Es ist so dunkel hier. Der Sturm fletscht seine Zähne gegen die Zeit – und die vorhin noch großen Bäume biegen sich wie nach einer Invasion zu einer erzwungenen Verbeugung, um in dieser dunklen, drohenden Gebärde des Windes nicht ihr Leben lassen zu müssen.

Blätter peitschen gegen mich, vorhin erbarmungslos vom Körper der verbeugenden Häupter abgerissen. Ich ertappe mich dabei, wie ich mir vorstelle, wie es wohl wäre, eines dieser grünen Giganten auf die Knie fallen zu sehen, entwurzelt, enthauptet, gedemütigt auf mich stürzend – und mich mit in den gestampften Boden reißend.

“Das Leben ist nur ein Spiel” – immer wieder erwische ich mich bei diesem Gedanken. Er gibt mir Ruhe. Das Leben nicht allzu ernst zu nehmen, obwohl es greifbar alles ist, was wir haben, verleiht dieser Gedanke einem kurz – wirklich nur kurz – die Möglichkeit, in nie dagewesener Leichtigkeit durchzuatmen.

Ich wünschte, auch mich würde der Sturm jetzt in die Knie zwingen, ich würde nicht sicher auf dem Balkon stehen und wieder zurück in mein Gefängnis können, das man in der Zivilisation “Wohnung” nennt. Wie gerne würde ich mich mitten in diesem naturgewaltigen Schauspiel als unwichtiges Element fühlen, dessen Existenz innerhalb eines Augenblickes ein Ende gesetzt werden kann. Wie nichtig, wie irrelevant mir all meine kleinen Sorgen vorkommen würden. So nichtssagend, so abseits und farblos, dass ich endlich wüsste, was Freiheit ist…

Freiheit ist nicht, alles zu haben und alles zu können. Freiheit ist, sich von sich selbst zu befreien. Freiheit ist die völlige Enteignung seiner Selbst in einem Moment der Erkenntnis, die Dir sagt, dass Du so vorübergehend bist wie ein unwichtiger Gedanke an einem Tag voll von nebulöser Langeweile…