Archiv für Juni, 2008
12.06.2008, 16:45
Wenn es kalt ist…

Es ist grau. Es ist nass. Es ist kühl – und ich fühl’ mich wohl. Oft wurde ich schon gefragt, warum ich die Kälte manchmal der Wärme vorziehe – doch damals wusste ich keine Antwort darauf. Aber irgendwann begann ich, die Wirkung der Kälte auf mein Innenleben zu beobachten – und ich hatte die Antwort: Die Kälte beruhigt meinen inneren, oft sehr feuergeladenen Aufruhr. Sie ist wie eine kühlende Hand auf einer pochenden Wunde, die dann zur Ruhe kommt und endlich heilen kann. Manchmal ist die Kälte auch einfach nur ein Gegenpol zu meiner sehr warmen und sprudelnden Natur, die von einer Gefühlswelle, in den nächsten Wasserfall fällt, von dort aus irrational in die Höhe schießt und wo ganz anders landet und sich mit Unvereinbarem vereint. Die Kälte beruhigt meine multiparallelen- und polaren emotionalen Existenzen und gibt mir eine wenn auch nicht einheitliche, so dann doch harmonische und weniger widerspruchsschwangere Seelenfarbe, damit ich endlich wieder dem Ein- und Ausatmen nachkommen kann. Denn meistens bin ich rastlos.

Der klirrende Winter in seiner reinsten Form hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Wenn ich beim Einatmen der kalten Luft fast Schmerzen empfinde und alle Bewegungen und radikalen Revolten in mir fast wie geschockt in der Kälte erstarren, fühle ich mich kurz befreit, fast gereinigt. Ich kann plötzlich wieder eine “Kontur” entdecken, die mir sagt: Das bist Du. Das macht Dich aus. – Was viele nämlich nicht wissen ist, dass ich mich im Gegensatz der gängigen Meinung, ich habe eine sehr “starke” Persönlichkeit, als sehr “identitätsschwach” empfinde. Identitätsschwach insofern, dass ich keine klaren Strukturen in mir entdecke, die mein Persönlichkeitsgerüst darstellen – und wenn, dann ist alles so erdrückend “vielseitig”, “vielschichtig”, “chaotisch-nunanciert” und bis ins Unerkenntliche verworren, dass mir eine kontinuierliche Silhouette mit Wiedererkennungswert zu fehlen scheint. (Nach eigenem Empfinden)

In den letzten Monaten bin ich – mit einigen Ausnahmen – mein einziger Gesprächspartner, weil ich mich durch Worte nicht ausdrücken kann. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ich mich selber hören kann. Und die Kälte ist es, die mit ihrer alles-anhaltenden Wirkung den Lärm in meiner Seele zum Versiegen bringt und der Dialog mit meiner inneren Stimme – wenn auch nur kurz – weitergehen kann…

11.06.2008, 18:52
Alina & Cic
08.06.2008, 00:54
Red Corner
05.06.2008, 12:48
Geschützt: Juni…

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04.06.2008, 15:58
Albträume

Ich gehöre zu dem Typ Mensch, der nicht oft wirklich schlimme Albträume hat – und wenn, dann sehr selten, aber dafür träume ich sehr chaotisch. Da sind auch Gefühle wie Angst, Schrecken, Verlust mit drin, aber selten in Form eines Massackers gegen die eigene Familie. (Gott sei Dank, sonst wäre es echt aus mit meinem Alltag, weil Träume bei mir sehr nachhaltig sind, zumal die Bildgewalt bei mir oft enorm ist und zum anderen, weil ich mich sehr detailliert an sie erinnere.)

Manchmal werde ich verfolgt von irgendwelchen sehr bissigen Tieren, die sich in meine Hand bohren und festbeißen – und egal, was ich dann tu’, ich kann sie nicht loswerden. Sie beißen sich fest, aggressiv, bösartig und mit wahnsinnigen Augen, die sich drehen, verrückt spielen und eine schreckliche Ahnung darüber zulassen, was im Gehirn dieses Tieres da gerade von Statten geht.

Einmal, das war ganz besonders eklig, biss sich so ein Tier in meine Hand – irgendeine Symbiose zwischen aggressivem Kanninchen und Säbelzahntiger sollte das darstellen. Je mehr ich an ihm zerrte, desto heftiger biss es sich rein und verfing sich bösartig in mein Fleisch und – so wie es sich anhörte – auch in meinen Knochen. Plötzlich kam irgendein Mensch, der es “gut” mit mir meinte und wollte das Tier, das an mir hing, einfach töten, damit sich irgendwann während seines Ablebens sein kräftiger Kiefer löste und das Tier von mir abfiel. Das schreckliche Ergebnis endete in einem Horrorszenario: Der gute Mann hatte das Tier geköpft, doch es hing wie einem irrsinnigen Höllenwahn verfallen weiter an meiner Hand, seine Augen und Nerven zuckten jetzt noch viel widerlicher als vorher, sein abgetrennter Körper trat wie wild um sich und seine Zähne bohrten sich noch viel tiefer und gewebezerfetzender in meinen Unterarm. Es machte ganz komische, quietschige Laute, es schrie und biss weiter zuckte und hampelte weiter, bis ich seinen Kopf anfasste und anfing, es zu streicheln (auf die Idee muss man unter solchen heftigen im Traum gefühlten Schmerzen erst einmal kommen).

Das Streicheln beruhige das Tier tatsächlich und es schloss die Augen und konnte sterben. Die letzte eklige Szene wurde mir leider nicht erspart: Der Kopf fiel zu Boden und platzte. Die Augen kugelten aus der Skeletthöhle raus und schauten wieder irrsinnig durch die Gegend – das eine nach oben, das andere nach rechts.

Im Traum kam mir das aber gar nicht so schlimm vor. Ich war erleichtert, dass alles vorbei war. Meine Hand war auch noch dran und gar nicht blutig, alles war in Ordnung. Dann wachte ich auf – wenn Ihr mich fragt, ca. ‘ne halbe Stunde zu spät.

Dieser Traum ist jetzt ewig her. Und ich schreibe diesen Beitrag auch eigentlich nur deshalb, weil ich letzte Nacht wieder etwas wirklich Widerliches geträumt habe, das ich aber jetzt nicht hierein schreibe. Diesmal war ich aber zum Glück nicht das Opfer – niemand war im Grunde das Opfer, außer das “Wesen” selbst. Es war so eklig, aber auch mitleiderregend anzusehen… Das muss ich erstmal verdauen. Vielleicht schreib’ ich’s dann irgendwann auf.

Aber ich wette, nach dieser kleinen Vorstellung wollt Ihr gar nichts mehr hören. Haha.

03.06.2008, 01:45
Nach Hause

Der Regen hatte aufgehört, gegen die Ladenfenster zu schlagen und rann an ihrer Glätte runter und seufzte in den Schlaf. Es war nass-kalt, ein Wetter, wie es unangenehmer hätte nicht sein können. Die Straßen waren leer, zumindest hatten sich die Passanten nach Hause retten müssen, weil die Läden schon längst geschlossen hatten. Mittelgroße Hagelstücke lagen reglos auf dem Boden. Vorhin noch wütend und stark in ihrer Einheit gegen die Welt, lagen sie müde da, seufzend, wie ihre Geschwister Regenguss und Peitschenwind.

Nur sie war nicht nach Hause gegangen und stand dort an der surrenden Straßenlaterne, die gleich nach dem nächsten Windstoß auszugehen drohte. Ein paar Autos fuhren unberührt von Nässe und Kälte vorbei und alle würden sie ein zu Hause finden. “Wie jeder in dieser gottverdammten Stadt”, dachte sie und versuchte sich am flackernden Licht der Straßenlaterne zu wärmen.

Regungs- und emotionslos schaute sie den Lichtern auf der Straße nach. Die Richtung, in der die Autos fuhren, fand sie interessant. Sie riet ihren Ziel und die Wohnanlagen und Häuser, in denen sie wohl leben würden. Wer würde ihnen die Tür öffnen, wenn sie klingelten? Die Frau? Der kleine Sohn? Würde der Hund freudig an der Tür bellen und kratzen und sein Herrchen erwarten? – Auch sie wollte nach Hause, nach Hause in irgendein kleines, enges Zimmerchen, in dem irgendwer auf sie wartete – egal wer, Hauptsache jemand, der ihr half, die nassen, kalten Schuhe auszuziehen und sie im Bett wärmte. Irgendwer, dessen Leben wie zerstört wäre, würde sie eines Tages nicht nach Hause kommen. Doch diese Person gab es nicht, deshalb ging sie nicht in ihr kleines Zimmer. Weiterlesen… »