Archiv für Juni, 2008
14.06.2008, 01:57
~ Schau her ~

Schau’ her, mein Herz -
bitte schau’ mich an.
Ich bin da, hier -
vor Dir -
vollkommen hier.

Ich geh’ nicht weg,
war nie weg -
hab’ keine Angst,
fass’ meine Hand -
fass’ sie hier -
sie hält Dich fest -
vollkommen hier.

Mein Verstand ist begrenzt, mein Herz -
und meine Seele in meiner Brust
in all den Naturgesetzen des Lebens verfangen,
ich kann nicht alles fühlen, wie Du, mein Herz…

Doch manchmal, wenn Du brüllst
und Deine Faust auf Deine bebende Brust
niederfällt,
beben Knochen und Fleisch in mir
und wollen sich
wie Du Dich und Dein Leben
in alle Stücke zerlegen
und mit Dir endlich vergehen…

Schau’ her, mein Herz -
bitte schau’ mich an.
Ich bin da, hier -
vor Dir -
vollkommen hier.

Ich geh’ nicht weg,
war nie weg,
hab’ keine Angst,
fass’ meine Hand -
fass’ sie hier -
sie hält Dich fest -
vollkommen hier.

Meine Schreckensgedanken sind begrenzt, mein Herz -
und meine Leidensfähigkeit nur die eines Mannes,
ich kann nicht alles sehen, wie Du, mein Herz -

Doch manchmal,
wenn Du nichts mehr kannst,
außer atemlos zu schweigen,
und die Last Deiner eigenen Albgedanken,
Dir die Kehle immer enger, immer enger schneiden,
dann nimm’ dieses Messer und zerfleisch mich
an der selben Stelle,
an der es Dir schmerzt,
damit ich wie Du
all die toten Träume zu Grabe trage…

Schau’ her, mein Herz -
bitte schau’ mich an
Ich bin da, hier -
vor Dir – vollkommen hier.

Vollkommen bei Dir…
Schau’ nur her…
Schau’ nur her -
Und niewieder weg.

______________________
Für meine drei Helden
Sherry

12.06.2008, 16:45
Wenn es kalt ist…

Es ist grau. Es ist nass. Es ist kühl – und ich fühl’ mich wohl. Oft wurde ich schon gefragt, warum ich die Kälte manchmal der Wärme vorziehe – doch damals wusste ich keine Antwort darauf. Aber irgendwann begann ich, die Wirkung der Kälte auf mein Innenleben zu beobachten – und ich hatte die Antwort: Die Kälte beruhigt meinen inneren, oft sehr feuergeladenen Aufruhr. Sie ist wie eine kühlende Hand auf einer pochenden Wunde, die dann zur Ruhe kommt und endlich heilen kann. Manchmal ist die Kälte auch einfach nur ein Gegenpol zu meiner sehr warmen und sprudelnden Natur, die von einer Gefühlswelle, in den nächsten Wasserfall fällt, von dort aus irrational in die Höhe schießt und wo ganz anders landet und sich mit Unvereinbarem vereint. Die Kälte beruhigt meine multiparallelen- und polaren emotionalen Existenzen und gibt mir eine wenn auch nicht einheitliche, so dann doch harmonische und weniger widerspruchsschwangere Seelenfarbe, damit ich endlich wieder dem Ein- und Ausatmen nachkommen kann. Denn meistens bin ich rastlos.

Der klirrende Winter in seiner reinsten Form hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Wenn ich beim Einatmen der kalten Luft fast Schmerzen empfinde und alle Bewegungen und radikalen Revolten in mir fast wie geschockt in der Kälte erstarren, fühle ich mich kurz befreit, fast gereinigt. Ich kann plötzlich wieder eine “Kontur” entdecken, die mir sagt: Das bist Du. Das macht Dich aus. – Was viele nämlich nicht wissen ist, dass ich mich im Gegensatz der gängigen Meinung, ich habe eine sehr “starke” Persönlichkeit, als sehr “identitätsschwach” empfinde. Identitätsschwach insofern, dass ich keine klaren Strukturen in mir entdecke, die mein Persönlichkeitsgerüst darstellen – und wenn, dann ist alles so erdrückend “vielseitig”, “vielschichtig”, “chaotisch-nunanciert” und bis ins Unerkenntliche verworren, dass mir eine kontinuierliche Silhouette mit Wiedererkennungswert zu fehlen scheint. (Nach eigenem Empfinden)

In den letzten Monaten bin ich – mit einigen Ausnahmen – mein einziger Gesprächspartner, weil ich mich durch Worte nicht ausdrücken kann. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ich mich selber hören kann. Und die Kälte ist es, die mit ihrer alles-anhaltenden Wirkung den Lärm in meiner Seele zum Versiegen bringt und der Dialog mit meiner inneren Stimme – wenn auch nur kurz – weitergehen kann…

11.06.2008, 18:52
Alina & Cic
08.06.2008, 00:54
Red Corner
05.06.2008, 12:48
Geschützt: Juni…

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