Es ist eine schöne Erkenntnis des Lebens, auf die altbewährte, alle Mädchen seufzen lassende Romantik nicht nur verzichten zu können, sondern sie wohlig abstreifen zu wollen, nachdem man die Alltagsromantik kennengelernt hat.

Wir seufzten und jauchzten bei roten Rosen, Kerzenlicht und groß-wortiger Poesie – weißen Hochzeitskleidern und dem anstandslosen Edelmut eines Prinzen; doch die “Realität” machte mir diesmal keinen Strich durch die Rechnung, sondern ließ mich all das beiseitelegen, was uns Hollywood beibrachte.

Was ist nun ‘Alltagsromantik? Morgens leise, aber minutenlang geküsst und gestreichelt zu werden – ganz heimlich und in der Hoffnung, die Liebste wacht dabei nicht auf und kriegt dennoch den Fluss an Zärtlichkeit ab, mit der man sie zum Aufblühen und Glücklichsein begießen will. Beim ersten Biss am Essenstisch kurz und fast geschockt innehalten und die Liebste ungläubig anschauen, weil man(n) nicht fassen kann, wie etwas so gut schmecken kann. Auf ein “Ich liebe Dich” mit dem Fall in die Tiefe der eigenen Gedanken zu antworten und dann nach langem Überlegen zu sagen: “Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll, was dem würdig wäre, was Du mir gerade gesagt hast…” Nicht an einem vorbeigehen können, ohne ihn/sie auf irgendeiner Weise berührt zu haben – ganz wortlos. Beim Autofahren die Hand der Liebsten nehmen, immer dann, wenn man die Kupplung auf langen Autobahnfahrten nicht mehr braucht. Die Handtasche der Liebsten halten – egal, wie idiotisch Man(n) dabei auch aussehen mag – damit sie alle Hände frei hat, um mit ihren Freundinnen rumhüpfen kann…

Ich habe soviele andere Beispiele. Beispiele von “Alltagsromantik” von einem Mann, der tatsächlich nur wenig Sinn für die “Klischeeromantik” hat. Und wisst Ihr was? Ich bin verdammt froh darüber. Klischeeromantiker mit ihren gegoogleten Gedichten und dem Zimmer voll von Kerzen, die die Frau am Ende mit Wachs auf dem Teppich belohnt bekommt, wären damals schön gewesen, doch heute, da die Realität sich wenigstens in diesem Fall als viel schöner entblättert hat, als im Ideal, will ich nichts anderes als die Realität – und nicht das Ideal.

Meine Dada hat gestern geheiratet. Gestern standesamtlich – und heute wird’s die große Feier geben. Ich hätte nie gedacht, dass ich dabei tatsächlich sentimental werden würde. Ich fand’s immer kindisch, auf Hochzeiten zu weinen. Aber als ich als Trauzeugin neben ihr saß und sie “Ja” sagte, passierte es leider doch. Aber ich weiß nicht, warum.

Dada. Sie beobachtete Pepe und mich sehr oft und meinte prompt: “Er ist so romantisch…” – Wirklich niemandem wäre das aufgefallen. Jedem fällt auf, dass er mich sehr liebt. Aber romantisch? Nicht im populistischen Sinne. Niemand käme bei ihm auf “romantisch”, pathetisch, poetisch. Aber Dada sieht halt mehr. Sie sieht das Wesentliche. Wie immer.