberflutungen alle in sich aufsaugen kann, weil sein Herz groß genug ist.

Ich hab’s tatsächlich ohne Rosen, Sterne und Sonne geschafft. Noch eine Sache will ich loswerden: All diese Dinge bekomme ich in diesem göttlichen Maße nur von meiner Familie und von ihm. All diese Dinge habe ich zumindest in kleineren Formen stets versucht, meinen Freunden zu geben mit dem Resultat, dass es zwar angenommen wurde (manchmal sogar dankend), aber nicht erwidert werden konnte. Ich möchte niemandem Vorwürfe deshalb machen, denn jeder darf so sein, wie er ist und jeder Mensch darf seine Prioritäten setzen, wie ihm beliebt und seine Loyalität und Liebe “rationieren”, wie es am Besten zu seinem Lebenskonzept passt – aber eines steht für mich fest: Die Freundschaft wird überbewertet, zumindest wurde sie es einst von mir, da ich Freunde zur Familie machen wollte. Und da ich das nun weiß, bin ich mir sicher, dass sich in Zukunft wunderbare Freundschaften entwickeln werden und die Alten weiterhin aufrechterhalten werden, einfach aufgrund des Umstandes, dass meine Erwartungshaltung sich geändert hat. (Die, die ich habe, bedeuten mir nämlich viel)

So, ich geh’ jetzt weiter die Wohnung putzen und Zukunftspläne schmieden und sämtliche Auswanderungsoptionen durchrechnen. Danke für’s Zuhören. Achso: Die beiden Bilder hier sind nichts Besonderes, aber irgendwie mag ich sie: