Die Menschen hier leben in kleinen, altmodischen Häusern, die einem Großstadtkind viel zu eng vorkommen, viel zu “lachhaft” vorkommen, obwohl es selber nicht merkt, dass die städtische Menschenstaplerei neben- und übereinander ihm viel größere Sorgen und Platzangst verschaffen sollte. Die Menschen hier grüßen einander, einfachso. Sie lächeln dabei. Das Großstadtkind schaut argwöhnisch und misstrauisch um sich, um auch wirklich sicher zu gehen, dass es sich dabei nicht um eine nette Geste eines überfreundlichen Psychopathen handelt, der im Keller einige Leichen versteckt hat und nach einer Neuen – dem Großstadtkind – Ausschau hält. Die Tiere sind hier anders – die Insekten größer. Die äußere Bedrohung scheint angesichts dieses ökologischen Zusammenspiels viel mehr Adrenalin und Angstschweiß zu erzeugen als der tägliche Smog und die hupenden, wildgewordenen Autos, dem das Großstadtkind täglich begegnet und in seine Lunge atmet. Das sich dort festsetzt, die DNA in den Zellen zerstört und irgendwann zu Tumore mutieren lässt. Das Großstadtkind muss sich an all das gewöhnen… Seine Füße baumeln im See, doch es schaut sich um, dass keine Libelle es im Sturzflug angreift. (Dabei hat es dort gar keine entdeckt)

Und dann, doch sehr unverhofft nach all den anstrengenden Eindrücken, das ein Großstadtkind zu verarbeiten hat, entdeckt es eine Szene voller Ruhe. Alte Menschen sitzen auf einer Bank mit der Aussicht auf den größten See in diesem Land – und dies mit einer heiteren Gelassenheit, die ein alter Mensch in der Großstadt vor lauter Existenzangst und tagtäglichen Demütigungen, die man ihm zufügt, indem man ihm einredet, er sei eine Belastung für diese schnelle, großstädtische, industrielle Gesellschaft gleich, was er alles in seiner Jugend geleistet hat – gar nicht kennen kann. Sie unterhalten sich angeregt, voll mit ausschweifenden Gesten, gar nicht in sich gekrümmt, still, steif und nachdenklich – sondern stolz auf das Leben, das sie hatten. Ein Leben außerhalb der Großstadt. Anscheinend ist das gar nicht so schlecht…

Das Großstadtkind lächelt.